Reisins Hits and Misses, Folge 1: NFL 1. Spieltag

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NFL Foto: Parker Anderson Lizenz: CC BY-ND 2.0

Ab jetzt jeden Dienstag auf Ruhrbarone: Die American-Football-Kolumne von Andrej Reisin. Während der Saison immer im Anschluss an das Spieltagsende.

Die neue NFL-Saison hat begonnen – und wie: Gleich der erste Spieltag brachte veritable Überraschungen – und den einen oder anderen Experten und Fantasy Football Spieler ins Schwitzen. Hier meine Top Takeaways:

1. Indianapolis verliert sang- und klanglos
Die Expertenrunde bei NFL.com, bestehend aus Steve Mariucci, Kurt Warner, Marshall Faulk und Michael Irvin war sich in ihrem Preseason-Preview einig: Im kommenden Super Boxl L würden die Indianapolis Colts die AFC vertreten. Seriously guys? Wer mit gefühlt 80 Prozent aller Experten das Team um Quarterback Andrew Luck vor der Saison als AFC-Sieger sah, sollte vielleicht nochmal neu nachdenken. Klar, ein Spiel ist nur ein Spiel, aber die Art und Weise, wie Andrew Luck sich von den Bills unter Druck setzen ließ, die nunmehr von Verteidigungs-Guru-Headcoach Rex Ryan gecoacht werden – während die Colts-Defense gleichzeitig 24 Punkte in den ersten drei Vierteln gegen eine eher als durchschnittlich eingeschätzte Offense abgab – lässt zumindest für mich ernsthafte Zweifel an etwaigen Super Bowl Ambitionen aufkommen.

2. Tom Brady in your face
Nein, man muss weder Brady noch die Patriots mögen. Aber das ganze Offseason-Gerede und Gemauschel um #Deflategate konnten dem Empire nichts anhaben: Tom Brady war heiß wie Frittenfett und zerlegte die Pittsburgh Steelers vor allem mit Hilfe seiner besten Waffe Rob „Gronk“ Gronkowski nach allen Regeln der Kunst. Auch, wenn die Defense erwartungsgemäß nicht auf demselben Niveau agiert: Niemand sollte den Defending Champion vorzeitig abschreiben.

3. Legion of Doom?
Den Satz: „Für mich sind die Seahawks noch besser als letztes Jahr“ habe ich schon in der letzten Saison einmal zu oft gehört. Dieses Mal jedoch sind meine Zweifel noch größer als damals. Natürlich: Kam Chancellor wird zurückkommen – und Pete Carolls Roster hat zum Beispiel mit Jimmy Graham sicherlich dazu gewonnen. Aber am ersten Spieltag gegen St. Louis verlieren und dann nach Green Bay fahren? Not so easy. Russell Wilson mag der beste Rushing Quarterback der Liga sein, aber seine Protection war stellenweise lausig – und er trifft unter Druck zu viele schlechte Entscheidungen. Nicht jede davon wird von der Legion of Boom korrigiert werden können – sofern sich dort Schlüsselspieler verletzen schon gar nicht. Wer es nicht glaubt, möge sich Lance Kendricks 37-Yard-Touchdown gegen Chancellors Ersatzmann Dion Bailey anschauen. Legion? Not so much.

4. Tragischer verlieren mit den Giants
Wer erinnert sich nicht (gerne) an die Miracles at the (New) Meadowlands, Teil I & Teil II …? Gut, Fans der New York Giants mögen diese Ereignisse lieber verdrängen, aber zu ihrem Pech findet ihr Team immer neue Wege auf spektakuläre und unnötige Art und Weise zu verlieren. In diesem Fall führte man kurz vor Schluss relativ unerwartet in Dallas, nur damit Quarterback Eli Manning am Ende die Kontrolle über die Uhr und seine Entscheidungen verlor – und kurz vor der gegnerischen Endzone unter Druck einen unvollständigen Pass warf. Somit hielt er die Uhr an, und gab seinem Gegenüber Tony Romo mehr als 90 Sekunden Zeit, das Spiel zu drehen. Was dieser dann auch tat.

https://www.youtube.com/watch?v=hutXyiixQAo

Und, bei aller Cowboys-Freude über den Sieg:


Sieht so ein Playoff- oder gar Super Bowl Contender aus? Der fast das erste Heimspiel gegen eher schwache Giants verliert – und zudem für mindestens 4-6 Wochen auf Dez Bryant verzichten muss? Meine Prognose: DeMarco Murray wird man in Texas noch manche Träne nachweinen.

