NHL – Die Welt ist eine Scheibe (3) – März 2012

Die letzten vier Wochen der Vorrunde in der National Hockey League (NHL) stehen bevor. Von unserem Gastautor Robin Patzwaldt.

Bis zum 7. April kämpfen die 30 Teams der Liga um die 16 Endrundenplätze. Und es geht eng zu in diesem Jahr. Lediglich für die Montreal Canadiens, die Carolina Hurricanes, die Columbus Blue Jackets und die Edmonton Oilers dürfte das Playoffrennen wohl schon verloren sein.

Alle anderen Teams machen sich noch mehr oder weniger große Hoffnungen auf eine erfolgreiche KO-Runde.

Den Buffalo Sabres, die Anfang Februar bereits 11 Punkte hinter dem begehrten Achten Platz im Osten herliefen, konnten den Rückstand auf derzeit lediglich noch zwei Punkte verkürzen. Da ist plötzlich sportlich wieder alles drin.

Die traditionsreichen Toronto Maple Leafs überraschten ihrerseits in der Vorwoche mit einem spektakulären Trainerwechsel. In der besonders eishockeyverrückten Stadt am Ontariosee endete nach gut 4 Jahren im Amt die Zeit von Trainer Ron Wilson. Nachdem die Fans zuletzt wiederholt Sprechchöre gegen den Coach angestimmt hatten, und das obwohl das Team derzeit noch alle Chancen hat im April erstmals seit 2004 wieder in die Endrunde einzuziehen, folgten die Verantwortlichen tatsächlich dem Ruf der Fans, entließen Wilson und ersetzen ihn kurzerhand durch Randy Carlyle.

Carlyle hingegen war zuvor bei den Anaheim Ducks, mit denen er im Jahre 2007 noch den Titel holen konnte, in der aktuellen Spielzeit dann zum Start aber weit unter den Erwartungen zurück blieb, im vorigen Saisonverlauf entlassen worden.  Bleibt abzuwarten ob sich das hektische Manöver auf der Zielgeraden für die Ahornblätter am Ende auszahlt.

Ein anderes Thema welches die Liga in den letzten Wochen beschäftigte war der drastische Zuschauerschwund in Columbus. Lediglich noch gut 12.000 Fans sind derzeit allzu oft zugegen, wenn die Blauröcke ihre Heimspiele in der Nationwide-Arena bestreiten. Deutlich zu wenig um den Etat auf Dauer decken zu können. In den Medien und Fanforen der NHL wurde daher jüngst bereits über einen eventuell anstehenden Verkauf und Umzug des Teams in eine andere Stadt spekuliert, denn mit diesen Zahlen ist Columbus im NHL-Vergleich inzwischen fast in die Bereiche von Teams wie Phoenix oder den New York Islanders abgerutscht. Und auch diese beiden Teams sind seit Jahren schon in Spekulationen über Teamverkäufe und Franchiseumzüge verwickelt.

Zusätzlich dürfte den dortigen Fans die Tatsache, dass Superstar Rick Nash, der mit den ‚Jackets‘ mal wieder ohne Chance auf den Stanley Cup Titel bleiben dürfte, aktuell immer wieder mit einem Teamwechsel in Verbindung gebracht wird große Sorgen bereiten.

Ob Nash in der nächsten Spielzeit noch in Columbus spielt dürfte derzeit eher unwahrscheinlich sein. Ein Tausch des Superstars und Topverdieners mit einer anderen Franchise zu Gunsten einiger junger Nachwuchsspieler zum dringend erforderlichen Neuaufbau des Teams dürfte da deutlich wahrscheinlicher sein.

Werfen wir hier auch noch einmal einen kurzen Blick auf die Situation der aktuell sieben Deutschen in der Liga.

