Medien: Die Krise bei der FAZ macht betroffen

Das Verwaltungsgebäude der FAZ in Frankfurt. Quelle: Wikipedia, Foto: Cherubino, Lizenz: CC
Das Verwaltungsgebäude der FAZ in Frankfurt. Quelle: Wikipedia, Foto: Cherubino, Lizenz:CC BY-SA 3.0

Eine Meldung aus dieser Woche hat mich auch ganz besonders sehr betroffen gemacht, und ich möchte hier bei uns im Blog nun kurz mal erläutern warum. Bei der traditionsreichen Frankfurter Allgemeinen Zeitung sind dem Vernehmen nach aktuell massive personelle Einschnitte geplant.

Die Rede ist davon, dass rund 200 der insgesamt 900 Stellen innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre wegfallen sollen. Erste Reaktionen in der Medienwelt sprechen in diesem Zusammenhang vielfach von einem drohenden Verlust für den ‚Qualitätsjournalismus‘ in diesem Lande. Und das ist sicherlich auch unbestritten so zutreffend.

Mich betrifft die Nachricht ganz persönlich aber auch noch aus einem anderen Grund, und dieser wird häufig leider vergessen. Rund 160 der 200 wegfallenden Stellen sollen bei der FAZ nun im Bereich der dortigen Verwaltung liegen. Und gerade die Verwaltungskräfte haben häufig leider deutlich weniger Lobby, können sich schlechter zu Wort melden usw., als die schreibenden Kollegen dort, da ihnen u.a. auch schlicht die Möglichkeit dazu fehlt.

Warum mich das nun ganz persönlich so betroffen macht? Weil ich von 1992 bis 1994 meine berufliche Laufbahn mit einer Ausbildung zum ‚Verlagskaufmann‘ bei genau dieser Frankfurter Allgemeinen gestartet habe. Einige meiner damaligen Ausbilder und Kollegen sind sicherlich noch immer dort beschäftigt.

Es war damals noch eine andere Zeit in der Medienlandschaft. Das Internet spielte faktisch noch keine Rolle, den Verlagen ging es nach der Wiedervereinigung hierzulande noch prächtig.

Das merkte man damals auch unserer Ausbildung an. Uns wurde seinerzeit allerhand geboten, das Geld saß im Verlag offensichtlich noch vergleichsweise locker. Gleich zehn Azubis waren wir damals pro Lehrjahr. Wer von uns damals nach Ausbildungsende im Betrieb bleiben wollte, dem wurde eine passende Festanstellung angeboten. Betriebsinterner Unterricht und Vorträge zuhauf, Ausflüge auf Kosten der Firma z.B. mit dem Flugzeug nach Potsdam zum damals frisch erworbenen Tochterverlag der Märkischen Allgemeinen samt Nobelessen im Sternerestaurant und edlem Hotelaufenthalt waren für uns Azubis damals angesagt.

Es war eine tolle Zeit, auch für mich persönlich. Niemals hätte man sich damals auch nur im Ansatz träumen lassen, dass die ganze Branche nur ein knappes Jahrzehnt später in eine große Krise schlittern sollte, deren Entwicklung mit der Meldung aus dieser Woche auch im Hause FAZ offenbar eine ganz neue Eskalationsstufe erreichen sollte.

Natürlich machen auch mich die Einschnitte in der dortigen Redaktion betroffen, doch meine Gedanken sind aktuell in erster Linie bei der dortigen Verwaltung, der nun offenbar betriebsbedingte Kündigungen in nicht geringem Umfang drohen…

Auch die Einschnitte in der Verwaltung eines Verlages treffen eben viele Mitarbeiter und deren Familien. Das sollte man bei den natürlich völlig berechtigten Diskussionen um die Einschnitte in den Redaktionen halt nicht vergessen… Wollte ich hier heute nur mal kurz gesagt haben…

10 Kommentare

Die FAZ ist nicht die Westfälische Rundschau und wird uns im Gegensatz zu vielen anderen Zeitungen wohl noch ewig lange erhalten bleiben. Das gilt wohl auch für ihr völlig antiquiert wirkendes Logo aus dem Jahre 1949 und ihrem überalterten Erscheinungsbild, als wäre es eine Zeitung aus einem vergangenen Jahrhundert. Ein bisschen frischer Wind wird diesem Blatt sicherlich gut tun, von dem man kaum glaubt, dass es mittlerweile sogar eine Internetpräsenz besitzt. Ich sehe den derzeitigen Einschnitt daher nicht nur negativ, denn vielleicht wirkt er wie ein erlösender Tritt in den doch sehr behäbigen FAZ-Hintern.

‘Qualitätsjournalismus’ ist nicht zuletzt dank dem Internet mittlerweile auch zu einem ironisch gemeinten Begriff geworden. Das Netz ermöglicht es die Informationen der ‘veröffentlichten Meinung’ auf Vollständigkeit und Richtigkeit zu prüfen und da lässt der eine oder andere Blooger die “Qualitätsjournalisten” regelmäßig alt aussehen.

