Rommel studiert in Erlangen

Erwin Rommel ist derzeit in aller Munde. Am vergangenen Donnerstag zeigte die ARD einen Film über den „Wüstenfuchs“ genannten Wehrmachtsverbrecher. Und schon wird in Deutschland wieder die Frage diskutiert: Welche Verbindungen hatte Rommel zu den Hitler-Attentätern vom 20. Juli 1944? War er der „gute Nazi“, das Gesicht der „sauberen Wehrmacht“? Dieser Mythos wabert hartnäckig durch die Republik und treibt mitunter skurrile Blüten: Neben ein paar verstaubten Revisionisten-Vereinen von Wehrmachtsveteranen und anderen NS-Nostalgikern, gibt es in Erlangen einen „Rommelwood Verein“, der ein „Erwin Rommel Studentenwohnheim“ betreibt.  Beim Studentenwerk Erlangen will man damit nichts zu tun haben.

„Auf unserer Website (…) können Sie nachlesen, dass der Name des Wohnheims nicht ‚Erwin Rommel Studentenwohnheim‘ lautet, sondern ‚Wohnanlage Erwin-Rommel-Straße‘“ schreibt Uwe Scheer vom Studentenwerk Erlangen-Nürnberg auf Anfrage der Ruhrbarone. Die Verantwortung für die Website des Wohnheims, wo man bis vor kurzem noch „auf der Internetseite des Erwin Rommel Studentenwohnheims“ willkommen geheißen wurde, liege allein bei dessen Bewohnern. Im Übrigen seien viele Wohnanlagen nach den Straßen, an denen sie liegen, benannt. Dies gebe „unmittelbar Auskunft über die Lage, was für viele Studierende eine wichtige Information ist“, schreibt Scheer.

 Kritische Distanz?

 So ganz möchte er sich aber doch nicht von der Figur Erwin Rommel distanzieren. Rommel, „den Sie pauschal als ‘NS-Verbrecher‘ abqualifizieren“, habe schließlich „das Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 unterstützt (…) (zumindest hat er wohl als Mitwisser geschwiegen)“ und sei „in der Folge von Hitler unter Drohungen gegen die Familie Rommel zum Selbstmord gezwungen (worden).“ Sicher, Rommel sei schon eine „ambivalente historische Figur, kann aber wohl durchaus auch als Vertreter des Widerstands gegen das NS-Regime betrachtet werden“, so Scheer.

Überall Rommel

 Wie auch immer –  von einigen wenigen Anfragen abgesehen gebe es an der Namensgebung „keinerlei Kritik, insbesondere nicht von Studierenden.“ Der „Rommelwood-Verein“ sei überdies „kein rechtsextremer Verein“, er vertrete nur die Anliegen der Studierenden gegenüber dem Studentenwerk. Tatsächlich gibt die Vereinssatzung keinerlei Hinweise auf einen derartigen Hintergrund. Warum dann dieser Personenkult? Kann man von Studierenden nicht einen reflektierteren Umgang mit der vielbeschworenen „deutschen Geschichte“ erwarten? Warum muss der Fernsehraum des Wohnheims „Rommelkino“, die Website „Rommelnet“ und die Musikanlage „Rommelblaster“ heißen? Und warum scheint sich daran niemand zu stören? Außerdem: Wenn das alles kein Problem ist, wie man beim Studentenwerk sagt, warum wurde der Name des Wohnheims kurz nach der Ruhrbarone-Anfrage auf der Website zu „Studentenwohnheim in der Erwin-Rommel-Straße in Erlangen“ geändert? Ein schneller Lernprozess? Eine Stellungnahme der Bewohner steht noch aus.


 

30 Kommentare

Die Einleitung ist ja schon richtig knackig: “…den “Wüstenfuchs” genannten Wehrmachtsverbrecher..”
Mal ganz abgesehen davon, dass diese Art der Verallgemeinerung nicht gerade dabei hilft, die wirklich schlimmen Figuren in der Wehrmacht von denjenigen zu unterscheiden, die sich einigermaßen korrekt und ohne die “üblichen” Kriegsverbrechen durch die Zeit gebracht haben, wird der Begriff “Wehrmachtsverbrecher” hier ohne weitere Erklärungen verwendet.

Was mich hier stört, ist das Durchscheinen einer moralischen Überheblichkeit eines Nachgeborenen, der mit der unverdienten Gnade der späten Geburt hier Werturteile fällt.
Die Frage wäre spannend, ob sich jüngere Leute in derselben Situation “besser” aus der Affäre manövriert hätten; aber sie ist natürlich akademisch und auch polemisch.

Die Beweisführung am Ende des Beitrags gefällt mir ganz besonders, die Änderung des Namens des Wohnheims, kurz nach der Ruhrbarone-Anfrage, soll hier als schneller Lernprozess verkauft werden, damit auch als Eingeständnis des falschen Handelns. Die Möglichkeit, dass man zur Zeit vielleicht allen Diskussionen um richtige oder vermeintlich rechte Gesinnung besser aus dem Weg geht, wird hier wohl ausgeschlossen, oder?

Es ist gut, es ist richtig, es ist an der Zeit, es ist immer an der Zeit, auch am Beispiel Rommel in Erinnerung zu rufen, wer wann in welcher Rolle, in welcher Funktion als Zivilist oder als Soldat, als sog.einfacher Bürger oder als Generalfeldmarschal dem Nazi-Regime gedient hat und nach dem Warum zu fragen.

Das schließt immer wieder und immer wieder aufs Neue das Nachdenken über den Widerstand der Deutschen gegen das Nazi-Regime ein, nicht nur der Geschichte wegen, sondern vor allem auch mit Blick auf den gewaltsamen Widerstand, der aktuell in vielen Staaten dieser Welt gegen die Herrschenden geleistet wird, stets einhergehend mit der Frage nach der “Berichtigung” des gewaltsamen Widerstandes, die Frage nach Recht oder Unrecht des Tyrannenmordes eingeschlossen. Zumindest deutet der Rommel-Film auch eine diesbezügliche Problematik an!

Insofern hat der “Rommel-Film” im Fernsehen einen sinnvollen Beitrag für eine Diskussion geliefert;hoffentlich auch in den Schulen.

Ob die heutigen Abiturienten mit “Rommel” noch ‘was anzufangen wußten? Der Rommel-Film hat zumindest erste Informationen geliefert -mehr kann von einem Film auch nicht erwartet werden-.

Wird über das Thema “Widerstand gegen staatliche Herrschaftsgewalt” in den Schulen heute überhaupt noch nachgedacht und diskutiert?
“Rommel”, der “Rommel-Film” könnten dazu einen guten Grund liefern.

Auch dieser Beitrag von Martin Niewendick, dessen Inhalt ich zu allgemein, zu oberflächlich finde, kann eine solche Diskussion “anheizen”, und das wäre gut so.

Im Rommelmythos wird so vieles verklärt, z.B. die Behauptung vom “sauberen Krieg” in Nordafrika.
Selbst die weithin akzeptierte Behauptung, dass es in Nordafrika keine Judenverfolgung gegeben habe ist definitiv falsch.

Namensbezeichnungen wie Rommelwood oder Rommelnet erscheinen
mir angesichts der externen Namensvorgaben
und der Namensknappheit im Netz oder im Real Life
durchaus vertretbar.

Die Namenswahl “Rommel” lockt angesichts der Popularität
des Namens offensichtlich Surfer an, die etwas anderes suchen
als einen Platz in einem Studentenwohnheim in Erlangen oder
auch eine Fete in Erlangen.

