Merkel geht die Düse

Bundeskanzlerin Angela Merkel wird ihrem Übervater, Helmut Kohl, im Regierungsstil immer ähnlicher: kritische Entscheidungen werden ausgesessen, von Visionen keine Spur und parteiinterne Gegner werden wegbefördert. Nun holt sie zum nächsten Schlag aus: Sie will die Kontrolle über die Bundesversammlung.

Die Bundesversammlung, die traditionell den Bundespräsident wählt, ist von vielen schon mit einer herrenlose Kanone verglichen worden, die, aus der Verankerung gerissen, im Mittelalter für die hölzernen Kriegsschiffe eine ebenso große Gefahr darstellten wie die gegnerischen Geschosse. Unkontrolliert schwingt sich die Kanone von einem Ende des Schiffs zum anderen, haut Menschen und Material weg, was ihr in die Quere kommt. Das Ende kann desaströs sein. Genau so etwa fürchtet wohl nun auch Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Glaubt man der aktuellen Ausgabe der “Welt am Sonntag”, dann geht der Hosenanzug-Trägerin aus der Berliner Waschmaschine (so die Berliner über das Kanzleramt) gehörig die Muffen. Denn die Regierungschefin und Parteivorsitzende der CDU hat sich gehörig verspekuliert. Weil sie unbedingt der Parteitaktik bei der Benennung des nächsten Bundespräsident den Vortritt vor der Staatsräson gegeben hat, muss sie nun miterleben, wie sich nicht nur die Öffentlichkeit auf Joachim Gauck festlegt, sondern auch die Medienmacher. Ungewohnt offen votiert daher sogar die Springer-Presse gegen Angela Merkel – und damit gegen eine enge Vertraute der Verlegerwitwe von Axel Cäsar Springer. Dieser Schritt ist schon ungewöhnlich genug. Noch ungewöhnlicher ist aber, dass dies dieses Mal nicht im Alleingang geschieht: Auch der Spiegel hält Gauck für den besseren Kandidaten. Der Focus wird nachziehen. FAZ und SZ haben dies bereits gemacht.

Frau Merkel, zu deren Regierungsstile die Politik via SMS und Liebesentzug gehören, steht allein – auch weil sie mit Niedersachsens Ministerpräsident Wulff einen aus den Hut gezaubt hat, der ihr niemals gefährlich werden kann. Das öffentliche Votum für Gauck ist daher auch ein Votum gegen sie als Regierungschefin. Das Volk und die öffentliche Meinung in Gestalt der Medien pochen eindrucksvoll auf ein urdemokratisches Vorrecht: Die verfassungsmäßigen Checks und Ballances, die jeder pluralistischen Gesellschaft zu Eigen ist. Mit Gauck soll ein Gegenpart zu Merkel das Amt des Bundespräsidenten inne haben, um der Regierung auf die Finger zu schauen. Gauck wäre daher der falsche Kandidat – aus Sicht Merkels.

Merkel will daher ihren Kandidaten durchsetzen und kann in der Bundesversammlung auf 21 Stimmen mehr als die absolute Mehrheit zählen – soweit auf dem Papier. Nimmt man nur das rot-grüne Lager sind es sogar 163 Stimmen mehr, weil die Linke Gauck nicht wählen will. Die Nachfolge-Partei der SED und Auffangbecken von früheren Stasi-Mitgliedern will offenbar späte Rache an einem Mann nehmen, der den tiefen Sumpf der ethisch moralischen Verstrickungen von Parteimitgliedern offen gelegt hat. Hier zeigt sich einmal mehr, dass die frühere SED weiterhin nicht in der Bundesrepublik angekommen ist.
Merkel will in der Bundesversammlung aber trotz Vorsprung auf Nummer sicher gehen, denn es könnte ja die “loose cannon” das unmögliche wahrwerden lässt: dass nämlich Wulff duchfällt und Gauck gewählt wird.

