NHL: Die Welt ist eine Scheibe

Eishockey ist nur etwas für ‚harte Männer‘, für Prügelknaben, die nicht wissen wohin mit ihren Kräften. Weit gefehlt! Das typische Publikum beim Eishockey ist friedlich, und es hat einen sehr hohen ‚Frauenanteil‘. Natürlich spielen Frauen auch Eishockey. Aber das ist ja eh‘ klar. Von unserem Gastautor Robin Patzwaldt.

Und weil Eishockey eben einen so tollen Unterhaltungswert hat, möchte ich hier bei den Ruhrbaronen im Jahre 2012 regelmäßig darüber berichten.

Das tue ich seit Jahren. Seit 2002 schreibe ich im Team von www.Eishockey.com in deutscher Sprache über das tagesaktuelle Geschehen in der Nordamerikanischen Eishockeyliga ‚NHL‘.

Hier bei den Ruhrbaronen soll es eine monatliche Zusammenfassung der Ligageschehnisse geben. Über ungewöhnliche Ereignisse vielleicht noch den ein oder anderen ‚Sonderbericht‘ geben.

Ich möchte Sie also einladen die Geschehnisse in der National Hockey League mit mir zu begleiten, zunächst auf dem Wege zum nächsten ‚Stanley Cup‘-Sieger, der traditionell im kommenden Juni gekürt werden wird.

Saisonstart ist immer Anfang Oktober. Jede der 30 Mannschaften in der Liga bestreitet zunächst 82 (!!!) Saisonspiele, bevor die 16 besten Teams der Vorrunde in die ‚Playoffs‘ starten, dann im KO-System (Best off 7; wer zuerst 4 Spiele gewinnt kommt weiter) die beste Hockeymannschaft des Jahres ausspielen.

Inzwischen ist Januar, mehr als die Hälfte der Vorrunde der Saison 2011/12 ist also bereits gespielt.

Die 30 Mannschaften spielen derzeit in insgesamt 6 Gruppen (‚Divisions‘). Jeweils 3 Gruppen sind zur ‚Eastern-‚‚ bzw. ‚Western‘-Conference zusammengefasst. Gegen Teams aus der eigenen ‚Division‘ und ‚Conference‘ spielt man häufiger als gegen weiter entfernt liegende Teams.  Im Juni werden dann der Sieger des Ostens und der Sieger des Westens im sogenannten ‚Stanley-Cup-Finale‘ den Champion ermitteln.

Aktueller Titelverteidiger sind die ‚Boston Bruins‘, welche im vergangenen Frühsommer, etwas überraschend, die ‚Vancouver Canucks‘ mit 4:3 Siegen in einer sehr spannenden Finalserie bezwingen konnten.

Seit einer streikbedingt ausgefallenen Saison 2004/2005 konnte noch kein Team seinen Titel erfolgreich verteidigen. Und das dürfte auch diesmal den Bruins schwerfallen. Zu ausgeglichen ist das Teilnehmerfeld und zu unwägbar die Entwicklungen. Ein Team das in einem Jahr noch sehr erfolgreich ist, das kann schon wenige Spielzeiten später das Tabellenende zieren und umgekehrt. Grund dafür ist das streng geregelte Rahmenregelwerk der Liga. Es gibt eine Mindest- und eine Höchstsumme für Spielergehälter (‚Salary Cap‘) eines Teams. Im Gegensatz zur Fußball Bundesliga z.B. ist es so einem Team quasi unmöglich den anderen Teams einfach die Stars wegzukaufen o.ä.. Viele Mannschaften spielen daher auf Augenhöhe. Sieger sind oft nur sehr schwer vorher zu tippen. Was die Ausgeglichenheit der Liga zudem fördert ist das sogenannte ‚Draft‘-System. Alle 30 Teams dürfen im Sommer aus den jeweils besten Nachwuchsspielern eines Jahrgangs wählen, wobei das schlechteste Team der Vorsaison zuerst wählen darf. Es erhält somit gute Chancen auf eine sportliche Verbesserung in den nächsten Jahren. Spielerwechsel werden in der Regel nicht finanziell kompensiert, sondern Spieler werden getauscht. Sind Verträge bei älteren Spielern ausgelaufen, dann können sie sich frei ein neues Team aussuchen. Auf die Details will ich hier noch nicht näher eingehen. Das ergibt sich dann bestimmt noch in den nächsten Monaten. Jedenfalls gewährleisten diese Rahmenbedingungen der Liga einen ausgeglichenen Ligabetrieb. Da sich alle 30 Teams in Privateigentum befinden, also gewinnorientiert arbeiten sollen, gibt es keinen Auf- oder Abstieg. Das erleichtert den handelnden Personen die langfristige Planung. Trotzdem machen fast alle 30 ‚Franchises‘ Verlust. Das funktioniert auf Dauer nur, weil sie sich in der Regel in der Hand einiger Millionäre und großer Firmen befinden, die diese Objekte als Abschreibungsobjekte mitfinanzieren.

