letzte Woche / diese Woche (kw19)

Jetzt gehen diese Drohnen tatsächlich auf die Jagd nach einzelnen Menschen. Heya Safari! Die Weißen haben ein neues Schießgewehr! Ich weiß nicht wie Sie das sehen, aber dieses anscheinend uferlose Aufbrechen der Staatsgrenzen und Privatsphären, das Okkupieren von Territorien und Köpfen – finden Sie das gut oder was? Militärisch kann man ja nicht überall sein, dennoch schustern wir uns via Medienbestrahlung (und Geheimdienste) mal global mehr Konflikte, als wir bewältigen können. Bisschen überzogen, lieber Westen, hm? „Wieso überzogen?“, antwortet der Westen. „Ist halt wie im Supermarkt.“

Wahrscheinlich läuft das hier in der Gegend alles einfach unter „technischer Fortschritt“, aber de facto schustern die mit der größten Medienmacht doch nun einmal offensichtlich zusammen, wie wir die Welt sehen sollen, oder? Und weil hier „der Westen“ ist, erscheint uns das alles vollkommen plausibel. Und dann erscheint es so, als würden Staaten wie Russland, China, Indien, vielleicht Brasilien, immer vorsichtig „vermitteln“ müssen zwischen der „Wahrheit“ hier und der „Wahrheit“ der anderen. Indien meinte ja letzte Tage, sie würden da auch ein paar Leute in Pakistan kennen, die sie gerne liquidieren würden. Und Pakistan so sinngemäß als Antwort: „Nicht jeder darf, was die USA darf.“ Ich finde, die darf ganz schön viel. Und vielleicht hängt das damit zusammen, dass kaum jemand deren storytelling infrage stellt – oder nur selten.

Deshalb ist es also völlig legitim, die jeweils aktuellen „großen Erzählungen“ speziell Krieg führender Staaten infrage zu stellen. Das tun manche dann auch, indem sie Gegengeschichten entwerfen. Die müssen ja gar nicht stimmen, das ist nicht der Punkt, und insofern brauchen uns da die Medien auch nicht über die Psyche von Verschwörungstheoretikern aufklären. Diese Gegengeschichten müssen hauptsächlich da sein, damit klar ist, dass die hegemoniale Seite auch nur Geschichten erzählt. Vorschlag: Wir glauben dann einfach keine Geschichte, lassen uns aber auch nicht zu sehr damit beschäftigen, was denn nun wahr sein könnte – denn so etwas klärt sich höchstens hinterher, wann immer das sein mag. Und dagegen wird dann eine neue Saga gestrickt. Das ist bitter, aber besser als immer so tun müssen, als glaube man das alles und sei womöglich noch dafür, oder nicht?

Einfache Bilder aber sind populär, das findet sich nicht nur auf dieser Seite hier permanent, sondern auch immer wieder im Mediengeschehen. Wie bedingungslos zum Beispiel die Jungle World hinter allen Territorialverletzungen der letzten Zeit steht und sogar mehr Kriegspropaganda betreibt als die taz und sich dabei offensichtlich rechts von der Bundesregierung befindet. Erstaunlich konsequent! Das zeigt einerseits, wie gut das in Deutschland immer klappt, dass für jedes Grüppchen ein Clübchen gebaut wird, das letztlich gut zu aggressiver Außenpolitik und funky Konsumentendasein passt (der Rest ist eh Image, ne?). Das zeigt aber auch, dass diese Clübchen einfach für jeden Gegner von irgendwem eine Anlaufstelle bieten. Islam-Gegner hierhin, Israelfeinde da lang, bitte. Ja, es gibt auch eine eurozentrische Ecke im sogenannten linken Bereich. Und ja, Feministinnen müssen nicht für Israel sein, wir arbeiten noch dran. Veganer eher gen pro-Islam, bitte. Fahrradfreunde? Können ja den deutschen Einfluss auf Japan und China stärken. Wow! Das ist eine starke, bunte Gesellschaft! Wir sind halt die Borg, um es in einem Star Trek Terminus auszudrücken. (Und die Kids glauben auch noch, sie seien irgendwie in Opposition dazu. Euromayday? Geiles Ding!)

Aber ich will tolerant sein. Wir machen das ja alle nicht bewusst. Kümmern uns um aussterbende Tierarten, machen aber jede andere Kultur platt. Verballern pausenlos Strom beim Protest gegen die hiesige Energiepolitik. Argumentieren permanent gegen Lebensentwürfe, die keine oder wenig Abhängigkeit der einzelnen von Konzernen bedeuten würden. Wünschen uns eigentlich wahrscheinlich an Schüppe, Herd oder Gewehr zurück, weil damals noch klarer war, wem man zu gehorchen hatte, was? Oder sind das heutzutage einfach Rechner, Rechner und Rechner? Immer diese Widersprüche! Kann ein Mensch nicht einfach 40 Stunden für die Gesellschaft (na, die hier, ne, wat sons?) arbeiten und ansonsten noch ein bisschen zeigen, dass er oder sie voll einverstanden ist, aber natürlich Details kritisch gegenüber steht – und ansonsten Freizeit haben? Nein. Das geht hier nicht. Sie können nämlich bestimmte Dinge nicht (tun). Andere können das. Und deshalb helfen Sie, die umzubringen. So als Arbeitskraft, Konsument und Quasi-Privatmensch. Sie verstehen die anderen auch gar nicht. Das sind für Sie Primitive. Da reden Sie eher mit ihrem Haustier, Quatsch: Computer. Gut, Sie jetzt genau sind nicht so? Sorry. War nicht persönlich gemeint. Wir kennen uns ja auch gar nicht. Warum eigentlich nicht? Tja. Da müssen wir uns doch bestimmt mal virtuell vernetzen und jedeR einzelne fett Konsumpropaganda global rausbrezeln, hm? Dann klappt das auch schneller mit dem weltweiten Gleichschritt der sogenannten Individualisten. Machen wir doch mal nächste Woche wieder richtig feste, hm? Einfach mal so, für unsere extrem bunte Kultur. Die einzig wahre, ne? Pff!

Fotos: sodahead.com, „Die Sklavenjäger“ von Jürgen Goslar von cinema.de und Szenenfoto aus „Ein Schluck Erde“ nach Heinrich Böll von theater-wir.de (könnte auch mal wieder aufgeführt werden)

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