“Multikulturelle Gesellschaften sind dem politischen Liberalismus verpflichtet”

Aladin El-Mafaalani Foto: Privat
Aladin El-Mafaalani Foto: Privat

Biodeutsch – das ist ein Begriff, der sich mittlerweile in der Alltagssprache, insbesondere von Jugendlichen mit Migrationshintergrund, durchgesetzt hat. Diese Wortkonstruktion aus biologisch und deutsch ist Ausdruck einer Kritik und einer Forderung zugleich. Von unserem Gastautor Aladin El-Mafaalani.

Zum einen entlarvt sie ein weitverbreitetes – vielleicht sogar das dominante – Verständnis von Zugehörigkeit: Man müsse biologisch deutsch sein, natürliche Merkmale erfüllen, um wirklich dazuzugehören.

Zum anderen zeigt sie aber auch – sonst macht sie keinen Sinn – dass Migranten, die dieses Wort verwenden, damit zum Ausdruck bringen, dass sie selbst auch  Deutsche sind, aber eben nicht biologisch, sondern „nur“ kulturell. Der Begriff ist ein äußerst kluges Spiel mit Zusammenhängen, er ist ironisch und deskriptiv, kann praktisch dieselbe Grenze markieren wie der Begriff „Migrationshintergrund“, ist aber nicht so sperrig und erlaubt aufgrund seiner Alltagstauglichkeit einen intuitiven Zugang, der nicht selten zu zustimmendem Schmunzeln führt.

Von daher ist er ein Ausdruck eines emanzipativen Anspruchs: Die Minderheit findet ein Wort für die Mehrheit, dreht den Spieß also um, allerdings in einer konstruktiven, verbindenden Form.

Das wäre noch vor 15 Jahren undenkbar gewesen. Ein stetig wachsender Anteil der hier lebenden Menschen mit Migrationshintergrund erhebt den Anspruch, gleichwertiger Teil des Landes zu sein. Er akzeptiert nicht (mehr), dass sein Anliegen in einem Zusammenhang mit Sicherheitsfragen diskutiert wird. Die Bedeutung von Migranten-Selbstorganisationen wächst und wird vermutlich weiter wachsen. Und damit wird es auch vermehrt zu Konflikten kommen, die mit einem gestiegenen Selbstbewusstsein der Minderheiten ausgetragen werden. Setzt man voraus, dass Diskriminierung

– genauso wie soziale Ungleichheit

– in jeder Gesellschaft zum Alltag gehört,

dann ist es ein gutes Zeichen, wenn sich Menschen mit Migrationshintergrund diskriminiert fühlen, denn dieses Gefühl entsteht überhaupt nur, wenn man sich zugehörig fühlt und damit den Anspruch auf Gleichstellung hat. Das ist durchaus als Resultat gelungener Migration und Integration zu bewerten.

Dem Integrationsdiskurs liegen im Wesentlichen zwei Missverständnisse zugrunde. Zum einen werden Neuzugewanderte in einen Topf mit den Nachkommen vergangener Zuwanderung in der 2., 3. oder 4. Generation geworfen. Zum anderen scheint die harmonische Gesellschaft den Referenzrahmen für Erfolg und Misserfolg von Integration zu bilden. Einwanderungsländer sind aber nicht in einem harmonischen Gleichgewicht. Sie sind dynamisch, innovativ, aber auch konfliktreich.

In ihnen existieren verschiedene Formen der Wechselbeziehung gleichzeitig: ethnische Enklaven, interkultureller Dialog, Assimilation, Multikulti usw. In jedem Fall verändern sich diese Gesellschaften nicht nur optisch, sondern auch kulturell.

Nun ist die Frage, wie man mit diesen Tatsachen umgeht, ob man ethnische Enklaven als Parallelgesellschaften oder als touristische Attraktion (Chinatowns) stilisiert, ob man gut qualifizierte Einwanderer besser mit der Forderung „Pass dich an“ oder mit dem Angebot „Gestalte mit“ anspricht, kurz: ob man die Zuwanderung vom Grundsatz her negativ oder positiv bewertet und kommuniziert. Die ablehnende Haltung schreckt Armutszuwanderer nicht ab, spricht Hochqualifizierte nicht an und erschwert gleichzeitig die Etablierung aufgewachsener Nicht-Biodeutscher in Deutschland.