Die “loose cannons” haben sogar einen Namen: die unabhängigen Delegierten. Seit der Gründung der Republik ist es usus, dass die Bundesversammlung das Spiegelbild der Gesellschaft darstellt. Also nicht nur Berufspolitiker oder Beamte und Juristen, sondern auch Schauspieler, normale Bürger, Studenten, Wirtschaftsführer. Das Problem an dieser Gruppe: Sie werden zwar von den Parteien vorgeschlagen. Doch ob sie auch richtig wählen, das kann niemand überprüfen. Und so kann es razfaz passieren, dass sie den falschen aus Sicht von Merkel wählen. Daher greift Merkel laut “Welt am Sonntag” nun zum äußerten: Wulff soll als erster Bundespräsident nicht mehr von der ganzen Gesellschaft gewählt werden, sondern nur von Claceure gewählt werden, die namen- und charakterlos im Ortsverein Neuss-Norf aktiv sind und parteitreu sind. Merkel will nur Partei-Leute und “sicherer” Wähler an die Wahlurne lassen. Damit wird ein weiterer Tiefpunkt in der politischen Kultur Deutschlands erreicht – und man kann nur hoffen, dass die Geschichte Recht behält: Ein Wechsel im Bundespräsidenten-Amt folgt später immer ein Wechsel im Kanzleramt. Eine geistig moralisch Wende täte gut.

28 Kommentare

Das waren noch Zeiten, als es die DDR noch gab! Da wäre Angela Merkel nicht als Honeckers Rache zu uns gekommen! Der “Honi”, wie Udo Lindenberg ihn nannte, war echt fies von ihm, uns als Rache für seine DDR Diktatur ausgerechnet mit Angela Merkel zu bestrafen!

“Die Nachfolge-Partei der SED und Auffangbecken von früheren Stasi-Mitgliedern will offenbar späte Rache an einem Mann nehmen, der den tiefen Sumpf der ethisch moralischen Verstrickungen von Parteimitgliedern offen gelegt hat.”

Nette Spekulation. Es ist ja wohl eher so, dass die Linkspartei, immer mehr die Nachfolge-Partei der SPD und Auffangbecken früherer Sozialdemokraten und Gewerkschafter, wieder einmal vor vollendete Tatsachen gestellt wurde. Im Übrigen ist mir nicht bekannt, dass Joachim Gauck um die Stimmen der Linken werben oder zumindest mit ihnen reden will – mit Union und FDP sehr wohl. Dann soll er sich auch dort seine Mehrheit organisieren.

@Sebastian Flyte,
Stefan Laurin hat vor 2 Tagen in seinem Artikel “Gauck!” geschrieben
“Die Wahl Gaucks ist zudem auch ein klares Zeichen gegen die Linkspartei, die sich kaum für die Wahl Gaucks aussprechen wird.”
Da habe ich gedacht: ok. Die wollen also ohne Die Linke. Hab gezählt, reicht nicht. Hab dann den Kopf geschüttelt.
Die Linke hat erwartungsgemäß im Sinne Laurins auch sofort mitgeteilt, daß sie Gauck nicht wählen wird.
Jetzt schreibst Du sinngemäß, daß Gauck Die Linke zwar verärgert hat, aber wenn die ihn jetzt nicht wählen würde, zeige dies nur, daß Die Linke noch nicht hier im Westen angekommen sei. Als Mensch bin da zwar etwas verwirrt, aber als Leser komme ich schon klar. Die können eben nichts richtig machen.
Laurin schien übrigens sehr zufrieden, daß Die Linke nicht beteiligt sein wird.
Beim Lesen Deines Artikels aber hatte ich das Gefühl, daß Du es gerne sehen würdest, wenn Gauck doch mit Hilfe der Stimmen der Linkspartei gewählt und Merkel dadurch abschußreif würde. Nur so ein Gefühl. Du scheinst eher enttäuscht zu sein, wenn das wegen der fehlenden Stimmen der Linken nicht so käme.
Kann das sein?

