Polnischer Stadtrat bezeichnet Kenianer beim Marathon als “Zirkus mit lebenden Tieren”

Äußert sich feige und rassistisch: Dariusz Sienko (PiSser) (Foto: Screenshot Youtube)

„Die Stadt will hier keinen Zirkus einziehen lassen, und Auftritte eines Kenianers erinnern an einen Zirkus mit lebenden Tieren.“

Das ist die Aussage von Ratsmitglied Dariusz Szenko – Mitglied der Regierungspartei Prawo i Sprawiedliwosc (PiS). PiS regiert Polen seit knapp zwei Jahren de facto alleine, und hat in dieser Zeit u.a. die Unabhängige Justiz abgeschafft. Unlängst zogen durch Warschau Tausende von Nationalisten und skandierten u.a. “Reines Blut” und “Weißes Europa”.

Einen schwarzen Kenianer will man da nicht in der Stadt haben. So auch nicht in Swidnica (Niederschlesien), wo ein Halbmarathon statt finden soll, zudem traditionell eben Wettkämpfer aus der ganzen Welt einfliegen würden.

Wieder einmal zeigen die polnischen Machthaber zweierlei: zum einen ihren offenen Rassismus, zum anderen ihre Feigheit – da sehr wohl erwartbar ist, dass ein Kenianer den Polen den Rang buchstäblich ablaufen würde.

6 Kommentare

Und das geschieht in einem Land, in dem vorgeblich die Regeln der katholischen Kirche für ein gottwohlgefälliges Leben den meisten Bürgern als die aller höchsten gelten -im Zweifelsfall hat man sich nach ihnen und nicht nach den vom Staat gesetzte Normen zu richten.
"Jeder(!) Mensch ist ein von Gott nach seinem Ebenbild geschaffenes Wesen …".

Als Katholik frage ich mich nicht, welches Geistes Kinder politische Funktionäre in Polen sind, die fähig und die willens sind, so über einen anderen Menschen zu reden -vom pöbelden Mob ganz zu schweigen-, sondern denke darüber nach, warum die sog. katholische Amtskirche in Polen nicht schärfer als bisher, nicht deutlicher als bisher, nicht nachdrücklicher als bisher derartige menschenverachtenden "Sprüche" öffentlich rügt -Unvereinbar mit dem christlichen Glauben und wider jede Menschlichkeit! In diese Rüge hätte sie "mahnenden Worten " an die derzeitigen Machthabern in Polen einzubeziehen.

PS
Wie bei einer ähnlichen Gelegenheit hier bei den Ruhrbaronen mit gebührendem Sarkasmus nachgefragt:
"Wann gibt es auch formal die Vereinigungsfeier völkischer Rassisten aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen mit den Gleichgesinnten aus Polen, aus Ungarn, aus der Tschechei und wann verabschieden wir diese Gesinnungsgenossen allesamt aus einer (west-) europäischen Gemeinschaft, die sich christlichen und humanistischen Werten verpflichtet hat, ausgehend von der Idee der unverletztlichen Würde eines jeden (!!) Menschen?

PS
Offenkundig erscheint der christlich-abendländischen Welt , den Gesellschaften und Staaten in West-, Süd- und Nord-Europa ganz grundsätzlich die Mißachtung elementare christlich-humanistischer Prinzipien in muslimisch geprägten Staaten ehe frevelhaft, ehe verurteilungswürdig, sogar sanktionsbedürftig zu sein als gleiches Tun in sog. "christlich geprägten Staaten" in Ost-Europa. Da "stimmt 'was nicht"!

Wenn ich ohne Sprachkenntnisse der Landessprache die polnische Webseite richtig interpretiert habe, sind hier die Ergebnisse des Laufs:
http://wyniki.datasport.pl/results2359/

Eine klare Sache für die kenianischen Läufer bei einem wohl eher sehr lokalen Lauf mit fast ausschließlich polnischen Teilnehmern.

Was geht nur im Kopf eines Menschen vor, der solche Sätze formuliert?
Offen ist für mich aber, ob eine Aussage aus polnischen Provinz es wirklich bis ins Ruhrbarone Blog schaffen muss. Wer kennt überhaupt den Ort?
Auf polnischen Webseiten ist der Politiker öfter zu finden. Hat die Aussage dort "Wellen geschlagen"?

@1:
Ja, die Rolle der katholischen Kirche in Polen ist nicht zu verstehen.

@ke: Was bitte hat die internationale Bedeutung des Orts mit der Ungeheuerlichkeit dieses Spruchs eines Mitglieds der polnischen Regierungspartei im Nachgang neo-nationalistischer "Blut-und-Boden"-Demos zu tun? Kenianische Athleten im weißen Rassenwahn als "Zirkustiere" zu diskriminieren, sollte in jedem Land dieser Welt Wellen schlagen.

Früher fiel hin und wieder in China ein Sack Reis um. Heute ist es ein braunter Sack Kartoffeln in Schweidnitz, irgendwo in der polnischen Provinz Niederschlesiens.

@ #1
Reaktionäre Menschen sehen die authoritäre Struktur anderer Gruppen als Stärke und als Anreiz es ihnen gleich zu tun, um nicht als der Unterlegene zu erscheinen. Wer seine Haustiere, Frauen und Kinder voll im Griff hat, dem kann auf dieser Welt nichts schlimmeres passieren als das ihm der Himmel auf den Kopf fällt.

DER,DER…
ich denke, Deine Feststellung verniedlicht die sich tagtäglich in Polen offenbarene Grundhaltung in der dortigen (Mehrheits_!!) Gesellschaft, die geprägt ist von rassistischem, völkischem, nationalistischem und fremdenfeindlichen Denken mit Ansätzen zu einer Staatsauffassung, die z.B. die des katholischen Faschismus der Franco-Ära in Spanien nahekommt.
Der polnische Stadtrat aus der Provinz wäre als solcher keiner öffentlichen Diskussion wert -vielleicht in Polen, ganz sicher nicht international.

Für viele Menschen in Polen, in Deutschland, im übrigen Europa symbolisiert er jedoch mit seinem unsäglichen Spruch die derzeitigen gesellschaftliche Verfassung Polens, die geprägt ist von völkischem, nationalistischem, fremdenfeinlichem, rassistischem Gedankengut.

Insofern überrascht mich Dein Hinweis auf die Metapher " vom Sack Reis….." !

Ich halte es für selbstverständlich, für wünschenswert, für folgerichtig, daß all diejenigen, die für freiheitlich-pluralistische Gesellschaften in ganz Europa eintreten und damit einhergehend für demokratisch-rechtstaatlich verfaßte Staaten, immer wieder Einzelfällen, auch solche wie der des "kleinen Stadtrates in einem polnischen Provinznest" aufgreifen, öffentlich und damit zum Gegenstand einer Diskussion machen, und zwar europaweit.

Kommentar verfassen