Relegation: Wenn Not gegen pures Elend siegt – Frankfurt bleibt, Nürnberg frustriert!

Fußball in Nürnberg. Foto: Daniel Jentsch
Fußball in Nürnberg. Foto: Daniel Jentsch

Gemessen an der sportlichen Bedeutung waren die Relegationsspiele zwischen dem Zweitligadritten, dem 1. FC Nürnberg, und dem Drittletzten des Oberhauses, der Frankfurter Eintracht, am Ende eine einzige Enttäuschung. Beide Teams offenbarten in den 180 Minuten ihres Kräftemessens in Hin- und Rückspiel, warum sie eigentlich nicht zu den 18 besten Fußballteams des Landes gehören dürften.

Dass die Frankfurter Eintracht es nun trotzdem weiterhin tut, das verdanken die Hessen dabei aber eben nicht der eigenen Stärke, sondern vielmehr der Schwäche der Franken.  Wenn ein Team sich in zwei kompletten Spielen eigentlich keine einzige eigene Torchance erarbeitet, dann kann es kaum begründet den Anspruch vertreten aufsteigen zu wollen. Und daher ist es gut und richtig, dass der 1. FC Nürnberg nicht aufgestiegen ist. Es wäre anderenfalls ein Aberwitz der jüngeren Sportgeschichte gewesen.

Schon am vergangenen Donnerstag war die Eintracht vom Main das deutlich bessere Team. Am Ende stand es in einem Spiel, welches von der am Spieltag bekanntgewordenen Erkrankung des Profis Marco Russ völlig überschattet wurde, dann bekanntlich 1:1.

Eine Ausgangslage vor dem Rückspiel also, die die Franken, welche im Hinspiel ausgerechnet auch noch von einem Eigentor der Frankfurter profitierten, plötzlich in die leichte Favoritenrolle brachte, obwohl eigentlich niemand so genau wusste warum. Doch im Heimspiel hätte dem Zweitligisten ja tatsächlich nun ein mageres 0:0 zum ersehnten Aufstieg gereicht.

Wer nun aber geglaubt hätte, der ‚Club‘ würde im Heimspiel zumindest etwas offensiver agieren, seine Fans somit auch gut unterhalten wollen, der sah sich gründlich getäuscht.

Vor 50.000 Zuschauern im Frankenland konnten sich die Zweitligakicker erneut keinerlei Offensivakzente erarbeiten, dominierten die Kovac-Kicker das Geschehen abermals. Nur zwei Bälle auf das gegnerische Tor abzugeben ist indiskutabel für einen ernsthaften Aufstiegsaspiranten.

Konnte, oder wollte der ‚Club‘ nicht? War die Taktik einfach zu defensiv gewählt, oder aber die Eintracht für die Weiler-Elf dann doch schlicht zu stark? Die Meinungen der Beobachter gingen nach dem Spiel auseinander.

Am Ende aber auch völlig egal, welcher Meinung man da persönlich auch zustimmen mag. Die Erkenntnis daraus kann in beiden Fällen nämlich nur lauten: Wer insgesamt so harmlos agiert wie der Zweitligist, der hat den Aufstieg eben auch schlicht nicht verdient.

Wer ins Oberhaus rauf will, der sollte auf dem Feld engagiert agieren, der muss dabei auch etwas riskieren. Dies konnte oder wollte der Zweitligadritte offensichtlich nicht. Und damit hat er seinen Anspruch auf einen Platz unter den 18 besten Teams des Landes dann eben auch verwirkt. Da nützt es letztendlich dann auch nichts, wenn man die beste Rückrunde aller Zweitligisten gespielt hat. Im entscheidenden Moment konnte Erstligatauglichkeit nicht im Ansatz nachgewiesen werden.

Dass es jedoch trotzdem bis zur 65. Spielminute dauerte bevor Haris Seferovic letztendlich der relegationsentscheidende Treffer für die Eintracht gelang, das lässt dann aber eben auch für die Frankfurter nichts Gutes erahnen.

Gegen einen so schwachen Gegner nicht deutlicher die Oberhand behalten zu haben, das belegt ebenfalls sehr anschaulich, warum sich die Hessen in diesen Relegationsspielen wiedergefunden haben.

Der Kollege Michael Kolb kommentierte das bereits am Abend während der laufenden Begegnung sehr passend mit den Worten „Der eine Verein ist nicht ohne Grund in der zweiten Liga und der andere Verein hat sich nicht ohne Grund in die Relegation “gerettet”“.

Nach dem Spiel fragt man sich nun sogar, warum nicht beide Teams in Liga Zwei spielen werden?