@ Helmut Junge: Es kommt bei den Ruhrbaronen schon mal des öfteren vor, dass zwei Autoren nicht unbedingt derselben Meinung sind. Das zeichnet ja gerade die Kultur in diesem Blog aus – und damit grenzt sich der Blog ja auch von den traditionellen Medien ab, bei denen der Leitartikel oftmals die Meinung der Redaktion widerspiegelt. Bei Ruhrbarone ist das anders – und das ist auch gut so.
Stefan Laurin ist ein hochgebildeter und politisch versierte Analytiker. Deshalb respektiere ich seine Meinung, auch wenn es nicht die meine sein sollte.
Im konkreten Fall der Wahl von Gauck zum BuPrä kam aber die Absage der Linke, glaub ich, schneller als Gauck oder ein Vertreter der SPD und Grünen äußern konnte. Dass die Aufstellung Gaucks allerdings eigens gemacht wurde, um die Linken zu verprellen, kann ich mir gar nicht vorstellen.
Die Linke könnte mit der Unterstützung von Gauck ein für allemal ihre Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit ein gehöriges Stück weiterbringen. Denn dies ist bisher auch nicht geschehen. Die Sonderierungsgespräche zwischen SPD/Grünen und den Linken in NRW haben gezeigt, dass die frühere SED immer noch nicht bereit ist, eine fundamentale Analyse der eigenen Vergangenheit und des Unrechtsstaates DDR zu machen. Im Gegenteil: Sie haben kaum etwa Substanzielles zugestanden und viele Punkte, die parteiintern als Verrat an der DDR ausgelegt werden könnten, gar nicht erst zugelassen.
Deutschland hat eine lange Tradition des linken Denkens, auch jenseits der SPD. Wir haben aber auch eine lange Tradition, extreme Kräfte zu disziplinieren und in die demokratische Grundordnung aufzunehmen, das gilt für die Rechten am Anfang der Bundesrepublik genauso wie die KPD oder später die Grünen, innerhalb derer es auch Vertreter gab, die die freiheitlich demokratische Grundordnung sehr speziell auslegten. Ich persönlich hätte es als gute Geste der Linken empfunden, wenn sie sich mit der Wahl von Gauck zur Aufarbeitung ihrer eigenen Geschichte entschlossen hätten und damit auch die freiheitlich demokratische Grundordnung samt GEsellschafts- und Wirtschaftssystem anerkennt hätten. Statt dessen greift der Parteivorstand in die PR-Kiste und nennt Gauck einen Mann der Vergangenheit – es ist vor allem ein Mann der Vergangenheit der LInken. Und deshalb erhält er von der Partei, die den ehrenwerten Begriff “Linke” geklaut und missbraucht haben, keine Stimme. Links ist anders.

Diese überhebliche Bemerkung zu einfachen Parteimitgliedern als “Claceure […], die namen- und charakterlos im Ortsverein Neuss-Norf aktiv sind und parteitreu sind” zeigt die Verachtung für unsere Parteiendemokratie. Die Zahlen der Aktiven in den Ortsvereinen sinken fortlaufend. Egal? Dabei sollen doch die Parteien “die aktive Teilnahme der Bürger am politischen Leben fördern” (§ 1 II PartG).
Wer dann aber als aktives Mitglied an der Parteibasis als “charakterlos” geschmäht wird, der zieht sich irgendwann in die Passivität zurück.

Übrigens sind es meist nicht die Aktiven aus dem Ortsverein, die an solch entscheidenden Wahlen und Abstimmungen teilnehmen dürfen. Vielmehr trifft man dort häufig die Damen und Herren aus dem Partei- und Fraktionsapparat (Funktionäre, Mandatsträger, Angestellte). Im Ortsverein der namen- und charakterlosen „Claceure“ trifft man diese Schicht aber eher selten an.

Die Strategie, die Wahlmänner mit Leuten der Parteibasis zu besetzen, ist alles andere als ein Erfolgsgarant. Gerade an der Parteibasis brodelt es gegen Merkels indifferenten Kurs, der die Parteiidentität verwässert und zu sinkenden Wahlergebnissen führt (zumindest hat diese Kausalkette dort viele Anhänger). Es ihr in der Anonymität der Wahlkabine heimzuzahlen – noch dazu, wenn man sich in Anbetracht des Gegenkandidaten dafür in der Sache nicht mal zu schämen braucht – ist sicherlich verdammt verlockend.

Wulff hat das Luxusproblem, dass die Nachfolgefrage in NDS schon seit vielen Jahren klar geregelt ist, weil es dadurch schwerer fällt, einen Rückzieher zu machen. Gleichwohl stünde es ihm gut zu Gesicht, zugunsten Gaucks seine Kandidatur zurückzuziehen. Unabhängig genug gegenüber Merkel ist er jedenfalls, um das machtpolitisch riskieren zu können. (Aber ein Weitermachen mag natürlich auch ganz profane private Gründe haben, wie z.B. die mit dem Amt verbundene finanzielle Sicherheit. Für Köhler war die Präsidentschaft gehaltsmässig ein Rückschritt; aus Wulffs Perspektive dürfte das schon viel reizvoller sein.)

@ Kert Buck: Namen- und charakterlos wären sie dann, wenn sie sich als reines Stimmenvieh herausstellen würden. In diesem Zusammenhang war dies gemeint.

