Lautsprecher Trump und Johnson: Droht Deutschland bald ein ähnlicher Regierungschef?

Der Bundestag in Berlin. Foto: Robin Patzwaldt

Wer sich in den vergangenen Tagen einige Aussagen von Boris Johnson, dem neuen Britischen Premierminister angehört hat, der war höchstwahrscheinlich über deren scheinbare Kompromisslosigkeit erstaunt. Auch das jüngste Verhalten von US-Präsident Donald Trump und seiner Getreuen scheint eine klare Tendenz zu mehr Härte und Radikalität zu bestätigen.

Damit folgt die Politik in wichtigen Schlüsselpositionen einer Entwicklung, die sich auch in der Gesellschaft insgesamt beobachten lässt. Die Interessen des Einzelnen, so radikal sie in gewissen Punkten auch sein mögen, rücken (wieder) vermehrt in den Mittelpunkt des eigenen Handelns.

Ähnliche Tendenzen sind schon seit längerem auch vor der Haustür eines jeden von uns zu sehen. Wenn man denn will. Nicht umsonst ist die AfD in Deutschland inzwischen ja auch dort angekommen, wo sie aktuell steht.

Für mich als politischen Laien stellt sich da die Frage, wie konnte es soweit kommen? Warum ist es aktuell offenkundig so unpopulär geworden eine Position des Ausgleichs, des Kompromisses einzunehmen?

Viele Zeitgenossen fühlen sich, zumindest meiner Beobachtung nach, derzeit wie in einem schlechten Film. Der US-Präsident droht und poltert durch den Politikalltag auf der Weltbühne, der Britische Regierungschef tut es ihm in den letzten Tagen und Stunden nach. Da wundert es wenig, dass die beiden sich persönlich durchaus gut zu verstehen scheinen.

Noch vor Jahren hätten es viele Experten schlicht ausgeschlossen, dass Politiker dieses Schlages an ‘die Macht’ kommen können. Über Jahrzehnte hinweg war es allgemein üblich, dass Politiker um Kompromisse rangen, ihre Meinung auf eine möglichst breite gesellschaftliche Mehrheit stellen wollten.

Hier bei uns in Deutschland waren diese Jahre von den sogenannten Volksparteien geprägt. Der einzelne Bürger fühlte sich mehrheitlich großen politischen Lagern zugehörig, die er am Wahltag unterstützte.

Nicht ganz zufällig, war zuletzt ein Wegschmelzen dieser politischen ‘Grundlager’ zu beobachten. Arbeiter und ‘kleine Leute’ wählen die SPD? Das ist schon lange Geschichte. Und auch das Lager der CDU/CSU schrumpft in diesen Tagen scheinbar unaufhaltsam, was nicht in erster Linie mit dem sinkenden Einfluss der Kirche in unserer Gesellschaft zusammenhängen dürfte.

Der Aufstieg der AfD, der zuerst unterschätzt und nicht wirklich ernst genommen wurde, kam für viele Altparteien hierzulande wohl ebenso überraschend, wie in den USA und Großbritannien aktuell der Erfolg ihrer neuen Regierungschefs.

Spinnt man diese Gedanken einmal etwas weiter, dann stellt sich die Frage, ob wir hierzulande vielleicht in nicht allzu ferner Zukunft mit Politikern vom Schlage eines Trump oder Johnson an der Spitze des Landes rechnen müssen.

Noch erscheint das unwahrscheinlich, ist eine Persönlichkeit von vergleichbarem Charisma gar nicht zu erkennen. Doch ein Ruhekissen sollte das nicht sein.

Die ‘Zerbröselung’ der politischen Landschaft ist aktuell schon besorgniserregend genug. Bisher können wir uns in Deutschland freuen, dass unsere Politiklandschaft, was die Persönlichkeiten in der Politik betrifft, allgemein etwas dünn besetzt zu sein scheint.

Doch genau das war auch die Situation in den USA und in GB, bevor dort diese in den Augen vieler extremen Politiker an die Spitze des Landes stürmten. Mir wird bei diesen Gedanken diesbezüglich ja schon etwas unwohl, wie ich hier offen eingestehen muss…

