Ralf Richter liest Zechenkinder

zechenkinderDavid Schraven, Mitgründer dieses Blogs und Chef der Rechecheredaktion der WAZ hat ein Buch geschrieben und Uwe Weber hat die Fotos gemacht: Dabei herausgekommen ist Zechenkinder, ein Denkmal für die Arbeiterkultur des Ruhrgebiets, für die Männer, die jahrzehntelang im Revier unter Tage gearbeitet haben. Morgen wird das Buch präsentiert: In Bottrop im Malakoff-Turm auf der Schachtanlage II, Knappenstraße 33. David und Uwe werden da sein und Ralf Richter wird aus dem Buch vorlesen. Eintritt: 12 Euro, Bergleute kommen umsonst rein.

Bald mehr zu und aus dem Buch auf diesem Blog.

4 Kommentare

Ein sehr gelungenes und empfehlenswertes Buch. Leider gibt es einen gravierenden Mangel. Angesichts der Tatsache, dass seit den 70er Jahren 25 bis 40 Prozent der Untertagebeschäftigen im deutschen Steinkohlenbergbau türkischer Abstammung waren und sind, ist es sehr bedauerlich, dass es keiner davon unter die “Zechenkinder” geschafft hat.

Das Buch könnte so gut sein, wenn der Autor besser recherchiert und nicht die Fehler der Bergleute unkommentiert übernommen hätte. In meiner Rezension, die auf Gedankenspinner.de zu finden ist, bin ich ausführlich darauf eingegangen, denn auch ich bin ein Kind des Ruhrgebiets und habe sogar für ein eigenes Buch eine Woche unter Tage auf dem mittlerweile geschlossenen Bergwerk West in Kamp-Lintfort recherchieren dürfen.

Wenn Sie uns schon erzählen, dass das Buch Zechenkinder nicht wirklich gut ist, was Sie ja unterstellen, indem sie unter Verwendung des Konjunktivs “Das Buch könnte so gut sein” seine Qualität in Frage stellen, dann wäre es nett und vor allen Dingen fair, Sie würden das auch entsprechend belegen.

Stattdessen erzählen sie lieber von sich, auf welcher Homepage beispielsweise ihre Rezensionen zu finden sind, dass auch Sie ein Kind des Ruhrgebiets sind, dass auch Sie ein eigenes Buch über das Ruhrgebiet geschrieben haben und dass Sie schon mal eine Woche unter Tage recherchieren durften, was auch immer sie damit auszudrücken versuchen.

Für Sie mag gerade Letzeres ein Argument sein, es auf jeden Fall besser zu wissen. Auf mich wirkt es eher arrogant; so arrogant, dass ich mir noch nicht einmal die Mühe machen werde, auf der von Ihnen genannten Homepage ihre Rezension zu dem Buch zu suchen.

Ich bedaure sehr, wenn ich mit meinem Kommentar den Eindruck erweckt habe arrogant zu sein.

Ich will Ihnen gerne erläutern, wieso ich das Buch “Zechenkinder” nicht uneingeschränkt empfehlen kann:

In dem Buch ist zu lesen, dass Kohlenmonoxid schwerer als Luft ist. Doch das Gegenteil ist der Fall. CO ist um etwa 3,3% leichter als Luft, da CO mit 1,25 kg/m³ und Luft mit 1,292 kg/m³ gemessen wird.
Weiter ist von einem Grubenbrand im Jahr 1965 auf der Zeche Jacobi die Rede, bei dem es zwei Tote gegeben haben soll. Das ist auch völlig korrekt. Richtig ist auch, dass alle Dämme geschlossen wurden, um den Grubenbrand unter Kontrolle zu bringen. Doch die beiden Kumpel, von denen die Rede ist, wurden nicht, wie behauptet, erst zwei Jahre später geborgen, sondern bereits nach einem Dreivierteljahr. Den Grubenbrand hat es am 28. Juli 1965 gegeben, geborgen wurden die Toten am 16. Mai 1966.
An anderer Stelle macht einer der Interviewten den modernen Schildausbau dafür verantwortlich, dass es zu gehäufteren Unfällen kommt. Doch gerade die Zahlen unzähliger Toter aus früheren Tagen des Bergbaus sprechen eine andere Sprache und die RAG dürfte sich kaum dieser Meinung anschließen.
Schließlich wird auch behauptet, dass Kanarienvögel unter Tage eine Mär wären. Die Bergleute hätten sich gar keine Kanarienvögel leisten können und wenn ein Vogel von der Stange gefallen wäre, dann vor Hunger. Dabei ist belegt, dass viele Bergleute eigene Kanarienvögel besaßen und einige ihnen tatsächlich das Leben retten konnten. Mein Großvater war einer von ihnen.

Wenn solche Unwahrheiten behauptet werden, auf die sich manche Menschen dann in gutem Glauben stützen, ist das nicht tragbar. Die vorgetragenen Fakten sind für jeden leicht im Internet zu recherchieren. Mein Mann und ich schreiben seit Jahren Rezensionen und wir sind es unseren Lesern schuldig, Behauptungen zu überprüfen. Zumindest dann, wenn es sich nicht um einen Roman handelt. Aber selbst in einem Roman ist es von Bedeutung, ob Sachverhalte realitätsgetreu wiedergegeben werden.

Es war nicht meine Absicht, mich bei dem Kommentar in den Mittelpunkt zu rücken, sondern ich wollte damit nur untermauern, dass es mir selbst ein Anliegen ist, die Bergbautradition, ihre Kultur und alles, was damit zusammenhängt, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Insofern schätze ich auch die gute Absicht von David Schraven. Wenn ich auch Kritikpunkte anbringe, so habe ich auch in meiner Besprechung zum Ausdruck gebracht, dass die Geschichten zum Teil sehr informativ sind und sich teils spannend, teils amüsant lesen.

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