@Sebastian Flyte
“Die Linke könnte mit der Unterstützung von Gauck ein für allemal ihre Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit ein gehöriges Stück weiterbringen. Denn dies ist bisher auch nicht geschehen. Die Sonderierungsgespräche zwischen SPD/Grünen und den Linken in NRW haben gezeigt, dass die frühere SED immer noch nicht bereit ist, eine fundamentale Analyse der eigenen Vergangenheit und des Unrechtsstaates DDR zu machen. Im Gegenteil: Sie haben kaum etwa Substanzielles zugestanden und viele Punkte, die parteiintern als Verrat an der DDR ausgelegt werden könnten, gar nicht erst zugelassen.”

Geht es hier um Gauck? Oder wieder einmal um die Linkspartei? Dann würde ich doch bitten, pauschale Vor- und Fehlurteile irgendwie zu versuchen zu belegen. Dass die Linke ihre Vergangenheit nicht aufgearbeitet hätte, zu einer Analyse nicht bereit sei oder “viele Punkte … gar nicht erst zugelassen” hätte, ist einfach kalter Kaffee.

“Wir haben aber auch eine lange Tradition, extreme Kräfte zu disziplinieren und in die demokratische Grundordnung aufzunehmen, das gilt für die Rechten am Anfang der Bundesrepublik genauso wie die KPD oder später die Grünen, …”

Bitte noch mal nachlesen. Die KPD-West wurde 1956 verboten, nicht wenige ihrer Mitglieder landeten hinter Gittern.

“Ich persönlich hätte es als gute Geste der Linken empfunden, wenn sie sich mit der Wahl von Gauck zur Aufarbeitung ihrer eigenen Geschichte entschlossen hätten und damit auch die freiheitlich demokratische Grundordnung samt GEsellschafts- und Wirtschaftssystem anerkennt hätten.”

Bitte noch mal genauer informieren: Die freiheitlich demokratische Grundordnung hat nichts mit dem Wirtschaftssystem zu tun. Das Grundgesetz trifft in der Frage Kapitalismus oder Sozialismus keine Festlegung. Umgekehrt heißt das, dass wer über den Kapitalismus hinaus denkt, kein Gegner der Verfassung sein muss.

Ich persönlich hätte es übrigens als gute Geste von Rosa-Grün empfunden, über einen gemeinsamen Kandidaten mit den Linken zu reden. Aber darüber habe ich mich bereits ausgelassen. Meine Frage vom Anfang ist beantwortet: In diesem Thread geht es nicht um Gauck, sondern um die Linke. Viel Spaß dabei, sie an immer demselben Nasenring durch immer dieselbe Manege zu führen!

Lieber @Dissenter #12

Nun mal langsam, mit Ihren ganzen Geschichtsverdrehungen! Richtig war, die KPD 1956 zu verbieten, denn nach dem Naziterror in Deutschland brauchten wir ja als Ersatz wohl keine rotlackierten Nazis in unseren Land, welche dem Diktator Stalin zujubelten! Nur Sie irren mal wieder an den entscheidenenden Punkten Ihrer historischen Ausflüge! Günther Gauss ist eben nicht der nette Grußonkel von nebenan, sondern ein Mann, der mit der ihm unterstellten Behörde zig Prozesse wegen seines manischen Verfolgungswahns, so würde ich als Sozialarbeiter es nennen, gegen die Stasi Verbrechen einfach über das Ziel hinaus geschossen ist, zig Gerichtsurteile belegen dies. Die Linke, die wiederholt öffentlich erklärt hat, dass sie sich von verbrecherischen Kommunisten und Nazis distanziert, soll jetzt diesen haßverblendeten Gauck mitwählen? Ich bin in keiner Partei, darf also offen reden. Das wäre ja genauso bescheuert, als wenn Alkohilker Pils Bier wählen würden!

@Sebastian Flyte,
Die Linke verfügt in der Bundesversammlung über 125 von 1244 Stimmen.
Das sind 10% der stimmberechtigten Mitglieder der Bundesversammlung.
Mir ist es egal, was diese Leute mit ihrer Stimme machen.
Meine Frage war doch, ob Du nicht gerne hättest, daß diese Leute den Kandidaten Gauck wählen, weil dann möglicherweise Merkel kippt.
Stattdessen kriegt ich 20 Antworten, die nur den Dissenter interessieren.
Da überlasse ich dem auch gerne das Feld.

@ dissenter: Du willst den Text offenbar nicht verstehen oder?! Vermutlich ein Partei-Blogger.

Eine der absurden Thesen will ich allerdings dann doch ad absurdum führen – dass die Verfassung jedes Gesellschaftssystem zulassen würde – auch den Sozialismus. Der Kommunismus als Gesellschaftssystem und die Verfassung schließen sich nun mal grundsätzlich aus – und der KOmmunismus ist nun mal das Ziel der früheren DDR-Apparatschiks in der Linken. Oder warum heißt die Kommunistische Plattform wohl so?