Was der NHL seit Jahren Probleme bereitet ist das Fehlen eines Nationalen Fernsehvertrages in den USA. Seit sich Der Sportsender ‚ESPN‘ vor ein paar Jahren von der NHL zurückzog zeigt kein großer Nationaler Sender mehr regelmäßig einzelne Spiele. Es gibt einzelne Ausnahmen. Die Begegnungen werden in der Regel aber entweder nur lokal frei übertragen oder aber natürlich auch im Pay-TV der USA. In Kanada, wo Eishockey eine ganz andere Größenordnung hat, unumstritten Nationalsport Nr. 1 ist, ist das anders. Hier gibt es natürlich mehrfach in der Woche landesweite Übertragungen im ‚Free-TV‘.

Durch das Fehlen eines überregionalen TV-Vertrages mit einem, der großen Sender ist (Eis-)Hockey in den USA nur lokal von größerer Bedeutung.  Das merkt man u.a. auch an der Verbreitung von Fanartikeln, die man in den USA auf dem ‚platten Land‘ quasi nicht findet. Die Ligen NBA und NFL (Basketball und Football) haben da schon eine ganz andere Verbreitung zwischen Boston und Los Angeles.

Trotzdem sind die Spiele in Nordamerika eigentlich immer sehr gut besucht. Die durchschnittlichen Zuschauerzahlen schwanken in der Regel zwischen 13.000 (New York Islanders, Phoenix Coyotes) und 22.000 Zuschauern pro Spiel (Montreal Canadiens). Zahlen von denen man im Eishockey hierzulande wohl nur träumen kann.

Was die NHL außerdem auszeichnet ist eine für hiesige Verhältnisse quasi traumhafte Ausstattung mit modernen Hallen. Im letzten Jahre bekamen die Pittsburgh Penguins endlich auch ihre neue Arena, so dass die New York Islanders mit dem ‚Nassau-Coliseum‘ nun die kleinste (ca. 17.000 Zuschauer Fassungsvermögen) und älteste (aus den 1960er-Jahren) Halle haben. Und auch dort plant man bereits einen Neubau.

Natürlich kann man die Spiele der Liga (tagtäglich finden einige Spiele statt) inzwischen auch hier bei uns in Europa regelmäßig verfolgen. Als ich in den 1990-er Jahren meine Liebe zur Liga entdeckte war das noch anders. Inzwischen kann man auf NHL.com die Spiele in voller Länge per Internet anschauen (kostenpflichtig), oder man abonniert in Deutschland den TV-Sender ‚ESPN-America‘, der mehrere Spiele in der Woche zeigt (kann man z.B. über Sky bestellen). Auch im Internet gibt es reichlich Berichterstattung inzwischen. In deutscher Sprache berichtet, und dieser kleine Hinweis in eigener Sache sei mir hier erlaubt, auch bereits Eishockey.com tagtäglich aktuell in kurzen Zusammenfassungen in Textform über die Spiele der Nacht.

Es gibt also für den NHL-Fan inzwischen (glücklicher Weise) eine große Auswahl von Informationsmöglichkeiten weltweit.

So, dass soll für heute zur Einstimmung erst einmal reichen. Ich würde mich freuen, wenn ich ein wenig Ihr Interesse geweckt hätte und sie der NHL-Berichterstattung auch hier bei den Ruhrbaronen in den nächsten Monaten interessiert folgen würden. Natürlich wird es nicht möglich sein hier detailliert auf einzelne Spiele o.ä. einzugehen, dafür ist die Liga zu schnelllebig. Aber besondere Ereignisse (Winter Classic, All Star Game, Finalserie usw.) möchte ich hier schon etwas näher beleuchten und jeden Monat auch eine kurze Zusammenfassung der jüngsten Ereignisse in der ‚Besten Eishockeyliga der Welt‘ liefern. Ich würde mich freuen, wenn Sie mich dabei begleiten…

6 Kommentare

Robin, Du denkst an und schreibst über Eishockey. Nicht über den Bundespräsidenten?Lob und Dank an Dich. Ich bin den ganzen Sch……..über den BPräs.-meine Kommentare eingeschlossen-mittlerweile leid.

@Walter: Danke! 🙂 Na ja, der Text ist nicht vom Tage. So hatte ich heute dann meine volle Konzentration für Wulff… 😉 Das Thema überlagert ja wirklich alles.
Aber Du hast völlig Recht: An Eishockey zu denken ist eindeutig schöner! 😀

Hallo Leude,
also finds Klasse, dass hier regelmäßig und sehr lesenswert über die NHL berichtet wird! Für einem Nicht-Aktiven (mir inkl.) sieht Eishockey recht kompliziert aus…abseits, strafen…
Daher finde ich es super, das diese Beiträge gerade bei fachfremden Interesse wecken können. Habe selbst nur über Umwege (PS3: NHL11/12…kann ich nur empfehlen…vor allem online) zum Eishockey gefunden und finde, dass diese technisch und pysisch m.M.n. herauforderndeste Mannschaftssportart der Welt einen gradioses Unterhaltungswert liefert…bitte mehr davon…freu mich schon…
und für alle, die einwenig in den NHL-Kosmos eindringen wollen, empfehle ich die Videoreihe zu den Winter Classics von HBO (Gibts auch bei Youtube) http://www.hbo.com/sports/24-7-penguins-capitals-road-to-the-nhl-winter-classic/index.html
Grüße
Kobo

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