RTG – Firma ohne Geld

Es gibt ein Problem im Regionalverband Ruhr. Und das Problem heißt Ruhrtourismus GmbH (RTG). Wir haben schon mal drüber berichtet. Nun, diese Firma unter öffentlicher Kontrolle frisst seit Jahren Steuergelder. Dabei ist immer noch ungeklärt, was eigentlich die RTG machen soll. Die Strategie ist unklar wie ein Fernsehtestbild. Doch genau das soll anders werden. Aus Dokumenten des Regionalverband Ruhr, die dem Autoren vorliegen, geht hervor, dass die neue Geschäftsführung der RTG an einer umfassenden Restrukturierung der Firma bastelt. Die Besucherholer wollen sich im Vorfeld der Kulturhauptstadt kampagnenfähig aufstellen. Tja, guter Plan, aber im Detail, da hapert es gewaltig.

Es gibt ein Problem im Regionalverband Ruhr. Und das Problem heißt Ruhrtourismus GmbH (RTG). Wir haben schon mal drüber berichtet. Nun, diese Firma unter öffentlicher Kontrolle frisst seit Jahren Steuergelder. Dabei ist immer noch offen, was eigentlich die RTG machen soll. Die Strategie ist unklar wie ein Fernsehtestbild. Wird sie eine zentrale Station für die Tourismusförderung im Ruhrgebiet? Wenn ja muss sie dick und fett ausgestattet werden und Millionenschwere Werbekampagnen organisieren. Oder wird sie eine schnelle Dienstleisterin für die kommunalen Touri-Chefs von Essen und Dortmund? Falls es das sein soll, dann muss sie mit wenig Geld effektiv arbeiten.

Im Augenblick ist sie weder das eine noch das andere.

Doch genau das soll anders werden. Aus Dokumenten des Regionalverband Ruhr, die dem Autoren vorliegen, geht hervor, dass die neue Geschäftsführung der RTG an einer umfassenden Restrukturierung der Firma bastelt. Die Besucherholer wollen sich im Vorfeld der Kulturhauptstadt kampagnenfähig aufstellen. Tja, guter Plan, aber im Detail, da hapert es gewaltig.

Fangen wir vorne an. Zunächst betreut die RTG vor allem zwei wesentliche Projekte. Einmal die Ruhrtopcard und dann die Extraschicht. Beides Zuschussgeschäfte, die so mittelmäßig sind. Die Ruhrtopkarte haben gerade einmal 42.000 Menschen von 5 Millionen gekauft – trotz dicker Werbung im der WAZ. (Von Erfolg zu sprechen, weil es im Vorjahr noch weniger waren, ist Quatsch. ) Die Extraschicht hat wahrscheinlich jeder schon mal besucht und ein eigenes Bild.

Dazu kommen einige Fahrradwege, die betreut werden, eine Sportbootveranstaltung, die man schon vergessen hat, wenn man die Einladung liest, und das Projekt „Erlebnisraumdesign“.

Hey, das „Erlebnisraumdesign“ ist nach RTG-Aussage das „wichtigste und größte Projekt im Jahr 2008“ Ich wiederhole: „Erlebnisraumdesign“. Schon mal davon gehört?

In diesem Zusammenhang wird der Nebenaspekt ganz interessant, dass die RTG tatsächlich erst seit ein paar Tagen einen hauptamtlichen Chef hat. Vorher war für die Geldgeschichten und die Planungen der Touristiker tatsächlich nur ein Ex-Kulturamtsmann im Nebenjob verantwortlich. Nichts gegen seine Arbeit, aber Nebenjob ist Nebenjob. Und „Erlebnisraumdesign“ als Touriprojekt spricht eigentlich schon für sich über die Wertstellung der Touristiker im Regionalverband, ach was im ganzen Ruhrgebiet.

Aber OK, ich will mich ja nicht polemisch aufregen, vor allem, weil die RTG unter ihrem alten Chef aus den schmalen Möglichkeiten und dem engen Korsett, die der RVR ihr eingeräumt hat, eigentlich was ganz ordentliches gemacht hat. Dass das Ergebnis nachher "Erlebnisraumdesign" heißt, ist halt Pech.