Der Sozialismus, so Deine These, würde allerdings durch das Grundgesetz gedeckt. Das ist nun mal völlig daneben. Ich weiß, dass so ein Blödsinn gerade an vielen Politikwissenchafts-Fakultäten gelehrt wird. Aber an keiner juristischen Fakltät wird man jemanden finden, der so einen Irrglauben verzapft – zumindest nicht in WestDetuschland. Das Grundgesetz garantiert nicht nur das Eigentumsrecht, den Pluralismus in Form der Bundesländer und eine strikte Trennung zwischen Judikative, Exekutive und Legislative. Dazu gehört noch eine funktionierende Parteidemokratie (vs. Einheitsliste) und Meinungsfreiheit. Alles Dinge, die im real existierenden Sozialismus nicht vorhanden waren. Und wenn Du es Dir jetzt so hinbiegst, dass diese Strukturkomponenten dann trotzdem einen Sozialismus ermöglichen könnten, dann kann ich nur erwidern: dann ist es kein Sozialismus, sondern eine pluralistische Marktwirtschaft mit einem pluralistischen Demokratieverständis – als Kapitalismus.

@Dieter Carstensen
Ich habe das KPD-Verbot nicht bewertet.

@Hans Kelsen
“Vermutlich ein Partei-Blogger.”

Nein, ich bin parteilos.
Sie können übrigens wieder abrüsten, denn von Kommunismus habe ich nichts gesagt. Ist nach Ihrer Lesart auch die SPD verfassungswidrig, die sich zum “demokratischen Sozialismus” bekennt?
Das Grundgesetz gewährleistet das Privateigentum, schränkt es aber auch ein (“…soll dem Wohl der Allgemeinheit dienen”). Glauben Sie, dass der real existierende Kapitalismus, wie wir ihn heute erleben, mit dem Grundgesetz vereinbar ist?

Tolle Arbeit. Verliert Wulff ist Merkel ruiniert. Warum um alles in der Welt hat die CDU nicht Gauck nominiert?

@Stefan Schroeder (19):
Vor allem, wo angeblich die SPD ihr angeboten hatte, Gauck als gemeinsamen Kandidaten zu erst zu präsentieren. Wenn es ihr um die Sache gegangen wäre, hätte sie zugesagt. Aber anscheinend ging es ihr nicht um die Sache, sondern nur um die Ausschaltung eines Konkurrenten – unter Inkaufnahme von diversen Kollateralschäden.

@Hans Kelsen, @Dissenter,
Weil immer wieder behauptet wird, daß das Grundgesetz keinen Sozialismus zulassen würde, habe ich mich mal mit der Schaffungsphase des Grundgesetzes beschäftigt. Herausgekommen ist für mich dabei, daß damals ein ganz anderer Geist geherrscht hat, als der, den einige Leute gerne propagieren.
Die KPD ist übrigens nicht verboten worden, weil sie den Kapitalismus abschaffen wollte, sondern weil ihr vorgeworfen wurde, “die Diktatur des Proletariats” errichten zu wollen. Diesen Vorwurf konnten oder wollten die KPD-Führer auch nicht richtig entkräften.
Aber was die Verstaatlichungen angeht, guckt euch mal das zur Zeit der Schaffung des Grundgesetzes gültige Parteiprogramm der CDU an:

– CDU: Ahlener Programm 1947

„Das kapitalistische Wirtschaftssystem ist den staatlichen und sozialen Lebensinteressen des deutschen Volkes nicht gerecht geworden. (…) Inhalt und Ziel (einer) sozialen und wirtschaftlichen Neuordnung kann nicht mehr das kapitalistische Gewinn- und Machtstreben, sondern nur das Wohlergehen unseres Volkes sein. Durch eine gemeinschaftliche Ordnung soll das deutsche Volk eine Wirtschafts- und Sozialverfassung erhalten, die dem Recht und der Würde des Menschen entspricht, dem geistigen und materiellen Aufbau unseres Volkes dient und den inneren und äußeren Frieden sichert.“

http://de.wikipedia.org/wiki/Ahlener_Programm

Wenn Hans Kelsens Auffassung richtig wäre, hätte die CDU damals verboten gehört. Das ist sie aber nicht, sondern sie ist Regierungspartei geworden.
In der Regierungstätigkeit ist der CDU dann aufgegangen, daß Ihr Parteiprogramm
in die Mottenkiste gehört und hat sich ein anderes Programm gemacht.
Aber wenn das heute abend klar ist, behauptet morgen sicher wieder einer hier im Forum das Gegenteil. Menschlich?
Errare humanum est, perseverare diabolicum, corrigere divinum!

