Peking: Meine Bilanz

Jetzt ist mein Olympiaboycott bald vorbei. Weil Olympia bald vorbei ist. Und wenn ich zurückdenke, hat mir Olympia nicht gefehlt. Keine Minute. Wie man so liest, haben die Chinesen kleine Turnerinnen in den Wettkampf geschickt und naja, ein Typ beim Rennen gewonnen, der mich nicht interessiert. Was soll es? Nur eines ist mir auf den Sack gegangen. Während sich das Ding um Gold, Geld und Politik dreht. Machen die Organisatoren die ganze Zeit auf heile Welt. Und schöne Worte. Allen voran das Internationale Olympische Komittee.

Dabei überläßt das IOC wenig dem Zufall. So habe ich erfahren, wie das Komitee die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF dazu verpflichtet hat, während der Spiele in Peking kostenlose Werbung in eigener Sache zu zeigen.

Jetzt ist mein Olympiaboycott bald vorbei. Weil Olympia bald vorbei ist. Und wenn ich zurückdenke, hat mir Olympia nicht gefehlt. Keine Minute. Wie man so liest, haben die Chinesen kleine Turnerinnen in den Wettkampf geschickt und naja, ein Typ beim Rennen gewonnen, der mich nicht interessiert. Was soll es? Nur eines ist mir auf den Sack gegangen. Während sich das Ding um Gold, Geld und Politik dreht. Machen die Organisatoren die ganze Zeot auf heile Welt. Und schöne Worte. Allen voran das Internationale Olympische Komittee.

Dabei ist Hälfte von dem, was der Olympischen Familie Würde und Adel verschafft, also diesen Funktionären mit Hang zum Übergewicht wie Michael Vesper, Exbauminister von den Grünen in NRW,  nichts anders als Propaganda. In bunten Bildern wird die Begeisterung inszeniert, der wir alles unterordnen sollen. Diese Idee, dass sich einer aus der Masse abhebt, ein Überflieger, dem wir zujubeln können. Diese Nummer, wenn ein Sportler es schafft aus Kraft, Ehrgeiz, Diziplin und Selbstüberwindung das GROSSE ZIEL  zu erreichen. Das sollen wir toll finden. Und damit wir bei der Olympiade im IOC das richtige erkennen, also die Organisatoren der göttlichen Wettkämpfe, die Hohe Priester der Spiele, bei denen sich diese Übermenschen präsentieren – und nicht die Funktionäre mit Übergewicht – ballert uns das IOC mit Propaganda voll. Die Botschaft ist einfach: Vergeßt die schlechten Nachrichten, die Miesmacher und Kritiker. Denkt an das Heere, das übergeordnete Ziel. Die Spiele. Und drumherum ein Eichenkranz.

Dabei überläßt das IOC wenig dem Zufall. So habe ich erfahren, wie das Komitee die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF vertraglich dazu verpflichtet hat, während der Spiele in Peking kostenlose Werbung in eigener Sache zu zeigen.

Es geht beispielsweise um Public-Relations-Spots, die vom IOC unter dem Namen "The Best of Us" maßgeschneidert für Jugendliche und Erwachsene auf prominenten Sendeplätzen, beispielsweise vor der Tagesschau, gesendet werden. In den Spots für Jugendliche werden schöne Kinder gezeigt, die in allen Weltsprachen – und in Zeitlupe – ihre Begeisterung für den Leistungssport ausdrücken. In den Sendungen für Erwachsene werden im Stil des Heldencomics "300 – Kampf um Sparta" prominente Sportler präsentiert, die in einer Art göttlichem Kräftemessen das Beste im Olympioniken darstellen sollen. Dazwischen läuft ein göttlicher Fettsack durch Bild und haut dumme Sinnsprüche raus.

Die Propaganda-Spots sind brisant. Während sich die Sender als Hort der kritischen Berichterstattung geben, und über Doping und die zwielichtigen Geschäfte des IOC aufklären wollen, strahlen sie gleichzeitig reine PR zu Gunsten des IOC aus. Die Glaubwürdigkeit der Aufklärungsbemühungen in den gebührenfinanzierten Anstalten gerät selbst in Zwielicht.

In den Spots fehlt ein direkter Hinweis auf das IOC. Am Schluss der Werbung werden die Olympischen Ringe eingeblendet. Darunter der Hinweis auf eine Internetseite, die zum IOC gehört. Die Trailer haben die Anmutung einer aufwendig produzierten Eigenwerbung der jeweiligen Sender. Die Ausstrahlung der Image-Propaganda ist für das IOC nach meinen Recherchen kostenlos. Man könnte die Spots als Schleichwerbung bezeichnen. Dem IOC kommt die Imagepflege im vermeintlich kritischen Umfeld gelegen. So wird das Komitee wegen seiner diffusen Haltung zum Umgang mit der Pressefreiheit in China angegriffen. Aber genauso werfen auch die wirtschaftlichen Interessen der Mitglieder in Entscheidungsgremien oder die Vergangenheit im faschistischen Umfeld von IOC-Ehrenpräsident Juan Antonio Samaranch immer wieder Schatten.

