[Photokina 2012 in Köln]

Nun ist sie wieder zuende – die Photokina 2012.

Sechs Tage lang drehte sich in Köln alles um das Thema Imaging.

Von der Bildaufnahme bis hin zur Bildausgabe wurden den Besuchern Trends und Innovationen gezeigt und die neuesten Entwicklungen gekonnt in Szene gesetzt.

Über 1200 Aussteller aus 45 Ländern präsentierten nicht nur ihre Produkte, sondern lieferten dazu ein einzigartiges Veranstaltungsprogramm mit Liveshows, Kongressen, Vorträgen, Workshops, Ausstellungen, Wettbewerben und Special Events.

 

Somit war es nicht einfach nur eine Messe, sondern ein Erlebnis für alle Sinne und ich habe so viele Eindrücke und Informationen mit nach Hause genommen, dass es kaum möglich ist, das alles nun irgendwie zusammenzufassen.

Ich könnte jetzt natürlich über meine ganz persönlichen Highlights berichten, über Produkte und Menschen, die mich fasziniert haben – wie zum Beispiel über den Kamerahersteller Leica, der für mich in diesem Jahr einfach alles übertroffen hat.

Ohne jetzt die großen Firmen wie Canon, Nikon, Sony, Casio und alle andern in den Schatten stellen zu wollen, die sicherlich auch tolle Präsentationen und Kulissen geboten haben, hat Leica mit der kompletten Belegung der Halle 1 eine eigene Welt geschaffen, die alleine optisch schon ganz großes Kino war. Während sich in den anderen Messehallen die Anbieter beinahe stapelten und eine gewisse Unübersichtlichkeit  und vor allem viel Gedrängel bestand, hatte man das Gefühl mit Halle 1 einen Tempel zu betreten.

Leica präsentierte dort nicht nur auf eine sinnlich schöne Art und Weise seine neuen Kameramodelle an, sondern zeigte auch die Arbeiten renommierter Fotografen wie Platon, Dominic Nahr, Thomas Dworzak, Moises Saman, Anthony Suau, Thomas Dworzak und Elliott Erwitt , sowie Aufnahmen von international bekannten Fotografen wie Rankin, Andreas Gursky und Hubertus von Hohenlohe in wirklich beeindruckend großen Galerien.

Eine weitere Sensation, die ich noch gerne erwähnen möchte, war für mich das Special Event „Weitblick“.

Herstellern von Fernoptikprodukten wurde draussen auf der Piazza eine Sonderfläche angeboten, auf der als Motiv verschiedene Greifvögel wie Adler und Jagdfalken vorgeführt wurden, die man im Freiflug – auch mit der eigenen Kamera – ablichten konnte.

Weitere Fotos dazu gibt es im Anschluss.

Nun möchte ich aber auf das Trendthema der Photokina 2012 kommen, welches thematisch in diesem Jahr, neben dem Filmen mit Fotokameras, mit den größten Raum eingenommen hat und es hier auch gerne zur Diskussion stellen.

„Mobile Imaging“ – das Fotografieren mit dem Handy, bzw. Smartphone, die Bearbeitung mit Foto-Apps, das Versenden von Bildern und der oft zeitgleiche direkte Upload von Aufnahmen in soziale Netzwerke – zählt heute zu den Segmenten der Fotografie, die nicht mehr unterschätzt  werden sollten.

Der Kauf von Smartphones ist in den letzten zwei Jahren rasant angestiegen und damit auch der Anteil von Fotos, die mit diesen Geräten aufgenommen werden.

Somit fördert Mobile Imaging die gesamte Fotoindustrie und den Herstellern von Smartphones, sowie Netzanbietern und App-Herstellern wurde auf der Photokina viel Aktionsfläche angeboten.

Aber was bedeutet dieser Trend genau? Ich persönlich habe bis jetzt ein einziges Foto mit dem Gerät gemacht, mit dem ich telefoniere und ehrlich gesagt, hat das für mich nicht viel mit „Fotografieren“ zu tun.

„Mobile Imaging“, ich werfe es jetzt einfach mal ganz provokant in den Raum, ist für mich unter dem Strich ein Begriff der weiteren Vereinfachung von Kommunikation.

Man postet nicht mehr, was man macht und wo man ist, sondern man drückt auf einen Auslöser und „teilt“ das entstandende,oftmals sehr ungeschickte Foto mit dem Rest der Welt – legt vorher noch einen aparten Filter drüber, damit man die Ungeschicklichkeit nicht direkt bemerkt und erspart sich somit jedes weitere Wort. (Ich sag nur „Instagram“)

Insofern sehe ich diesen Bereich eher kritisch und überlege mir, wo dieser Trend noch hinführen soll…

Sicherlich ist dieser neue Markt für die entsprechenden Hersteller ein wahres Paradies. Fotofähige Mobiltelefone werden in der nächsten Zeit sicherlich so leistungsstark sein wie heute unsere Kompaktkameras und werden diese sicherlich irgendwann komplett ersetzen können.