@Stefan Schroeder,
Stimmt, hat der Autor gut herausgearbeitet. Merkel geht den Bach runter, wenn sie Wullf nicht durchkriegt.
Aber soll ich mich darauf freuen? Ein unkontrollierter Haufen in der Regierung, und dazu noch einen Präsidenten, von dem ich nur seine Ansichten über Vergangenes kenne?
Alternativ das, was wir bisher hatten, nämlich einen nichtssagenden Präsidenten,
aber eine Kanzlerin, die jederzeit den Partner wechseln könnte?
Letzteres fänd ich wenigstens noch spannend.

@Dieter Carstensen: Extrem billige Polemik, dafür reicht es wohl so gerade noch! Gut, das in diesem Punkt noch das Volk entscheidet und nicht die Kleingeister, die sich hier so herumtreiben!

Ich glaube, dass es SPD und Grünen bei ihrem Vorschlag genauso wenig um die berühmt berüchtigte Staatsräson gegangen ist wie der Bundeskanzlerin. Gauck war einfach nur der beste Weg, alle drei Parteigegner auf einmal gehörig in die Bedrouille zu bringen.

Genial daran ist , dass Gauck obendrein den überzeugenderen Kandidat abgibt und sich nun alle aus gutem Grunde fragen, wie so die angeblich so geniale Taktikerin ihn nicht selbst vorgeschlagen hat.

Für Merkel ist dieser Gegenkandidat schon eine Niederlage bevor überhaupt gewählt worden ist, und das ultimative Desaster, wenn er auch noch gewählt wird. Besser bzw. schlimmer, je aus wessen Perspektive man es sieht, geht´s nicht.

Der wahre Grund für Merkels Dilemma scheint mir jedoch in folgende Erfahrungsweisheit, dessen AutorIn ich leider nicht kenne, zu liegen:

Erstklassige Leute zeichnen sich dadurch aus, dass sie auch erstklassige Leute um sich dulden, zweitklassige dadurch, dass sie nur drittklassige in ihrer Nähe zulassen.

@Arnold Voss,
stimmt, aber was hat der Gauck an sich, daß so viele Leute ihn haben wollen?
Wo ich Leserbriefe lese, hat er Fürsprecher. Die Medien haben sich großteils für ihn entschieden.
Merkel wird Wulff vermutlich nicht durchbringen können. Da hat sie sich wohl überschätzt. Vielleicht wirkt Gauck plötzlich nur deshalb so riesig, weil Wulff so einen schwachen Eindruck macht.
Das würde mich irgendwie trösten, denn ich hab den Gauck nicht auf meiner Karte gehabt. Absolut nicht.

“Die Nachfolge-Partei der SED und Auffangbecken von früheren Stasi-Mitgliedern will offenbar späte Rache an einem Mann nehmen, der den tiefen Sumpf der ethisch moralischen Verstrickungen von Parteimitgliedern offen gelegt hat.”

Falsch die Gauckbehörde hat nichts aufgeklärt. Allerdings sind die meisten SEDler bei der cDU untergekommen wie damals die Nazis nach dem Krieg!

Gruss

Etwas ist anders als bei früheren Vorschlägen zur Bundespräsidentenwahl: Die Vehemenz, mit der in den Medien die Überlegenheit des Kandidaten Gauck herausgestellt wird. Übrigens war es angeblich seit 1949 immer so, dass die Regierungskoalition bzw. die Mehrheit in der Bundesversammlung ihren eigenen Kandidaten durchgesetzt hat. Die SPD hätte das unter anderen Vorzeichen wohl nicht anders gehandhabt. Die vor uns liegenden Wochen bleiben (nicht nur wegen der Fußball-WM) ganz schön spannend. Wenn jetzt auch noch die Sonne dauerhaft scheinen würde…

@ Helmut Junge

In Zeiten zunehmender Ununterscheidbarkeit von Politikern und anderen Funktionsträgern gieren die Leute nach Menschen mit Profil und Authentizität. Dieszüglich ist Gauck dem Wulff eindeutig überlegen. Würde Gauck jedoch z.B. gegen Joschka Fischer antreten müssen, sehe die Sache für ihn schon nicht mehr so gut aus.

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