Manager-Magazin: Shootout bei der WAZ

Nach einem Bericht des Manager-Magazins steht der Essener WAZ-Konzern vor einem massiven Umbruch: Die Brosts, einer der beiden Erbenfamilien, soll bereit sein, sich aus dem Verlag rauskaufen zu lassen. Bestimmen würde dann allein die zweite Erben-Gemeinschaft: Die von dem Kohl-Anwalt Stephan Holthoff-Pförtner vertretene  Funke/Grotkamp Gemeinschaft.

Trifft der Bericht des Manager-Magazins zu, wäre das einer der größten Umbrüche in der Verlagsszene der Bundesrepublik in den vergangenen Jahren.

Die WAZ gehörte von Anfang an den zwei Familien der Gründer: Den Nachfahren des  Sozialdemokraten Erich Brost  und des eher konservativen Jakob Funke. Dessen Tochter, Petra Grotkamp, will nun die Brost-Erben auszahlen. Die sollen bereit sein, auf den Deal einzugehen. Der Preis laut Manager Magazin: 500 Millionen Euro.

Auch über die Zukunft der heutigen WAZ-Spitze spekuliert das Manager Magazin:

Sollte die WAZ-Gruppe erstmals in ihrer Geschichte einen Mehrheitseigentümer haben, ist es mit der Doppelspitze vorbei: Bodo Hombach wird in diesem Fall keine Zukunft in dem Verlagshaus haben. Ob Christian Nienhaus oder sogar der für seine Arbeit in der Zeitschriftensparte (Gong-Verlag) gepriesene Manfred Braun die WAZ-Führung übernehmen wird, sei keine Frage, mit der man sich zurzeit beschäftige, heißt es intern.

Die WAZ könnte durch diesen Deal handlungsfähiger und konservativer werden. Zur WAZ-Mediengruppe gehören neben der WAZ zahlreiche weitere Tageszeitungen, Radiosender, Wochenzeitschriften und Anzeigenblätter.  Warten wir es mal ab. Hier der Artikel.

 

16 Kommentare

Ich bin jetzt wahrlich kein Fan von Bodo Hombach. Allerdings glaube ich, dass ein Verkauf vor allem einen Verlierer hätte: nämlich die WAZ.

Der gigantische Kaufpreis von 500 Mio. Euro würde nämlich die Erbengemeinschaft in bester “Heuschrecken”-Methode der angelsächsischen Finanzinvestoren auf die WAZ-Gruppe abwälzen bzw. von ihr die Kredite bezahlen lassen – die Folgen wären eine strapazierte Finanzdecke, weitere Entlassungen und Sparrunden. Das Ergebnis wäre wohl, dass die WAZ, die sich gerade journalistisch und Image-mäßig erholt, mit einem Kricket-Schläger eins auf die Rübe kriegt und sich endgültig als Wald-und-Wiesen-Zeitung beschränken müsste.

Von den groß angelegten Planungen, die WAZ endlich zu einem journalistisch bedeutsamen Blatt zu machen mit einen starken (und bisher nicht vorhandenen) Hauptstadtbüro und dem Aufbau renommierter Journalisten (die sich über Jahrzehnte entwickeln müssten), müsste die Verlagsgruppe Abschied nehmen.

Die WAZ-Gruppe ist bereits unter Hombach deutlich CDU-näher (nicht konservativer, das war sie schon immer) geworden. Aber es hat Jürgen Rüttgers auch nichts genutzt und den Zeitungen auch nichts. Anstatt den Regionalteil zu stärken, haben sie ihn zusammengestutzt und vollkommen verblöden lassen.

Wäre ich ein Brost, ich würde das Geld cash nehmen, lachen und dann in 5 Jahren für einen Restwert die Restbestände zurückkaufen.

Nun … würden die Regionalzeitungen – gerade was die Lokalteile angeht – noch weiter abspecken, würden wohl wirklich die Abonnentenzahlen bröckeln. Da ist nämlich die Leidensfähigkeit wirklich langsam schon voll ausgeschöpft. So massiv verkleinerte und zusammengelegte Lokalredaktionen sind offenbar nur da möglich, wo es keine lokale Konkurrenz mehr gibt – und gerade im Ruhrgebiet fällt das schmerzhaft auf …

Es kann einfach nur besser werden.
Journalistisch muss die Zeitung viel besser werden, nicht das Gezerre ob links oder rechts ist entscheidend.

Der WAZ würde ein frischer Wind mehr als gut tun, aber ob ein Verkauf den bringt wage ich zu bezweifeln. Wenn nicht bald wieder gestandene Journalisten in den Redaktionen arbeiten können, wird sich der Abwärtstrend noch stärker fortsetzen.

@8
Nun, ein Patt zwischen Brost- und Funke-Erben bringt diesen frischen Wind sicherlich nicht. Und wenn ein Verkauf der einen Familie an die anderen den frischen Wind bringt: warum nicht!?

Für mich ist etwas anderes spannend. Warum wird die WAZ nur mit 1 Mrd Euro bewertet? Das ist für einen Laden mit Aktiva in Druckereien und Verlagen doch fast nix.

@12
Vielleicht ist das auch die Wertschätzung für Druckereien im Internetzeitalter … allerdings gehört immerhin auch die halbe Kronenzeitung dazu …

Es ist schon ein Jammer, dass die Ruhrbarone in keiner Weise auf den Skandal eingehen, dass einer der Gesellschafter der Funke Mediengruppe, der wohl hunderte Millionen schwere RA Stephan Holhoff-Pförtner, von Herrn Laschet u. a. zum Minister für Medien in NRW ernannt wurde. Da wird der Bock zum Gärtner gemacht und keiner regt sich auf.

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