9 Kommentare

Sind wir Deutschen denn so anders ? Oder rufen wir mit unserer moralischen Überheblichkeit nicht solche Geister…..ist es klug das ein Bundespräsident Trump eine Hetzer nennt und ihm nicht zur Wahl gratuliert….ist es klug andere Länder darüber zu belehren sie möchten doch bitte ihre Gesetze ändern….man mag ja in der Sache moralisch rechthaben…aber ist das klug es so zu tun…Robin du machst das übrigens auch….andere Länder wählen die Personen die sie für richtig in Ihrem Land halten…und es ist Sache der politischen Klugheit damit ruhig und sachlich umzugehen, auch wenn man dazu eine andere Haltung hat. Und in vielem hat Trump was Zusagen von D. zb. für die Nato angeht einfach recht..in der Sache hat der nette Obama das auch immer gesagt…nur netter….und wenn man ausländische Zeitungen liest, da kommt D. ziemlich schlecht weg….gerade wegen dieser moralischen Überheblichkeit machen sich fast alle ziemlich über uns lustig…..und damit wären wir wieder bei den Geistern die ich rief….

Ich hab erst überlegt, ob ich auf diesen recht überheblich-blöden Artikel anrtworte. Stattdessen schließe ich mich #1 an. Hier die Rede von Boris im Wortlaut (hoffe,dass der link ok ist,):
https://www.achgut.com/artikel/an_der_zeit_die_schallplatte_zu_wechseln
Das klingt nicht verrückt. Eher sehr vernünftig. Auch die Basisdaten der amerikanischen Wirtschaft inclusive vor allem der Arbeitslosigkeit sind besser als bei Obama. Also, mal die deutsche Brille abnehmen und insbesondere keinen Spiegel mehr lesen… das führt zu nix als schlechter Laune.

Ich kann Thorsten Stumm nur begrenzt folgen. Wenn jemand hetzt, dann ist er nun mal ein Hetzer. Wenn es schon ein Fehler ist, das zu benennen, dann ist die Radikalisierung schon viel früher passiert.
Ich beobachte diese Radikalisierung im Internet schon viel länger, als es bspw. die AfD gibt. Das sind also keine neuen Phänomene und so hat beispielsweise auch die Flüchtlingskrise nur dazu geführt, dass bereits prall gefüllte Dämme gebrochen sind.
Was wäre überhaupt die Konsequenz, wenn man Ihrer Logik folgt? Dass sich eine Geisteshaltung aussucht, ob und wie sie kritisiert werden darf?
Ich denke, die Quellen des Populismus sind andere: Destruktion ist kognitiv sparsamer als Konstruktion. Man kommt schneller zur Belohnung, als wenn man etwas aufbauen muss. Aus dieser Sicht ist Hass eine Ramsch-Emotion, billiger Stoff. Nun stoßen wir auf eine immer komplexere Welt der Herausforderungen, Überforderungen und empfundenen Zumutungen. Sicher ist auch, dass progressive Linke dazu beigetragen haben. Aber sie wurden erst sichtbar, als die Welt ohnehin schon zu komplex war. Und niemand hat wirklich überzeugende Antworten auf diese Herausforderungen. Da ist es dann sehr verlockend, einfach auf diesen komplexen Kasten drauf hauen zu wollen: Macht kaputt was euch kaputt macht.

In den letzten Jahren haben sich die progressiven Kräfte in den westlichen Ländern ein bisschen zu Tode gesiegt, und zwar unter lautem Bepöbeln des bockigen Teils der Bevölkerung, teilweise auch ohne Rücksicht auf Verluste. Insofern pöbelt der bockige Teil bloß zurück, da darf man nicht so empfindlich sein. Bis es weiter nach vorne der Sonne entgegen geht, gibt es halt erstmal eine kleine Atempause, damit auch alle mitkommen.

@Psychologe
Meine Analyse bezieht sich ausschliesslich auf die Ebene der Beziehungen zwischen Staaten und den für sie handelden Personen. Die deutsche Politik ist da von einer bigotten Haltung geprägt. Oder meinen sie wirklich der iranische Präsident dem Steinmeier gratuliert und Maas die Hand schüttelt bekommt Sachen zu hören von deutschen Amtsträgern wie Trump. Und der lässt Leute an Baukränen aufhängen……

B.J. ist doch Mitglied der Tories, oder? Stellen die nicht seit rund 10 Jahren den Premier? Und glauben die ernsthaft, dass alles besser und schöner wird, dass ihre Insel nur wg. des Brexits zum gelobten Land wird? Na ja, die Erde ist ja auch eine Scheibe….

Deutschland wird postTrump und postJohnson:

Das sind die Folgen von stockLink und stockJäger (SPD Duisburg).

Lieber @Psychologe, ich habe mir einen Screenshot Ihres Kommentars gemacht, denn Sie drücken aus, was auch mir schon lange Zeit auffällt, ohne es eindeutig benennen zu können. Haben Sie vielen Dank für die treffenden Worte.

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