Nach der langen Phase des Ignorierens wurde Ende der 1990er, auch durch die Einführung des Begriffs Migrationshintergrund, der wachsende Teil der neuen Deutschen entdeckt. Dies hat zu Verunsicherung, Skepsis und teilweise Panik geführt.

Die Sarrazin-Debatte und die NSU-Affäre dokumentieren das auf tragische Weise und haben zu wechselseitigem Misstrauen geführt. Entscheidend ist nun, wie es gelingt, Deutschland als Einwanderungsland positiv zu kommunizieren, offen und konstruktiv mit Migration umzugehen. Der hierfür häufig verwendete Begriff „Willkommenskultur“ drückt dies aus. Dazu gehört es aber auch, Probleme, die es immer geben wird, auszuhalten und wenn es nötig wird, konstruktiv zu bearbeiten, ohne die Skepsis der einen oder das Anerkennungsbedürfnis der anderen zu ignorieren.

Integration wird weder durch Ignoranz noch durch (gut gemeinte) paternalistische Politik erreicht. Multikulturelle Gesellschaften sind dem politischen Liberalismus verpflichtet: offen, optimistisch und konfliktfreudig. Und die Konflikte sind weder Kulturkonflikte noch religiöse Konflikte. Es sind Konflikte zwischen Menschen bzw. Gruppen und zwar bezogen auf bestimmte Bedürfnisse und Interessen. Konstruktive Konfliktbewältigung bedeutet Fortschritt.

Unser Gastautor Aladin El-Mafaalani ist Professor für Politikwissenschaft, Politische Soziologie, Sozialpolitik an der FH Münster. Der Text erschien bereits  im Magazin der Friedrich Naumann Stiftung.

21 Kommentare

Die Frage ist doch dann, ob ein Bio-Türke wirklich einen Doppelpass braucht, wenn er hier angekommen und integriert ist ?

Ob dieser Begriff die Integration fördert, oder das Gegenteil bewirkt, bleibt abzuwarten. Ich werde das Gefühl nicht los, daß er darauf angelegt ist, bestehende Unterschiede zu zementieren und nicht zu überwinden.

Na ja, ab wann ist man denn Bio-Deutscher? Ich habe durch eine Internetsuche herausgefunden das meine Vorfahren vor über hundert Jahren aus Polen in den Pott gekommen sind, wie bei vielen auch im Revier stellt sich also die Frage nach dem richtigen Etikett.
Migration gibt es ja nicht erst seit den späten fünfzigern Jahren.

P.s. soweit ich weiß sind Chinatowns nicht nur eine Touristenattraktion, sie stehen in den USA auch unter Dauerüberwachung des FBIs.
Einfach weil sie dem undurchsichtigen Dickicht einerseits und den Beziehungen zu China andererseits misstrauen.

Wer im gesellschaftlichen Zusammenleben mit Bio, sprich biologisch argumentiert, der spielt, selbst wenn er es ironisch meint, automatisch mit rassistischen Vorurteilen. Für die gesellschaftlichen Rechte ist im übrigen auch in Deutschland aussschließlich die Staatsbürgerschaft entscheidend. Der Begriff Biodeutscher ist deswegen für die Integration genausowenig hilfreich wie der Begriff Biotürke.

Mir ist es im übrigen völlig egal was einer ist oder wofür er sich hält, sondern ausschließlich was er tut, bzw. wie er mit mir umgeht. Arschloch oder nicht ist dabei die entscheidende Frage und nicht wo jemand herkommt oder wo er meint hinzugehören. Mir geht die damit verbundene kollektive Identitäts- und Heimatdiskussion zunehmend auf die Nerven.

-5-Arnold,
bleibt zu hoffen, daß die Mehrheit der Menschen so denkt und so fühlt, wie das für Dich gilt.
Manche Probleme würden sich dann als “Schein-“probleme erweisen. Und die real-existierenden ließen sich rational bewältigen.

