Nahles und Kramp-Karrenbauer: Die Zeit der biederen Fettnäpfchentreter in der Politik ist da!

Der Bundestag in Berlin. Foto: Robin Patzwaldt

Es ist in diesen Tagen und Wochen schon beeindruckend mitzuerleben, in welchem Tempo die ehemaligen großen Volksparteien SPD und CDU/CSU sich vor unser aller Augen darum bemühen weiter an Boden zu verlieren.

Sowohl SPD-Vorzeigepolitikerin Andrea Nahles (“Bätschi!”, „Ab Morgen kriegen sie in die Fresse!“ etc.) als auch Annegret Kramp-Karrenbauer („Internetregeln im Wahlkampf” usw.) seitens der Union erwischen gefühlt gerade einen Fettnapf nach dem anderen, beschädigen so das verbliebene Ansehen ihrer eigenen Person und der jeweiligen Partei ungehemmt weiter.

In den Wahlergebnissen vom Sonntag war das rapide schwindende Vertrauen in sie und ihre Organisationen schon recht deutlich abzulesen. Die jüngsten Ereignisse seither dürften die Situation nicht verbessert haben. Eher im Gegenteil! Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht zu erkennen. Beide Parteien scheinen dazu dermaßen personell ausgeblutet, dass ernsthafte Alternativen kaum zu erkennen sind.

Die Zeiten in denen große Persönlichkeiten die Richtung in diesen Organisationen vorgaben, ob man sie nun persönlich möchte oder nicht, die sind schon fast vergessen.

Selbst eine ehemals völlig blass und reichlich bieder wirkende Politikerin wie Angela Merkel kommt einem da inzwischen schon als eine Person von bemerkenswerter Führungsstärke und ungewöhnlich großer Ausstrahlung vor. Auch die Zeiten von Merkel an der Spitze des Landes gehen allerdings bekanntlich ihrem Ende entgegen.

Und dann?

Das Land irgendwann einmal endgültig in den Händen von Politikerinnen wie AKK und/oder Nahles geben? Vielen Zeitgenossen dürfte das in diesen Stunden wie ein echter Albtraum vorkommen.

Zumal die Unterstützung für SPD und CDU/CSU schon in diesen Tagen dermaßen gering ist. Selbst wenn die Wahlbeteiligung bei der Europawahl jüngst wieder einmal etwas gestiegen ist, jetzt bei rund 60% lag, relativiert sie die mageren Wahlergebnisse der ehemals ‘großen’ Parteien weiter.

Knapp 29% von CDU/CSU und knapp 16% für die SPD, bedeuten in der Realität auf die Zahl der Wahlberechtigten umgerechnet lediglich 17% aktive Unterstützung für die Politik CDU/CSU und unter 10% für die SPD. Das sind die mageren Zustimmungsraten für die Politik der Parteien der Bundesregierung. Keine breite Mehrheit in der Bevölkerung also.

Es sieht so aus als müssten wir uns, egal was weiter in den nächsten Tagen passiert, dauerhaft erst einmal auf komplizierte politische Zeiten einstellen. Dieses Land destabilisiert sich gerade vor unser aller Augen. Die einen wird das freuen, die anderen sorgen.

Fest steht, Politik ist in den vergangenen Monaten deutlich komplizierter geworden. Auch weil die echten Persönlichkeiten eben weniger geworden sind und die Fettnäpfchentreter immer mehr die Oberhand zu gewinnen scheinen…

15 Kommentare

Das Land verändert sich, ja. Aber dadurch muss nicht Destabilität eintreten, das halte ich doch für sehr pessimistisch (und ich bin ja meist selbst Pessimistin). 😉
Die Gesellschaft wandelt sich nunmal stetig, das ist Kultur. Die Generationen "nach uns" sind andere. Sie haben eigene Ansichten, neue Ansichten. Das zeigt sich ganz deutlich auch in den Wahlergebnissen. Die Frage ist doch: Wie geht eine Kultur damit um?
Jeder gute Unternehmer weiss, dass sein Erfolg nicht ewig geht und sich nicht von allein hält sondern gepflegt und angepasst werden will. Die großen Parteien haben meiner Meinung nach den Zug verpasst. Oder, um in deren Sprache zu sprechen-die Eisenbahn. 😀

Die Wegbereiterin dieser allgemeinen politischen Verödung und Verbiederung war und ist Angela Merkel. Aber das Fass ist offensichtlich dabei, überzulaufen. Nicht nur viele junge Leute haben die Schnauze voll von dieser Art der Politik.