Hier wäre es gut, wenn die betroffenen Wohnheimstudenten
ihre Besucher von dubiosen bis rechtsextremistischen
Seiten fernhalten würden. Sie könnten z.B. auf geeignete
alternative Quellen im Netz verlinken.
Die Möglichkeit zur antifaschistischen Aufklärung
würde ich sogar als Verpflichtung zur
antifaschistischen Aufklärung betrachten.

Es ist die Aufgabe der örtlichen Kommunalpolitiker durch
eine Umbenenung gewisser Strassen einer gefährlichen
Verklärung entgegen zu wirken.

Da fällt mir ein, dass es immer noch Hindenburgstrassen
in deutschen Städten gibt.
Paul von Hindenburg hat als “deutschnationaler”
Politiker jahrzehntelang an der Zersetzung der
Weimarerrepublik gearbeitet und ihr schliesslich mit
der Ernennung von Adolf Hitler zum Reichskanzler
den Todesstoss versetzt.

Trotzdem gibt es immer noch Hindenburgstrassen.

Vor ein paar Monaten gelang immerhin die
Rückbenennung des Schlossplatzes in Münster,
obwohl eine “Hindenburgbürgerinitiative” dies
über einen Bürgerentscheid verhindern wollte.

Achim

@Nansy

Klar kann man als Nachgeborener gut reden.
Wenn Sie das so sehen, hatte Rommel allerdings auch gut reden, schließlich war er nicht an der Ostfront. Dabei wird oft übersehen, daß auch in Frankreich Kriegsverbrechen begangen wurden, in Nordafrika wurden auch Juden verfolgt.
Klar gab es schlimmere Kriegsverbrecher. Die finden sich übrigens immer. Noch jeder angeklagte SS-Scherge, jedes Mitglied eines “Spezialkommandos” wußte stets von jemandem zu berichten, der noch schlimmer war, als er selbst.

Als Nachgeborener hat man es zuweilen einfacher. Stimmt. Sich einfach zu sagen, ich hätte in der und der Situation genau so gehandelt, ist allerdings auch ein bißchen simpel.
Natürlich sind die wenigsten zum Helden geboren.
Aber es ist schon viel gewonnen, wenn man einfach nicht mit macht.
Die Deutschen sind – ganz allgemein gesprochen – im Dritten Reich nicht moralisch gescheitert, weil es zuwenig Helden gab, sondern weil es zu viele Mitmacher gab, und zwar in allen Bereichen der Gesellschaft.

Und da ist Rommel leider keine Ausnahme.
Das macht ihn nicht zum größten Nazi-Verbrecher.
Zum Vorbild aber auch nicht.

Braucht man überhaupt Personenkulte wie die um Rommel, Richthofen, Mölders, Hindenburg u.a.? Und wenn ja, warum bedient man sich mit Vorliebe Figuren aus dem Militärbereich, die mit Krieg in Verbindung stehen?

Diskussionen, wie man sie über den Rommelkult in Erlangen führt, kennt man auch aus dem Ruhrgebiet. Für Gelsenkirchen fallen mir gleich drei Namen ein:

Fritz Sczepan, sechs mal Deutscher Meister mit Schalke 04. Er verdiente sich in Gelsenkirchen eine goldene Nase an dem Kaufhaus Julius Rode & Co, das im Zuge der Arisierung von den beiden Juden Sally Meyer und Julie Lichtmann enteignet wurde. Nach ihm sollte eine Straße im Umfeld des Arenabaus 1999-2001 benannt werden, was im letzen Moment verhindert werden konnte. Scepan ist in Gelsenkirchen immer noch ein Held, zusammen mit Stan Libuda. Die Rolle der beiden im Nationalsozialismus wird in Gelsenkirchen kategorisch ausgeblendet.

Emil Kirdorf, Gründer der seinerzeit größten Bergwerksgesellschaft der Welt, der Gelsenkirchener Bergwerks AG. Kirdorf, der Schlotbaron aus Mülheim, war als bekennender Antisemit einer der größten Förderer Hiltlers im Vorfeld der Machtergreifung. Er öffnete Hitler die Tür zum Düsseldorfer Industrieclub, finanzierte erheblich den Parteiapparat der NSDAP, sowie Porpagandaschriften. Bis 1989 war Kirdorf Ehrenbürger der Stadt Gelsenkirchen.

Werner Mölders, geboren in Gelsenkirchen-Rotthausen (damals noch Landkreis Essen), höchstdekorierter Jagdflieger des Spanischen Bürgerkriegs und des zweiten Weltkrieges. Ähnlich wie man versucht Rommel einen Heiligenschein aufzusetzen, indem man diesen mit dem 20. Juli in Verbindung bringt, hat man auch aus Mölders einen Widerstandskämpfer machen wollen und mit Bischof Clemens August Kardinal Graf von Galen aus Münster in Verbindung gebracht. 2005 hat das Militärgeschichtliche Forschungsamt (MGFA) der Bundeswehr in Potsdam eine Studie zur Person Mölders veröffentlicht, in der jeder Zusammenhang Mölders zum katholischen Widerstand widerlegt und Mölders als Kriegsverbrecher eingestuft wird. Das hält allerdings niemanden davon ab, am Mythos Mölders festzuhalten. Die Bundeswehr tut sich da genauso schwer wie ein Teil der Gelsenkirchener Bevölkerung.

Man muss gar nicht bis nach Erlangen fahren. Umstrittene Personenkulte gibt es auch hier bei uns vor der Haustüre, wie wahrscheinlich überall in unserer Republik.

@#6 | Puck:

“Aber es ist schon viel gewonnen, wenn man einfach nicht mit macht.”

Das wär dann dein Todesurteil gewesen.

@Puck

Ich habe meinen Kommentar in einem Zustand der Verärgerung über diesen, in meinen Augen immer noch überheblichen, Beitrag abgegeben. Mir ist auch klar, dass es das Recht der “Jugend” ist, moralische Werturteile über die Eltern- oder Großeltern-Generation abzugeben. Und wie immer, auch bei mir in jungen Jahren, fällt das Urteil vernichtend aus. Man hätte das alles doch verhindern können, nicht wahr?
Und es ist umgekehrt auch das Recht der älteren Leute, ihre im Laufe der Zeit gewonnene Erkenntnis, dass heute nicht alles besser ist und auch nicht alles anders gemacht wird, zu vermitteln. Das fängt mit der Erkenntnis an, dass es heute schon Normalität zu sein scheint, wenn deutsche Soldaten (auch Soldatinnen) ihr Leben in Afghanistan für eine schon längst verlorene Sache aufs Spiel setzen. Ich bin jetzt mal naiv und sage, ich warte immer noch auf die empörten Demonstranten, die einen sofortigen Rückzug aus Afghanistan fordern. Und auch zu dem beabsichtigten Bundeswehreinsatz in Mali höre ich nicht viel…

Das geht weiter mit der Erkenntnis, dass die Zivilcourage heute immer noch nicht so weit reicht, Ausgrenzungen und Diskriminierungen von Minderheiten, wie zum Beispiel von dicken Menschen, im Ansatz zu stoppen. Natürlich gibt es auch Beispiele für Gegenwehr bei Diskrimnierungen, leider muß der Diskriminierte dazu aber einer politisch erwünschten Minderheit angehören. In unserer Gesundheitsdiktatur gehören die dicken Menschen aber momentan leider nicht zu einer schützenswerten Minderheit. Natürlich nicht vergleichbar mit den Leiden von Alkoholkranken und geistig Behinderten unter den Nazis, doch leider manchmal von der selben geistigen Grundhaltung getragen.

