Nelly-Sachs-Preis: “Ich halte diese Verleihung des Preises an eine antiisraelische Autorin für obszön”

Volker Beck. Foto: Thomas Vogt
Volker Beck. Foto: Thomas Vogt [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons

Volker Beck, Lehrbeauftragter an der Ruhr Uni Bochum und ehemaliger Bundestagsabgeordneter der Grünen, hat Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau in einem Brief aufgefordert, dafür zu sorgen, dass die britische Schriftstellerin Kamila Shamsie nicht den nach Nelly Sachs benannten Literaturpreis der Stadt Dortmund bekommt.

In einer Pressemitteilung schreibt  Beck heute: “Ich halte diese Verleihung des Nelly-Sachs-Preises an eine antiisraelische Autorin für obszön. Damit wird das Andenken an die Namensgeberin des Preises in den Schmutz gezogen. Ich habe dem Oberbürgermeister der Stadt Dortmund Ullrich Sierau geschrieben und ihn gebeten, sich für eine Korrektur dieser Entscheidung einzusetzen.”

Den Brief an Sierau möchte Beck nicht öffentlich machen.

Gestern berichtete dieses Blog darüber, dass die diesjährige Gewinnerin des Nelly-Sachs-Preises der Stadt Dortmund die antisemitische BDS-Bewegung unterstützt und sich weigert, ihre Bücher in Israel erscheinen zu lassen. Mit dem Nelly-Sachs-Preis, der Persönlichkeiten ehren will “die herausragende schöpferische Leistungen auf dem Gebiet des literarischen und geistigen Lebens hervorbringen und zur Verbesserung der kulturellen Beziehungen zwischen den Völkern beitragen.” passt das so wenig zusammen wie mit der Vita der Namensgeberin des Preises: Nelly Sachs war eine mit dem Nobelpreis geehrte jüdische Schriftstellerin, die vor den Nazis aus Deutschland fliehen musste und sich für Israel einsetzte.

Mehr zu dem Thema:

Dortmund ehrt Schriftstellerin Kamila Shamsie, die nicht in Israel veröffentlichen möchte

 

 

8 Kommentare

Desinteressierte und daher uniformierte Juroren? Andererseits, wer kennt die schon und BDS ist hierzulande eine Randerscheinung. Ganz im Gegensatz zu dem UK und den USA. Da kann man verstehen warum eine B Prommi, die einen von x(beliebigen) Preisen bekommt, nicht auf BDS abgeklopft wurde.

Doch gerade im Ruhrgebiet ist BDS keine Randerscheinung mehr, sondern durch die hoch subventionierte Frau Carp "salon-" bzw. "satisfaktionsfähig" gemacht worden (Carps eigene Worte).

gerade ist die Protestnote von 250 internationalen Schriftstellern, Intellektuellen ggn die Entscheidung reingekommen https://www.theguardian.com/books/2019/sep/23/hundreds-of-authors-protest-after-kamila-shamsies-book-award-is-revoked , darunter JM Coetzee und Arundhati Roy reingekommen. Nur hierzulande will man nicht davon lassen sich etwas von international bedeutenden Intellektuellen sagen zu lassen sondern hört lieber auf solche Leute wie Volker Beck.

@ingrid werner: Der offene Brief trägt die schöne Überschrift "The Right to Boycott". Nichts anderes als BDS-Anhänger zu boyktottieren tun immer mehr Institutionen in Deutschland: Auch das ist das "Recht zu boykottieren". Ansonsten neben den üblichen Verdächtigen ist da schon viel B- und C-Prominenz dabei.

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