Aus einer Sportlerriege mit hehren Ansätzen ist im Laufe der Jahre das Milliardenschwere Unternehmen Olympia geworden: undurchsichtig, machtbewusst und auf Kuschelkurs mit den Diktatoren. In den Imagespots dagegen wird das Bild der reinen olympischen Familie gepflegt: Sport über alles. Ein Sprecher der bei der ARD verantwortlichen Sendeanstalt NDR sagte mir zu der Frage, wie oft die Spots schon verbreitet worden seien: "Wir haben die Trailer passend zum Programmfluss eingesetzt und werden dies auch weiterhin an geeigneter Stelle tun." Das ZDF antwortete mir nicht auf eine schriftliche Anfrage.

Die beiden großen deutschen öffentlich-rechtlichen Kanäle haben sich zuletzt zur Ausstrahlung der Image-Werbung in einem Vertrag zu den TV-Rechten vom 13. Juli 2007 verpflichtet. Das Dokument, das mir in Auszügen vorliegt, wurde von der europäischen Vereinigung der öffentlich-rechtlichen Sender unterzeichnet, der so genannten European Broadcasting Union(EBU). ARD und ZDF sind Mitglied der EBU.

Unter Punkt "7 f" des Vertrages werden detailliert die Sendefolgen für Imagewerbung des IOC festgelegt: In dem Zeitraum von einem Jahr bis zu drei Monaten vor der Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele sollen die Spots "regelmäßig" gesendet werden. Danach bis zur Eröffnungsfeier sollen die Spots zweimal in der Woche, am besten in der "Prime Time" ausgestrahlt werden. Während der Spiele schließlich sollen die Spots zweimal am Tag gezeigt werden. Zudem soll die IOC-Werbung einmal direkt vor der Eröffnungszeremonie und einem vor der Schlusszeremonie über die Bildschirme Europas gehen. Gleichzeitig räumt das IOC den Sendern das Recht ein, die Spots seltener zu zeigen, wenn es dafür wichtige Gründe gebe. Rudolf Küffner, Sprecher des Bayrischen Rundfunks, sagte dazu: "Es handelt sich nicht um PR-Spots, sondern um redaktionell abgenommene Sendungen." Sie seien Bestandteil des Vertrages, den die EBU schon 1996 mit dem IOC abgeschlossen habe. "Dieser Vertrag gilt für alle beteiligten Mitglieder der EBU in vielen Ländern Europas."

Neben der Image-Werbung verpflichteten sich die Gebührenfinanzierten Sender Europas dazu, eine Propaganda-Reportage des IOC mindestens dreimal zu übertragen. Unter Punkt "7 e" des Vertrages heißt es, der 52 Minütige Film müsse ohne Werbeunterbrechung gezeigt werden. Er werde vom IOC produziert und sich mit dem IOC und der Olympischen Bewegung beschäftigen. Gleichzeitig sagte das IOC zu, der PR-Streifen dürfe auf minimal 26 Minuten gekürzt werden, wenn das nicht anders gehe.

Tatsächlich zeigte die ARD den IOC-Film "Peking – eine Stadt im Wandel durch Olympia" des Regisseurs Andrew Scott am 7. August um 17.45 und 22.15 Uhr sowie am Morgen des 8. August um 4.00 Uhr auf EinsFestival in einer 45-minütigen Fassung. Das ZDF hatte den PR-Streifen schon früher dreimal auf ZDF.doku ausgestrahlt.

Laut Bayrischen Rundfunk handelt es sich bei dem Film nicht um eine PR-Reportage, sondern um "eine redaktionell abgenommene Sendung." Zudem habe es auch bei vorangegangenen olympischen Spielen solche IOC-Filme im Programm gegeben, doch seien sie nicht weiter aufgefallen.

Unter Punkt "7 g" verpflichten sich die öffentlich-rechtlichen Sender weiter dazu, "ihr möglichstes zu tun", um "Werbe- und Informationsmaterial" des IOC und des chinesischen Organisationskomitees BOCOG zu senden. Dabei geht es um Sportberichte, um Berichte über die Olympischen Bewegung sowie um eine "repräsentative Auswahl" von Berichten über das kulturelle Rahmenprogramm. Zuletzt versprechen ARD und ZDF immer und jederzeit ausschließlich "würdiges Material" zu senden, dass dem guten Geschmack und hohen Qualitätsansprüchen genügt. Eine Definition, was das sein soll, steht nicht im Vertrag.

Küffner vom Bayrischen Rundfunk sagte mir, das vom IOC zur Verfügung gestellte Material werde von einer Fachredaktion geprüft, geschnitten und redaktionell abgenommen. Zudem werde die kritische Berichterstattung über die Spiele durch die Sendung der IOC-Propaganda nicht beeinträchtigt. "Beides hat nichts miteinander zu tun." Vom ZDF gab es dazu keine Auskunft.

Übrigens wichen ARD und ZDF der Frage aus, was das kostenlose Ausstrahlen von Propaganda für das IOC mit der Idee eines Gebührenfinanzierten Fernsehens zu tun hat. ich weiß es nicht. Mich ärgert es.

4 Kommentare

Ich empfehle, statt sich Olympia anzuschauen sich lieber gleich einen richtigen Zombiefilm reinzuziehen. Da weiß man wenigstens genau, dass alles Fake ist. Obwohl, gruseliger ist Olympia.

Das eurovision.tv ist die Seite der europäischen Öffentich-rechtichen Sender. IRRE, was für ein Schrott.

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