Nokia – Ein Jahr danach schauen Hunderte noch in die Röhre

Ein Jahr ist das nun her, dass Nokia ankündigte, sein Werk in Bochum platt zu machen. Viel ist passiert. Ein paar Leute haben neue Jobs bekommen, nicht mal schlechte. Andere Menschen schauen in die Röhre. Nach Angaben der IG Metall haben etwa zwar rund 1000 ehemalige Nokia-Beschäftigte einen neuen Arbeitsplatz gefunden, aber über 1.300 Ex-Nokianer sind immer noch ohne Perspektive. Bisher würden sie in der Transfergesellschaft beschäftigt. Aber was danach kommt, in der Wirtschaftskrise, das weiß keiner. Arbeitslosigkeit? Hartz IV – irgendwann? Nichts?

Oliver Burkhard, IG Metall Bezirksleiter in NRW ist immer noch spürbar auf den Handy-Produzenten sauer: "15 Prozent Rendite in Bochum waren nicht genug." 

Damals am 15. Januar, gab es Streit und Zoff und Boycottaufrufe, als Nokia mit Bochum brach. Nach…

Ein Jahr ist das nun her, dass Nokia ankündigte, sein Werk in Bochum platt zu machen. Viel ist passiert. Ein paar Leute haben neue Jobs bekommen, nicht mal schlechte. Andere Menschen schauen in die Röhre. Nach Angaben der IG Metall haben etwa zwar rund 1000 ehemalige Nokia-Beschäftigte einen neuen Arbeitsplatz gefunden, aber über 1.300 Ex-Nokianer sind immer noch ohne Perspektive. Bisher würden sie in der Transfergesellschaft beschäftigt. Aber was danach kommt, in der Wirtschaftskrise, das weiß keiner. Arbeitslosigkeit? Hartz IV – irgendwann? Nichts?

Oliver Burkhard, IG Metall Bezirksleiter in NRW ist immer noch spürbar auf den Handy-Produzenten sauer: "15 Prozent Rendite in Bochum waren nicht genug." 

Damals am 15. Januar, gab es Streit und Zoff und Boycottaufrufe, als Nokia mit Bochum brach. Nach Ansicht von Burkhard hat das was gebracht. Halb im Zorn, halb als Drohung sagt er: "Jetzt sind die Marktanteile gesunken und auch die Situation in Rumänien ist schwierig." Bätsch. Burkhard weiter: "Nokia hat an Ansehen verloren und auf Kosten von Bochum Vertrauen verspielt."

Dabei hat die Gewerkschaft eigentlich wenig zu kammelen. Betriebsräten und IG Metall gelang es, ein Sozialplanvolumen von 200 Mio. Euro sowie eine Transfergesellschaft auszuhandeln. Damit wurde die direkte Arbeitslosigkeit der Beschäftigten vermieden. Zudem haben mehrere Investoren die Kompetenz und das Potential der "Ex-Nokianer" erkannt und am Werksgelände oder in der Umgebung investiert und neue Jobs geschaffen.

Oliver Burkhard, IG Metall Bezirksleiter in Nordrhein-Westfalen lästert: "15 Prozent Rendite in Bochum waren nicht genug. Im Rückblick betrachtet steht Nokia mit der damaligen Entscheidung für eine Unternehmenspolitik, für ein Konzept von Wirtschaften, das gescheitert ist und dessen Folgen wir gerade in voller Härte spüren."      

3 Kommentare

Was soll man denn erwarten?
Eine nicht mehr familiären, heimatländischen oder sozialen Bindungen unterliegende Unternehmensgesellschaft, der es ausschließlich um Gewinn und Monopol geht, hat doch gar kein Interesse an Menschen und deren Schiksale !

Nokia und die Fakten
Ein bißchen googlen und mal vorbeischauen bei Nokia bringt folgende Fakten:
Auf dem Gelände tut sich noch nicht so viel, kaum LKW-Verkehr, kein Ansturm beim Schichtwechsel – außer bei der

Security. Im Wind flattern Firmenfahnen und an den Klingelschildern stehen Firmennamen, die bisher noch nicht so

bekannt sind wie es eben Nokia war. Novero, Sasken, Teleca, Scanbull heißen die Hoffnungsträger für Bochum-Riemke.
Bis auf Scanbull sind alle wohl schon früher mit Nokia geschäftlich verbunden gewesen.
Novero ist im Bereich Automotiv tätig, also rund ums Handy für’s Auto (z.B. Freisprecheinrichtungen). Damit aber auch

abhängig von den Automobilbauern. Teleca und Sasken sind Software- und Ingenieurdienstleister; größere, weltweit

operierende Unternehmen. Scanbull ist Spezialist für 3D Hard- und Software.
Von den 1000 Ex-Nokianern, die einen Job gefunden haben, sind etliche bei den oben genannten Unternehmen , aber

auch bei RIM, die auf dem Unigelände ihr Domizil haben, untergekommen.
Was der neue Eigentümer, die Thelen-Gruppe, hier schaffen wird und kann, ist noch mehr als offen. Denn die

Wirtschaftskrise hat Bochum und das Ruhrgebiet nicht links liegen lassen. Logistik? Logistikcenter? Der Standort hat

hierzu seine Vorteile. Aber wo sollen die Volumina herkommen? Wer braucht da noch 1500 Ex-Nokianer? Auch ein

Logistikcenter würde wohl weniger Staplerfahrer benötigen als Nokia einst selbst beschäftigt hat. Und überhabt wird man

dann moderne Lagertechnik mit wenig Personalbedarf installieren.
Die Euphorie der Schönwetterpolitiker bei Stadt und Land kann ich nicht teilen.

Das Schlimme ist doch, dass der Transfer in die gefühlte Perspektivlosigkeit jetzt scheinbar auch noch staatlich gefördert wird. Wer sieht wie es Nokianer ergangen ist, weiss versteht was auf alle anderen jetzt erst zukommt …

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