Kommen wir zum Kern der Geschichte: Die RTG macht seit Jahren Miese. Sie war schon ein paar Mal vor der Pleite. Nur dem Willen und der Kraft des alten RTG-Geschäftsführers ist es zu verdanken, dass es die Firma überhaupt noch gibt.

Auch aktuell klappen die Planungen mal wieder nicht. So müssen für das Projekt „Erlebnisraumdesign“ zusätzlich 200.000 Euro eingeplant werden. Der RVR will in 2008 einen Zuschuss von 1,5 Millionen Euro in die RTG pumpen.

Und auch hier wieder miese Aussichten. Die RTG Geschäftsführung muss nämlich bei ihrer aktuellen Kohleplanung einen Vorschuss in Höhe von 350.000 Euro berücksichtigen, den die RTG im vergangenen Jahr eingestrichen hat. Diese Moneten müssen jetzt „zusätzlich erwirtschaftet werden“, wie es in einem RVR-Papier heißt. Man kann es auch anders ausdrücken. Der RTG fehlen jetzt schon hunderttausende Euros, um ihre ohnehin bescheidene Arbeit zu machen, weil das Geld im letzte Jahr verfressen wurde. Die baldige Schieflage ist abzusehen. Der Finanzplan der RTG soll am 6. Februar vorgestellt werden.

Vor diesem Hintergrund laufen nun im vertraulichen Kreis Gespräche mit den Gesellschaftern der RTG. Diese sollen nämlich ihre Anteile für einen Euro an den RVR verkaufen. Der Verband denkt nämlich, wenn er die Musik bezahlt, soll ihm auch die Kapelle gehören. Doch hier rächt sich nun endgültig der Geburtsfehler der Ruhrtouristik.

An der Firma sollten nämlich damals, der früher im NRW herrschenden Wowi-Clement Irsinnslogik folgend, private Gesellschafter beteiligt werden. Die haben jetzt auch Anteile an der RTG und wollen diese auch behalten. Denn: Sie haben dafür Geld bezahlt. Sie haben investiert. Und dem RVR nun für einen Euro eine Beteiligung zu verkaufen? Diese Art von Geschenken macht nur die öffentliche Hand.

Nur zwei Beispiele: Die Centro Management GmbH lässt ausrichten: „Netter Versuch.“ Für einen Euro gebe man die Anteile nicht ab. Und die Geschäftsführerin der Tour de Ruhr, Monika Dombrowsky, bestellt: „Das Thema läuft auf kleiner Flamme.“ Und dann sagt sie einen klaren Satz, den ich an dieser Stelle wiedergeben möchte: „Die Frage ist nicht gestellt und beantwortet, was eigentlich die Aufgabe dieser Gesellschaft ist.“

Für ein paar Projekte brauche ich keine Tourstikfirma. Das ist Unsinn.

Es wäre sinnvoller, wenn sich die RTG um die Grundentwicklung des Tourismus im Pott kümmern würde. Sie müsste Trends erkennen und kommunizieren. Und für die Qualität im Ruhrfremdenverkehr sorgen.

Diese schwammige Aussage klar gemacht: Wenn die RTG sehen würde, dass Haldensurfen eine Trendsportart werden könnte, müsste sie für entsprechende Werbung sorgen, Angebote dazu anregen und überregionale Werbung für die erste deutsche Haldensurfer-WM organisieren.

Ach ja, Mist, ich vergaß: „Erlebnisraumdesign“. Das schöne Geld ist ja schon verballert.

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P.S.

Noch ein paar Sätze zu den Papieren, die ich immer mal erwähne: Ich würde die Dokumente gerne hier hin stellen, wie auch sonst immer, aber dooferweise sind die in Printfassung. Und ich habe keinen tragbaren Scanner. Da ich aber für die Ruhrbarone nur schreibe, wenn ich unterwegs bin und mal ein paar Minuten Zeit habe, kann ich das nicht. Ich versuche das nachzuholen, wenn ich wieder im Büro bin. Solange müsst ihr mir einfach glauben.

4 Kommentare

mir sind die Aktivitäten bzw. Aufgaben dieses Unternehmens bis heute schleierhaft.Gerade auch im Kontext der Kulturhauptstadt 2010.