Es ist auch wichtig, dass man immer wieder darauf aufmerksam macht, dass zurückliegende geschichtliche Ereignisse (das gilt nicht nur für die NS-Zeit) nicht nur unter heutigen Wertvorstellungen betrachtet werden dürfen. Das ist keine Entschuldigung für die Verbrechen, zum Beispiel in der Kolonialzeit, sondern hilft das Denken die Handlungen der Menschen in der Zeit besser zu verstehen. Moralischer Rigorismus ist dafür weniger geeignet.

Erfreulich zu sehen, dass der Versuch des Autors, hier aus einer reichlich überheblichen Haltung heraus ein Skandälchen herbeizuschreiben offenbar auf keinen allzu fruchtbaren Boden fällt, anscheinend sind die Leserinnen und Leser der Ruhrbarone zu einer wesentlich differenzierteren Betrachtungsweise fähig als er. Dem treffenden Kommentar von Nansy habe ich nur soviel hinzuzufügen:

Was mir an der offensichtlich stark weltanschaulich gefärbten “Presseanfrage” des Autors von Anfang an übel aufstieß war die absurde Unterstellung, unsere Wohnheimbewohner wären womöglich Rechtsradikale, gar ein ganzer Nazi-Verein. Ich beantworte jede Anfrage gerne und selbstverständlich sind auch kritische Fragen zum Namen eines Wohnheims erlaubt (auch wenn es in diesem Fall eher eine Frage an die Stadt Erlangen nach dem Straßennamen wäre). Aber ohne jegliche faktische Basis unseren Bewohnerinnen und Bewohnern Neonazi-Umtriebe zu unterstellen, das geht zu weit! Da wäre vielleicht eine etwas gründlichere Recherche angebracht gewesen, als nur hier und da mal kurz eine E-Mail zu schreiben. Schon wer sich die ach so böse Website dieses ach so bösen Vereins ansieht kann jedenfalls nur zu dem Schluss kommen: wenn das Nazis sind, dann die best-getarnten in ganz Deutschland!

Was die “noch ausstehende Antwort der Bewohner” betrifft: Dass der studentische Heimleiter weder Lust noch Zeit hat, sich mit absurden Anschuldigungen aus dem Ruhrpott zu befassen finde ich nur allzu verständlich.

Äußerst fragwürdig übrigens auch der Versuch, hier auf Biegen und Brechen sowohl dem Studentenwerk Erlangen-Nürnberg (und mir persönlich) wie auch den Studierenden im Wohnheim – sollten sie denn wider Erwarten doch keine Nazis sein – zumindest einen unkritischen Umgang mit Rechtsradikalismus und Nazi-Vergangenheit zu unterstellen, nach dem Motto: irgendwas wird schon hängen bleiben von der braunen Soße … Interessant in diesem Zusammenhang, dass Herr Niewendick mich hier zwar durchaus nicht falsch aber doch recht selektiv zitiert – so z.B. meinen Hinweis auf die Ausländerquote von über 20 % unter den Bewohnern dieses vermeintlichen Nazi-Wohnheims unterschlägt.

Das Weltbild des Autors ist offenbar komplett schwarz/weiß (oder braun/rot) – wer nicht zu 100 % seine Sichtweise teilt, steht im akuten Verdacht, Neonazi sein, getreu dem guten alten George-W.-Bush-junior-Motto: “Either you are with us, or you are with the terrorists.” Um es deutlich zu sagen: wenn hier jemand in der Situation ist, sich rechtfertigen zu müssen, dann weder ein Studentenwerk, das ein Wohnheim nach einer örtlichen Straße benennt noch die Menschen, die dort wohnen, sondern der, der solche Anschuldigungen erhebt.

@Kibu #8

Es gab Firmenbesitzer, die Juden nicht sofort gefeuert haben – haben einfach gesagt, das wären Spezialisten, die gebraucht würden. Es gab Leute, die haben entdeckte untergetauchte Juden nicht der Gestapo gemeldet, haben sich einfach blind gestellt. Es gab Leute, die haben den Nachbarn nicht angezeigt, wenn er den falschen Radiosender hörte. Es gab sogar Polizisten, die entsprechende Anzeigen diskret verschwinden ließen, kann ja mal passieren, daß was verloren geht.
Das war kein Heldentum, das war einfach Anständigkeit.
Und den Leuten ist vor allem nichts passiert.
Außer, daß sie nicht groß Karriere gemacht haben, vielleicht.
Das meine ich mit “nicht mitmachen”.

Die meisten anderen Deutschen haben sich leider entschieden, anders zu handeln. Und ich sage bewußt: entschieden. Es ist eine Entscheidung, einen zu Freiwild erklärten Versteckten zu denunzieren, und es ist eine, das nicht zu tun. Und die erste Entscheidung darf man durchaus als falsch bezeichnen, egal ob ich sie “aus damaliger Perspektive” betrachte oder im Nachhinein. Etwas anderes zu behaupten hieße, die wenigen Anständigen noch nachträglich in den Hintern zu treten, um die vielen begeisterten Mitläufer bloß nicht zu düpieren.

@ Nansy #9

Zitat: “(…)Mir ist auch klar, dass es das Recht der “Jugend” ist, moralische Werturteile über die Eltern- oder Großeltern-Generation abzugeben. Und wie immer, auch bei mir in jungen Jahren, fällt das Urteil vernichtend aus.(…)”

Und es ist wahrscheinlich das Vorrecht der “Alten”, Kritik als “jugendlichen Überschwang” zu diffamieren und die eigene Larmoyanz zu pflegen.
Im übrigen verweise ich auf meine Antwort an Kibu.

Zitat: (…)Ich bin jetzt mal naiv und sage, ich warte immer noch auf die empörten Demonstranten, die einen sofortigen Rückzug aus Afghanistan fordern. (…)

DAs ist nicht naiv, Nansy, sondern schlicht uninformiert. Ca. 80% der Deutschen sind gegen diesen Einsatz und eine Frau Käßmann wird ob ihrer “Zivilcourage” beklatscht, wenn sie in einamliger Schlichtheit nicht nur verkündet, mit den Taliban “im Zelt beten zu wollen”, sondern auch gleich noch zufügt, daß auch Hitler mit pazifistischen Mitteln hätte bekämpft werden können.
DA schließt sich dann wohl der Kreis…

Zitat: “(…)In unserer Gesundheitsdiktatur gehören die dicken Menschen aber momentan leider nicht zu einer schützenswerten Minderheit. (…)”

Verehrte/r Nansy! Es ist sicher nicht sehr nett, wie mit dicken Menschen in unserer GEsellschaft umgegagen wird. Deren Schicksal jedoch mit denen der Juden im Dritten Reich zu vergleichen ist aber doch ein bißchen stark, nicht? Da fragt man sich, ob die Diskriminierung der Dicken übertrieben oder der Holocaust verharmlost werden soll.

Zitat: (…)Es ist auch wichtig, dass man immer wieder darauf aufmerksam macht, dass zurückliegende geschichtliche Ereignisse (das gilt nicht nur für die NS-Zeit) nicht nur unter heutigen Wertvorstellungen betrachtet werden dürfen. (…)”

Es ist anscheinend auch wichtig, immer wieder darauf aufmerksam zu machen, daß es auch von 1933 bis 1945 einige Wertvorstellungen gab, z. B. daß es nicht okay ist, einer willkürlich definierten Gruppe von Mitmenschen erst ein menschenwürdiges Leben unmöglich zu machen, indem man sie komplett aus der Gesellschaft ausschließt, sie drangsaliert, nach Belieben physisch bedroht und ihre Notlage auf eine Weise auszunutzt, die an Beraubung grenzt. Hier rede ich jetzt von “ganz normalen Menschen”, die sich Vorteile davon versprachen oder nur Spaß daran hatten, jemandem die Fenster einzuwerfen, die Haustür zu beschmieren, zu denunzieren und sich später für einen Spottpreis das Eigentum von Menschen anzueignen, die gerade zwecks Vernichtung deportiert wurden, bis hin zu Habseligkeiten, die landauf landab auf Auktionen verhökert wurden, die ausdrücklich als “Versteigerung jüdischen Eigentums” anonciert waren.

