Paralympics in Sotschi – Wäre ein breiter Boykott wünschenswert?



Heute beginnen, im Schatten der weltpolitischen Ereignisse auf der Krim, die Paralympics im russischen Sotschi.In diesen Minuten läuft gerade die Eröffnungsfeier.

Und auch wenn die Spiele für Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung traditionell nicht so viel Beachtung finden wie die Olympischen Winterspiele an gleicher Stelle zwei Wochen zuvor, so würde sich diese große Bühne der Weltöffentlichkeit doch, gerade eben auch in diesem Jahr, für ein klares politisches Statement in Richtung Russland anbieten.

Doch von einem möglichen Boykott der Teams war bisher, vielleicht etwas erstaunlich, (noch) nicht ernsthaft die Rede. Lediglich die Paralympics-Mannschaft der Ukraine hat wohl bis zuletzt ernsthaft überlegt ob sie denn überhaupt noch an den Spielen in Sotschi teilnehmen soll/möchte.

Von anderen Mannschaften, auch von der Deutschen, sind ähnlich konkrete Gedankenspiele bisher allerdings so nicht überliefert. Das verwundert etwas, denn in der Vergangenheit sind solche Boykottgedanken im Sportumfeld doch schon häufiger und auch bei scheinbar geringeren Anlässen in deutlich größerem Umfang diskutiert worden.

In der russischen Schwarzmeerstadt Sotschi kämpfen in den nächsten Tagen immerhin etwa 550 Athleten aus 46 Nationen bei den 11. Weltspielen der Sportler mit Behinderungen um Medaillen. Insgesamt stehen hier nun 72 Entscheidungen in fünf Sportarten auf dem Programm. Die Medienpräsenz wird vergleichsweise groß sein. Auch ARD und ZDF übertragen hierzulande erneut in großem Umfang.

Zwar wurde in den letzten Tagen von verschiedenen Seiten bereits gefordert die Paralympics vor dem Hintergrund der Ereignisse der letzten Tage auf der Krim doch vielleicht besser zu boykottieren, wirklich ernsthaft in Betracht gezogen hat es von den Entscheidungsträgern bisher allerdings bisher wohl niemand.

Aus Berlin wird zum Auftakt der Wettbewerbe zumindest aber keine offizielle deutsche Regierungsdelegation nach Russland zu den Wettkämpfen reisen, und zumindest so ein kleines Zeichen setzen. Ob das in Anbetracht der komplexen politischen Lage aber als Protest ausreicht? Darüber mag man sicherlich trefflich diskutieren.

9 Kommentare

Wenn man berücksichtigt, daß sowohl in der Antike, als auch in unserer Zeit, die Olympiade einzig zu dem Zweck erfunden wurde, damit Politiker ihrem Volk zeigen konnten, welchen fremden Herrscher sie nicht mochten, möchte man meinen, daß die Zeit für einen Boykott schon seit Jahrzehnten reif ist. Nicht wahr?

Einerseits halte ich nichts von einem Boykott von Sportereignissen aus politischen Gründen – andererseits wäre der Boykott der Paralympics in Sotschi die einmalige Chance gewesen, Putin ein schnelles Zeichen der Gegenwehr zu geben. Momentan diktiert Putin den Ablauf der Ereignisse – der Rest der Welt läuft hinterher und kann sich auf keine harten Sanktionen einigen.
Manchmal meint man das Gelächter von Putin zu hören, wenn er sich “Sorgen” um die Reaktion des Westen macht…..

Der Boykott einer Veranstaltung, für die kaum jemand interessiert, hat auch kaum Wirkung.

Man mag sich ja dafür oder dagegen aussprechen. Für beides sehe ich Gründe. Aber das es überhaupt so wenig diskutiert wurde in den letzten Tagen, dass erstaunt mich am meisten daran… Sonst sind solche Gedanken doch schneller ein großes öffentliches Thema. Und die Paralympics sind so unbedeutend ja auch nicht, wie man am Fernsehprogramm der nächsten Tage sehen kann. Wäre schon aufgefallen wenn ein paar Teams dort nicht angetreten wären.

Während die EU sich von Entscheidungslosigkeit zu Maßnähmchen hangelt, wäre es fatal, ausgerechnet auf dem Rücken von Sportlern mit körperlichen Einschränkungen, Härte zu zeigen. Die Russen würde dies kaum stören, wenn einige aus dem Westen abreisten. Das war auch in Moskau 80 so. Und bei uns haben Leute sogar im Zonenrandgebiet Urlaub gemacht, um die OS im DDR-Fernsehen zu verfolgen.
Es wäre eine Maßnahme, die die Politik nichts kostet. Uns auch nicht. Nööö, bitte nicht.

@OWL-Baron:
Ja das ist überhaupt der springende Punkt: es darf nichts kosten! Wir alle haben so schöne Grundsätze, die wir bereitwillig auf den Lippen tragen – aber wenn es was kostet, dann ist Schluss mit lustig..
Es wäre mal interessant zu wissen, welche Brandbriefe, -mails und Telefongespräche von Seiten der deutschen Wirtschaft in letzter Zeit in Berlin eingegangen sind, damit bloß nicht irgendwelche Maßnahmen in Erwägung gezogen werden, die den Handel mit Russland stören könnten….

#Nansy, das würde ich auch gerne wissen. Und noch lieber würde ich wissen, wie ich reagiere, wenn die nächste Jahresrechnung fürs Gas kommt, dass dann wg. eines Boykottes sich im Preis über den Wolken befindet, wo die Freiheit-und der Preis- grenzenlos ist?

Wenn wir jetzt wieder mit dem Boykott von Sportereignissen anfangen wollen, müssen wir uns auch fragen lassen, welches der nächsten Großereignisse nicht boykottiert werden solll. Für den Fußball sieht es dann ganz schlecht aus, wenn sich nicht schnellstens etwas tut.

Die Kritik an Brasilien ist ja eher verblasst. Aber bei den nächsten Austragungsorten wird es spannend.

Vielleicht würde es auch helfen, bei der Vergabe von Ereignissen ein Soft-Faktoren zu berücksichtigen. Aber es wohl für die Entscheider gute Argumente für ihre Wahl.

Die Stadien in WM-Südafrika oder in der EM-Ukraine zeigen ja, was die Investitionen in eine Sportinfrastruktur mit Stadienneubauten ohne Folgenutzung bringen.

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