Liebe Erderwärmung,

wir müssen reden – irgendwas stimmt nicht mehr mit unserer Beziehung und sie ist mir viel zu wichtig, um sie einfach so aufzugeben. Weißt Du noch, wie alles angefangen hat, wie es war als wir uns kennenlernten? Ich ging damals noch zur Schule. Zum ersten Mal hab ich von Dir im Spiegel gelesen. Auf dem Titel versank der Kölner Dom im Meer und mir gefiel die Vorstellung, dass vielleicht auch das Ruhrgebiet bald am Meer liegen könnte – und nicht an einem so ekelig kalten wie der Nordsee sondern einem kuscheligen wie dem Mittelmeer. 

Du warst ein Versprechen auf bessere Zeiten. Als ich ein Kind war, redeten immer alle von einer neuen „Eiszeit“ – das empfand ich als eine bedrohliche Vision. Nicht das ich keinen Schnee mag – früher war ich sogar ein recht talentierte Skifahrer und das sowohl im Langlauf wie bei der Abfahrt, aber ein paar Wochen Winter und Schnee in den Alpen empfand ich immer als vollkommen ausreichend. Eine Eiszeit – das wäre dann doch des Guten zu viel gewesen.

Mit Dir war das anders. Ich mochte Dein Versprechen einer warmen und hellen Welt. Heiß würden die Sommer mit Dir werden und mild die Winter. Alle schrieben über Dich, Du warst ein Star. Klar, vielen warst Du nicht ganz geheuer, aber ich habe Dich vom ersten Moment an gemocht – ja vielleicht sogar geliebt.

Aber in den vergangenen Jahren hast Du Dich geändert. Es wurde schon länger nicht mehr wärmer. Die vergangenen Winter waren die längsten und kältesten, an die ich mich erinnern kann und ich frage mich: Was ist los mit Dir?

Wie immer, wenn es in einer Beziehung hakelt, ist klar, das nicht einer allein die schuld trägt.  Ich frage mich jetzt oft, was ich falsch gemacht habe, dass Du gegangen bist: ich meide den Nahverkehr und fahre bei schlechtem Wetter sogar mit dem Wagen zum Bäcker, um Brötchen zu holen.

Aber Du bist jetzt auch mal dran, Dich in unserer Beziehung zu engagieren – auch wenn klar ist, dass einer immer mehr liebt als der andere, aber das darf kein Grund sein, den Partner immer nur zu verletzen.

Bitte halte Dein Versprechen… Ich habe doch immer an Dich geglaubt…

Dein Stefan

 

12 Kommentare

Stefan,
Du fährst “als junger Spund”, weil es kalt ist und regnet, sogar mit dem Auto zum Bäcker.
Ich habe als “alter Sack” bei Kälte und Regen heute morgen am Kanal (Datteln-Hamm) gejoggt -ca.7 km-. Ich fande es gerade weil es geregnet hat und relativ kühl war schön, auch deshalb, weil ansonsten -bis auf drei Spaziergänger-niemand unterwegs war. Waren die alle mit dem Auto unterwegs Brötchen holen?

Und Du kennst ja den uralten Spruch: “Ist’s im Mai kühl und Nass, füllt es dem Bauern Scheun und Faß”. Zu meiner Jugendzeit abgewandelt hieß der zweite Halbsatz: “….macht’s auch auf dem Sofa Spass.”

Und, Stefan, abwarten, der heiße Sommer steht ja noch an;ganz sicher!!

@Walter: Ich war gestern laufen – aber da war es nicht so kalt wie heute 🙂
Und bei der Sache mit dem Sommer nehm ich Dich beim Wort!!!

Klima mit Wetter gleichzusetzen ist sicherlich in Mode bei den derzeitigen Verhältnissen

Das wir im Ruhrgebiet mit Starkregenereignissen und solchen Wetterlage zunehmend zu rechnen haben, hat die Emschergenossenschaft schon vor 2 Jahren publizieren lassen. Nix mit mehr Sonne, nur mehr Regen.

@gerdos: Stimmt – ich hätte den text erste der Reichsklimakammer vorlegen sollen. Sorry…

“…und mir gefiel die Vorstellung, dass vielleicht auch das Ruhrgebiet bald am Meer liegen könnte”

na klar und Sie entfernen vorher die Industriellen und Wohnungsbau-Altlasten

gruß Ekki

@ Nansy # 9

In der Tonart unterscheiden sich die Klimawandelskeptiker nicht sonderlich von den Klimawandelverteidigern. Eine ernsthafte Diskussion scheint mir deswegen von beiden Seiten nicht angestrebt zu sein.Also schaun wir mal, was wirklich passiert. Schlimmer als das 20. Jahrundert kann das 21. kaum werden. Egal wohin sich das Klima wandelt.

Und wenn wir am Ende des Jahrunderts weniger auf der Erde sind, wen juckts. Die, die weg sind, habens dann hinter sich und die, die über geblieben sind, werden genug mit dem Weiterleben zu tun haben. Klimawandel ist Auslese und Auslese scheint etwas zu sein, das Menschen so lange akzeptieren wie sie selbst nicht zu den Ausgelesenen gehören.

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