Ruhrgebiet: The End of the Kreativdingsbums Swindle

Bernd Fesel, ECCE: Überflüssig, vergessen, aber gut bezahlt.

Kreativwirtschaft? Ein Hohlwort, das man im Ruhrgebiet schon länger  nicht mehr gehört hat. Und daran wird sich so bald auch nichts ändern. Der Hype ist vorbei.

Schon vor ein paar Wochen kam der Wirtschaftsbericht Ruhr heraus. In ihm haben die Wirtschaftsförderer der Region in der üblichen Strukturwandelprosa beschrieben, wo es mit dem Ruhrgebiet in Zukunft wirtschaftlich hingehen soll:

Die Ausrichtung der Geschäftsstrategie auf Megatrends ist spätestens seit 2009 nicht nur bei Konzernen wie Siemens, Bayer, Haniel, Hochtief, Evonik und ThyssenKrupp zu finden. Eine breite Zahl von mittelständischen und eigenntümergeführten Unternehmen hat die Kundennähe, Trendanalyse und Marktdiversifizierung zum Mittelpunkt der eigenen Innovationsbestrebungen gemacht.

Und was sind die neuen Leitmärkte? Glaubt man dem Bericht: Bildung & Wissen,  Freizeit & Event, das industrielle Comeback der Ruhrwirtschaft, Gesundheit,  Bauen & Wohnen, Mobilität, Nachhaltiger Konsum, Digitale Kommunikation und Ressourceneffizienz. Ein weing merkt man da schon die Ausrichtung der kommenden Förderperiode der Europäischen Union. Wer in den nächsten Jahren Fördermilliarden kassieren will, gibt sich, wenn ihm nichts besseres einfällt, grün.

Was aber fehlt die ist die Kreativwirtschaft. Im ganzen Bericht wird sie nicht einmal erwähnt – noch nicht einmal als Querschnittsbranche. Sogar das Wort sucht man vergebens. Der Hype ist vorbei. Die ECCE-Schnorrer sind erst einmal versorgt, was sie tun interessiert so wenig wie das, was auf dem 2010lab passiert. Ist das gut? Nein, denn es zeigt dass das Ruhrgebiet nur Trends hinterherläuft, nur versucht Fördermittel abzugreifen und kaum in der Lage ist, sich mit Themen ernsthaft und langfristig auseinander zu setzen. Aber  das ist nicht neu – und es sieht nicht so aus, als ob sich das in Zukunft ändern. Kreativwirtschaft heißt jetzt Nachhaltigkeit. Oder wie man beim Wiener Opernball sagen würde: “Oalles Öko!” Aber keine Sorge, ist nicht ernstgemeint.

21 Kommentare

Also ich höre überall noch das “Kulturwirtschafts”-Palaver, nur weiterhin ohne Definition, was das genau sein soll und wie da solide Arbeitsplätze draus werden sollen.

Aber was mich viel mehr interessieren würde: Was ist eigentlich dies lab2010? Da gibt es eine Homepage, die mehr Rätsel nach dem Sinn der Seite aufgibt, als sie löst … Gab es dafür irgendwann mal eine klare Zielvorgabe? Was soll diese Seite bringen?

Wer will, kann sich ja die blühenden “Kreativquartiere” im Ruhrgebiet anschauen 😉 und sich an den Aktivitäten rund um die “kreative Klasse” erfreuen 😉

Und “green washing” scheint ja ein Mega-Thema der Zukunft zu werden.

Links anne Ruhr (09.02.2012)…

Bochum: Gerüchte um Werk-Schließung: Neuer Kampf um Opel Bochum (RP ONLINE) – Siehe auch: Betriebsrats-Chef Einenkel findet Schließungsgerüchte zu Opel Bochum unverantwortlich. Duisburg (Loveparade 2010): Digitale Tortenw……

Das größte Kreativquartier mit Beteiligung von Ruhrgebietsmenschen liegt mittlerweile in Berlin. Nach den Schwaben kommt die zweitgrößte Immigranten-Gruppe da aus dem
Pott.

@David Schraven: Cool. Hinter ECCE steckt also die Berliner Wirtschaftsförderung? Das erklärt ja einiges 🙂

Interessante Argumentation: Weil die Kreativwirtschaft (unter dem Namen) in dem Bericht nicht vorkommt gibt es sie auch nicht. Und weil es sie gar nicht gibt, ist ECCE, Lab, Kreativquartiertförderung, Vernetzung von Kreativakteuren (über Quartiersmanagment und mit Akteuren aus anderen Städten) ALLES scheisse und überflüssig.

