Mutterglück und anderer Wahnsinn

Schematische Darstellung der Funktionsweise eines Schwangerschaftstests Urheber: Martin Brändli - geändert von Klaus Hoffmeier Lizenz: Creative Commons Attribution Share alike

Es gibt Momente im Leben. Solche und solche. Momente auf die man sich vorbereiten kann, Momente die doch nicht eintreten, was in manchen Fällen gut so ist. Momente die einen mit Glück erfüllen. Und Momente, die einen so dumm dastehen lassen wie noch nie zuvor. Unvorbereitet treffen sie einen, und alles andere verliert die Bedeutung. Der Boden klappt unter einem weg und man braucht sehr lange, bis man sich wieder bewegen kann. Von unserer Gastautorin Nina Ryschawy.

So ging es mir, als ich das Teststäbchen mit den zwei rosa Streifen in der Hand hielt. Vor lauter Adrenalin im Kopf war ich nicht in der Lage irgendwie zu reagieren. Mein Gehirn hatte sich zum Selbstschutz auf das Niveau von Kleinstlebewesen heruntergefahren.

Gedankengang: „Waaaaa…? Ögl. Äh…Puh. Hm??? Das Ding muss kaputt sein.“

Lange Zeit nichts mehr. Schreckensstarr saß ich auf dem Küchenstuhl und versuchte irgendwie zu denken. Naja, solche Tests brauchen in der Regel drei Minuten um ein sicheres Ergebnis anzuzeigen und es waren ja erst 60 Sekunden rum. Das wird sich schon noch ändern, der zweite Streifen verschwinden. Nach zwanzig Minuten war der zweite knallrosa Streifen aber immer noch da, und ich vollkommen fertig.

Partner H und ich waren über Umwege von seinem Niemals-Kinder-Denken über Naja-mal-schauen zu bisher nichts gekommen. Und so war das nicht geplant. Das hier war ein Unfall. Und wie konnte das um Himmels Willen nur passieren?

Natürlich weiß ich, wie das passieren konnte. Schließlich wurde man in meiner Generation früh aufgeklärt. Aber: Wie konnte das nur passieren?

Nun musste man, bzw. in diesem Falle ich, den Vater der zwei rosa Streifen benachrichtigen.

„The person you have called is temporarily not available.“

„The person you have called.“

„The person you.“

„The person.“

Nichts. Er hatte das Telefon aus. Langes Starren auf das Telefon, das nach einer halben Stunde tatsächlich klingelte.

Ich machte mich bereit für die Wiederholung meiner eigenen Gedanken. Also auf: „Das geht nicht, das können wir nicht…und das Geld…und wie…!“ Was dann kam war aber ganz anders.

„Wir sind schwanger? Ist ja der Wahnsinn, ich komme sofort nach Hause!“

An die Zeit zwischen diesem Telefonat und dem Eintreffen von H kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich hatte ihn darum gebeten, noch einen zweiten Test mitzubringen, in der Hoffnung, der erste könne wirklich fehlerhaft gewesen sein. Aber auch der reagierte innerhalb von Sekunden mit zwei dicken rosa Streifen. Schwanger. Wir! Uff! Wir schwankten in diesem Fall zwischen Unsicherheit und Freude. Ich hatte es bereits geahnt, Frau merkt sowas ja dann doch, aber auf die Bestätigung dieser Ahnung war ich nicht gefasst. H hingegen war total begeistert. Und meine schlimmste Befürchtung, nämlich ein Drama um die Schwangerschaft, war nicht eingetreten. Damit war in meinen Augen erstmal alles super, hatte ich doch keine Ahnung was da noch auf mich zukommen wird. Mein Hirn war zwar wieder funktionsfähig, aber Tragweite war noch nicht wieder vorgesehen.

Ich beschloss – nun etwas beruhigt – nicht mehr von „den zwei rosa Streifen“ sondern von „es“ zu sprechen. So einfach kann der gedankliche Weg in die Mutterschaft sein.

Aber, wie sagt man so schön?

Ist ein Problem denn dann nicht mehr, kommt von irgendwo ein anderes her.

6 Kommentare

Liebe Nina Ryschawy,
als ich mit knapp 35 Vater wurde, auch ungeplant und als eingefleischter Kinderhasser, war der Tag mit dem Schwangerschaftstest auch ein Schock für mich.

Heute, mein Sohn ist 10 Jahre alt, ich bin alleinerziehend, kann ich nur sagen, die Geburt meines Sohnes war der schönste Tag in meinem Leben. Da habe ich gelernt wie sehr ich lieben kann.

Diese Erfahrung wünsche ich von Herzen auch Ihnen !

Kommentar verfassen