Närrische Tage: Deutsche im Verkehr mit 10 Vol. % Alkohol

Die närrischen Tage haben begonnen. Probleme im Verkehr. Die Bahn wird bestreikt. Und im Straßenverkehr verträgt nicht jeder 10 Vol. % Alkohol.

Die närrischen Tage haben begonnen.
Gestrandete Zugreisende erklärten am Freitag auf dem Bahnsteig in die Fernsehkameras, sie hätten bis heute nicht verstanden, warum überhaupt gestreikt werde. Angesichts des relativ hohen Empörungsgrades verbieten sich sämtliche Zweifel an diesen Einlassungen. Zumal es tatsächlich nicht ganz so einfach ist zu verstehen, warum die Lokführer streiken. Etwas leichter verständlich war da schon die am Donnerstag in sämtlichen Nachrichten verkündete Meldung, dass die Gewerkschaft der Lokführer streikt. Hätten die heutigen Bahnreisenden schon einmal diese Nachricht verstanden – also die, dass am Freitag gestreikt wurde, hätte ihnen dieses Wissen einige Unannehmlichkeiten ersparen können. Auch der Frage, warum gestreikt wird, hätten sie sich mit etwas mehr Gelassenheit nähern können.
So wie es aussieht, werden die Streiks in der kommenden Woche fortgesetzt. Dann werden wieder Kameras auf den Bahnsteigen stehen und gestrandete Zugreisende filmen, die wieder erklären werden, immer noch nicht verstanden zu haben, warum überhaupt gestreikt werde. Und dass sie jetzt aber wirklich langsam sauer würden. Närrisch. Ob am Aschermittwoch alles vorbei sein wird?

Es könnte durchaus sein, dass mit dem Ende der tollen Tage das närrische Treiben der Deutschen im Verkehr ein wenig nachlässt. Bei den Bahnreisenden wird sich vermutlich kaum etwas ändern; nehmen wir es als running Gag: „Ich verstehe bis heute nicht, warum überhaupt gestreikt wird.“ Aber vielleicht werden die Autofahrer nach dem Kehraus nicht mehr ganz so auf die Brause hauen. Am Faschingsdienstag findet nämlich der Benzingipfel statt. Prinz Rainer, der Erste – der ist Wirtschaftsminister, logisch – hatte am Altweiberdonnerstag schon ganz stolz verkündet, dass der „zeitnah“ stattfinden werde. Und schon am Freitag hatte er alles in trockenen Tüchern. Dienstag ist Gipfeltag. Wenn es wirklich brenzlig wird, wird aus Prinz Rainer I der Highspeed-Brüderle. Nur fünf Tage, und schon sind alle wichtigen Herrschaften zusammengetrommelt.
Beratungsbedarf, und was für einer. Ein urkomischer Gag, ein absoluter Brüller, blöderweise versteht keiner der Schenkelklopfer die Pointe. Selbst ich habe bis heute nicht so richtig verstanden, warum die Autofahrer streiken. Ein Käuferstreik. Gewohnt, sich den Tiger in den Tank zu packen, oder die V-Power oder sonst was, soll da jetzt urplötzlich – gerade mal ein paar Monate, höchstens ein, zwei Jahre angekündigt – mehr Bio rein. Stopp, Aus, Ende. Es geschieht etwas, womit selbst die eisernsten Fans des wuchtigen deutschen Humors nicht rechnen konnten. Achtung!

Zum ersten Mal seit 2008 durchbricht der Spritpreis die psychologisch wichtige Ein-Euro-Fuffzig-Marke. Und wie reagieren die Autofahrer? Nun habe ich bereits das Wort vom Käuferstreik erwähnt, und Sie mögen denken: klare Kiste. Übersteigt der Preis eines Produkts ein bestimmtes Maß, geht der Absatz überproportional zurück. Normal. Tut mir leid, da habe ich Sie auf eine falsche Fährte geführt. Die Rede ist von Deutschen, von deutschen Autofahrern. Da ist nichts normal; da ist alles super. Tatsächlich ist nämlich folgendes passiert:
Der Spritpreis durchbricht die Marke von 1,50 €, und die deutschen Autofahrer entscheiden sich in allgemeiner, freier, gleicher und geheimer Wahl für eine Spritsorte, die noch einmal fünf bis acht Cent teurer ist als die für ihr geliebtes Gefährt vorgesehene. Dabei hat man hierzulande im Grunde gar nichts gegen mehr Bio. Wenn irgend so ein Zeug mit Bio-Aufkleber in den eigenen Körper oder den des zu ernährenden Nachwuchses kommen soll, wird gern schon mal ein wenig bzw. deutlich mehr ausgegeben als erforderlich. Soll der Biokram jedoch in den Tank gekippt werden, ist Schluss mit lustig.