Mit der Denkweise wäre die Nichterwähnung von Dingen der Beleg, dass es sie nicht gibt. Kreativwirtschaft ist in zuvielen Mündern und zu sehr als Allheilmittel für darbende Stadtteile besungen worden. Aber dass es das nicht GIBT ist geaquirlter Schwachsinn: Architekten, Designer, T-Shirt Bemaler, Taschenhersteller, Maler, Fotografen, Autoren, Werberfrizzen, Buchhandel, Graphiker – die gibt es alle nicht im Ruhrgebiet?

Oder kann es sein, dass hier einer zum einen nicht mag, Dinge wie Kunst&Kreativität unter Verwertungslogik (=Wirtschaft) zu betrachten und darüber hinaus abkotzt, weil Leute Geld damit verdienen, dass Sie Kreative, Kreativwirtschaft, Kunst, Ruhr-Kultur sichtbar machen (LAB / ECCE)…(im übrigen ja auch Autoren dieser Webseite, die im Bericht auch nicht erwähnt wurde, also irrelevant ist… oder hab ich was falsch verstanden.

Komm mal runter von deinem hohen Pony Herr Laurin

@christian: ich habe nicht geschrieben, dass es keine Kreativwirtschaft gibt – nur dass der Hype vorbei ist. Und das ECCE und das Lab einfach nur Geldverschwendung ist, ist ja offensichtlich. Mit der wirtschaftlichen Verwertung habe ich natürlich kein Problem – ich verdiene ja mein Geld in dieser Branche. Mein Problem habe ich mit Parasiten, die für die Kreativen nichts tun, aber Geld abzocken – dafür steht ECCE.

@Ponyreiter: Wieso ist das offensichtlich? Branchenvernetzung, Konferenzen und Geldeinsammeln für Projekte und dazu eine Webseite, die allemöglichen kulturellen Themen publiziert, Interviews mit Moven und Shakern aus derm Pott, Ausstellungsbesprechungen, Theater, Symposien und Konferenzen und wat nich noch alle (wenn auch etwas unübersichtlich und unstrukturiert) erläutert – und das ALLES aus und im Ruhrgebiet, warum soll das überflüssig sein?

Und nochmals: Ist doch verlogen von Ihnen, wenn Autoren, die auch hier schreiben, sich so’n Mist andauern anhören müssen, weil sie im Lab/mit ECCE ein paar Kröten verdienen.

@christian: ich verdien mein Geld nicht bei ECCE und ich kenn nur einen Autor von uns der das, in sehr geringem Umfang tut. Das Problem ist nicht dass es eine Seite wir das Lab gibt, das Problem ist, dass sie mit 600.000 Euro vom Steuerzahler bezahlt wird. Warum? Es ist nicht die Aufgabe des Staates Medien zu finanzieren. Und nein, wir sind nicht neidisch. Vor ein paar Wochen habe ich auf einer Veranstaltung der LfM gesagt, dass wir kein Geld wollen und uns selbst finanzieren. Nochmal zu ECCE: Die meisten Konferenzen sind Quatsch – da treffen Fesels auf Fesels. DAvon hat niemand was. Und Medien die über Kultur berichten gibt es im Ruhrgebiet viele: RN, WAZ, Coolobri, Heinz, Trailer, Prinz, BSZ, Ruhrbarone, Pottblog, Revierpassagen, Pottspotting und viele mehr. Wozu 600.000 Euro für das Lab? Das Geld kann man a. sparen oder b. an Initiativen geben: Rottstr5Theater, DU it Yourself, Freiraum etc.

Na, sind ja wohl eher 3. Aber geschenkt. Ist ja nicht deren Problem, Ihr Problem mit ECCE/Gorny/Fesel.

Konferenzen sind quatsch. Ja, sagen sie das dann auch dem Wissenschaftsbetrieb, der ja auch steuerfinanziert ist zu 100%? Den Punkt, dass der Staat keine Medien finanzieren soll, geb ich Ihnen gern.
Allerdings ist das LAB ja deutlichst eine Mischkalkulation aus Presse/RegionalPR und Kontaktforum für europäische Städte. Oder braucht das auch kein Mensch, Vernetzung aus dem lokalpatriotisch-Nabelschauverliebten Ruhrpott raus?

Und den Kulturteil von Prinz, Heinz und Trailer können sie getrost vergessen. Das sind anzeigenfinanzierte Terminmagazine mit minimal interessanter Berichterstattung. Der Pottblog ist ein Privatmann sagt der Welt, was er denkt, Pott-Spotting eine tolle Trüffelschwein Seite über Ruhgebietsorte (die seit einer ganzen Weile stillliegt), BSZ ist, was es ist (Studizeitung).
Einzig Revierpassagen, Ruhrbarone und seit jüngerer Zeit redaktionell auch der Coolibri bilden Ruhrkultur breiter ab. RN können wir vergessen. Und die WAZ als (fast) Monopolist, stellt für mich eigentlich immer mehr ein Problem da im Ruhrgebiet.