Da hat man im Laufe der letzten Monate sogar von den Absteigern Hannover 96 und dem VfB Stuttgart deutlich engagiertere und bessere Auftritte gesehen. Diese Relegation war insgesamt ein sportliches Desaster.

Den Anhängern der Eintracht wird das heute vermutlich erst einmal ziemlich egal sein, hat ihr Team sich doch damit glücklich gerettet. Wie schwach der Gegner dabei war, ist dabei natürlich grundsätzlich nicht ihr Problem. Doch wenn sich nicht Grundsätzliches ändert, dann dürfte man sich in Frankfurt auch im kommenden Jahr vermutlich wieder ganz unten in der Bundesliga wiederfinden. Nach den zuletzt gezeigten Leistungen wäre das zumindest wirklich nicht überraschend.

Frankfurt war diesmal nur die etwas wenige schlechte Mannschaft in den Relegationsspielen. Ein Grund zur Freude darf das für die Relegationssieger des Jahres 2016 nun aber wirklich nur ganz kurzfristig sein…

 

17 Kommentare

Ja, Robin, auch ich war sehr enttäuscht über das Niveau des Relegationsspieles gestern. Zwischen dem, was dort geboten wurde, und z.B. dem Pokalendspiel zwischen dem FCB und dem BVB lagen fußballerisch Welten -leider-!

Ja, Walter, wie sagt man doch so schön: Das Spiel lebte in erster Linie von der Spannung! 😉 😀

Also das "Abstiegs-Duell" Relegation mit dem Pokalfinale der beiden derzeit besten Vereine Deutschlands zu vergleichen, ist genauso sinnvoll wie sich zu wundern warum ein Fiat500 nicht so schnell fährt wie ein Ferrari!
Nürnberg dachte man könnte aus einer sicheren Abwehr kontern, aber die Offensive war ein Totalausfall. Dann bleibt eben nur die "sichere" Abwehr, was einer Mauer gleich kommt.

Die beiden letzten Spielzeiten waren für die Eintracht und ihre Fans nicht wirklich vergnügungssteuerpflichtig. Da ist ja nicht nur die causa Russ, da sind die vielen Verletzungen, insofern passte die Verletzung von Stendera nach 10 Minuten gestern einfach nur ins beschissene Bild. Und da waren die Abgänge Rhode, Jung und Schwegler in 2014. Ob die drei glücklich damit geworden sind, ist gewiss zu bezweifeln, denn zumindest Rhode und Jung sind bestenfalls Ergänzungsspieler in ihren neuen Vereinen. Bei der SGE waren sie gefragt und Stammspieler.
Es gibt also `ne Menge Baustellen bei der Eintracht, ob die Kovacs und Bobic die Probleme der Eintracht in Griff bekommen werden, zu denen auch die Sturmschwäche zählt, ist trotz eines wieder genesenen Meier, eine sehr offene Frage.

@Thomas: Angeblich kommt doch auch Miro Klose zur Eintracht. Dann hat sich das Sturmproblem doch schon bald gelöst, oder? 😉

-3-
Nee, nee,
ich habe mich nicht gewundert.
Ich habe nur registriert, wieder einmal, daß es leider diese eklatanten Unterschiede gibt, also so wie zwischen dem "Fiat 5oo" und dem "Ferrari" -sh.-3-.

Aber auch dann, wenn nur "Fiat 5oo" miteinander konkurrieren, kann das auf dieser Ebene für den neutralen Zuschauer mehr bringen -spielerisch, taktisch-, als der "Krampf gestern".

Zugeben will ich gerne, daß ich möglicherweise von dem Spiel etwas erwartet habe, was beide Mannschaften derzeit zu leisten nicht in der Lage sind, und schon gar nicht in einem sog. Relegationsspiel.

Aber was soll es;
Fakten, Fakten, Fakten……
Frankfurt bleibt in der Bundesliga . Nürnberg bleibt zweitklassig.
Was das für beide Vereine für Folgen haben wird?
Thomas Weigle hat bezogen auf die Entracht dazu schon 'was vorgetragen -sh.-4-.

In der Präsentation von gestern ist keiner der beiden Vereine auch nur im Ansatz Liga1-reif gewesen, das muss man auch unter dem Abstrich des Relegations-Stresses so konstatieren. Entweder setzt bei beiden Vereinsführungen nun ein kompletter Umbau neue Zeichen oder zumindest mit der SGE ist schon mal ein Abstiegskandidat für die nächste Saison jetzt schon fix.