Die Häme der Kommentare zur FAZ kann ich nicht ganz teilen. Es gibt in der FAZ Redaktionsmitglieder, die in Sachen seriöser Recherche und Berichtstattung eine Spitze gegenüber Blättern mit linkerem oder liberalerem Image bilden. Dazu zähle ich die Hauptstadtkorrespondenten Bannas und Sattar, die Frankreich-Korrespondentin Wiegel, den Bayern- und Ex-NRW-Korrespondenten Schäffer, die fast durchweg gute Sportberichterstattung und nicht zuletzt den NRW-Feuilleton-Korrespondenten Andreas Rossmann. Deren Arbeit schätze ich sehr. Die Politik der FAZ-Besitzer dagegen nicht.

@Martin Böttger (#3)

ich kenne die FAZ seit meiner Jugend, denn ich komme aus einem bürgerlich-konservativen Elternhaus, in dem sich der Vater sehr stark politisch engagierte und welches alles andere als liberal oder links einzuordnen ist. Neben den örtlichen Lokalblättern WAZ und Ruhrnachrichten wurde immer auch FAZ und Welt gelesen. Weder das außergewöhnlich große Netztwerk an Korrospondenzen der FAZ im In- und Ausland, was seines gleichen sucht, noch die Qualität der dort arbeitenden Journalisten wird von mir in Frage gestellt. Ich sträube mich allerdings dagegen Trauerflor anzulegen oder in Endzeitmelancholie zu verfallen, nur weil die FAZ wie jede andere Zeitung in Deutschland auch, derzeit eine Krise erlebt. In der Redaktion der FAZ, wo 400 der 900 Mitarbeiter arbeiten, soll es keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Den Abbau der 40 Stellen dort will man überwiegend durch Altersteilzeit und natürliche Fluktuation erreichen. Das klingt schon mal sehr sozial und gibt Spielraum in den nächsten 2 bis 3 Jahren Teile der Redaktion neu zu organisieren. Der Verlagsbereich, den Robin in seinem Artikel im Fokus hat, wird bedauerlicherweise nicht so gut wegkommen, da dort betriebsbedingte Kündigungen nicht ausgeschlossen werden. Das ist für die dort noch arbeitenden Mitarbeiter bitter, aber für die Qualität der Zeitung unerheblich.

Das Erscheinungsbild der FAZ fand ich persönlich immer schon von gestern und alles andere als modern und zeitgemäß. Auf der Titelseite gab es bis vor einigen Jahren keine Bilder, dafür aber Frakturschrift noch und nöcher. Laut FAZ haben die FAZ-Leser das so gewollt und für die Leser, die seit 40 Jahren ein FAZ Abo besitzen, mag das sicherlich eine schönes Zeitungsdesign sein. Junge Menschen spricht man mit so einem antiquierten Design allerdings nicht an, aber genau die muss man im Visir haben, will man in Zukunft bestehen. Darüber hinaus ist fraglich, ob junge Menschen überhaupt noch gewillt sind, eine gedruckte Zeitung in die Hand zu nehmen, die ausgeklappt über einen halben Meter hoch und über 70 Zentimeter breit ist und die man eigentlich nur auf einem aufgeräumten Schreibtisch oder dem Scheißhaus lesen kann, wenn man nicht möchte, dass die Zeitungsseiten irgendwie im Kaffee oder Eierbecher hängen. ipods, tablets und smartphones lassen sich da wesentlich besser handeln. Die Zukunft von Zeitungsverlagen wird sehr stark davon abhängen, in wie weit sie sich auf das Internet einlassen. Und da hat die FAZ bislang immer gerne erst abgewartet, was die anderen so machen, statt ein eigenes Konzept mit eigenen Ideen zu entwickeln, was sich in Zukunft hoffentlich ändern wird.

@Gerd: Es geht auch genau andersrum, wenn sich gut ausgebildete Journalisten etablierter Recherche-Methoden, z.B. der Bibliotheksrecherche, des freundlichen Interviews oder des mündlichen Nachhakens bedienen, während der Freizeitblogger mal eben nur die Halbwahrheiten der Wiki kennt und kopiert. Das Internet ist erwiesenermaßen *nicht* die allwissende Müllhalde…

Das mag sein, dass es noch Journalisten gibt, die echte Qualität publizieren wollen und die die Zeit und das Geld dafür haben.

Allerdings nicht bei der SZ, den ÖR und zumindest bei der Berichterstattung über den sog. Nahost Konflikt auch nicht bei der FAZ. Da haken die Blogger nach, während die Informationen der MSM kaum mehr als die PM der Hamas sind.

