Ruhrfestspiele: „Island One Way“, aber die Liebe kommt zurück

 

Island One Way. Christine Diensberg, Fabian Baumgarten Foto: ©Volker Zimmermann
Island One Way. Christine Diensberg, Fabian Baumgarten
Foto: ©Volker Zimmermann

„Die Geschichte von Liebe in schwierigen Zeiten“, führt sich die erste Eigenproduktion des Theaters Gütersloh, koproduziert von den Ruhrfestspielen, selbst ein. Gewichtige Worte, vorgetragen von einem ebenso gewichtigen Plüsch-Wal. Man merkt also gleich: Das kann ja lustig werden – und das wird es. Von unserer Gastautorin Emelie Wendt.

Zum Auftakt des Festivals der Uraufführungen im Rahmen der Ruhrfestspiele haben diejenigen, die Bücher von Popliteratur-Idol Nick Hornby gerne lesen, bei Fink Kleidheus und Svavar Knúturs Komödie „Island One Way“ viel zu lachen.

Das Bühnenbild von Jörg Zysik aus Hartschaumstoff holt Islands scharfkantige Lava-Gebirge ebenso in die Halle König Ludwig 1/2, wie es mit wenigen Handgriffen zur Wellness-Oase „Blaue Lagune“ und durch einen Überwurf aus weißem Tuch zum Atlantik wird. Viel Raum für Abenteuer, weit weg vom Alltagstrott, also das richtige Ziel, damit die Beziehung wieder in den Tritt kommt, findet Anne. Phil hat eigentlich nichts dagegen, nur Island, das geht ihm ein wenig zu weit. Zu weit nach Norden, und es ist nicht Sommer – der Süden wäre ihm lieber gewesen.

Abenteuerlich unwirtlich wird diese Reise dann auch. Christine Diensberg als Anne stürzt sich mit eigentlich ansteckender Begeisterung in Reykjaviks Angebot für Pauschaltouristen, während Fabian Baumgarten als Phil gegen diese Begeisterung aber immun ist und jeden Fehlschlag bissig kommentiert. Von diesen Fehlschlägen gibt es viele, die ganze Insel scheint sich gegen das Paar verschworen zu haben.

Natürlich ist es in Recklinghausen nicht die Insel, sondern nur ein Isländer, Svavar Knútur, der vom Busfahrer über den Masseur in der Lagune bis zum Kapitän der Wal-Safari jeden Einheimischen spielt. Nebenbei schüttelt der Singer- und Songwriter auch noch einen Großteil der Bandbreite der isländischen Musikwelt aus seiner akustischen Gitarre. Im Publikum kommt dabei Stimmung auf, die aber am Bühnenrand in Endzeitstimmung umschlägt, denn Vulkan Katla droht auszubrechen. Die Möglichkeit, darin umzukommen, schweißt Anne und Phil wieder enger zusammen, ohne dass auch nur ein Tropfen Lava fließt. Zum guten Schluss bleiben sie ein Paar.

Der Regisseur und Künstlerische Leiter des Theaters Gütersloh, Christian Schäfer, der unter seinem Pseudonym Fink Kleidheu auch die Texte von „Island One Way“ schrieb, möchte mit Produktionen wie diesen das Angebot seiner Spielstätte, die bisher „bespieltes“ Theater war, ergänzen. „Island One Way“ ist ab September also auch in Ost-Westfalen zu sehen.

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