Marco Sturm und Marcel Goc liegen mit Florida bisher prima. Eine Playoffteilnahme ist diesmal durchaus realistisch für das in den letzten Jahren chronisch erfolglose Team der Panthers aus Florida. Allerdings läuft es bei Marco Sturm persönlich in dieser Saison erneut überhaupt nicht. Der inzwischen 33-jährige Dingolfinger droht rasant dem Ende seiner NHL-Laufbahn entgegenzusteuern. Die zahlreichen Verletzungen der letzten Jahre fordern offenbar ihren Tribut. Erst ganze 3 Scorerpunkte stehen für Sturm derzeit zu Buche. Sein Teamkollege Marcel Goc bringt es immerhin schon auf 18.

Das Verteidiger Dennis Seidenberg mit den Titelverteidigern aus Boston auch in diesem Jahr wieder um den Cup mitspielen dürfte, das steht außer Zweifel.

Die größte ‚Fraktion‘ an Deutschen in einem Team findet man inzwischen in Buffalo.

Neben Jochen Hecht und Christian Ehrhoff spielt dort seit der Trading Deadline im Februar nämlich nun auch noch Alexander Sulzer. Sulzer, der in Vancouver zuvor noch nicht so recht fußfassen konnte, versucht in Buffalo nun einen Neustart in der Liga. Ein starker Februar eröffnet den Sabres nun ja auch bekanntlich noch die Chance auf eine Endrundenteilnahme. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit für ein Team, welches zu Saisonbeginn zu den Favoriten gezählt wurde. Und ist die KO-Runde erst einmal erreicht, dann ist bekanntlich alles möglich.

Früher galt häufig San Jose als ‚Hochburg‘ unserer Eishockeycracks. Dort spielt derzeit allerdings nur noch einer unserer Nationalspieler eine Rolle. Doch immerhin schaffte es Torhüter Thomas Greiss dort inzwischen zu regelmäßigen Einsätzen in der NHL. Die bisher 17 Saisonspiele für die Sharks bedeuten für ihn jetzt schon eine persönliche Bestmarke in seiner NHL-Karriere. Am Finnischen Stammtorhüter Antti Niemi, der mit den Chicago Blackhawks 2010 den Stanley Cup holte, dürfte der Füssener zunächst aber wohl noch nicht vorbeikommen.

Doch die Deutschen spielen in der Liga insgesamt betrachtet ohnehin eher noch eine Nebenrolle. Die Superstars des Welteishockeys kommen traditionell aus anderen Nationen.

Von ligaweitem Interesse ist da eher die tolle Entwicklung die Steven Stamkos in Tampa Bay hinlegt. Der ehemalige Nr.1-Pick, dem dessen erster NHL-Coach Barry Melrose vor einigen Jahren quasi noch die Ligatauglichkeit absprach, führt in diesem Jahr stolz die Torjägerliste der NHL an.

Bereits 47 Tore hat Stamkos inzwischen erreicht. Die magische 50-Tore-Grenze ist für ihn machbar. Somit ist er mit nun schon erreichten 80 Scorerpunkten zusammen mit Pittsburghs Evgeni Malkin Ligaspitze. Das hätten noch vor einigen Jahren von ihm wohl schon nicht mehr allzu viele Fans in Tampa erwartet.

Evgeni Malkin seinerseits hilft durch seine beeindruckenden Leistungen in Pittsburgh den Ausfall von Superstar Sidney Crosby, der verletzungsbedingt lediglich acht Spiele in dieser Saison bestreiten konnte, bei den Pens zu kompensieren.

Bei den Torhütern der Liga überrascht bisher Brian Elliott von den St.Louis Blues. Elliot hat mit nur 1,63 Gegentreffern im Schnitt den derzeit besten Wert der NHL in diesem Bereich vorzuweisen. Nicht schlecht…

Das Henrik Lundqvist von den New York Rangers mit einer Fangquote von 0,939 und derzeit acht Spielen ohne Gegentreffer wieder Ligaspitze ist, das war nach den starken Leistungen der letzten Jahre so schon zu erwarten.

Freuen wir uns also nun auf die intensiven vier Schlusswochen der Vorrunde. Einiges wird sich noch tun bevor die ersten 14 Teams in die viel zu frühe Sommerpause müssen.

Im April werfe ich dann hier an dieser Stelle einen Blick auf die dann bevorstehenden KO-Spiele der ersten Playoffrunde.

Bis dahin!

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