NHL – Die Welt ist eine Scheibe (7) – Februar 2013

Patrick Kane (Foto) und seine Chicago Blackhawks haben den Startrekord der Liga verbessert. Foto: Robin Patzwaldt
Patrick Kane und den Chicago Blackhawks gelang ein neuer NHL-Startrekord. Foto: Robin Patzwaldt

 

Inzwischen haben die 30 Teams in der Nordamerikanischen Eishockeyliga NHL auch schon wieder ca. 1/3 ihrer Vorrundenspiele in dieser (stark verkürzten) Eishockeysaison absolviert.

Natürlich sind die sportlichen Entscheidungen zu diesem frühen Zeitpunkt der Runde noch weit entfernt. Man kann bisher erst leichte Tendenzen anhand der Tabellen ablesen, welche 16 der 30 Mannschaften sich am Ende wohl für die saisonentscheidende KO-Runde (Playoffs) durchsetzen können.

Völlig aus dem Rennen ist naturgemäß bisher noch niemand. Trotzdem fällt bisher bereits auf, dass z.B. ausgerechnet die beiden hochgehandelten Stanley-Cup-Aspiranten aus Washington und Buffalo das Tabellenende der Eastern Conference bilden. Trotz hochkarätig besetzter Kader bekommen beide Teams ihre ‚PS‘ zum wiederholten Male offenbar nicht so recht auf das Eis. Das ist schon frustrierend für die Anhänger. Aus hiesiger Sicht wundert man sich in diesem Zusammenhang natürlich besonders über die Buffalo Sabres, wo neben den Deutschen Nationalspielern Jochen Hecht und Christian Ehrhoff auch noch der Österreichische Topspieler Thomas Vanek aktiv ist. Und obwohl gerade der Österreicher mit seinen bisher 25 Scorerpunkten persönlich überzeugen konnte, liegt Buffalo, auch in dieser Saison, einmal mehr weit hinter den Erwartungen zurück.

Tabellenführer im Osten sind bisher die Montreal Canadiens, welche überraschend stark in die Saison gestartet sind. Vor allem Torhüter Carey Price spielt dort bisher eine tolle Runde.

Die Chicago Blackhawks überzeugen im Westen, haben in der NHL jüngst sogar für einen neuen Startrekord gesorgt. Der Stanley-Cup-Gewinner von 2010 hat in allen 18 Spielen seit dem Saisonstart im Januar mindestens einen Punkt geholt. Die ‚Hawks‘ unterlagen bislang erst dreimal, jeweils nach Verlängerung im anschließenden Penaltyschiessen.

Die bisherige Bestmarke war eine Serie von 16 aufeinanderfolgenden Spielen mit Punktgewinn. Die Anaheim Ducks, denen das in der Saison 2006/07 gelungen war, wurden dann am Ende der Saison Stanley Cup-Sieger. Ein gutes Omen für Patrick Kane & Co.?

Bei den Spielern konnten bisher u.a. Steven Stamkos und Martin St. Louis aus Tampa Bay besonders überzeugen. Während Stamkos es bereits auf stolze 29 Scorerpunkte bringt, überzeugte St.Louis mit 20 Assistpunkten im ersten Monat der verkürzten Spielzeit.

Jüngst kam es auch zu einer recht spektakulären Entwicklung beim Traditionsteam der New York Islanders, welches seit Jahren vergeblich um den sportlichen Anschluss an die Spitze kämpft.

Dort wurde nun der inzwischen 31-jährige ehemalige Nr.1-Draft-Pick (der zuerst gewählte Spieler eines Nachwuchsjahrgangs, der hoffnungsvollste Nachwuchsspieler eines Jahres sozusagen) aus dem Jahre 2000 Rick DiPietro, der von seinem ursprünglich einmal abgeschlossenen 15-Jahresvertrag noch ein Restgehalt von ca. 36 Mio.US Dollar ausstehen hat, aus dem aktuellen Teamkader der ‚Isles‘ genommen und in das unterklassige Farmteam nach Bridgeport (ein Team voller Ersatzspieler und ‚Nachwuchstalente‘ der Islanders) geschickt. Dies bedeutet für den Torhüter wohl das sportliche Ende seiner Karriere in der National Hockey League. Eine traurige Entwicklung für DiPietro, der mit so viel Talent ausgestattet war, in seiner Karriere aber seit 2008 ständig durch Verletzungen zurückgeworfen wurde. Zwar kann sich der ‚Goalie‘ durch seinen hochdotierten und langfristigen Vertrag finanziell seiner Zukunft sicher sein, denn das vertraglich zugesicherte Geld steht ihm auch im unterklassigen Farmteam noch zu, sportlich ist seine Laufbahn aber sicher eine der größeren Enttäuschungen in der NHL der letzten Jahre.

Der von vielen Beobachtern schon beim Abschluss kritisierte 15-Jahresvertrag, den die New Yorker ihrem Hoffnungsträger auf eine bessere sportliche Zukunft damals anboten, hat sich damit für die Franchise aber nun endgültig auch wirtschaftlich zu einem riesigen Fehler des Teams entwickelt.

Sportlich werden bis Ende April, bis zum Ende der Vorrunde, nun in den nächsten Wochen noch deutlichere Tendenzen auftreten. Eishockeyfreunde dürfen sich auf den Fortgang der Dinge in der NHL freuen, auch wenn es in diesem Jahr, bedingt durch den verspäteten Saisonstart (Lockout) kein All-Star-Game und kein Winter-Classic (Freiluftspiel) in der NHL gegeben hat.

Davon abgesehen hat die Liga, den ‚Arbeitskampf‘ aber offenbar einmal mehr relativ unbeschadet überstanden. Die Aufregung darüber hat sich bei den meisten Fans bereits wieder gelegt, und die Dinge gehen sportlich in den 30 Arenen inzwischen soweit ihren üblichen Gang.

Wie hoch der wirtschaftliche Schaden durch den ‚Streik‘ am Ende tatsächlich sein wird, dass kann man wohl erst im kommenden Sommer wirklich beurteilen, wenn der nächste Stanley-Cup-Sieger den riesigen Silberling in den Himmel recken kann und danach dann die Experten die erwirtschafteten Zahlen endgültig abschätzen können.

Der ‚Neustart‘ der Liga nach einem langen ‚Lockout‘ erscheint, wie zuletzt auch bereits im Jahre 2006, der NHL aber erneut ganz gut geglückt zu sein.

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