Wieso Aspirin keinen Ballon aufbläst

Werbung manipuliert. Klar, das ist doch gerade Hoffnung der Werbetreibenden.

Werbung ist manipuliert. Äh, wie meinen?

Letztens sass ich mit meiner Frau auf der Couch. Das Kind war im Bett.
Der Fernseher lief. Werbeclips prasselten auf uns ein.
Plötzlich sagte meine Frau: “Wieso hält die denn die Hände so seltsam?”
Ja, war mir auch aufgefallen. Behauptete ich zumindest.

In der Aspirin Complex-Werbung hatte die erkältete Dame, die augenscheinlich noch nicht in den Genuss des angepriesenen Präparates gekommen war, tatsächlich das Taschentuch irgendwie ungelenk gehalten. Und auch das Taschentuch sah seltsam aus. Hm. Ab nach Youtube, um das Video mal langsam anzuschauen. Und siehe da (also siehe oben) – da gibt es gar kein Taschentuch.
Sondern einen Herzluftballon, an dessen Aufblasen die junge Frau scheitert, was Aspirin ändert, und so letztlich das herzliche Happyend zwischen den (vermutlich) Verliebten herbeiführt.

Wieso beraubte uns Bayer dieses Cliffhangers?
War die implizite Message zu hart, dass Paare scheitern müssen, wenn kein Aspirin im Haus ist?
War da eine sexuell eindeutige Bildmetapher, vor der man den deutschen Zuschauer schützen wollte?
Oder war der nicht aufgepustete Luftballon gar religiös provozierend – konnte er doch als Alusion auf den Gehörnten, Satan höchstpersönlich, verstanden werden?
Nicht zu vergessen: die NSA. So läßt sich aus “Aspirin Complex” das Anagramm
“NSA CROIX PIMPEL” bilden…

Die Presseabteilung von Bayer beschwichtigt:

Die Änderung der Szene beruht auf einer Marketingentscheidung. Das Taschentuch wurde eingesetzt, um das Thema Erkältung stärker zu thematisieren.

Kann man das in unserer Zeit noch glauben?

Ich vermute ja.

Und werde von nun an noch skeptischer Werbung schauen.

Denn manchmal liegen die überraschende Sachen da, wo sie keiner vermutet: verborgen und offen vor den Augen Aller!

1 Kommentar

Aber den Spot habe ich schon mehrfach gesehen.

Das ist die “Langversion”. Die wird immer am Anfang einer neuen Kampagne gezeigt, nach ein paar Wochen wird dann eine gekürzte Version gezeigt.

Das ist mir schon des Öfteren aufgefallen. Aktuell bei der Werbung mit dem kleinen Jungen, der sich wundert, wo all die Weihnachtsgeschenke herkommen.

Ganz am Anfang sitzt der Junge auf einer Schaukel im verschneiten Garten. Dann sagt er was zum Fliegen oder so ähnlich. Nach einem Cut sitzt er in seinem Zimmer und berechnet, welche Sachen durch den Kamin passen, und welche nicht.

Meistens wird der Spot aber nur so gezeigt, daß er kurz auf der Schaukel im Garten zu sehen ist, und der Gedanke übers Fliegen nicht gezeigt wird.

Habe ich auch erst einmal gesehen, die längere Version.

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