Rente: Kids, hier kommt die Warnung!

Alle paar Monate bekommt meine Generation entweder durch einen Brief der Rentenversicherung oder durch Medienberichte zu hören, dass es knapp mit den Renten wird.  Die schlechte Nachricht für die Jungen: Wir werden versuchen, Euch auszunehmen wie die Weihnachtsgänse.   

So gerade eben gehöre ich, Jahrgang 1964, noch zu den Baby-Boomern. Nach dem Krieg und vor der Markteinführung von Pille und Privatfernsehen hatten die Deutschen ein Hobby: Sex. Sie trieben es auf den Rücksitzen von Kleinwagen wie dem NSU-Prinz, sie trieben es beim Campingurlaub in wackeligen Zelten  und sie trieben es in den noch abzuzahlenden Schlafzimmern ihrer ersten eigenen Wohnungen.

In den ersten 20 Jahren nach dem zweiten Weltkrieg wurden kinderreiche Jahrgänge gezeugt, von denen die ersten sich langsam aber sicher der Rente nähern. Und weil wir lieber schöne Autos, große Wohnungen, feine Reisen und fette Stereoanlagen haben wollten als schreiende Bälger, die schlecht für die Figur sind und dazu noch in die Computertastatur strullen hielten wir uns mit der Produktion des Nachwuchses zurück. Porsche statt Peter und Petra.

Das ist ein Grund dafür, warum das mit der Rente bei uns knapp werden wird. Das der Generationenvertrag schon in den 20er Jahren kaum das Papier wert war, auf dem er angeblich geschrieben wurde – ich hab zum Beispiel nie einen solchen Vertrag unterschrieben – war zwar schon länger klar, weil ab dem ausgehenden 19. Jahrhundert weniger Kinder geboren wurden, aber so richtig bitter wird es erst in ein paar Jahren werden.

Und ihr Jungspunde in den 20ern und 30ern denkt das ist nicht Euer Problem? Fein, dann hat es sich ja gelohnt Euch als Kinder vor den Fernseher zu setzen. Ihr irrt Euch nämlich: Wir sind viele und ihr seit wenige. Und in einer Demokratie heißt das: Wir bestimmen und ihr nicht. Als Generation die nie Mangel erlebt hat, wurden wir zu hemmungslosen Egoisten herangezogen. Nachhaltigkeit bedeutet für die meisten von uns, dass wir alles haben und die anderen nichts.   Deswegen sind ja die Grünen die Partei meiner Generation: Ein schicker  Green New Deal für Deutschland, ein paar handgebastelte Bio-Lehmhütten für Afrika.

Und so werden wir es mit Euch auch machen: Wir erklären Euch jetzt schon, das Auto fahren blöd ist. Das Geld das ihr für Autos ausgeben würdet, hätten wir nämlich gerne. Und klar, ernährt Euch vegan, hört auf zu rauchen und trinkt nicht so viel – immerhin müsst ihr ja bald für uns mitarbeiten. Da ist Fitness angesagt.

Und wenn Ihr Euch wehren wollt, wenn Ihr der Meinung seit, von dem, was Ihr erarbeitet, mehr behalten zu wollen, werden wir Euch der Altersdiskriminierung beszichtigen.  Das können wir nämlich auch ganz gut: Anderen ein schlechtes Gewissen machen. So leierten wir schon als Kinder unseren Eltern Berge an Spielzeug aus dem Kreuz.

Wenn ihr also in ein paar Jahren noch vernünftig leben wollt, müsst Ihr uns im Blick behalten und darauf achten, dass wir Euch nicht komplett ausnehmen. Denn das werden wir tun.

Wollen wir also nicht bald  zusammen rasseln, sollten  wir  einen Weg finden, wie wir miteinander zurecht kommen werden. Und das ziemlich flott. Von der Politik hab ich noch nichts vernünftiges gehört, also sollten wir uns selbst ein paar Gedanken machen.

Und wenn ihr darauf keine Lust habt, weil ihr gerade im Bioladen steht und überlegt welche Möhre Euch mehr Karmapunkte bringt, ist das auch OK. Dann habt ihr halt verloren. Aber sagt  nicht, ihr wurdet nicht gewarnt. Das Internet vergisst nämlich nichts. Auch diesen Text nicht!

16 Kommentare

Bei diesem Thema sollte man alles andere als entspannt sein. Man sollte den nachfolgenden Generationen schon regelmäßig verdeutlichen, dass ihre Ersparnisse bald kaum noch einen Wert haben und Renten nicht mehr finanziert werden können.