Wenn wir uns weniger damit beschäftigen würden ständig zu überlegen, wann welche Elternteile oder Vorfahren in den Pott gezogen sind, wie diese Gruppe zu bezeichnen ist und welche Nachteile sie hatten, würden wir mehr erreichen.

Welche Familie lebt denn schon > 150 Jahre in der Region?

Wir leben in einer globalisierten Welt und müssen eine Gesellschaft schaffen, in der wir mit anderen Regionen konkurrieren können, wenn wir nicht zum Armenhaus werden wollen. Im Endeffekt ist jeder für sich selbst verantwortlich und muss dafür sorgen, wie er seinen Platz in der globalisierten Welt findet.

Es ist richtig, dass es hierfür einer liberalen Einstellung bedarf.

Es gibt genügend Vereine, soziale Institute etc. Welche Vorteile hier bspw. besondere Migrantenorganisationen in einer liberalen Welt bringen sollen, erschließt sich mir nicht.

Ich sehe zurzeit auch immer Tendenzen, dass Menschen in Gruppen eingeteilt werden und besonders adressiert werden (Beispiele: Partei für Migranten, Homosexueller Fanclub, …). Ich glaube nicht, dass solche Segmentierungen dem Ruhrpott helfen. Sie spalten eher.

Ich benutze den Begriff biodeutsch eher selten. Und wenn doch, dann ist es nicht schmeichelhaft gemeint. Ganz so wie der Autor das beschreibt. Es ist etwas Rache für Migrationshintergrund. Tatsache ist selbst meine Kinder werden mit dem Begriff Migrationshintergrund beschrieben. Nur weil ich Gastarbeiterkind bin. Es ist auch egal ob man hier geboren wurde oder nicht doppelsprachig aufgewachsen ist oder ein Elternteil biodeutsch ist oder mit dem Herkunftsland der (Groß)Eltern nichts zu tun hat. Man ist nicht mit dem Pass einfach deutsch, sondern Deutsche mit Migrationshintergrund.
Das mit den Ruhrpolen wann ist das her? Hundert Jahre? Die Deutsche Gesellschaft braucht wohl leider solange dafür.
Herr Voss was sie sich wünschen ist utopisch. Europa war und bleibt nationalistisch wie man jüngst an den Wahlen auch sieht.

@9): Ich hatte mir auch noch den Wikipediaartikel zum Thema Migrationshintergrund gelesen und kann nicht nachvollziehen, was hier für eine Gruppe charakterisiert werden soll. Nach der Definition ist die Gruppe der Menschen mit Migrationshintergrund zu heterogen. Hier ist es wohl wichtiger, sich auf Milieus zu beziehen.

Dass ein Mensch so ist, wie die Menschen, mit denen man zusammen ist, ist ja bekannt.

Nach einer Einwanderung sollten doch nach 10 Jahre die Sprache und das Leben in einem fremden Land mit seinen Gewohnheiten etc. kein Problem mehr darstellen. Ich habe bspw. schon immer nach spätestens 1 Woche das dringende Bedürfnis, mich mit den Menschen eines fremden Landes auch in der Landessprache unterhalten zu können.

Dass Kinder, die in einem Land geboren wurden und dauerhaft in einem Land leben sollen, in eine solche Statistik fallen, schafft eher eine Spaltung der Gesellschaft, indem immer wieder Unterschiede betont werden.

Ein ähnliches Problem stellt aus meiner Sicht das inflationäre Hinweisen auf Benachteiligungen von sozial schwächeren Kindern in der Schule dar. Warum müssen bspw. nette, intelligente Kinder in der Presse vorgeführt werden, wenn es wieder um Projekte mit sozial schwachen Kindern geht? Was kann denn das Kind dafür, wenn die ältern wenig Geld haben oder nicht bildungsinteressiert sind. Das bedeutet doch nicht, dass das Kind seine Chancen nicht selber nutzen kann und seine Neugier befriedigen kann.