@ Puck #12

Zitat: “Und es ist wahrscheinlich das Vorrecht der “Alten”, Kritik als “jugendlichen Überschwang” zu diffamieren und die eigene Larmoyanz zu pflegen.”

Sie müssen meinen Text genau lesen, von “jugendlichem Überschwang” war da nicht die Rede und die Bedeutung von Larmoyanz, die sie hier den “Alten” (spezielle wohl mir) zuschreiben wollen, sollte ihnen bekannt sein (Rührseligkeit, Wehleidigkeit u.s.w). Davon kann ich in meinem Kommentar nichts finden, eher Verärgerung, aber manchmal braucht man wohl einen schönen Aufhänger für seine Gegenrede.

Meine Aussage: „..ich warte immer noch auf die empörten Demonstranten, die einen sofortigen Rückzug aus Afghanistan fordern.“

Sie antworten mit der nicht ganz neuen Feststellung, dass ca. 80% der Deutschen gegen diesen Einsatz sind. Und? Was folgt daraus ihrer Meinung nach? Dass hier eine Regierung „zwangsweise“ eine Politik gegen 80% der Bevölkerung durchsetzt? Wo ist die Stimme dieser Gegner des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr? Gehen sie auf die Straße? Hört man in den Medien etwas davon? Und, was „um Himmels Willen“ hat jetzt Frau Käßmann mit meinen Ausführungen zu tun?

Ihr Zitat: „Es ist sicher nicht sehr nett, wie mit dicken Menschen in unserer Gesellschaft umgegangen wird. Deren Schicksal jedoch mit denen der Juden im Dritten Reich zu vergleichen ist aber doch ein bißchen stark,..“

Noch einmal, Sie müssen meinen Text genau lesen: hier wird nicht das Schicksal dicker Menschen mit dem der Juden im Dritten Reich verglichen, sondern ich habe darauf aufmerksam gemacht, dass die Zivilcourage auch heute noch nicht so weit geht, solche bedenklichen Ansätze von Ausgrenzung von Minderheiten frühzeitig zu verhindern.
Sie fragen sich, ob die Diskriminierung von Dicken übertrieben wird?
Da wäre zum Beispiel der Versuch zu nennen, im Bundesstaat Mississippi einen Gesetzentwurf durchzubringen, der es Restaurants verbieten sollte, dicken Menschen Essen zu servieren. Oder die neuen „Gesundheitsregeln“ einer Klinik in Kent, die besagen, dass Patienten aus “Problemgruppen” (dicke Menschen und Raucher) erst ein zwölfwöchiges Programm (Diät oder Entwöhnung) durchlaufen müssen, ehe sie behandelt werden (die Links kann ich nachliefern). Oder die zahlreichen Presseberichte, die Übergewicht zu einer weltweiten Epidemie erklären wollen. Einzelfälle? Vielleicht, aber ich könnte noch fortfahren mit Beispielen.
Also alles in Ordnung, kein Grund für Besorgnisse? Ich weiß nicht wo Sie die Grenze ziehen wollen, ab der man aufwachen sollte und Widerstand gegen die Ausgrenzung von Minderheiten leisten sollte? Bei der Namensgebung von Straßen und Studentenwohnheimen nach einem Wehrmachtsgeneral? Vielleicht hilft diese Meldung weiter: im belgischen sollten rauchende Schüler einen Anstecker mit zwei schwarzen Raucherlungen tragen müssen.
Die Parallelen zur Nazizeit muss ich ihnen wohl nicht erklären.
http://www.focus.de/schule/lernen/schule/belgien_aid_27922.html

Wie war ihre Bemerkung in ihrem Kommentar unter #6 ? :
„Aber es ist schon viel gewonnen, wenn man einfach nicht mitmacht.“ Dem schließe ich mich ausnahmsweise einmal an!

Die weiteren Kommentare nach meinem Beitrag -3-zeigen mir, daß meine Erwartung bestenfalls einer Wunschvorstellung gleichkommt, nämlich die aktuelle Diskussion über die Person Rommel, konkret die Frage nach seiner Teilnahme/Nichtteilnahme am Widerstand gegen das NS-Regime bis hin zur Planung des “Tyrannemordes” am 2o.7.44 zu nutzen, um darüber zu sprechen, ob und wie wir urteilsfähig, urteilsberechtigt sind im Umgang mit dem aktuellen Widerstand gegen Herrschaftsgewalt in vielen Staaten dieser Welt .Dabei wären dann auch darüber zu diskutieren, ob, wann, unter welchen Umständen ein Tyrannenmord legitimiert werden kann. Eine solche Diskussion, vor allem an Schulen, politischen Seminiaren an den Hochschulen, könnte etwas bewirken -und dann hätte -sh.der aktuelle Anlaß-auch der Rommel-Film etwas bewirkt.

Mich beschämt es, wenn auf diesem Hintergrund und bezogen auf dieses Anliegen u.a.über die Diskriminierung von Dicken diskutiert wird, eine Diskriminierung, die ich wie jede Diskriminierung schlimm finde, die ich ablehne, die ich aber im Zusmmenhang mit Rommel, mit Widerstand gegen das Nazi-Regime oder gar in ener Diskussion über die Frage nach dem Ob, dem Wie, nach dem “durch Wen” eines gerechten Tyrannenmordes für deplaziert halte.

@Walter Stach

es dürfte ihnen aber nicht entgangen sein, dass die Diskussion ganz anders begonnen hat und sich erst nach der Frage, ob junge Leute eine andere Sicht der Dinge haben (Stichwort: moralischer Rigorismus) als ältere Menschen, in die von ihnen beanstandete Richtung entwickelt hat?

Davon abgesehen halte ich die Frage nach Zivilcourage in unserer Zeit im Zusammenhang mit faschistischen Tendenzen für nicht ganz unwichtig.
Nicht ganz ohne Grund werden Faschismus, Rassismus, Sexismus, Homophobie, Antisemitismus und jedwede Form der Diskriminierung bei vielen Antidiskriminierungs-Projekten (bis hin zu Amnesty International) in einem Sinnzusammenhang genannt.
Sie lehnen die Diskriminierung von Dicken ab, schön und gut, sie messen ihr aber anscheinend einen geringeren Stellenwert zu, als bei anderen Diskriminierungen.

Nancy, mir entzieht sich völlig der Grund für die Feststellung im letzten Halbsatz des Beitrages -15-.
Wenn ich meinen Beitrag -14-letzter Absatz, zweiter Halbsatz nachlese, enthält der exakt das Gegenteil zu Ihrer Aussage.

Aber…..jetzt diskutiere ich leider -gezwungenermaßen- auch über “die Diskriminierung der Dicken”; und das paßt nun ‘mal nicht in eine, jedenfalls von mir für naheliegend und sinnvoll gehaltene Grundsatzdiskussion über Widerstand, Tyrannenmord aus Anlaß aktueller Ereignisse, in deren Mittelpunkt Rommel steht.

Sehr geehrter Herr Niewendick,
anstat einen generellen “Verdacht” der “Rechten-Gesinnung” zu entwickeln, wäre eine ordentliche Recherche mit Kontakt zu den Bewohnern dieses Wohnheims und dieses Vereins möglich gewesen, dann hätte man Ihnen auch erklären können, dass die Namenswahl des Wohnheimvereins einen leicht anderen Hintergrund hat. Der Name lehnt sich an eine Simpsons Folge an:

http://simpsons.wikia.com/wiki/Rommelwood_Military_School

Die historische Belastung des Namens der Straße ist sehr Wohl bekannt, Seitens der Stundeten aber auch nicht veränderbar. Es wurden bereits in den 80er Jahren Initiativen gestartet, die Straße umzubenennen. Ein Blick auf die Karte hätte ihnen offenbart, dass die Bennenung aller Straßen in diesem Wohnviertel “etwas konservativ” ist, was sich auch aus der Genese des Ensembles in den 50er Jahren ableiten lässt.

