Premiere: „Die Rückkehr“ im Rottstr5Theater

Jean (Maximilian Strestik) und Gabrielle (Dagny Dewath) haben einiges zu besprechen. Foto: Rottstr5Theater

Wenn Sie heute Abend nach Hause kommen und einen Brief Ihres Partners finden, muss das kein gutes Zeichen sein. Vielleicht teilt er Ihnen auf fünf Zeilen mit, dass er Sie verlassen hat. Sie kennen Ihren Partner? Ihre Beziehung ist intakt und ihre Instinkte wach, sagen sie? Das dachte Jean auch und weiß es nun besser: Denn es bedeutet gar nichts.

Für ihn kommt es jedoch noch schlimmer. Denn während er ungläubig und fassungslos vor den Scherben seiner Beziehung steht, kehrt seine Frau Gabrielle plötzlich zurück. Damit ist der Boden bereitet für ein Beziehungsarmageddon in emotionaler Endzeitstimmung. Charlene Markow gibt heute Abend mit „Die Rückkehr“ nach Joseph Conrad und Patrice Chéreau ihr viel versprechendes Regiedebüt im Bochumer Rottstr5Theater. Mitgebracht hat sie ein explosives Gefühlsgebräu und einen der heikelsten Konflikte überhaupt. Es ist die vielleicht reifste Fragestellung, die bisher in der Rottstraße bearbeitet wurde: Beruht die Beziehung, die ich führe, wirklich auf Liebe oder sind es doch die pragmatischen Überlegungen, aus dem der Stoff meiner Beziehungsträume gemacht ist? Woran erkenne ich das? Wann ist es wahres Gefühl und wann nur Täuschung?

Lange galt Charlene Markow als die härteste Kritikerin in der Crew des Rottstr5Theaters und saß den Regisseuren Arne Nobel und Hans Dreher regelmäßig subtil mit ihrem Urteil im Nacken. Jetzt muss sie selbst ran. „Ich finde, das ist der interessanteste Stoff in Beziehungen zwischen Mann und Frau“, sagt sie über die Thematik des Stücks, das sie für ihr Debüt ausgewählt hat. Mit Dagny Dewath konnte Markow zudem eine Schauspielerin gewinnen, die den Zuschauern schon als „Fräulein Julie“ die Tränen in die Augen trieb. Markows Inszenierung verspricht ein bedrückendes Untergangsszenario mit berührenden Bildern zu werden, die den Fall der Liebenden immer hart an den Gräben der Verzweiflung illustrieren. „Es ist sehr direkt. Man ist als Zuschauer mit dabei und muss sich das jetzt anhören.“ Soll heißen: Am Rande des Abgrunds ist die Aussicht schöner.

Premiere von „Die Rückkehr“, 19.30 Uhr, Rottstr5Theater, Bochum

Heute Abend, 27. Juli 2011, Karten unter: 0163-7615071

Gabrielle: Dagny Dewath

Jean: Maximilian Strestik

Yvonne: Ariane Kareev

Regie: Charlene Markow

 

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