Vermutlich machen einfach zu viele Mensche ihr Geld mit diesen Gruppeneinteilungen oder bauen ihre Karriere darauf auf, wenn wieder besondere Förderungen da sind.

Es ging mir darum zu zeigen dass der Begriff Biodeutscher formal nicht unbedingt korrekt ist in einer Region wie dem Ruhrgebiet.

@ Gastarbeiterkind #9

Ja, Europa ist immer noch nationalistisch. Aber deswegen muss i c h das nicht sein und viele andere Bewohner Europas sind es auch nicht. Es ist eine große Errungenschaft der Humangeschichte, dass Menschen verschiedener Herkunft und Kultur in einem Land als friedliche Nachbarn leben können und wollen.

Diese Errungenschaft wird immer wieder torpediert von Menschen und Gruppen die ihre kollektive Identität höher halten als ihre indviduelle, ja über letztere gar nicht oder nur sehr eingeschränkt verfügen. Diese Menschen sind eindeutig in der Mehrheit, aber für mich war diese noch nie die Leitlinie meines Denkens und Handelns.

Gleiche Chancen?
Gilt das auch für Kinder aus sog.sozial-schwachen , aus sog. bildungsfernen Schichten, oftmals einhergehend mit einem sog.Migrationshintergrund?

Die Antwort auf diesee Frage muß leider lauten:

“Dass ist in Deutschland substantiell nicht der Fall”.
Und diese Antwort kann anhand von Fakten nicht in Zweifel gezogen werden.
Ausnahmen gibt es erfreulicherweise, aber die bestätigen letztlich nur die Regel.

Ich will jetzt nicht erneut hier bei den Ruhrbaronen eine Diskussion darüber anzetteln, was die Ursachen dieses Zustandes sind und ob und ggfls.was bildungspoltisch alles tun wäre -durch Staat und Gesellschaft-, um dem abzuhelfen.

Ich will lediglich an einem kleinen Beispiel darlegen, wie dieser Zustand auch im Einzelfall festgestellt werden kann und mich dann emotional betroffen macht.

Ich bin in der ersten Klasse einer Grundschule einmal wöchentlich für eine Schulstunde als sog.Lesepate aktiv.
Die Kinder, und das hat mich positiv überrascht, lesen nach ca.einem halben Schuljahr durchweg befriedigend bis sehr gut.
Unter denen, die unter diesem Durchschnitt liegen, sind überwiegend Kinder aus “türkisch-stämmigen” Familien.
Ich bemühe mich folglich besonders um diese Kinder.

Da ich der Opa eines Jungen in der ersten Klasse bin und die Kinder das wissen:

“Meine Oma kann gar nicht lesen. Sie kann mir zu Hause nicht helfen”, so die Bemerkung ein kleines Mädchen unaufgefordert an mich.

“Ich nehme kein Buch mit nach Hause. Bei uns gibt es zu Hause keine Bücher”, so ein anderes Mädchen, nachdem ich versucht hatte, sie zu animieren, ein Buch aus der Schülerbücherei auszuleihen, wie das die meisten Schülerinnen/Schüler machen.

Notwendig wäre, diesen Kindern nachmittags gezielt wesentlich mehr zu helfen -beim Lesen, beim Schreiben, beim Rechnen-als das derzeit der Fall ist.
Es gibt in anderen Städten -Duisburg?-dazu “organisierte Lernhilfen” durch Rentner/Pensionäre, die weit über mein Engagement hinaus gehen. Gut so, aber……..

Es ist beschämend, daß der Sozialstaat Bundesrepublik Deutschland sich nicht in der Lage sieht, staatlicherseits diesen Kindern die Hilfen anzubieten, damit ihre Bidlungschancen realer werden als sie das heute sind.

Mich macht es,

-unabhängig von gesellschaftspolitischer Kritik an diesem Zustand, unabhängig von einer solchen Kritik am Sozialstaat Bundesrepublik Deutschland-,

persönlich jedesmal ganz enfach traurig, registrieren zu müssen, wie “Kinder auf der Strecke bleiben”, nicht weil sie dümmer sind als die anderen, sondern weil
ihr sozialer Status bzw. der ihrer Eltern das vorgibt.

