letzte Woche / diese Woche (kw26)

Kennen Sie Köln? Nee? Na, dann können Sie es jetzt ein bisschen kennen lernen. Und falls doch: Muckelige Stadt, nicht wahr? Ist man doch gespannt, wie der Kolumnist hier das so gesehen und was er erlebt hat, oder? Na gut.

Auf der der Religion abgewandten Seite des Hauptbahnhofes wird immer noch gebaut. Im Belgischen Viertel trifft man Ben und Ballo, der eine filmt, der andere legt auf. Und so manche der größeren Straßen wirken immer noch sehr abgerockt, manche unbelassen unschön und manche erinnerten mich sogar an Maastricht – ich berichtete. Köln ist halt irgendwie wohl nie aus der Bauimprovisation rausgekommen, hat ebenso irgendwie außer Dom und Rhein aber keinen extremen kulturellen Kern und ist vielleicht deshalb so schnell Warhol-Stadt, dann Indie-Stadt und dann Indielectro-Stadt geworden. Das schnurrt alles so ganz (selbst-)gefällig vor sich hin, hat die passenden Magazine dazu und natürlich den alten Luden WDR. Neben anderen, selbstverständlich.

Besonders pittoresk ist es am Stadtgarten und über dem Studio 672, wo am Mittwoch zur Eröffnung der c/o pop Andreas Dorau gespielt hat. Da trifft man dann u.a. Maurice, Thilo, Stefanie und Christoph. Andreas spielt ein forsches Fetz-Set, denn er muss ja noch am nächsten Tag vor Koze und Väth in Bottrop ran. Testet die recht flotten Nummern also im gepackten Keller. Macht er gut. Ich fordere von Maurice, er solle doch bitte auch Modulator – die äh Broadcast von Viersen – mal wieder ins Studio schicken, wenn sein Label sich anscheinend eh schon um alles kümmert, was nicht bei 3 im Exil ist. (Bisschen berufsjugendliche Ausdrucksweise hier. Sorry. Pop, ne.) Neben Dorau macht Staatsakt halt auch Locas In Love und sonst so einige, selbst Die Türen werden wieder ne Platte rausbringen. Ja, Mensch, ne.

Auch gerne in Köln gespielt haben immer Client. Meine alte Freundin Kate Holmes muss damit das so bleibt jetzt Sarah Blackwood durch Xan Tyler aus Technique-Zeiten (auch mal im 672 gesehen) ersetzen. Aber noch wichtiger: Sie beklaut mich für die Idee zu ihrer neuen Modelinie! „workwear ist the new Leisurewear“, mhm. Falls Sie also wieder mal jemand fragt, warum der Schreiber hier neuerdings unverhohlen Löcher in seinen Bürohosen trägt, antworten Sie bitte: „Das ist jetzt nicht mehr späte Dexys Midnight Runners. Das ist jetzt ein beleidigtes „London! Better go Grunge again!“. Danke dafür dann. Pop ist toll, oder?

Und was war hier so los? Ich hörte, Jugendliche haben die Lehren von Libyen auf rivalisierende Jugendbanden in Wuppertal angewandt. Kann mal bitte jemand den Scherz auch mit Fußballfans aus Essen, Motorradgangs aus Dortmund und generell einfach Schlägern aus ach, überall machen? Oder gleich via Netz direkt ne Party ausrufen, auf der einfach alle äh Vollnarkosen sich dann gegenseitig auf die Mappe hauen? So, hat der große Volksdichter Schorsch auch zwei Zitate bekommen mal wieder. Kann ich ja Feierabend machen. Ah, halt! Der meinte mal zu mir, das Stück „Muss Ja“ sei über Gremliza – und wir hatten damals auf Diederichsen getippt. Ist Dorau’s „Größenwahn“ denn nun über Diederichsen?

Apropos: Das Buch über Dylan (eine Bio sehr nah am Werk sozusagen) und das von Sagan (Nachkriegsschicksale) habe ich schon gelesen, das Abschlusswerk von Huxley gestern erst besorgt. Hm, bisschen „bunte Mischung“ diesmal, der Artikel, oder? Na, war ja klar, dass das Thema Köln keinen ganzen Artikel lang tragen würde. Verzeihen Sie bitte, liebe Sympathisanten! Und hier noch ein Pop Hit, zur Versöhnung.

Fotos: Jens Kobler

2 Kommentare

Du, du, du! (digitus = Zeigefinger-wedelnd). Dorau, Dexys, Dylan, Diederichsen. Dat dat dat darf! Ist es nicht merkwürdig, wie die alte prädigitale Elite immer noch ihre Schleimfingerchen nach Klein-Kobler ausstreckt, als wäre sie mindestens das Monster aus “Es”, das alle 25 Jahre zum Leben erwacht? Und natürlich in Köln, wo sonst. Deine Schnelldurchlauf-Klassifizierung Warhol-Indie-Indielectro ist klasse, macht Köln auch nicht madig, im Gegenteil. Nur warum ich erst Technique erwische (Sun Is Shining, der Refrain klingt fast nach Frau Lund) und danach nur noch die Chills, wenn ich auf den Versöhnungs-Pophit klicke? Obwohl: I Love My Leather Jacket, wenn sie auch längst in der Altkleidersammlung gelandet ist. Schönen Tag noch in Kölle!

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