Hans-Jochen Vogel (93 und immer noch politisch wahrnehmbar!!) hat über seinen freiwilligen Verzicht in 1991auf den SPD-Fraktionsvorsitz gesagt: "Meine Maxime war, man müsse gehen, solange man seinen Mitmenschen die Bekundungen des Bedauerns noch glauben könne.“ Bei Nahles und AKK konnte man dies noch nicht einmal behaupten, als sie ihre jetzigen Parteijobs antraten.

Merkel muß sich schützend vor diese Annegret Kramp-K. stellen. Aber wer macht das, wenn Merkel weg ist?
Der Nahles hilft doch auch niemand. Und das sieht jeder.
Obwohl ihre SPD bei einer Wahl zum europäischen Parlament abgestürzt ist, will sie sich ihren Fraktionsvorsitz im Bundestag, also einem Gremium, das überhaupt nichts mit dem europäischen Parlament zu tun hat, erneuern lassen. Absurd oder Kalkül? Sie glaubt vermutlich, daß sie diese Bestätigung bekommt, und das als Pfund gegen ihre Gegner zum Parteivorsitz kaltstellen kann.
Wenn es klappt, bleibt sie uns erhalten.
Ist doch gut, sage ich als Nicht-SPD-Freund.
Und wenn die AKK nicht mehr zu halten ist, steigen die Chancen für Merkel, daß sie gar nicht erst abdanken muß.

Merkel, Nahles sind Machtpolitikerinnen.
Inhaltlich flexibel. Die Macht zählt.
Das ist in der Politik üblich. Spannend ist nur, dass Frauen so agieren.

Die waren/sind ja angeblich gaaaaaaz anders.

Arnold, wenn ich in der CDU, oder für sie wäre, würde ich vermutlich so nach und nach auf die Idee kommen, daß die abgehalterte Merkel, das kleinere Übel wäre, weil es Zeit kostet, nach AKK nochmal einen neuen Kandidaten aufzubauen. Einen, der diese Partei einigen kann. Solche Personen sehe ich im Moment nicht. Die AKK hüpft zwischen den Linien, kriegt es jetzt aber von allen Seiten. Das klappt nicht mehr mit ihr. Vielleicht ist sie sogar schon politisch verbrannt, wie man das bezeichnet. Ich denke, Rezo hat es so leicht gehabt, weil die Gurkentruppen tatsächlich sichtbar unfähig sind. Von denen erwarte ich nur noch Pöstchenjägereien. Da kommt nichts Konstruktives mehr. 10% für die einen und 20% für die anderen sind erreichbare Limboziele.

@Arnold Voss #2
Sollte man aber dran erinnern: Merkel war die Antwort auf den vorlauten Schröder…
Wenn ich ja den Vergleich ziehen müsste: Da ist mir – bei aller Kritik – Merkels Pragmatismus doch lieber.

@Ke #5
Sie haben da was falsch verstanden: Frauen sind nicht anders (sie agieren nur manchmal anders), genau deshalb wollen sie die gleichen Rechte.

@puck: Ich finde schon, dass ich anders bin als ein Mann. Anders im Sinne von "verschieden".
❤️

#12 puck
In vielen Diskussionen wurde der Führungsstil von Frauen als nicht so machtorientiert beschrieben. Ebenso wurde behauptet, dass sie erfolgreicher agieren.
Das sollte spätestens mit der aktuellen Regierungsmannschaft widerlegt sein.
Das auch hat nichts mit Gleichberechtigung zu tun.
Icn mag keine Quoten, weil ich einfach genügend gute Menschen kenne, deren Leistung eine Quote herabsetzen würde.

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