Ich frage mich deshalb jedesmal, ob das, was ich persönlich leiste, nicht ganz einfach völlig unzureichend ist und ich frage mich zudem, wenn ich darüber nachdenke, was mit diesen Kindern z.B. in 1o Jahren sein wird, ob die absolute, zumindest die relative Gleichgültigkeit von Staat und Gesellschaft gegenüber diesen Kinder weiterhin als ein Selbstverständnis hingenommen werden kann -durch mich und alle anderen.

Hier geht es nicht um nationale Identitäten, um Bio-Deutsche, um kollektive Bewsußtseinszustände, um Inhalt und Ausmaß von Integrationspflichten von Migranten, um die Frage nach einer doppelten Staatsangehörigkeit u.ä. mehr.

Hier geht es um Kinder.

Hier geht es darum, alles zu tun, damit das Kind, damit jedes Kind -unabhängig von Herkunft,Religion, Staatsangehörigkeit, sozialem Status der Eltern-die Chance erhält, sich seinen Anlage und Fähigkeiten entsprechend auf ein eigenverantwortlich gestaltetes Leben vorbereiten zu können.

Staat und Gesellschaft in Deutschland wären weitgehend problemlos in der Lage, das zu gewährleisten. Wenn das nicht geschieht, dann ist festzustellen, daß das mehrheitlich von den Menschen in Deutschland nicht gewollt wird.

@#13 | WALTER Stach: In solchen Fällen sind aber auch die bio-türkischen Eltern in der Pflicht, der Sozialstaat Bundesrepublik Deutschland kann ja nicht auch noch eine Elternrolle übernehmen oder wie stellen Sie sich da eine konkrete Lösung vor ?

@13: Wenn im Ruhrgebiet in vielen Haushalten kein Bewusstsein für Bildung vorhanden ist, werden wir weiterhin Probleme haben.
Als die Unis im Revier gebaut wurden, wurde das von der lokalen Politik-Prominenz ja auch kritisch gesehen.
Wozu Unis?
Die Jungen gehen ins Stahlwerk oder auffe Zeche und die Mädchen machen den Haushalt. So einfach kann die Welt sein. Insbesondere, wenn das rote Parteibuch die Versorgung sichert.

Leider ist das heute oft nicht anders.

Wenn man das hiesige Bildungsbewusstsein mit den Anstrengungen der Eltern in vielen asiatischen Ländern vergleicht, haben wir hier ein riesiges Problem.

Bildung zählt zu oft nicht. Das Geld kommt zu oft vom Amt. Hier müssen auch die Eltern, die auch viel Geld für die Erziehung vom Staat bekommen, gefordert werden.

Es ist toll, dass sich viele Privatleute engagieren und Elternaufgaben übernehmen, ich bin aber dagegen, dass die Erziehung immer mehr zur Staatsaufgabe wird. Das wird mir langsam zu viel DDR und Nordkorea.

#15 Ich bin in einer “roten Musterkommune” im Rhein-Main-Gebiet aufgewachsen. Dort hat die SPD sehr wohl die die Rolle der Bildung zu schätzen gewusst. Überhaupt war die SPD über lange Zeit DIE PARTEI, die für Bildung für alle gekämpft hat. Schon im Kaiserreich. Auch wenn es uns die heutige SPD des öfteren schwer macht, diese Tradition zu sehen, hat sie diese. Auch in den ersten Jahrzehnten unserer Republik. Deshalb überrascht mich die Aussage zur Gründung der Ruhrgebietsunis und der SPD schon ein wenig.

@ 15
Das große Problem an der DDR war und an Nordkorea ist ja auch, dass diese Staaten jedem Kind “-unabhängig von Herkunft,Religion, Staatsangehörigkeit, sozialem Status der Eltern-” gleiche Chancen boten, bzw. bieten “sich seinen Anlage und Fähigkeiten entsprechend auf ein eigenverantwortlich gestaltetes Leben vorbereiten zu können.”
Ist aber trotzdem ein schönes Westerwelle-Mantra “zuviel DDR”.

