Ruhr2010: Ein Evaluationsbericht wie vom Auftraggeber gewünscht

Das Bonner Zentrum für Kulturforschung hat im Auftrag der Ruhr2010 GmbH deren Arbeit untersucht. Dieser Evaluationsbericht wurde nun veröffentlicht. Und löst gemischte Gefühle aus.

Was hat das Kulturhauptstadtjahr gebracht? Wurden die selbst gesteckten Ziele erreicht? Wie soll es weiter gehen? Mit diesen Fragen setzt sich auf 102 Seiten der Evalutionsbericht des  Zentrums für Kulturforschung (ZfK) im Auftrag der Kulturhauptstadtorganisation Ruhr2010 auseinander. Er ist jetzt online erschienen und kann heruntergeladen werden.

Grundlage des Berichts waren vor allem die Publikationen der Ruhr2010 GmbH, bereits verfasste Berichte über ihr Wirken sowie 34 Interviews. Da die Interviewten alle mehr oder weniger eng – meist jedoch sehr eng – mit dem Kulturhauptstadtjahre verbunden waren, es mit organisiert hatten, wurde sichergestellt, dass es zu keiner allzu intensiven Kritik kam. Ein Blick von Aussen? War nicht gewünscht und so fanden die Befragten ihre Arbeit grundsätzlich gut. Was wenig verwundert.

Und so kommen die großen Flops des Kulturhauptstadtjahres, die ausgefallenen Projekte wie Stadt unter Tag oder Land for Free in der Evaluation kaum zur Sprache. Was peinlich ist, weil  diese Projekte ja Gründe waren, warum das Ruhrgebiet als Kulturhauptstadt Europas ausgewählt wurde. Jede auch nur halbwegs um Ernsthaftigkeit bemühte Evaluation hätte hier ansetzen müssen.

Und so ist die Stärke des Evaluationsberichts dann auch das Lob: Erfolgreiche Projekte wie Sing, Schachtzeichen, Twins und vor allem die große A40 Party Still-Leben werden gut beschrieben. Klug der Hinweis der Verfasser, das solche Veranstaltungen von ihrer Einzigartigkeit leben und nicht wiederholt werden sollten:

SchachtZeichen II würde keine Aufmerksamkeit bekommen, und die regelmäßige Sperrung einer Autobahn würde das Ereignis in die Nähe anderer Verkehrshindernisse rücken.

Treffend auch was zur Loveparade geschrieben wurde. Die Art und Weise ihrer Organisation wird als Zeichen von Provinzialität gedeutet:

Die Loveparade war jedes Jahr das Vorzeigeprojekt einer Stadt in der Region. In einem Zeitungskommentar nach den Ereignissen in Duisburg wurde dies so zusammengefasst: „Was Essen 2007 und Dortmund 2008 konnten, muss Duisburg, die drittgrößte Revierstadt, auch können. Diese Verbindung aus Metropolentraum und Kirchturmdenken, Größenwahn und Provinzialität hat unrealistische Ansprüche hochgeschaukelt“

Veranstaltungen dieser Art hätten Ruhrgebietsweit organisiert werden müssen – so der Schluss des ZfK. Warum ma allerdings in diesem Zusammenhang keine Kritik an die Ruhr2010 formuliert, genau solche Planungsstrukturen hasenfüssig nicht eingefordert zu haben, bleibt ein Geheimnis der Verfasser.

Welche Rolle die angeblich zentrale Fragestellung der Kreativwirtschaft in Wirklichkeit hatte – immer hin gab es ja mit Dieter Gorny einen eigenen Direktor für dieses Aufgabenfeld, wird auch deutlich. Nur kurz geht ZfK auf dieses Thema ein um mit einem Satz all das PR-Geschwurbel der vergangenen Jahre zu vernichten:

“Die Forschung zeigt, dass gerade Metropolen die besten Entwicklungsvoraussetzungen für die Kultur- und Kreativwirtschaft bieten, aber das Ruhrgebiet kann unter den Metropolen weder im deutschen noch im internationalen Vergleich als kreativwirtschaftliche Region überzeugen.”

Schade dass der Metropolenbegriff vom ZfK nicht hinterfragt wurde. Offensichtlich auch, dass die Verfasser die Geschichte des Begriffes nicht kannten: Dortmund ehemaliger Oberbürgermeister Gerhard Langemeyer setzen ihn vor fast zehn Jahren durch, weil es das Wort Ruhrgebiet verachtete. Mit der Metropole Ruhr wurde ein Begriff gewählt, der das Ruhrgebiet lächerlich macht. Als Metropole wird das Revier nicht wahrgenommen. Dazu kommt: Metropolen wird man genannt, man nennt sich nicht selbst so. Das ist peinlich und sonst nichts.

Alles in allem ist der Evaluationsbericht lesenswert. Ein kritische Analyse ist er nur in Ansätzen. Der Auftraggeber wird zufrieden sein.

2 Kommentare

Wer evaluiert eigentlich die Evaluatoren? Zu Experten mache ich gern den selbstgedrechselten Kalauer: “Experten? Stolz krähn die Hähne auf dem Mist.”
Leider gibt’s die Gutachten nicht gratis (ganz im Gegenteil), sonst würde ich mir auch welche bestellen, die mich gut achten.
In vielen Bereichen der (Alltags-)Kulturarbeit (also nicht bei den ‘Leuchttürmern’) wurde in den letzten Jahren für teures Geld mehr ‘evaluiert’ als gefördert. Da verdient sich eine ganze Kaste von Evaluatoren dumm und dämlich, während die Einrichtungen darben oder schließen. Follow the money.

Kommentar verfassen