Ich erinnere mich, dass die FAZ (zusammen mit der NZZ) einen sehr guten Ruf während des Vietnamkriegs hatte – gerade auch bei den Linken, wegen ihrer ausgewogenen Berichterstattung, die beide Seiten zu Gehör kommen ließ und im Zweifelsfall auch mal zugab, dass man die Wahrheit nicht kennt.
Genau das ist den selbsternannten “Qualitätsjournalisten” abhanden gekommen. Wenn ich heute beide Seiten hören will, muss ich ins Internet gehen.
Und viele rechte Stammleser der FAZ finden die politische Position der Zeitung jetzt einfach willkürlich, idiosynkratisch. Sie würden abweichende Kommentare durchaus akzeptieren, wenn der Kommentator an ihre Auffassungen anknüpft, um zu seinen Ergebnissen zu kommen. Wenn der Kommentator sich nicht einmal diese Mühe macht, ist das doch ein Ausdruck von Leserverachtung.

Die Frage ist, was man unter “Qualitätsjournalismus” versteht.
Kommentare lese ich gerne, gehören aber nicht dazu.
(Ausgeschmückte) Pressemeldungen der dpa etc. gibts überall früher im Internet schon zu lesen und beschränken sich meist darauf zu erzählen, dass irgendwas passiert ist, ohne es einzuordnen.

Dass die FAZ wie alle Medien nicht allumfassend informiert, damit kann man leben. Journalisten haben auch ihre politische Meinungen und schreiben dementsprechend. Deshalb war es schon immer gut, mehrere Seiten unterschiedlicher politischer Färbung zu lesen…

Qualitätsjournalismus bedeutet für mich vor allem Recherche. Oder das Einordnen der Themen. Ich denke deshalb, dass sich Tageszeitungen überlebt haben und lieber wöchentlich oder monatlich erscheinen sollten. Recherchen brauchen Zeit, und für Einordnen kann man die Tagesnachrichten dann sammeln.

Was die Recherche betrifft… die großen Dinge scheint zuletzt der Rechercheverbund zwischen NDR; WDR und SZ gebracht zu haben… auch der SPIEGEL hatte noch zuletzt noch große Neuigkeiten recherchiert… an andere kann ich mich in jüngster Vergangenheit nicht erinnern.

Möchte die FAZ für Qualitätsjournalismus stehen, muss sie sich umstellen mMn. (genau wie die anderen ehemals “großen” Zeitungen. Ansonsten sehe ich keinen Grund für sowas zu zahlen, wenn ich im Intrnet kostenlos mich vieler Quellen bedienen kann)

@Tux
Im Frühjahr letzten Jahres ist Georg Mascolo in hohem Bogen beim Spiegel rausgeflogen, wie auch sein Chefradakteur-Kollege Müller von Blumencron. Mascolo war für den Printbereich, der andere für den Online-Auftritt verantwortlich und die Spiegel Geschäftsleitung sah in dieser Doppelspitze keine Zukunft mehr. Erst hieß es eine Zeitlang, Mascolo gehe zu Springer, letztendlich ist er aber bei der Süddeutschen gelandet und leitet dort als Chefredakteur auch den Rechercheverbund von SZ, NDR und WDR.
Dieser fällt vor allem durch seinen Themenschwerpunkt NSA-Spinage auf. Das ist DAS Thema, welches Mascolo auch schon beim Spiegel beackerte. Die journalistische Leistung dieses Verbundes dürfte nach wie vor von Georg Mascolo und nicht von den Sendern NDR und WDR erbracht werden. Die Rolle, die diesen beiden Sendeanstalten zu teil wird, besteht zum einen darin, dass der Rechercheverbund nicht nur die Zeitungsleser der Süddeutschen erreicht, sondern auch einen Großteil der Radiohörer in Norddeutschland und viele Fernsehzuschauer in der ganzen Republik. Zum anderen dürften NDR und WDR zu einem erheblichen Teil an der Finanzierung dieses Rechercheverbundes beteiligt sein. An diesem Punkt wird es meiner Meinung nach kritisch, denn die Süddeutsche ist ein privatwirtschaftliches Unternehmen, während NDR und WDR durch eine öffentlich-rechtliche Zwangsabgabe finanziert werden.

2012/13 klagte die Süddeutsche noch mit anderen Verlagen gegen die vom NDR zu verantwortende Tagesschau-App, weil diese durch den Rundfunkbeitrag, also mit öffentlichen Geldern finanziert und dadurch als “unfaire Konkurrenz” von den Zeitungsverlagen betrachtet wurden, die sich als private Unternehmen auf dem Markt behaupten müssen. In erster Instanz bekamen die Verlage recht, in zweiter Instanz wurde das Urteil dann wieder kassiert.

Mit dem Recherverband hat die Süddeutsche das Problem scheinbar für sich gelöst, denn über NDR und WDR ist sie jetzt auch in der Lage öffentlich-rechtliche Gelder abzugreifen.

Mich wundert ein wenig, dass der SZ-NDR-WDR-Rechercheverbund bislang von kaum jemandem diesbezüglich hinterfragt wurde. Letztendlich erleben wir hier ein Modell in groß, wie es unserem Medienstaatssekretär und Doktor, trotz großer Bedenken, Marc Jan Eumann im Kleinen vorschwebt, wenn er den Lokaljournalismus mit öffentlich-rechtlichen Zwangsabgaben zu retten versucht.

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