Wenn ich auch dem Begriff “Erlebnisraumdesign” durchaus etwas abgewinnen kann, ist für mich immer noch fraglich, wer hier was entwickelt…da sehe ich (bis jetzt) keine innovativen Ansätze, die Metropole Ruhr touristisch neu zu vermarkten…

Ein Grund dafür könnte freilich sein, dass leider immer noch der Großteil der (kreativen) Energie eines solchen Unternehmens der Metropole Ruhr in den politischen “Mühlen” zerrieben wird anstatt in neuen Ideen freigesetzt zu werden…

…Vor allen Dingen, wenn man bedenkt, dass der damalige KVR und damit auch die RTG ein engagierter Wegbereiter für Essen als Kulturhauptstadt 2010 war, das hat Essen ja nicht alles alleine gemacht.
Kaum war es allerdings geschafft, kam H.D. Klink als neuer Regionaldirektor mit grenzenlosem Unvermögen, keinem Funken Ahnung vom Revier, des Verbandes oder sonst was und hat sich da wie bei allem anderen auch das Heft aus Hand nehmen lassen. Für 2010 gibt es ja jetzt eine eigene hochkarätige Gesellschaft der Essener. Was soll die RTG da jetzt noch stemmen? DIE Steilvorlage für die RTG, etwas zu bewegen…..dahin….Die Projekte, die es jetzt noch gibt kann man schön auf deren Website bewundern, mehr als eine Handvoll ist es nicht mehr. Davon ist eines die anscheinend gefloppte Ruhrcard. Sehr gute Idee, nur nicht angekommen. Schade, try it again.
Bitte Herr Regionaldirektor, tun Sie dem Revier, dem Verband, ihren immer mehr unmotivierten Mitarbeitern und sich selbst den Gefallen: Gestehen Sie sich anhand der Entwicklung der letzten Jahre ein, dass Sie es schlicht nicht können, Sie sind Ihrer Aufgabe nicht gewachsen und auch nicht als Autorität anerkannt. Das wäre auch nicht schlimm, niemand kann alles. Das hätten Sie aber spätestens vor zwei Jahren begreifen müssen und daraufhin den Stuhl räumen müssen. Jetzt ist der Schaden schon passiert und fast nicht mehr gut zumachen. Bitte räumen Sie den Platzfür jemanden, der wenigstens versucht, noch etwas zu im Revier zu bewegen!!! Wenn ich Revue passieren lasse, was in den letzten zwei Jahren versaut wurde, werde ich immer sauer, kann nicht anders.

Liebe Leute – was ist denn so unklar?

Es ist doch so: Niemand wollte und will die Großstadt Ruhrgebiet, deshalb will auch keiner klare Konzepte für jede Art von regionalen Themen, natürlich auch für den Tourismus. So einfach ist das.

Und wer war und ist “Niemand”?

Da war z.B. immer die SPD, die damit die beherrschende Stellung ihrer mächtigsten Regionalstruktur, des westfälischen nämlich, gefährdet sah. Das galt weniger für die CDU, die ja sogar einen Ruhrverband gründete. Kaum an der Macht, stellt sie dann aber ihre großen Versprechungen vom Ruhrgebiets-Regierungsbezirk wieder zurück, weil sie vor dem Einfluss mächtiger Lokalfürsten kapituliert. Die sitzen einerseits natürlich in den großen Ruhrgebiets-Rathäusern, die auf keinen Fall Kompetenzen abgeben wollen. Die hausen aber vor allem auch außerhalb der Region, wo man in Köln und Düsseldorf immer schon die Konkurrenz der Großstadt Ruhr fürchtete wie der Teufel das Weihwasser.

So einfach: Divide et impera. War immer schon ein dummer, aber leider sehr erfolgreicher Ansatz.

Und so erklären sich viele Ungereimheiten gaaanz einfach: schwache Regionaldirektoren,kopflose Tourismusförderung mangelnde regionale Wirtschaftsförderung und vieles, vieles mehr.

Dass die Region als solche noch immer auf der Tagesordnung steht, verdankte sie dem Engagement Einzelner. Z.B. Christoph Zöpel oder Karl Ganser. Und auch den vielen Engagierten in der Verwaltung des RVR. Da gibt es viele gute Leute, die nur leider nicht so dürfen, wie sie könnten. Das schwache am RVR ist nicht die Verwaltung, sondern sein Parlament. Das wird traditionell gerne und bevorzugt zur Ent- bzw. Versorgung besonders schwacher Politiker genutzt. Warum? Siehe oben.

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