Sollte die Ironie im Namen des Vereins gefunden werden, darf sie behalten werden!

@Walter Stach

Was Rommel und den Widerstand des 20. Juli betrifft, scheint zweierlei fest zu stehen: Er lehnte eine Beteiligung ab – hat die Verschwörer aber auch nicht verraten, was anständig war.
Er wohnte mit seiner Familie in einem enteigneten jüdischen Haus – was nicht ganz so anständig war und die Frage aufwirft, ob er zumindest nix gegen die Verfolgung der Juden hatte, wenn’s für ihn vorteilhaft war.
Eine Haltung, die offenbar viele Leute in D an den Tag legten.
Was in der Frage eine gewisse Rolle spielt.

Sie fragen, ob ein Tyrannenmord gerechtfertigt ist. Gerechtfertigt sicher – wenn keine andere Möglichkeit besteht, Unheil für Hunderttausende, wenn nicht Millionen zu verhindern.
Aber hat er auch tatsächlich diesen Effekt?
Das war eine Frage, die sich die Verschwörer des 20. Juli zurecht gestellt haben – und die das Attentat immer wieder verzögerte.
Es ist oft der Vorwurf gemacht worden, das Attentat wäre viel zu spät erfolgt – gerne garniert mit der Unterstellung, die Offiziere hätten ja nur ihre Karriere retten wollen als sie merkten, daß der Krieg verloren war.
In Wirklichkeit formierte sich erster Widerstand bereits 1934.
Es war den Verschwörern klar, daß alles auf Krieg hinauslief, den wollte man verhindern.
Das Problem: Es war ihm ganz ohne Krieg gelungen, Österreich “anzuschließen” und die Tschecheslowakei zu besetzen. Die Mehrheit in D – und das Ausland! – wiegte sich in dem Glauben, daß die Kriegsgefahr bereits abgewendet war. Hitler war auf dem Höhepunkt seiner Popularität. Er hatte den Vertrag von Versailles quasi abgeschafft, was für die psychische Verfassung in D nicht ganz unerheblich war. Außerdem hatte sich die überwiegende Mehrheit der Deutschen sehr kommod eingerichtet im Hitler-Staat, wofür man das sukzessive Verschwinden jüdischer Mitbürger zu übersehen bereit war – wenn man nicht sogar davon profitierte – z. B. indem man für einen Spottpreis eine hübsche Villa bekam, weil die früheren Besitzer “ganz plötzlich weg mußten”.
Die Verschwörer fürchteten schlicht, daß bei einem erfolgreichen Attentat eine neue “Dolchstoßlegende” aufkommen könnte.
Das galt erst recht, als der Krieg im Gange war und Hitler einen Sieg nach dem anderen feierte.
Außerdem war es nicht damit getan, nur Hitler zu beseitigen. Um zu verhindern, daß Göbbels oder Himmler nahtlos übernehmen, mußten sie ebenfalls ausgeschaltet werden.
Als zusätzliches Problem kam jetzt hinzu, daß die Offiziere jetzt an verschiedenen Fronten eingesetzt waren und die Kommunikation dadurch erschwert.
Mehrere Attentate wurden im letzten Moment verhindert, weil Hitler zu einem Treffen nicht erschien, oder früher ging als geplant.
So dauerte es eben bis zum 20. Juli 1944. Die Attentäter hatten einen Plan ausgearbeitet, der hätte funktionieren können, incl. Besetzung von Schlüsselstellungen zwecks Bildung einer Übergangsregierung.
Der Zeitpunkt war spät. Allerdings sei angemerkt, daß im letzten Kriegsjahr auf allen Seiten mehr Opfer umkamen als in den 5 Jahren zuvor zusammen.
Nur hat dann leider jemand die Aktentasche mit dem Sprengstoff zur Seite gestellt…

Tyrannenmord, das klingt so einfach. In Wirklichkeit eine höchst komplizierte Angelegenheit, wie man sieht. Und das war jetzt nur eine Kurzfassung – die Langfassung hat Joachem Fest mit dem Buch “Staatsstreich” geliefert.

Und noch ein Dilemma gibt es: Ob ein Tyrann wirklich ein solches Unheil anrichtet, ob z. B. wirklich ein Völkermord statt finden soll, weiß man mit letzter Sicherheit erst, wenn es bereits zu spät ist. Man geht neben dem Risiko fürs eigene Leben also auch ein gewisses moralisches ein.
Obwohl die Geschichte zeigt, daß ein angekündigter Massenmord auch durchführt wird, wenn niemand einschreitet. Das hat sich gezeigt, als in der Türkei die Armenier aus den Häusern getrieben, in der SU die “Kulaken” zu Feinden dér Revolution erklärt wurden, als Hitler gegen die Juden hetzte, in Kambodscha der neue Mensch erfunden werden sollte und man in Ruanda die Macheten verteilte.
Das moralische Risiko, den Spruch “Nie wieder” mal wieder nicht ernst genug genommen zu haben, ist womöglich größer.

Und besonders ägerlich: Die wenigsten Probleme haben hinterher Leute, die sich so kommod in die Umstände gefügt haben (und wenn alles gut geht vielleicht sehr günstig an eine hübsche Villa gekommen sind). Die rationalisieren das moralische Dilemma ganz fix mit der Forderung weg, die Dinge doch bitteschön mal “aus damaliger Sicht zu sehen”.

@Puck

Es hilft ja nichts, jetzt muss ich doch wieder ran, obwohl das Thema Rommel mich eigentlich nicht besonders reizt 😉

Meine Anmerkung, dass es ist auch wichtig sei, zurückliegende geschichtliche Ereignisse nicht nur unter heutigen Wertvorstellungen zu betrachten,
die von ihnen als besonders ärgerlich empfunden wird bezog sich im Fall Rommel auf den anderen Stellenwert, den das Militär in früheren Zeiten hatte. Militärische Führer und ihre “Leistungen” wurden nicht mit der Skepsis bedacht, die heute nach Ende des 2. Weltkriegs üblich ist. Wenn man also die damalige Sichtweise verstehen will, helfen die moralische Wertvorstellungen von heute nicht unbedingt weiter.

Wobei es ja heute noch Leute gibt, die glauben es reiche aus, wenn ca. 80% der Deutschen im stillen Kämmerlein gegen den Afghanistan-Einsatz sind 😉

Das Verstehen geschichtlicher Zusammenhänge “aus damaliger Sicht” bezieht sich natürlich nicht nur auf die Nazi-Zeit, sondern auch auf andere geschichtliche Zusammenhänge. Nur als Beispiel:
Das Recht der Samurai im Japan der Feudalzeit, jeden Bürger niederzuschlagen, der ihnen nicht den gebührenden Respekt erwies, läßt aus heutiger Sicht nichtg mehr nachvollziehen; dazu muss man sich schon auch in die “damalige Sicht der Dinge” hineinversetzen.

@ Nansy

Das mit der damaligen Sicht, also das verstehen wollen aus der jeweiligen Zeit heraus, ist vom Ansatz her gut nachzuvollziehen. Es birgt aber immer das Problem zu unterschlagen bzw. nicht zu prüfen ob es in eben der betrachteten Zeit nicht auch (schon) ganz andere Ansichten und Wertvorstellungen gab, die sich aber nicht oder nur minderheitlich durchsetzen konnten.