Olaf Mertens -17-,
da Sie mich -sh.mein Beitrag -13-zitieren, allerdings ohne Hinweis darauf, fühle ich mich angesprochen.

Ja, es ist ihr gutes Recht, so wie durch Sie geschehen, auf meine Worte zu reagieren und damit auf eine von mir empfundene eklatante Ungerechtigkeit gegenüber Kindern in unserer Gesellschaft.

Wer diejenigen, für die das Bemühen um soziale Gerechtigkeit, z.B. im Bildungsbereich, zu ihren persönlichen und zu ihren gesellschaftspolitischen Pflichten zählt, “ideologisch” der “DDR und Nordkorea” zuordnet, offenbart eine liberalistische-kapitalistische Grundhaltung, die ich für überholt gehalten habe, die ich ganz und gar nicht teile und die im übrigen nicht den Grundprinzipien unserer Verfassung(!!) entspricht.

Im übrigen war die DDR -und ist Nordkorea-nie darauf aus, den Menschen die Chance zu geben, ihr Leben eigenverantwortlich gestalten zu können. Es ging -bzw. es geht-vielmehr darum, sie im Sinne des Marxismus-Leninimus-Stalinismus ” zu sozialistischen Persönlichkeiten zu erziehen”.

Insofern ist es auch in der Sache hanebüchener Unsinn, meine Bemerkung in einen Kontext mit denpolitischen Zielen von Staat und Gesellschaft der DDR und Nordkoreas zu bringen.

Olaf Mertens,
oder habe ich Ihren Beitrag, der sich ja explizit auf den Beitrag 15 bezog, hinsichtlich meiner Aussagen unter -13-im vorletzten Absatz-fehl interpretiert?

Ich bin völlig Ihrer Meinung, Herr Stach und hatte Sie zitiert weil mir Chancengleichheit und die Möglichkeit ein eigenverantwortliches Leben zu führen nun nicht die hervorstechenden Qualitäten von DDR und Nordkorea zu sein scheinen… Hatte ja auch explizit auf #15 geantwortet. Da haben Sie mich missverstanden – aber macht ja nix 🙂

Die gute alte SPD. Was hat nicht alles zusammen mit den Gewerkschaften erkämpft. Das war vor langer Zeit so. Fakt ist doch, dass das Revier aus seiner industriellen Spitzenposition nichts gemacht hat und heute nicht konkurrenzfähig ist. Ich kann mich gut an eine Uni-Veranstaltung im letzten Jahrtausend erinnern, als der Dortmunder OB das Grußwort gehalten hatte (Herr Samtlebe). Nach 2 Sätzen war klar, dass Wissenschaft kein Tehma ist. Stahl, Bergbau und Bier wurden betont. Damit war auch gleich viel Engagement der Uni-Mitarbeiter weg. Mit Streiks, Abfindungen und Kohlesubvention war mehr zu holen und heute tröstet die Ministerpräsidentin so schön menschlich. Bildung sehe ich akutell nicht auf der Prioriätenliste der Landesregierung. Investitionen in Schulen sind meistens Brandschutzmassnahmen und Umbauten wg. Inklusionsanforderungen.

Erziehung ist auch in Deutschland primäre Pflicht der Eltern. Diese muss auch eingefordert werden.

Ich habe in meinem Beitrag auch angesprochen, dass Erziehung und einfachste Wissensvermittlung immer mehr als Aufgabe des Staates betrachtet wird. Das Stichwort ist dann “Chancengleichheit”. Ich bin der Überzeugung, dass bis zum Ende der Grundschule eigentlich alle Eltern in der Lage sein sollten ihre Kinder zu fördern und zu unterstützen.

Ein Problem ist evtl. auch, dass das Ruhrgebiet auch bei der Erwachsenenbildung eher schlechte Ergebnisse erreicht. Hier muss auch mehr gefordert werden, wenn wir bessere Verdienstmöglichkeiten und weniger Langzeitarbeitslose wollen.

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