Der demografische Wandel ist sicher eine Herausforderung. Zum Problem wird er nur durch

– die umlagefinanzierten Sozialsysteme,
– die defizitären Staatsfinanzen und Schuldenexzesse in Europa,
– die Inflationierung der Währung im allgemeinen,
– …

ich würde gerne mal bei aller katastrophenheischenden Kaffeesatzleserei, die bei Rentenprognosen gemacht werden, darauf hinweisen,
– dass die Renten immer auch von der Menge und Höhe jeweils aktuell einzahlenden Personen abgehängt hat, abhängt und abhängen wird und das auch 2012,2022, 2032 und 2042
– dass diese Höhe von der Höhe der Löhne abhängig ist und das durch Mindestlöhne verbessert werden könnte
– dass auch immer wieder neue Einwanderer diesen Rentenbeitrag gezahlt haben, zahlen und zahlen werden und wir uns nicht nur auf Kinder verlassen müssen
– dass auch Frauen weiterhin nicht im Haushalt verschimmeln sollten und erwerbstätig werden können
– dass auch Beamte und Freiberufler evtl. auch mal ins System einzahlen könnten.

Leider mal wieder so ein Thema, wo kräftig drüber diskutiert wird, aber nicht die richtigen Fragen gestellt werden. Man kann doch klar an den Zahlen, die grade durch den Äther fliegen sehen, dass ein Rentensystem, wie es Deutschland momentan besitzt, nicht mehr Zeitgemäß ist. Soll heißen, es passt nicht zum Arbeitsmarkt und Wirtschaftssystem. Oder doch?

Denn erst mal muss man da jawohl die Frage nach dem Zweck stellen. Und die Antwort darauf ist ja anscheinend (wie es auch öffentlich gesagt wird), dass jemand der 35 Jahre durchgehend (!!) gearbeitet hat, bei einem Bruttolohn von min. 2500,- mit eigenverantwortlichen “Zuzahlungen” (Rister usw.) eine Rente von 850,- EUR erhalten soll. Das sieht die deutsche Regierung als “vernünftige” Rentenhöhe an.

Der Zweck der Rente, wie er von heutigen Politikern also gesehen wird, ist die Lebenserhaltung des Bürgers im Alter. Dass er eine Rente in der Höhe bekommt, damit er nicht zum Sozialamt laufen muss und dem Staat, in dem er wohnt und für dessen Bruttoinlandsprodukt und ökonomischen Wachstum er sich krummgebuckelt hat, dann wieder auf der Tasche liegt. Wer noch etwas “Luxus” im Alter haben möchte der muss sich frühzeitig selber drum kümmern. Falls es der Lohn in jungen Jahren denn zulässt.

Auch dieses Thema zeigt mal wieder, ähnlich wie Lohndebatten oder womit sich der Verbraucher am Stromnetzausbau beteiligen soll (also die Privatwirtschaft bei ihren Investitionen durch Preiserhöhungen unterstützen), dass der Otto-Normal-Verbraucher in Staaten mit den vorhandenen Wirtschaftssystemen Mittel zum Zweck ist und nicht der Zweck selber. Wenn man mehr im Rentenalter haben möchte als nur das nötigste zum Leben, dann muss man sich selber darum kümmern. Wenn man dann aber Pech bei der Jobwahl hat oder eine Sparte wegen einer Wirtschaftskrise ein Jahr Kurzarbeit einfügen muss, tja dann hat man pech gehabt oder ist selber schuld. Man hätte ja auch Manager, Politiker oder Vorstandsmitglied werden können. Da sind bestimmt genügend Posten offen für alle Arbeitsfähigen der Welt, naja ok, wenigstens für die paar Millionen Arbeiter in Deutschland. 😉

Und ihr “alten Säcke” seid daran nicht schuld. Nehmt euer staatlich gegebenes Recht und beutet aus was geht. Das ist hier in Deutschland und anderswo eben oberste ökonomische Pflicht! Und das Recht dazu vergibt der Gesetzgeber. 😉

Viel deutlicher als in D sehen wir in Südeuropa die allgemeine Besserstellung dieser Generation, die Jugend und die jungen Erwachsenen haben das Nachsehen.
Je mehr sich die Wählerschichten immer mehr zu Generation im oder nahe des Rentenalters verschieben werden, desto geringer wird die Wahrscheinlichkeit, dass sich etwas zu Gunsten Jüngerer verändern wird.
Erbschaften – die Empfänger sind ebenfalls der Personenkreis um ca. 60 Jahre – gilt es vor steuerlichen Zugriff zu bewahren, damit ein luxuriöses Lebensalter gesichert werden kann.

