„Mit BDS kommt der Antisemitismus als Antizionismus daher“

Jahrhunderthalle Bochum/Foto:Stadt Bochum


Im August wird die Band „Young Fathers“ im Rahmen des Festivals Ruhrtriennale in der Bochumer Jahrhunderthalle auftreten. Die jüdischen Aktivisten Malca Goldstein-Wolf hat sich an den NRW-Landtagspräsidenten  André Kuper (CDU) und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) mit der Bitte gewandt, sich gegen den Auftritt der Band auszusprechen. Die Young Fathers unterstützen die antisemitische BDS Kampagne.

Es war ein guter Beschluss, den die CDU 2016 auf ihrem Bundesparteitag in Essen fasste:

„Antisemitischer BDS-Bewegung konsequent entgegen treten

Seit über 10 Jahren versucht die BDS-Bewegung (Boycott, Divestment, Sanctions), den

Staat Israel international zu isolieren und ruft in vielen Ländern dieser Welt zunehmend zu
Boykottmaßnahmen auf. Wer heute unter der Fahne der BDS-Bewegung zum Boykott israelischer Waren und Dienstleistungen aufruft, der spricht in der gleichen Sprache, in der
man einst die Menschen dazu aufgerufen hat, nicht bei Juden zu kaufen. Dies ist nichts
anderes als plumper Antisemitismus, wie ihn schon die Nationalsozialisten instrumentalisiert
haben. Mit BDS kommt der Antisemitismus als Antizionismus daher, doch auch in
neuen Kleidern des 21. Jahrhunderts bleibt Judenfeindlichkeit Judenfeindlichkeit. Daher
müssen alle notwendigen Anstrengungen darauf gerichtet werden, dieser Form des Antisemitismus und der aggressiven Feindlichkeit gegenüber Israel entschieden entgegen zu
treten.

In den zurückliegenden Monaten hat sich in verschiedenen Ländern auch deutlicher Widerstand gegen die BDS Bewegung gezeigt. So haben nationale wie kommunale Parlamente

und Verwaltungen, wie z.B. in Großbritannien, Kanada und Paris Beschlüsse zur Ablehnung
dieser Boykottaktion beschlossen.

Die CDU Deutschlands erklärt ebenso ihre Missbilligung und Ablehnung jeglicher BDSAktivitäten und verurteilt diese als antisemitisch. Jeglichen Aktionen, die Israel feindlich

begegnen, tritt die CDU Deutschlands entschieden entgegen. Die CDU Deutschlands bekennt
sich zu der tief empfundenen Freundschaft zu Israel und setzt sich auch weiterhin
für eine friedliche Lösung des Konfliktes zwischen Israel und den Palästinensern ein.“

Doch mit der Umsetzung des Beschlusses in die Praxis tun sich Christdemokraten in Nordrhein-Westfalen schwer. Im August wird die britische Band „Young Fathers“ im Rahmen des Festivals Ruhrtriennale in der Jahrhunderthalle in Bochum auftreten. Die Band unterstütz die antisemitischen BDS Kampagne. Deren Ziel ist es, Israel wirtschaftlich, kulturell und wissenschaftlich zu isolieren. Im vergangenen Jahr sagte sie einen Auftritt auf dem Berliner Pop-Festival ab, weil die israelische Botschaft zu dessen Sponsoren gehörte. Mit einem Reisekostenzuschuss von 500 Euro unterstütze sie den Auftritt israelischer Musiker. Die Young Fathers gehörten auch zu den Gruppen, welche Radiohead  bedrängten, nicht in Israel aufzutreten. Doch die Band um  Sänger Thom Yorke ließ sich nicht beirren und spielte 2017 in Tel Aviv.

Die jüdische Aktivistin Malca Goldstein-Wolf hatte also allen Grund zum Optimismus, als sie sich nach eine Artikel dieses Blogs über den Auftritt der Young Fathers an NRW-Landtagspräsidenten  André Kuper (CDU) und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) wandte. Das Land NRW  betreibt gemeinsam mit dem Regionalverband Ruhr die Kultur-Ruhr GmbH und die ist Veranstalter der Ruhrtriennale.

„Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, sehr geehrter Herr Landtagspräsident!
Es war mir ein großes Vergnügen den Feierlichkeiten zum 70. Geburtstag des Staates Israel im Düsseldorfer Landtag beizuwohnen.
Vielleicht erinnern Sie sich, lieber Herr Kuper, wir beide hatten noch ein nettes persönliches Gespräch über Geburtstagsreden?….
Als deutsch – jüdische Aktivistin setze ich mich für die Bekämpfung von Judenhass ein und so war ich sehr dankbar, dass mich der WDR Intendant Tom Buhrow letztes Jahr unterstützte, in dem er die Unterstützung des BDS Vorreiters und leidenschaftlichen Antisemiten Roger Waters mit öffentlichen Geldern auf meine Bitte hin strich.

https://m.bild.de/…/wdr-steigt-bei-roger-waters-konzert-aus…

Gerade habe ich gesehen, dass die BDS Band „Young Fathers“ auf der vom Landtag NRW mit öffentlichen Geldern unterstützten Ruhrtriennale ihr neues Album vorstellt.