Die Folge dieser Feststellung eines “Zeitgeistes” aus dem man die Handelnden in einem bestimmten Zeitraum besser verstehen könnte ist ja in der Regel leider auch, dass sich die Täter damit – zumindest der nachkommenden Generation gegenüber – mehr oder weniger erfolgreich raus zu reden versuchen.

@ Puck #18

“Er lehnte eine Beteiligung ab – hat die Verschwörer aber auch nicht verraten, was anständig war.”

Es gibt möglicherweise auch eine ganz andere Erklärung die rein garnichts mit Anstand zu tun hat: Er wollte, egal wie die Sache ausging, auf jeden Fall auf der Gewinnerseite stehen.

@ Der, der auszog #7

Der Mythos der über all den Einzelmythen des deutschen Faschismus steht ist der von der großen Verführung und der Unmöglichkeit des Widerstandes:

Die armen dummen Mehrheitsdeutschen wurden gegen ihren Willen durch einen begnadeten Verführer zu Weltkriegern und Völkermörden gemacht und die sich nun mal überall in der Minderheit befindlichen Mutigen konnten nicht mutig sein, weil das sofort mit dem Tode bestraft wurde.

Dabei war es ganz anders: Die übergroße Mehrheit der Deutschen wollte gerne zu einem Herrenvolk gehören und wäre ihrem Führer, sofern er den Krieg gewonnen hätte, mit Vergnügen ins 1000jährige Reich gefolgt.

Die eigentliche Bedrohung der Mutigen war deswegen auch nicht das Terrorsystem der Nazis sondern diese übergroße Volksmehrheit, die das Naziregime erst möglich gemacht und bis zuletzt mitgetragen hat. Fast die gesamte Elite, auch die militärische, mit eingeschlossen.

@Arnold Voss

Das ist sicher richtig, nur ist die “Generation der Täter”, die sich damit rausreden könnte, langsam ausgestorben. Dann könnten sich eigentlich nur die “unbelehrbaren Nachfahren” auf diesen “Zeitgeist” berufen, was allerdings ein Widerspruch in sich wäre.

Was mich zu der Frage führt, wäre es heute überhaupt noch möglich, eine Straße, ein Studentenwohnheim nach einem militärischen Führer zu benennen, sei er auch noch so weit von der Nazi-Zeit (vor- oder nachher) entfernt? Auch da gibt es offenbar einen Wertewandel, den ich überhaupt nicht bewerten will.

Also liebe Ruhrbaronblogger, das ist doch ein wenig schwach, dass hier keiner auf die aus meiner Sicht berechtigten Einwände von Herrn Scheer und Frau Musterfrau eingeht.

Oder recherchiert Herr Niewendick noch für Belege, die es rechtfertigen, die Rommelwoodianer mit “Revisionisten-Vereinen von Wehrmachtsveteranen und anderen NS-Nostalgikern” in einem Atemzug nennen zu dürfen?

Hier vielleicht ein paar Anregungen:

1. Wird hier nicht ein “rommelähnlicher” Militarismus verherrlicht?

http://www.rommelwood.de/albums/index.php?sfpg=RmFzY2hpbmcvZjIwMDcvcGFydHkvKio3OTM4NzZmNmJmMjA0MzlkZWNkMWRiNGZlNjkxYzIxNQ

2. Tragen die nicht sowas wie “Braunhemden”?

http://www.rommelwood.de/albums/index.php?sfpg=RmFzY2hpbmcvZjIwMDgvZmVzdC8qKjk0ZDNkMjI2ZDY4YzZmM2ZlNzA2YjYyNTZmMWU5Y2E3

3. Kann man mit ein wenig Fantasie hier auf dem T-Shirt nicht ein verbrämtes Hakenkreuz erkennen?

http://www.rommelwood.de/albums/index.php?cmd=thumb&sfpg=RmFzY2hpbmcvZjIwMDgvZmVzdC8qZmVzdDA1NTkuSlBHKmUyYmNhOWU4OGQ4MTRhNmQ1YWJhZmU4MmJmYWU1Y2Ey

4. Ist da im Hintergrund ein Haken- oder doch nur ein Fensterkreuz?

http://www.rommelwood.de/albums/index.php?sfpg=RmFzY2hpbmcvZjIwMDgvcHJvYmVtaXhlbi8qKmQ1ZTQyOTRlMDQ2MTVjOGFlOGQzODFhZDZiYzhhNWI1

5. Und hier wird es ganz schlimm:

http://www.rommelwood.de/albums/index.php?sfpg=RmFzY2hpbmcvZjE5OTgvKioyYzZjZmE3ZmZiYjQxYmZjMmQ5YTVkNmZkZmMwMzVkNQ

Mehr über diese dubiosen Franken findet man hier:

http://www.rommelwood.de/albums/index.php?sfpg=RmFzY2hpbmcvZjIwMDgvKio3NTAwYzMwYTRjN2M2YzVlMWNhZWFlZmYyNGQxOWRmZQ

Weitere Hinweise auf nazi- bzw. revisionistische Indizien unbedingt bloggen, damit Herr Niewendick Material für einen Verbotsantrag beim bayrischen Innenminister sammeln kann.

@Arnold Voß

Man kann eigentlich noch nicht einmal sagen, daß sich die Leute nach dem Krieg “rausreden” wollten, das hieße, daß ein Schuldbewußtsein vorhanden wäre. Scheint nicht der Fall zu sein.
Sehr aufschlußreich finde ich z. B., wenn Günter Grass ganz gelassen fest stellt, daß ihm “Rassismus eigentlich erst nach dem Krieg aufgefallen ist” – und zwar bei den Amerikanern. Einem kritischen Geist wie GG wäre es doch wohl zuzumuten, sich mal die Frage zu stellen, warum ihm der RAssismus, der zum Tod von 6 Mio Menschen geführt hat, gar nicht aufgefallen ist, und vielleicht ein bißchen darüber zu erschrecken. Anscheinend war ihm der RAssismus der Nazis so geläufig, daß er noch nicht einmal 60 Jahre später auf die Idee kommt, daß er da wohl was nicht gecheckt hat.
Und nein, das ist nicht exakt der Zeitgeist, den Nansy hier dauernd berücksichtig sehen will.
Man kann nicht Verständnis für einen “Zeitgeist” haben, den sich die Protagonisten selbst geschaffen haben. Genau das wird nämlich bei allem Geschichtsbewußtsein gerne übersehen: Die Deutschen wurden nicht von einem verbrecherischen Regime beherrscht, oder gar verführt, sondern sie waren ein Teil desselben.
Das ist dann ungefähr so, als wenn die Umtriebe der Hells Angels damit entschuldigt werden sollen, daß dort eben eine aggressive Stimmung vorherscht, und da kommt es eben schonmal zu einem kleinen Bandenkrieg, so als Betriebsunfall.

Überhaupt die Sache mit der Verführung: Es wird stets so getan, als ob Hitler der große Verführer gewesen wäre. Er hat mit größtmöglicher Plumpheit an niederste Instinkte apelliert. Aber ein großer Redner? Es gibt Zeitzeugen, die sich – Achtung auch an Nansy! Hier kommt der Zeitgeist! – gehörig lustig gemacht haben über dieses krakeelende Männchen, das brüllt, obwol es ein Mikro hat. Wenn man genau hinsieht, erkennt man, wer er ist: Der wild gewordene Kleinbürger, der mal groß sein darf.
DAs war es, was die Leute angezogen hat.
Die meisten Anhänger hatten die Nazis ja nicht – wie oft behauptet – in den Eliten (die sich allerdings nach der “Machtergreifung” ziemlich fix angepaßt haben), sondern unter Kleinbürgern. Beamte, Handwerker, Ladenbesitzer usw.