Was also ist so schlimm an einer weiteren, inhaltlich breiten, jeden Tag gefüllten, mal abseitig, mal mainstreamigen Forum wie dem Lab? Aber vielleicht ist dieses Genörgel auch einfach Ausdruck einer ganz speziellen Ruhrgebiets Mentalität, die ich als Zugereister hier noch nie verstanden habe.

@christian: Es ist einer. Die drei anderen schreiben hier schon lange nix mehr. Zwischen Wichtigtuertreffen, wie Fesel sie organisiert und wissenschaftlichen Konferenzen sehe ich schon einen Unterschied. bei den einen geht es darum, Wege zu finden sich durchzuschnorren, bei den anderen um Austausch und Erkenntnis. Das Lab als PR-Schleuder? Dabke, hab ich immer so gesehen, aber Gorny tat ja so, als ob es sich um hochwertigen Journalismus handelt. Endlich wird es mal ehrlich. Wenn es aber PR ist, muss sich das Lab am Erfolg messen lassen: Welche Themen wurden platziert, wie ist die Resonanz in anderen Medien? Wie viele Kontakte bekomme ich durch die Berichterstattung? Ist die Lab-PR günstiger als andere Kommunikationswege? Fragen über Fragen. Aber wer 600.000 Euro für PR bekommt muss sie sich gefallen lassen. Und was an dem Medium schlimm ist? Nichts – nur dass es aus Steuern finanziert wird. Und die kann man meiner Ansicht nach sinnvoller ausgeben. Nicht für Medien – die haben sich gefälligst selbst zu finanzieren. Und zu meiner Kritik: Mit nörgeln hat das nichts zu tun, eher mit ordnungspolitischen Vorstellungen. Und da sind meine nun gar nicht üblich für das Ruhrgebiet.

Wenn Sie PR sagen klingt das nach Hütchenspielerei. Schauen Sie bitte mal in die Etas SÄMTLICHER Landes- und Bundesministerien. Da werden jedes Jahr viele Millionen für Kampagnen ausgegeben: Letztlich Werbung für politische Agenden, eine Region, eine neue Schulform, Teilhabe, Integration, Berufsausbildung was weiß ich. Das Lab scheint ein Medium zu sein, das eine Region kulturell abbildet und mit anderen Regionen verknüpft. Und das ganze nicht einmal mit einer Konferenz, oder Plakaten oder einer Konferenz zum Thema Lehrstellen o.ä. wie bei den PR Etats von Ministerien oder Städten üblich, sondern journalistisch und offenbar recht kompetent und in jedem Fall breit und beharrlich.

Dieses Bund der Steuerzahler Ereiffere scheint mir auch angesichts von 600.000 Euro (was nicht wenig, aber ganz sicher nicht viel ist im Verhältnis) etwas übertrieben. Und wenn man sich hier durch Ihre Texte für die Ruhrbarone liest, kann man schon den Eindruck bekommen, dass sie einen eigenartig motivieren ECCE-Gorny-Fesel-Hass pflegen, der jenseits von argumentativen Erwägungen sich bewegt. Aber sei`s drum. Passen sie ruhig weiter auf. Kritik muss jeder vertragen können – so lang sie sachlich ist, sollte ich vielleicht noch nachschieben.

@christian: Bleibt die Frage nach dem Erfolg: Welche Themen wurden gesetzt? Wie ist die Resonanz? oder ist das alles doch nur eine Beschäftigungstherapie unter Ausschluss der Öffentlichkeit? Den Resonanz, z.B. in Form von Kommentaren sehe ich auf der Lab-Seite eher nicht.

Beschäftigungstherapie ist ja ein Instrument, um Patienten Selbstbewusstsein, Stuktur und das Gefühl zu geben, etwas zu schaffen und über die Arbeit wieder Kommunikation zu ermöglichen.
Fürs Langeweile vertreiben sind 600 Tsd zu viel – für den Patien Ruhrgebiet (Strukturwandel blalblabla) Strukturen, Orte und Figuren zu zeigen und Kultur ins Gespräch zu bringen, die Region in Kontext zu bringen mit anderen Städten oder Regionen ist das nicht zu viel – egal ob man es als PR oder als steuerfinanzierten Journalismus/Webseitenbetrieb bezeichnet.