Der Journalist Stefan Laurin erklärt hierzu:
„Die Young Fathers bekannten sich im vergangenen Jahr zu BDS und traten nicht auf dem Berliner Pop-Festival auf, weil die israelische Botschaft einer der Sponsoren ist. Sie unterstütze die Anreise israelischer Musiker zu dem Festival mit 500 Euro. In Interviews bezeichneten die Young Fathers Israel als Apartheidstaat, in dem Rassentrennung gelten würde, wie früher in Südafrika“

Die BDS Organisation wurde auch vom Bundestag als antisemitisch eingestuft und propagiert das neue „Kauft nicht bei Juden“.

Die schönsten Geburtstagsreden nützen nichts, wenn sie nicht in Taten umgesetzt werden.
Der BDS schürt Judenhass und es ist absolut inakzeptabel, dass einer Band, die mit der antisemitischen Organisation sympathisiert, eine Bühne ( finanziert mit Steuergeldern) geboten wird.

Lieber Herr Laschet, lieber Herr Kuper, lassen Sie Ihren Worten Taten folgen, schützen Sie jüdisches Leben in Deutschland, sagen Sie „Nein!“ zum BDS und sorgen Sie dafür, dass „Young Fathers“ keinen Auftritt auf der Ruhrtriennale bekommen!
Ich zähle auf Sie!

Beste Grüße und ein herzliches Shalom,

Malca Goldstein-Wolf““

Nun erhielt Goldstein-Wolf von einem Mitarbeiter des Landtagspräsidenten eine Antwort:

„Sehr geehrte Frau Goldstein-Wolf,

Herr Landtagspräsident Kuper hat mich gebeten, dass ich Ihnen auf Ihre Emails bzgl. des Auftritts der Gruppe „Young Fathers“ auf der Ruhrtriennale vom gestrigen sowie heutigen Tag antworte. Ich bitte zunächst um Verständnis, dass Ihnen keine unmittelbare Antwort gegeben wurde, jedoch bedarf es zunächst einer Aufklärung des von Ihnen geschilderten Sachverhalts.

Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich Ihnen mitteilen, dass eine finanzielle Förderung der Ruhrtriennale durch den Haushalt des Landtags nicht erfolgt. Richtig ist, dass das Land die Ruhrtriennale finanziell fördert. Daher haben wir Ihre Kritik auch an das zuständige Ministerium für Kultur und Wissenschaft weitergeleitet. Ebenso haben Sie Ihre Kritik an den Ministerpräsidenten des Landes gerichtet. Aufgrund der bereits erfolgten Berichterstattung auf der Internetseite „Ruhrbarone“ ist auch bereits der Kultur Ruhr GmbG als Veranstalter der Ruhrtriennale dieses Thema bekannt und hat selbst daraufhin auf ihrer eigenen facebook-Seite eine Stellungnahme veröffentlicht.

Ich bitte um Verständnis, dass seitens des Landtags NRW aktuell keine weiteren Angaben gemacht werden können.

Mit besten Grüßen“

Formal ist nichts gegen das Schreiben einzuwenden. Der Landtag hat mit der Ruhrtriennale finanziell nichts zu tun, dass es aber keinerlei inhaltliche Aussage gibt, muss angesichts des Beschlusses der CDU bei einem CDU-Politiker verwundern. Noch mehr gilt das für den Verweis auf die Stellungnahme der Ruhrtriennale, die versucht, das Problem zu ignorieren und ohne zu hinterfragen sich hinter die Band stellt:

„Das Programm der Ruhrtriennale richtet sich deutlich gegen jede Form von Rassismus, Antisemitismus und Ausgrenzung.
Der Unterstellung, die Band „Young Fathers“ sei antisemitisch, folgt die Ruhrtriennale ausdrücklich nicht. Dass die Band Kritik an der israelischen Politik geäußert hat, ist nicht gleichzusetzen mit Antisemitismus. Die Young Fathers selbst nannten es „Nonsens“ aus ihrem Boykott des Berliner Pop-Kultur-Festivals den Schluss zu ziehen, sie wären Antisemiten: „Diese Behauptung ist widersprüchlich zu allem, wofür wir als Band stehen.“ Mit der Absage ihres Konzertes im vergangenen Jahr haben die Musiker eine Diskussion anstoßen wollen, „die nicht stattgefunden hätte, wenn wir unser Konzert gespielt hätten. Boykott ist die einzige gewaltfreie Protestform, die uns zur Verfügung steht.“
Vor diesem Hintergrund begrüßt auch die Ruhrtriennale die kritische Auseinandersetzung mit dieser komplexen Thematik, da Konflikte jedweder Art nur über den gemeinsamen Dialog gelöst werden können.“

Malca Goldstein-Wolf gibt sich mit der Antwort nicht zufrieden. Die Frau ist eine Kämpferin und sich mit ihr anzulegen kann sehr unangenehm sein: Mittlerweile hat sie sich auch an Ruhtrtriennale-Intendantin Stefanie Carp gewandt und von anderer Seite wurde auch Norbert Lammert (CDU) informiert. Der langjährige Bundestagspräsident und heute Chef der Konrad-Adenauer-Stiftung ist Bochumer.

 

2 Kommentare

"Vor diesem Hintergrund begrüßt auch die Ruhrtriennale die kritische Auseinandersetzung mit dieser komplexen Thematik, da Konflikte jedweder Art nur über den gemeinsamen Dialog gelöst werden können."

Ein genereller Boykott gegen ein Land einschließlich seiner Kulturschaffenden ist also in den Augen der Ruhrtriennale ein Dialog?

Kommentar verfassen