5. Marcus Mariotas Debüt
Niemand interessierte sich außerhalb von Nashville bisher für die Tennessee Titans, aber das könnte sich ändern. Denn die Show, die der ehemalige College-Star-Quarterback Marcus Mariota in seinem ersten Spiel auf den Kunstrasen zauberte, war phänomenal: Vier Tocuhdown-Pässe in der ersten Halbzeit(!), 13 von 16 Versuchen an den Mann gebracht, 209 Yards Raumgewinn und keine Interception. Wenn es so weitergeht, wird man in Nashville noch viel Spaß haben.
https://www.youtube.com/watch?v=w9_UVCt_fNw

6. JJ Watt ist kein Football-Team
Jaja, er hat es wieder getan: Drei Blocker gleichzeitig beschäftigt, einen Quarterback ohne Helm gesacked, ein Tackle nach dem anderen – und so weiter. Doch: Trotz emotionaler Anfeuerungsrede und militärischen Salut-Gesten verlieren die Texans wieder mal ein Football-Spiel. JJ Watt ist gut für Dein Fantasy-Team, aber die Texans sind kein gutes Team.

Außer Konkurrenz: Ran Football bei ProSiebenMAXX
Erwartungen und Befürchtungen im Hinblick auf die neue ProSiebenMAXX Football-Show waren im Vorfeld gleichermaßen hoch, von daher an dieser Stelle erst einmal ein Lob: Diese Football-Übertragung im deutschen FreeTV konnte man sich durchaus ansehen – was in der Vergangenheit keineswegs immer der Fall war.

Schade nur, dass vor allem während der ersten Partie einige Kardinalfehler der Vergangenheit wiederholt wurden: Da sah man zwischen Seattle und St. Louis einen absoluten Nailbiter, der in die Overtime ging – und bis MItte der Zweiten Halbzeit waren Buschmann/Esume der Meinung, es sei kein gutes Spiel, weil die “Action” (sprich: Touchdowns) fehlten. Als wenn gute Bundesliga-Fußballspiele sich dadurch auszeichneten, dass sie 5:5 enden. Seufz. Dieses Spiel hatte nun wirklich alles, was das Footballherz begehrt. Warum man diese Partie dem Publikum schlecht reden musste, anstatt die Crowd zu begeistern, hat sich mir in keiner Weise erschlossen. Vor allem, wenn man den (völlig richtigen) Ansatz hat, nicht nur für Nerds zu senden, sondern ein breites Publikum begeistern will.

Und Ja, man muss Werbepausen überbrücken. Das britische Sky tut dies seit Jahren, indem man anhand von Spielsequenzen, die auf einen Screen gelegt werden, über das Spiel redet. Ob die Bildrechte von “Ran Football” dafür nicht ausreichen – oder man schlichtweg keine “richtige” Regie hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Aber dass Frank Buschmann und Patrick Esume immer wieder ins Reden über Gott und die Welt gerieten – auch dann noch, wenn das Spiel schon wieder lief – war ein wenig hilfreicher Rückfall in alte Zeiten der deutschen Football-Übertragung, die der sonstigen Qualität der Show nicht gerecht wurde. Und wo ich schon am Meckern bin: Natürlich kann und soll man 2015 Social Media in seine TV-Berichterstattung einbinden, aber warum kann das nicht so selbstverständlich und professionell geschehen wie bei “Around the NFL”, ESPN oder Fox? Warum muss man eine Witzfigur namens “Icke” (Christoph Dommisch) kreieren, die an einer Art “Katztentisch” sitzt, berlinert (daher der Thomas-Häßler-Gedächtnis-Nametag) und mit lustigen Bildern aufwartet? Imho: Eines der wenigen #fails der Sendung, denn “Icke” hatte durchaus Substanzielles beizutragen, wenn man ihn denn ließ. Ent-Witzen und Platz am großen Tisch machen, wäre mein Vorschlag.

Das Duo Jan Stecker/Roman Motzkus präsentierte sich zur zweiten Partie dann in Hochform. Diese ließ nämlich in der Tat einiges zu wünschen übrig, aber Stecker/Motzkus kommentierten jede Szene, blieben am Ball und Steckers Stimme war nicht nur dann oben, wenn auf dem Feld etwas außergewöhnlich Spektakuläres passierte – sondern auch bei guten Hits und “normalen” First Downs. Auch, wenn die Twitter-Timeline teilweise anderer Meinung war: Davon kann ich gerne mehr sehen.

Zumal man der Sendung eines unbedingt zugute halten muss: Top-Slots. Nächste Woche zeigt man erst New England@Buffalo und dann Dallas@Philadelphia. Mehr kann man sich kaum wünschen. Ich werde auf jeden Fall einschalten.

3 Kommentare

Kehr Ey, wieder so ein Riesenfoto…..einigt euch doch mal auf Fotogrössen oder macht für mobile Geräte ein responsives Design….sich auf Pixelgrössen zu einigen kann doch im Sinne eines CD nicht so schwer sein…. 🙂

[…] 3. Schöner verlieren mit den Giants – again Übrigens: Sogar Eli Manning hat zurzeit mehr Rushing Yards als DeMarco Murray. Das ist aber auch das einzig Lustige für die Giants, die in einer auseinanderfallenden Division locker-lässig mit zwei Siegen on top of the world sitzen könnten, wenn nicht, ja, wenn nicht … ich verweise auf die Bemerkungen von letzter Woche. […]

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