Kommentare find ich eh überschätzt. Meist lassen sich entweder Wirrköpfe oder die immergleichen 10 auf einer Webseite aus. Ist hier ja auch nicht soooo anders 😉

@ #11 | christian

Mich stört an labTV Dingenskirchen, dass ich nicht erkenne was die Seite soll als Besucher der Seite und ich mich da nicht zurechtfinde und die Seite bei meine Besuchen mehr Fragezeichen produziert hat, als mir Input gegeben hat. Auf mich hat die gewirkt wie eine “Mach mal was zu Kreativ und so und vor allem mach das mal im Internet, weil beides hip und so” und dann musste da mal jemand was machen. Aber vielleicht ist es längst anders, aber mein Eindruck war so enttäuschend, dass ich nie das Bedürfnis hatte, mal zu schauen, ob das besser ist.

Ansonsten finde ich, dass Stefan Recht hat, wenn er sagt, dass die Betreiber Rechenschaft darüber ablegen sollen, was sie mit 600.000 € Steuergeldern erreicht haben.

@ #9 | christian

Wenn die so viel Geld bekommen, sollte man schon erwarten, dass da etwas professionell getan wird, und dazu gehört es , organisiert und strukturiert etwas zu tun. Und es reicht nicht, dass die irgendetwas machen – das ist Aktionismus. Es muss eine Wirkung haben. Ich war mal beruflich zu etwas eingeladen und das fiel mangels Interesse aus. Und was hat das gebracht, außer dass die ECCE Leute Geld verdient haben?

Frag mal Leute aus der Kulturszene, was die von ECCE halten. Den bringt das nämlich nix.

@ 15 | christian

> Beschäftigungstherapie ist ja ein Instrument, um Patienten Selbstbewusstsein, Stuktur und das Gefühl zu geben, etwas zu schaffen und über die Arbeit wieder Kommunikation zu ermöglichen.

ECCE ist aber nicht eine Sache der Ruhrgebietes. Das ist eine kleine Gruppe ohne wirklich Verwurzelung in der Region.

> Fürs Langeweile vertreiben sind 600 Tsd zu viel – für den Patien Ruhrgebiet (Strukturwandel blalblabla) Strukturen, Orte und Figuren zu zeigen und Kultur ins Gespräch zu bringen, die Region in Kontext zu bringen mit anderen Städten oder Regionen ist das nicht zu viel – egal ob man es als PR oder als steuerfinanzierten Journalismus/Webseitenbetrieb bezeichnet.

Wenn das so wäre … ich kann diesen Effekt nicht sehen.

@Norbert Paul:ECCE ist nicht eine Sache des Ruhrgebiets (was auch immer das mit den INHALTEN zu tun hat)? ECCE sitzte in Dortmund, 90% der Autoren kommen aus der Region, die Berichte die da laufen handeln zu 95% von der Region und alles was an Konferenzen etc. trallala gemacht wird, findet hier statt. Wobei mich diese Lokaltümelei von Ihnen echt ein bisschen irritiert… (“Die sind ja gar nicht von hier, was wissen die schon…”)

Und: Ich möchte mal sehen, wie Sie Effekte von Öffentlichkeitsarbeit, PR, Marketing, Werbung etc. messen wollen. Wenn Sie da eine Formel haben, könnten Sie reich werden. Letztlich geht es um Sichtbarmachen und zeigen, was es hier alles gibt: mit Filmen, mit Wettbewerben, mit Texten, mit Konferenzen und mit – Achtung – Geld ausgeben. Ich wiederhole mich: Für die Öffentlichkeitsarbeit und dusseliges Stadtmarketing geben die Kommunen im Ruhrgebiet Unsummen aus. Wo bitte sind da die von Ihnen geforderten “Effekte”. Ist doch laut T-Shirt A40 Aktion genauso Scheisse wie anderswo…

@christian: Eine beliebte Methode ist das Clipping. So misst man die Reichweite von Medienbotschaften.
http://de.wikipedia.org/wiki/Clipping_(Medienbeobachtung)
Wird man nicht erwähnt, gelingt es einem nicht Themen zu platzieren hat alles Mühen nichts gebracht. Bei ECCE ist das natürlich anders: Da geht es darum den Geldgebern ein Medium zu simulieren, damit die weiter zahlen. Das ist bislang ganz gut gelungen – aber wir werden weiter darauf hinweisen, dass es nur darum geht.

@ Christian

Aktuell sind 2 Videos zur Emscherkunst gepostet. Ein Projekt das es verdient hat, einem großen, ja weltweiten Publikum bekannt gemacht zu werden.

Aber dazu braucht es beim LAB die entsprechende “Einschaltquote”und zwar nicht nur innerhalb der Region sondern weit darüber hinaus. Die beiden Posts werden die aber nicht haben, weil das LAB sie nicht hat. So einfach ist das im Ernstfall mit dem Erfolg, respektive Misserfolg.

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