Ode an Eisenpimmel

eisenpimmel

Eisenpimmel, die allzu gern in die Asi-Ecke abgeschobene Punk-Schlager-Modern-Indie-Rockband aus Duisburg, hat sich mit Konsequenz, Durchhaltevermögen und dem Einsatz Hektolitern Bier zu einer Institution in der Subkulturszene im Ruhrgebiet entwickelt. Doch obacht: Wer die Texte von Bärbel Rotzky und Siggi Katlewski vom Mief der Eckkneipe befreit, erkennt hinter der angeprollten Fassade viele kleine und große Wahrheiten über das Leben, Moral sowie die diversen Problemchen im Zusammenhang mit Fernsehen, Bier und dem anderen Geschlechtsteil.

Auf ihrer neuen Platte „Viva La Nix. Der Untergang des monetären Wirtschaftssystems (aus Sicht eines Girokontos)“ widmen sich Eisenpimmel über eine Spielzeit von 104 Minuten verteilt auf drei Vinyl bzw. zwei CDs dem Thema des globalen Wirtschaftssystems. Ein Must-Have für stille Analytiker der Volkswirtschaft sowie Fans der Subkultur im Ruhrgebiet oder der deutschen Oper.

Folgende Verse entdeckte vor wenigen Tagen ein treuer Leser an einer Bude in Duisburg-Meiderich eingeritzt in einen Stapel KöPi-Kästen. Anlässlich der Veröffentlichung am 12.2. wollen wir sie der Öffentlichkeit nicht vorenthalten:

 

Angefangen habt ihr mit Orgel, Schnaps und Bier,

euch benommen wie ein Tier.

Doch was klang schon damals sehr?

Eisenpimmel auf französisch: pénis de fer.

Heute gibt es Eisenpimmel-Seife,

wenn auch ohne schöne Schleife.

Ihr selbst benutzt sie selten.

Sollten nicht für alle gleiche Pflichten gelten?

 

Doch wissen wir aus „Gib dem Kind wat auf die Fresse“

dass Unmenschlichkeit für euch ist keine Petitesse,

und aus „Ich kann auch nicht immer saufen“

dass Siggi oft kann kaum noch laufen.

 

Zwar esst ihr gerne Pommes

und das billige Fleisch vom Tönnies.

Aber es war bestimmt der Joghurt mit der Haselnuss,

der euch brachte das Wissen über den Kapitalismus.

 

Deshalb ist es überraschend nicht,

dass auf die Dinge klarste Sicht

nicht kommt von Marx, Piketty oder mich,

sondern aus Duisburg-Meiderich.

 

So ist voll mit Kapitalismus-Diss

und epischen Hits

eure neue Platte „Viva la nix“.

 

Doch von „nix“ kann keine Rede sein,

denn mit drei Vinyl ist die Geschichte überhaupt nicht klein.

Gibt gar nen richtigen Spannungsbogen.

Ker, nix davon is gelogen:

 

Ein kleines Ruhrpott-Giro fragt sich sehr:

Warum ist auf mir nie mehr?

Ist es so, dass aus mir nichts wird,

weil große Hedgefonds nie wurden neutralisiert?

 

Erzählt wird in verteilten Rollen,

klingt wie ne richtige Oper, aber ner dollen.

Zudem seid ihr ganz vorn

mit Gästen wie Dicken, Bela B. und Guildo Horn.

 

Und so erfahren wir, dass Kapitalismus tötet,

während Siggi alias „Der notorische Defizitsünder“ mit der Tröte flötet.

Und auch wenn alle kotzen schon,

schreit die Bärbel alias „Giro“: „Viva La Revolution“.

 

Doch das, was man am Ende weiß,

ist, dass trotz der Welten ganzen Scheiß,

der Ruhrpott bleibt auch deshalb liebenswert,

weil das Kapital hier kaum verkehrt.

 

Drum lässt euch sagen liebe Eisenpimmel,

kämpft nicht nur weiter für Abbu Bimbel.

Trinkt fröhlich weiter und bloß niemals verzagen

wegen TTIP, Geld und Girokonto-Plagen.

 

„Viva la nix“ ist purer Superlativ

Drum sehen wir es positiv:

Ohne diese große Krise

gäb es keine Platte wie diese

(aus Sicht eines Girokontos).

 

Platte:

Viva la nix (Kaputte Jugend Records, Broken Silence)

Erhältlich auf CD, schwarzem Vinyl und via Plastic Bomb Mailorder limitierten farbigem vinyl und digital

Web:

www.kaputtejugendrecords.de

Live:

8.4. im Druckluft, Oberhausen (+Operation Semtex)

 

Weiterführende Literatur:

Stratmann/Rebmann: Mit Schmackes! Punk im Ruhrgebiet, Bottrop 2012

2 Kommentare

Orrr…. "Halts Maul und putz!" war vor vielen vielen Jahren mal eine durchaus gern genommene Hymne. Vollkommen übersehen, dass es diese Truppe noch gibt. Wenn jetzt noch jemand Fleischlego ausgräbt, würd ich ein Tränchen in die Toilette verdrücken.

Hallo Richie,
Auch Fleischlego spielen noch ab und an und haben die letzte Platte ca. 2011 veröffentlicht

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