Noch immer Tristesse im Ruhrgebiet? – Kaum ein Tourist will nach Herne oder Recklinghausen

Rathaus Recklinghausen Foto: Robin Patzwaldt
Rathaus Recklinghausen Foto: Robin Patzwaldt

Sightseeing im Revier? Klar, kann man machen. Und es gibt hier unzweifelhaft auch viele schöne Ziele, die sich zu besichtigen und zu erkunden lohnen. Wir Ruhrpottler wissen das.
Aber verglichen mit anderen Regionen ist das touristische Angebot im Ruhrgebiet dann doch noch immer vergleichsweise arg bescheiden und wohl eher für Insider und Liebhaber der Industriekultur von Interesse. Wirklichen Massentourismus sucht man hier jedenfalls noch immer weitestgehend vergeblich.
Daran konnten auch diverse Imagekampagnen und lokale Initiativen noch nichts Grundlegendes ändern. Touristisches Reiseziel Ruhrgebiet? Für viele, wenn überhaupt, wohl eher ein beliebtes geschäftliches Reiseziel, wenn man hier als Auswärtiger denn überhaupt mal übernachten sollte.
Und tatsächlich, Herne und Recklinghausen sind, zumindest in touristischer Hinsicht, auch offiziell so ziemlich die uninteressantesten Städte im deutschsprachigen Raum.

 

Diese im Grunde nicht wirklich überraschende Erkenntnis untermauern ganz aktuell so auch konkrete Zahlen, die das Reiseportal travel24.com nun veröffentlicht hat.
Insgesamt 138 Städte hat das Online-Reisebüro in einem großen Vergleich aufgelistet. Herne liegt dabei nur auf dem letzten, Recklinghausen auf dem vorletzten Platz.

 
Zustande kommt dieses Ranking, wenn man die Zahl der absoluten Übernachtungen im Jahr 2014 in Relation zur Einwohnerzahl setzt. Recklinghausen kommt dabei gerade auf 0,7 Übernachtungen pro Einwohner, in Herne sind es gar nur 0,4.
Kleiner Trost vielleicht: Legt man allein die absoluten Zahlen zugrunde, so schneidet zumindest Recklinghausen in einer Liste der 120 beliebtesten Städtereiseziele in Deutschland doch noch ein wenig besser ab. 83.973 Übernachten wurden hier lt. dem Reiseportal im vergangenen Jahr gemeldet, das sind immerhin dann doch 6.361 mehr als noch 2013. Spitzenreiter ist hier die Bundeshauptstadt Berlin (ca. 29 Mio. Übernachtungen), Recklinghausen reiht sich auf Rang 116 ein. Nur Weiden in der Oberpfalz, Herne, Delmenhorst und Schlusslicht Stendal sind hierbei noch schlechter platziert.

 
Ganz vorne, wen wundert es, liegen deutschlandweit generell die Metropolen Berlin, Hamburg und München. Im Hinblick auf die Übernachtungen vor Ort konnte Berlin dabei übrigens seine Spitzenposition sogar noch weiter ausbauen. Die deutsche Hauptstadt verbuchte im Jahr 2014 insgesamt 28,6 Mio. Übernachtungen. Das sind 1,7 Mio. (+6,5%) mehr als im Jahr zuvor.
Auch in Deutschlands Touristenstadt Nummer zwei, die bayerische Weißwurst-Metropole München, kommen aktuell mehr Reisende denn je. In der Stadt an der Isar wurden im Jahr 2014 demnach insgesamt 13,4 Übernachtungen gezählt. Das waren immerhin kräftige 553.000 mehr als noch im Jahr 2013 (+4,3%).

5 Kommentare

Und was soll diese Statistik jetzt sagen? Immerhin schaffen es die Städte doch in die top 120, kann man auch so sehen. Oder nicht? Komme grade aus Berlin und manch einer der 100 noch lebenden Ureinwohner Berliners würde sich Herner Verhältnisse wünschen 🙂

Die Verhältnisse realistischer abbilden würde eine Gegenüberstellung “Metropole Ruhr” (auch, wenn dieser Ausdruck bei den Ruhrbaronen ja eher negativ konnotiert ist) vs. Berlin // München // Wasauchimmer.
Das Ruhrgebiet muss als gesamter Ballungsraum betrachtet werden. So, wie Berlin auch ein Ballungsraum aus vielen kleinen Kiezen ist. Wenn man Recklinghausen und Herne in die Rechnung nimmt, dann sollte man auch Neukölln, Marzahn oder Pankow mit reinbringen.
Das sähe dann zwar auch immer noch bescheiden aus, aber nicht mehr_so_bescheiden.

Aber da tut sich was. Nachdem Goldschmieding (Castrop Rauxel) sich aus dem Rennen gekickt hat, übernachtet praktisch jede Bundesligamannschaft mit einer Anreise von mehr als 100 km zur Gelsenkirchener Turnhalle mal hier. Von so Granaten wie Kevin Spacey und John Malkovic mal ganz abgesehen.

Die Metropole Ruhe braucht sich vor anderen Metropolen nicht verstecken.
Das Veranstaltungsangebot ist überragend (100km Anreise).
Die Natur / Museen haben auch viele gut versteckte Champions.

So toll ist es in anderen Regionen auch nicht jenseits des Standard-Foto-Motivs in der historischen Innenstadt oder vor den Wolkenkratzern.

In Dubai sind u.a. Malls und Ski-Hallen Attraktionen, hier interessieren sie kaum.

Wenn sich der Großraum von Dortmund bis Ddorf besser vermarktet, gibt es noch mehr Potenzial. Dafür muss man dann auch mal in den Reise-Prospekten auftauchen. Das kenne ich nur von ein paar Musicals und dem Bottroper Freizeitpark.

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