M. E. gibt es deshalb auch nur eine wirklich zutreffende künstlerische Darstellung Hitlers: Charlie Chaplin als “Großer Diktator”.

zu #21
Mag sein, daß Rommel geschwiegen hat, weil er sich allen Seiten gegenüber absichern wollte.
Aber ich tippe eher auf den Corpsgeist im Millitär. Wenn man das Buch von Joachim Fest liest wundert man sich gelegentlich, daß die Verschwörer nicht verraten wurden. Es wurde relativ offen versucht, innerhalb des Millitärs Mitverschwörer zu gewinnen. Die meisten haben zwar nicht mit gemacht – aber eben auch geschwiegen. Und selbst von denen, die nicht angesprochen wurden, müssen einige die Konspiration förmlich gerochen haben.
Aber wie es aussieht, war die Loyalität “untereinander” größer als gegenüber der Partei oder Hitler, auch wenn ein Staatsstreich abgelehnt wurde.

@Arnold

“Diederich Heßling war ein weiches Kind, das am liebsten träumte, sich vor allem fürchtete und viel an den Ohren litt…”

So beschrieb Heinrich Mann 1914 am Vorabend des ersten Weltkrieges, den “Untertan”, das, was Du vermutlich den armen dummen Mehrheitsdeutschen nennst, der zu gerne dazu gehört hätte. Der Deutsche als Träumer, als Angsthase, als Schwerhöriger, als psychisch labiles Weichei. Dieses nicht gerade von Selbstbewusstsein strotzende Selbstverständnis des idealen Staatsangehörigen kann man auch auf den Nationalsozialismus beziehen, vermutlich sogar noch krasser als auf die Kaiserzeit. Eine so dermassen devote Grundeinstellung der Bevölkerung gegenüber der Obrigkeit ist heute kaum mehr vorstellbar. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war sie aber absolut modern und bis auf die 15 Jahre Weimarer Republik kannte man eigentlich auch nichts anderes in Deutschland.

Das wir heutzutage freie Bürger sind und keine Untertanen mehr, das wir aus einem reichhaltigen Wissensangebot schöpfen und uns bezüglich unserer Geschichte ein differenziertes Urteil erlauben können, statt als arme dumme Mehrheitsdeutsche populistischer Propaganda aufzusitzen, ist einzig und alleine der Tatsache gezollt, dass wir den Krieg verloren haben und in unser jetziges Staatssystem wie in ein Korsett hineingezwängt wurden.

Bei allem Respekt vor den Widerstandskämpfern des 20. Juli kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es den putschenden Militärs um Staufenberg um ein Deutschland ging, das in irgendeiner Weise Ähnlichkeit mit der Bundesrepublik hätte, in der wir heute leben. Das Experiment Demokratie in Form der Weimarer Republik war gescheitert und wenn man das Deutsche Volk frei wählen lässt, wählt es irgendwann einen Mann wie Hitler. Der militärische Widerstand wollte vermutlich zurück bis ins Kaiserreich, als der Deutsche noch nicht so antisemitisch, aber doch noch treudummer Untertan war.

Das Gedenken an den Widerstand des 20. Juli sollte man deshalb auch nur im Zusammenhang mit dem Tyrannenmord sehen. Einer Bewertung dieses Widerstandes als militärische Leistung, in der die Beteiligten gar zu Muster- oder Vorzeigesoldaten gemacht werden, halte ich indes für ein Verklären und erneutes Mystifizieren. Das wäre auch zu einseitig gegenüber den “zivilen” Angehörigen dieser Widerstandsgruppe wie Goerdeler oder Bonhoeffer.

Rommel hat in dieser Widerstandsgruppe gar nichts zu suchen. Er hat im System Hitler wunderbar funktioniert und selbst mit seinem Freitod noch dem nationalsozialisten Proagandapparat gedient, so bizarr das auch erscheinen mag. Rommels Schuld und Verantwortung wird auch nicht gemindert, in dem man Straßen, Wohnheimen oder Kasernen seinen Namen geben. Dies hilft lediglich der Verklärung.

Eigentlich ist es an der Zeit, auch den Mythos um Staufenberg und den Widerstand des 20. Juli zu entmilitarisieren und ihnen dafür ihre Menschlichkeit zurückzugeben. Vielleicht gelingt es dadurch irgendwann einmal, den 20. Juli in einem Atemzug mit Widerstandskäpfern wie Ernst Thälmann zu nennen. Zwischen Thälmanns und Staufenbergs Vorstellungen, wie Deutschland ohne Hitler aussehen könnte, liegen zwar Welten, aber in der Erkenntnis Hitler und den Nationalsozialismus bekämpfen zu müssen, sind sich Thälmann und Staufenberg ähnlicher, als Staufenberg und Rommel.

@Puck

Vieles von dem, was Sie hier sagen, kann ich unterschreiben. Nur, es gibt eben nicht nur schwarz und weiß, sondern auch vielfältige “Graustufen”.
Zitat: “Die Deutschen wurden nicht von einem verbrecherischen Regime beherrscht, oder gar verführt, sondern sie waren ein Teil desselben.”
Nicht entweder oder, sondern auch! Das eine schließt das andere nicht aus. Es gibt keine einfachen Erklärungen. Und um auf das Zitat zurückzukommen, sind nicht auch die Bürger anderer verbrecherischer Regime Teil des Systems gewesen (Kambodscha, Chile, Russland unter Stalin u.s.w.)?

Und um auf den Ausgangspunkt zurückzukommen, Stichwort von Martin Niewendick: “skurrile Blüten” („Rommelwood Verein“, “Erwin Rommel Studentenwohnheim”). Worum soll es also gehen? Um die Namen von historischen Figuren auf Strassenschildern, Namen von Vereinen und Studentenwohnheimen? Oder mehr um kritische Distanz, d. h. dass man sich von den Ideen, Auffassungen der Namensgeber distanzieren will? Wenn wir “kritische Distanz” erreichen wollen, dann aber nicht nur bei Strassenschildern und Vereinen, sondern auch bei Organisationen, die bis heute unser Leben beeinflussen (z.B. den Guttemplern)

Zitat: “Der Kampf gegen das Alkoholkapital wird in Deutschland am schärfsten und wirksamsten geführt vom unabhängigen Orden der Guttempler. Dieser ist eine internationale, straff organisierte Vereinigung. die z. Zt. über 300 Logen und 10000 Mitglieder umfaßt. Sie bekämpft aus ethischen, rassenhygienischen und wirtschaftlichen Gründen den Alkoholismus durch die Verbreitung des Enthaltsamkeitsgedankens. Durch Gemeindebestimmungsrecht und Staatsverbot hofft sie die Kulturschädlinge: Trinksitte und Alkoholkapital dauernd zu beseitigen und einer reineren Kultur den Weg zu bereiten. Der Orden baut sich auf sozial-ethischer Grundlage auf und ist in politischerund religiöser Hinsicht durchaus neutral.
Vorsitzender der deutschen Großloge, Prof. Dr. Leimbach”

http://www.wissdok.com/sammlungen/medizingeschichtliches/sucht/bigimages/d07.png

Der Journalist Klaus Dede: “Der jüngste Konflikt wurde während der Nazizeit mit dem deutschen Guttempler-Orden ausgetragen, der sich 1933 sofort und aus Überzeugung der NSDAP anschloss. Mit dieser Nazivergangenheit ist die Organisation bis heute nicht fertig geworden.” und
“Wenn die Guttempler also in der Nazizeit ihre organisatorische Selbständigkeit bewahren konnten, so lag das nicht an ihrer Geschicklichkeit, sondern daran, dass ihr Führungspersonal – bis hin zur Ebene der Gruppenleiter – die Nazi-Ideologie aus Überzeugung vertraten und praktizierten mit der Folge, dass es für Alkoholiker ausgesprochen lebensgefährlich war, wenn sie in die Hände eines Guttemplers, wie beispielsweise Heinrich Nobel in Bremen, fielen, der sich nicht entblödete, das Privat-KZ eines Unternehmens im Teufelsmoor mit Sklaven zu beliefern, die er seiner Klientel entnahm.”

