Review: Andrew Pekler – Tristes Tropiques

1935 reiste der Ethnologe Claude Levi-Strauss in die brasilianischen Wälder. Er hatte die Nase voll von schnöder Theorie. Sein Reisebericht „Traurige Tropen“ beschrieb nicht nur die indigenen Völker die er vor Ort vorfand, sondern kritisierte auch die Methoden und Auswirkungen der Wissenschaft, die er in Europa zurückgelassen hatte. Andrew Peklers Album heißt nicht nur wie jener Reisebericht, es ist quasi die Vertonung einer optimistischen Sicht auf die Wildnis.

Auf einem Teppich aus Zirpen und Zwitschern tastet sich Pekler in den Regenwald vor und spielt sich im Laufe seiner Reise geradezu in einen exotischen Rausch, zur Mitte des Albums durchleben wir psychedelische, repetitive Stellen, die von Trommeltänzen indigener Tänzer inspiriert sein mögen. Klar, die Ethnowolke hängt über dem ganzen Projekt – aber Andrew Pekler löst die Tropen-Abenteuer aus einer Dokumentation oder gar einem Ablatsch klar heraus und führt uns in eine assoziative, magische Welt. Das schönste Stück ist das elfminütige Theme From Tristes Tropiques / Avian Modulations / Life In The Canopy an vorletzter Position, in dem wir nunmehr ganz im Dschungel angekommen sind – eine lebendige und zugleich friedliche Stimmung liegt in allen Geräuschen. Werner Herzog hätte vermutlich kein Verständnis.

Tristes Tropiques lässt dem Fremden das Exotische, gemeindet es durch seine Synthetisierung aber zugleich unserem Kulturkreis ein – und auch unseren Hörgewohnheiten. Eine schöne, nicht-banale Aufnahme und unbedingt im Ganzen zu sich zu nehmen.

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