Somit werden die Umsätze von Smartphones plus Fotozubehör immer mehr ansteigen, entsprechend freuen sich die App-Hersteller, deren Produkte weiterhin millionenfach heruntergeladen werden, und auch die Kameraindustrie wird nicht zu kurz kommen, denn immer mehr Haushalte sind dadurch mit „Fotoaufnahmegeräten“ – sprich Handys –  abgedeckt, kommen auf den Geschmack des „ Fotografierens“ und werden sich in naher Zukunft sicherlich mal eine Spiegelreflexkamera oder ein anderes leistungsstärkeres Modell zulegen.

Somit wird der Markt der Fotoamateure wachsen, die mit neuer Begeisterung die Regale leer kaufen werden und auch unsere sozialen Netzwerke wie Facebook, FlickR und Photobucket werden weiterhin boomen, denn ein Foto nur auf seinem Smartphone bringt ja nicht soviel.

Entsprechend wird der Fotomarkt im Netz enorm anwachsen, was wiederum die Printrate ansteigen lassen wird, denn wer schon seine Fotos alle hochgeladen hat, kann sie sich auch gleich noch als Fotobuch drucken lassen oder seine neue Kaffeetasse damit verschönern.

Sogar YouTube kommt nicht zu kurz, denn auch dort ist der Anteil der Videos, die mit Mobilgeräten aufgenommen wurden, riesengroß und steigt weiterhin an.

Liest sich alles sehr positiv und ich weiß, dass dies ein Trend ist, der nicht mehr aufgehalten werden kann, wieso auch… es profitiert jeder davon.

Aber ich sehe es auch kritisch, vor allem,was unsere Kommunikation untereinander angeht. Wieso muss alles immer spontaner, schneller und grenzenloser werden und jeder allzeit bereit sein und vor allem alles und jeder so „sichtbar“?

Ich war immer ein Nachzügler der neuesten Entwicklungen, ich hatte viel später als alle anderen ein Handy und Internet. Ich war eine der letzten bei Facebook und meine analoge Kamera wird von mir auch immer noch sehr respektvoll behandelt.

Ich weiß, dass man irgendwann nachziehen muss, weil man sonst „weltfremd“ wird, aber ich hoffe, ich kann es vermeiden mich nur noch per Fotouplaod zu “unterhalten“ und ich hoffe ebenso, dass die „Fotografie“ sich das bewahrt, was sie eigentlich ausmacht.

Für mich ist und bleibt es ein Kunsthandwerk und Mobile Imaging würdigt das meiner Meinung nach in keinster Weise. Auch wenn die Qualität der Aufnahmen sicherlich immer besser wird und sie den professionell gemachten Fotos in keinster Weise mehr nachstehen wird, ist die Fotografie für mich mit einem Prozess verbunden, der schon durch die digitale Fotografie einiges eingebüßt hat, aber den ich so bei meinem Smartphone wirklich nicht mehr finden und erleben kann und auch die Absicht, warum damit in erster Linie fotografiert wird, widerstrebt mir enorm.

Ich habe nichts gegen Schnappschüsse und auch ich veröffentlich gezielt Bilder im Netz, aber es ist mit anderen Absichten, Vorgängen, viel Arbeit und Zeit, Ruhe und Besinnlichkeit verbunden.

 

Wobei ich mir natürlich darüber im Klaren bin, dass dies in erster Linie ein Generationsproblem ist, was ich da anspreche.

Unsere heutige Jugend wird an den neuesten Trends nichts zu bemängeln haben, aber ich finde es nicht verkehrt, auch diese Generationen an die Ursprünglichkeit der Dinge zu erinnern und ich befürworte hiermit den wachsenden Marktanteil derjenigen, die durch ihr Smartphone auf den Geschmack kommen und sich der eigentlichen Fotografie zuwenden möchten.

Und ich denke, auch da hat die Photokina einen großen Teil zu beigetragen, denn wer zu den Smartphones wollte, mußte an unzähligen Anbietern professioneller Fotokameras vorbei und war hoffentlich genauso beeindruckt wie ich.

Natürlich habe ich mir auch die Arbeit gemacht und meine gefühlten 10 Kilo an Kameraausrüstung mit dabei gehabt und viel Zeit in eine Menge Fotos investiert. Und auch wenn ich kurzzeitig mit dem Gedanken gespielt habe, so ganz trendy und zum Thema passend alles mit meinem Telefon aufzunehmen und hier vielleicht nur ein paar Bilder zu posten, bin ich ehrlich gesagt froh, dass ich es nicht getan habe und die Mühe war es mir wert.

Da es wirklich viele Fotos und Szenen sind, die ich fotografiert habe, sind sie diesmal unter diesem Link anzuschauen und… bei der Photokina 2014 einfach mal vorbeischauen, es lohnt sich !

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