10 Vol. % Alkohol – „verträgt meiner nicht“

Die Erklärung, dass hierzulande für Konsumgüter des täglichen Bedarfs gern auch mal etwas mehr hingeblättert wird, wäre zwar in sich stimmig, kann aber im Land mit der höchsten Sparquote und der höchsten Dichte an Baumärkten und der Lebensmittel-Discountern von vornherein ausgeschlossen werden. Die Fernsehbilder zeigen uns Autofahrer beiderlei Geschlechts, die ratlos auf die Zapfsäulen und übergroß leuchtenden Preislisten starren. Ins Mikrofon gelangen dann Sätze wie „Ich weiß nicht, ob meiner es verträgt“ oder „Ich glaube, meiner verträgt es nicht“. Die Rede ist – Sie werden es sich gedacht haben – vom zu betankenden fahrenden Untersatz. Deshalb das maskuline „meiner“: der Untersatz, der PKW oder einfach der Wagen. Das Auto ist ja ein Neutrum, kann also nicht gedacht gewesen sein.

Jetzt fragen Sie sich selbstverständlich: „Sind die denn alle total beknackt?“ Die Frage ist vollkommen berechtigt, wenn man erwachsene Menschen sieht, die vorgeben, gar nicht wissen zu können, ob ihrer die neue Biomarke überhaupt „vertrage“. Wenn man bei Google „Super E-10“ und die Marke der eigenen Karre eingibt, ist dies ohne jede Vorkenntnis ohne weiteres zu ergründen. Und wer keinen Internet-Anschluss hat, könnte den Enkel fragen. Um also auf Ihre Frage zurückzukommen: ja, so etwa die Hälfte der Leute, die sich für das teurere Super Plus entscheiden, sind total beknackt. „Ich weiß nicht, ob meiner es verträgt“. Doch die Hälfte – das sind rund fünfzig Prozent.
Doch ein weit höherer Anteil der deutschen Autofahrer bestreikt den neuen sog. Biosprit. Etwa aufgrund der Annahme, dass das Verbrennen von Lebensmittelrohstoffen zum Antrieb eines Fahrzeugs nicht zwingend „Bio“ sein muss? Diese Annahme ist naheliegend, aber kein Grund, mehr Geld als nötig in der Tankstelle zu lassen. Es ist etwas Anderes; es ist dieses „Ich glaube, meiner verträgt es nicht“. Es ist durchaus bekannt, dass Super E-10 getankt werden soll. Doch es fehlt das Vertrauen. „Ich glaube, meiner verträgt es nicht“. Wir erinnern uns: je nach Umfrage misstrauen 70 bis 80 Prozent der Deutschen allen Politikern. Der einzige, dem sie vertrauen konnten, war dieser Guttenberg. Doch der wurde jetzt ja weggemobbt.
Wenn Guttenberg in seiner unnachahmlichen Art so etwas gesagt hätte wie: „Ich weiß um die Sorgen, die sich viele Landsleute um ihren geliebten Begleiter machen. Aber ich versichere – ich betone: ich versichere … zusammenstehen … Deutschland … Umwelt … Blablabla“ – das hätte etwas werden können. Eine vertrauensbildende Maßnahme sozusagen. Aber der Brüderle, irgendwie auch beliebt, dennoch: ich bitte Sie! So beknackt sind die Leute nun auch wieder nicht.

6 Kommentare

Der Bio Aspekt ist sicherlich ein Grund. Aber der Hauptgrund des Boykotts ist, das sich der Sprit durch die Karren frisst. Im Winter friert er (Frostschäden), im Sommer Verdunstet der Sprit, nach 2 Monaten ist die Bio-Suppe unbrauchbar, da sie Umkippt. Ausserdem frisst sich der Sprit durch die Leitungen, Einspritzdüsen usw. Kein Hersteller gibt eine Garantie auf E10. Moderne FSi Motoren können auch nichts damit anfangen. Kein Hersteller will für Schäden auf kommen!
Des weiteren gibt es einen Mehrverbrauch um 5-10% und eine Leistungsabnahme um 5%.
Aber der neue Bentley Continental GT (ab 200.000€) Soll es Laut Hersteller super Vertragen!

Wegen dem Sprit steigen unser Lebensmittelpreise. Und in der 3 Welt Hungern 1 MRD Menschen weil deren Aggraflächen für unser Sprit um funktioniert wurden.

Der Bio-Sprit ist mit der Deutschen Bahn vergleichbar. Theoretisch funktioniert sie ja. Ausser im Sommer, Herbst, Winter und Frühling.

Ps. Hier im Ruhrgebiet kostet E10 und Super gleich viel!

“Aber der neue Bentley Continental GT (ab 200.000€) soll es laut Hersteller super vertragen!”
Danke für den Tipp!

Huch, wir kennen uns doch gar nicht. Wie auch immer: ein anständiges Benehmen im Innenraum des hübschen Wagens müsste ich schon voraussetzen … – der unmittelbaren Umwelt zuliebe.

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