p.s. @Stefan Laurin.
Die Korrelation zwischen Grünen und dem Thema ist mir bei Dir schleierhaft.
Jahrzehnte ist mir eher der Blümsche Satz “die sind sicher” in Erinnerung geblieben, obwohl schon Schulbücher in Rheinland-Pfalz in den 80ziger Jahren schrieben, dass D ein Problem mit der Demographie hat.
Gerade aber bei Grünen sehe ich häufig die Erkenntnis zur Nachhaltigkeit, sei es in ökologische Fragen oder auch in der Rentenfrage.
Viele andere betonen zwar die Richtigkeit des Zwecks, aber verneinen aber die Umsetzbarkeit von Veränderungen jetzt und verschieben nur auf später, wenn z.B. die Wirtschaftliche Entwicklung es zulässt und jede Konsumfrage für die gesamte Bevölkerung geklärt ist.

Die Größe des Bruttosozialproduktes eines Landes hängt, bei zunehmendem technischen Fortschritt, immer weniger von der Anzahl der Arbeitenden und immer mehr von ihrer Arbeitsproduktivität ab. Deswegen ist dieses Diskussion eigentlich Nonsense, wie jeder sehen kann, der auf die wirklich armen Länder dieser Erde schaut. Da überwiegen in der Alterspyramide nämlich die Jungen die Alten um ein Vielfaches.

Es wäre übrigens auch bei uns kein Problem die Alterspyramide, wenn man es denn wirklich wollte, kurzfristige umzukehren. Es gibt nämlich reichlich Kinder und Jugendliche auf dieser Welt, die sofort zu uns kommen würden, wenn sie dürften. Sogar ohne Eltern, weil sie nämlich gar keine mehr haben.Ein erster Schritt wäre aber schon getan, wenn wir hier a l l e Jugendlichen zu einem Schulabschluss und zu einem qualifizierten Berufsabschluss führen würden.

Aber selbst die sogenannte ideale Alterspyramide ist zunehmend Nonsense, denn in einer Wissensgesellschaft ist, im Gegensatz zur Industriegesellschaft mit viel körperlich schwerer Arbeit, das biologische Alter des Menschen immer weniger für seine Leistungsfähigkeit entscheidend.

Und noch was: Die Überalterung hat demographisch gesehen die Form eine Bugwelle. Sie bleibt also nicht auf Dauer sondern sie geht vorüber, sprich die normale Alterspyramide stellt sich mittel- bis langfristig wieder her. Oder anders ausgedrückt: auch die Generation der Babyboomer wird sterben und dann ist der Spuk wieder vorbei.

Bis dahin allerdings, da hat Stefan recht, gibt es, sofern wir nichts ändern, ein paar stressige Jahrzehnte, was das Verhältnis von Jung und Alt betrifft. Ich für meinen Teil habe mich deswegen entschlossen, den Jungen nicht zur Last zu fallen, in dem ich länger arbeite. Mir macht meine Arbeit allerdings auch Spaß und von daher empfinde ich das auch nicht als Opfer oder Belastung.

Alle Überlegungen und Kommentare unter der Annahme, dass alle Randbedingungen bleiben werden wie sie sind. Peak Oil und Klimawandel anyone?

Und dann werden noch Dinge wie ein Nackenschlag kommen, die kaum jemand auf dem Radar hat. Zum Beispiel die notwendige Pflege unserer Infrastruktur.

Wie die Renten für die Masse der Bevölkerung aussehen werden un wie diese finanziert werden, das ist doch keine Frage von Alt gegen Jung, sondern von Reich gegen gegen Rest. Wenn der größte Teil der Produktivitätsfortschritte wie gehabt bei den Kapitalbesitzern hängenbleibt, dann kann man natürlich die Generationen fröhlich weiter aufeinanderhetzen.

@ Michel Ney

Ja, es ist viel mehr ein Verteilungs- als ein Generationenproblem. Das jetzt alle länger arbeiten sollen hat damit ebenfalls sehr wenig zu tun. Es ist, gerade wegen der demographischen Entwicklung, absehbar, dass der Arbeitsmarkt für die Unternehmen wieder enger wird.

Das würde jedoch unausweichlich zu Lohnerhöhungen führen die über den Inflationsausgleich hinausgehen und damit den Anteil der Arbeitnehmer am Produktivitätsfortschritt erhöhen, und genau das will die Kapitalseite tunlichst vehinden.

Da es aber in Deutschland politisch nicht durchsetzbar erscheint, den Arbeitsmarkt durch Zuwanderer wieder zu erweitern, sorgt man dafür, dass die Einheimischen länger arbeiten müssen, anstatt die Jugend besser zu qualifizieren. Letzteres kostet bekanntlich eine Menge Geld während die Verlängerung der Lebensarbeitszeit praktisch umsonst zu bekommen ist.

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