Nach meinen Recherchen haben die Guttempler ihre Rolle in der NS-Zeit nie richtig aufgearbeitet. Noch heute wird von ihnen oft nur über ihr “Leiden” und ihre Vereinnamung in der NS-Zeit gesprochen. Man wurde also “gezwungen” mitzumachen….

Die Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren wurde vom Guttempler-Orden und anderen Abstinenzorganisationen nach dem 2. Weltkrieg wieder mitbegründet. Sie ist die Nachfolgeorganisation der 1921 gegründeten Reichshauptstelle gegen Alkoholismus.

Die Guttempler sind bis heute Mitglied im Drogen- und Suchtrat, der die Drogenbeauftragte der Bundesregierung berät. Übrigens: im September ist der grünen Ministerin Barbara Steffens vom Abstinenzler-Verband Guttempler der “Wegbegleiter”-Preis verliehen worden.

Wie halten wir es denn in diesem Fall mit der kritische Distanz?

@ DER, DER AUSZOG #26

Zitat: “(…)Bei allem Respekt vor den Widerstandskämpfern des 20. Juli kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es den putschenden Militärs um Staufenberg um ein Deutschland ging, das in irgendeiner Weise Ähnlichkeit mit der Bundesrepublik hätte, in der wir heute leben.(…) Zitat Ende

Eine Demokratie wie die Bundesrepublik heute? Nein, das vielleicht nicht. Zurück zum Kaiserreich aber bestimmt auch nicht, dafür war die Organisation zu breit gefächert. Einige waren sicher “kaisertreu”, andere dachten über die “Vereinigten Staaten von Europa” nach.

Und noch etwas sollte man nicht außer acht lassen: Auch die Bundesrepublik der 50er/60er Jahre war zwar eine Demokratie, aber alles andere als der Staat, in dem wir heute leben.

Die 60er habe ich selbst erlebt. Keiner, der das nicht erlebt hat, kann sich vorstellen, wie engstirnig und gestrig das Land damals war. Kinder durften “gezüchtigt” werden (mit dem Rohrstock z. B.), ein Ehemann durfte den Job seiner Frau kündigen, NIEMAND

@ DER, DER AUSZOG #26

Zitat: “(…)Bei allem Respekt vor den Widerstandskämpfern des 20. Juli kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es den putschenden Militärs um Staufenberg um ein Deutschland ging, das in irgendeiner Weise Ähnlichkeit mit der Bundesrepublik hätte, in der wir heute leben.(…) Zitat Ende

Eine Demokratie wie die Bundesrepublik heute? Nein, das vielleicht nicht. Zurück zum Kaiserreich aber bestimmt auch nicht, dafür war die Organisation zu breit gefächert. Einige waren sicher “kaisertreu”, andere dachten über die “Vereinigten Staaten von Europa” nach.

Und noch etwas fällt mir da spontan ein: Auch die Bundesrepublik der 50er/60er Jahre war zwar eine Demokratie, aber alles andere als der Staat, in dem wir heute leben.

Die 60er habe ich selbst erlebt. Keiner, der das nicht erlebt hat, kann sich vorstellen, wie engstirnig und gestrig das Land damals war. Kinder durften “gezüchtigt” werden (mit dem Rohrstock z. B.), ein Ehemann durfte den Job seiner Frau kündigen, NIEMAND zog die Augenbrauen hoch, wenn von “Itakern” oder “Kümmeltürken” die Rede war, schwul sein stand unter Strafe und Unverheirateten verweigerte man eine gemeinsame Wohnung unter Hinweis auf den “Kuppelparagraphen”. Die Kinder mußten Diener (Jungs) oder Knicks (Mädchen) machen und beim Essen wurde nicht geredet, man führte sich so effizient Nahrung zu wie man die Vergangenheit verdrängte (die damals noch sehr nah war!). Und ja, man hatte keine Scheu, Straßen nach Rommel, Hindenburg oder sonst einer Koryphäe zu benennen. Stauffenberg galt als Verräter, Marlene Dietrich wurde angespuckt, weil sie für die Amis aufgetreten ist, während Zarah Leander, Heinz Rühmann und Marika Röck Publikumslieblinge waren…
Nee, das kann sich keiner heute mehr vorstellen…
DAfür war eine lange Entwicklung nötig.

-Puck-18:
Erfreulich, daß Sie es mit Ihrem Beitrag geschafft haben, daß die Causa Rommel doch noch dazu geführt hat, hier im Blog einige Gedanken auszutauschen zum Grundsätzlichen der Thematik/Problematik des Widerstandes gegen die Staatsmacht, des Widersandes gegen einen Tyrannen bis hin zum sog.Tyrannenmord -sh.dazu meine Beiträge -3-,-14,-16-.

Auf Ihre Anmerkungen muß ich hier nicht näher eingehen, da sie im wesentlichen Auffassungen widergeben, die bekannt sind und die ich weitgehend teile.

Ich will hier nur daran erinnern, daß die Frage nach dem “OB und dem Wie” des “gerechten Tyrannenmordes” existent ist, seitdem es in wie auch immer verfaßten und organisierten menschlichen Gesellschaften Herrschaftsmacht gibt, die von Beherrschten als “ungerecht, als unmenschlich” empfunden wurde bzw. empfunden wird -beginnend mit Aristoteles, Platon bis in unserer Zeit-.

Und wer ganz viel Zeit und ebenso viel Interesse an dem Thema hat, findet dazu umfangreiche Literatur -von Philosophen, von Theologen, von Juristen, von Politikern, von Literaten u.a.Und bei alldem geht es, so wie u.a.in den Diskussionen des Kreisauer-Kreises und Widerständler des 2o.Juli u.a.immer wieder darum,ob ein Recht oder gar ein Pflicht zum Widerstand besteht und ob evtl. in dessen Folge auch der Mord des Tyrannen rechtens sein kann oder sogar pflichtig ist, wenn dieses mit dem G e w i s s e n des Einzelnen vereinbar oder sich sogar als Pflicht gegenüber dem eigenen G e w i s s e n ergibt;aber auch diese ausschließlich dem Gewissen überantwortete Entscheidung des Einzelnen für oder gegen den Tyrannenmord ist strittig.

Damit begründe ich auch, daß es mir letztlich verwehrt ist, darüber zu befinden, ob im jeweils konkreten Falle Widerstand bis hin zum Tyrannenmord moralisch zu verantworten war oder ob es dazu gar eine moralische Pflicht gab.
Es ist nicht möglich, das Gewissen eines anderen zu erforschen und schon gar nicht, die Entscheidung des Gewissens enes anderen Menschen zu bewerten. Das gilt für mich auch gegenüber Rommel.

Es geht ganz und gar nicht darum, ob ich mir eine andere Gewissensentscheidung Rommels gewünscht hätte oder nicht, denn selbst das eigene Gewissens ist bekanntlich kein ” Wunschkonzert”.

Und wie hätte ich an der Stelle von Rommel entschieden? Die Frage ist nicht zu stellen.Und “Gott sei Dank” werde ich mein Gewissen in vergleichbarer Situation nie zu fragen haben, ob………………………………………………………………..!

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