Gestern Abend war im HR Lothar Sippel zu Gast, der war mal in FFM DER JOKER schlechthin und ist m.E. n. dann nach Dortmund gegangen, wo er aber auch nicht so wirklich glücklich geworden ist, wenn ich das recht erinnere.
Natürlich @kKaus Lohmann ist die Eintracht in der Form der letzten beiden Jahre allererste Wahl bei den Abstiegskandidaten. In der Form der beiden R-Spielen noch vor den beiden Aufsteigern Freibung und den Brausetrinkern aus Leipzig. Kennzeichnend für die prekäre Lage am Riederwald sind auch die Gerüchte um Klose, die ja schon um/vor Pfingsten durch die Medien geisterten.

@Thomas: Ja, Sippel war auch mal beim BVB. Ich erinnere mich dunkel… 😉

@Robin, wenn Du Dich "nur" dunkel erinnerst, gehe ich mal davon aus, dass Sippel wirklich nicht unbedingt der Brüller im damals noch WESTFALENSTADION war. Irgendwie geht mir in diesem Zusammenhang auch noch H.96 durch den Kopf.

Richtig erinnert, Thomas. Sippel spielte (lt. Wikipedia) von 92-94 für den BVB, ging dann nach Hannover. Das waren die ersten Hitzfeld-Jahre in Dortmund. Also sportlich gar nicht so unerfolgreiche BVB-Jahre. Vor der Meisterschaft 1995 war er dann aber offenbar wieder weitergezogen…

Nicht nur, aber vor allem und aus akuellem Anlaß nach dem Spiel gestern -insbesondere wegen der "Aktionen" der Eintracht in der letzten Vierteltstunde- frage ich mich: "Muß das sein? Das mit den Relegationsspielen?".
Ich weiß, daß es nichts bewirkt, diese Frage wieder einmal zu stellen, denn wahrscheinlich würde ein solcher Verzicht aus Sicht von DFB und DFL als schädlich für das Geschäft mit dem Fußball eingestuft werden und deshalb für diese unakzeptabel sein.

Thomas,
wenn ich an die Eintracht aus Frankfurt denke, dann fällt mir immer, immer wieder und immer noch das Endspiel um…..(?)in…..gegen Real Madrid ein, im Jahre ……..??? mit Pfaff?
Großartig, trotz der Niederlage für die Eintracht.

"Nostalgisches" hilft der Eintracht allerdings heute nicht; im Gegenteil kann die Nostalgie dazu beitragen, daß "man" sich in Frankfurt nicht realistisch genug der Gegenwart stellt. Ich habe keine Ahnung, warum die Eintracht "nicht auf die Beine kommt" -insofern vergleichbar mit dem HSV. Was läuft in diesen beiden Großstädten, in diesen beiden großen Traditionsvereinen seit Jahren schief?

Ja @Walter, 3:7 gegen Real im Meistercupendspiel in Glasgow 1960 vor 130.000 Zuschauern, Pfaff schoss 2 Tore, u.a. das 1:0 nach 20 Minuten, aber Puskas machte vier, darunter einen Elfer zum 1:3 , von dem er hinterher sagte, dass der in Spanien nie gepfiffen worden wäre. Obwohl die Eintracht im Halbfinale die Rangers 6:1 und 6:3 geschlagen hatte, wurde sie v.a. nach dem Rückspiel in Glasgow von den Schotten gefeiert, die Erwartung der Schotten auf ein großes Endspiel erklärt dann wohl auch die hohe Zuschauerzahl und enttäuscht wurden sie dann auch nicht. Dieses Spiel wurde in den 90ern in England zum "Spiel des Jahrhunderts" gewählt. Einigermaßen erstaunlich, wenn man bedenkt, dass keine britische Mannschaft beteiligt war. Englischer Sportsgeist halt.

Danke für die Bestätigung in Sachen 96, @Robin, die Demenz ist also noch nicht allumfassend!

Danke, Thomas, für die Informationen.

Ja, das ist enes der sog. "Jahrhundertspiele".

Die Erinnerungen an dieses Spiel zeigen zudem, daß "die eigene Mannschaft" nicht unbedingt gewinnen muß, um sich stets "mit Stolz" an ein solches Spiel zu erinnern; das gilt hier nicht nur für die Eintracht-Fans, sondern, wie mein Beitrag -13-zeigt, für alle Freunde des Fußballes über Frankfurt, über Deutschland hinaus.

Jetzt ist es übrigens auch offiziell, Thomas, Fredi Bobic ist der Bruchhagen-Nachfolger in Frankfurt.

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