Lasst Kay Voges mit den Dorfmundern nicht allein!

Kay Voges, der neue Intendant des Theaters Dortmund, macht einen guten Job. Nur in Dortmund merkt das kaum jemand. Gute Gründe, den Mann nicht allein zu lassen.

Kultur in Dortmund hat es schwer. Kaum einer geht in den U-Turm und die Besucherzahlen des Dortmunder Schauspiels nähern sich dem Boden wie ein trudelndes Flugzeug mit brennenden Triebwerken. Die Entwicklung des FZW ist eine Katastrophe mit ruhrgebietsweiten Auswirkungen. Kultur in Dortmund zeichnet sich vor allem durch einen von Komplexen getriebenen Repräsentationswillen aus. Alles muss groß und prächtig sein. Mein Dorfmund soll schöner werden ist das Motto der Stadt. Nur mit dem, was in all den  Gebäuden passiert, können die wenigsten etwas anfangen.

Das ist auch beim Theater so, das Intendant Kay Voges seit dem Spätsommer rockt. Reihen wie “Stadt ohne Geld” gehören zum  spannendsten, was man auf den Bühnen in NRW sehen kann. Das ist der FAZ, der Welt am Sonntag und der Frankfurter Rundschau klar. Den Dortmundern offensichtlich nicht. Und dann die Band des Theaters: Botanica aus New York. Die Musik liegt irgendwo zwischen Velvet Underground und Sonic Youth. Allein die lohnen den Besuch.

Die Dortmunder interessiert das alles nicht. Die aktuelle Auslastung von 45 Prozent sagt nichts über die mangelnde Qualität der Arbeit von Kay Voges und seinem Ensemble aus, sondern sehr viel über die Provinzialität des Dortmunder Publikums. Trotzdem oder gerade deswegen könnte er morgen im Kulturausschuss der Stadt Ärger bekommen. Aber – und das ist die gute Nachricht: Wir leben ja im Ruhrgebiet. Und wenn die Dorfmunder die Arbeit von Voges nicht zu schätzen wissen, gibt es ja noch die coolen Jungs und Mädchen aus Bochum, Essen, Herne oder  – warum eigentlich nicht – Marl, die in sein Theater gehen können. Und dafür sorgen, dass die Intendanz von Voges doch noch zum Erfolg wird. Denn einen wie Voges braucht man im Ruhrgebiet. Man darf ihn nur nicht mit den Dorfmundern allein lassen.

60 Kommentare

Es ist kein Bashing – die Leute sollen dahin gehen weil es gut ist. Und mal ihre Käffer verlassen.

Deine wunderbar kreative Wortschöpfung in mehrfacher Wiederholung ist kein Bashing? Das die Bürger des Ruhrgebiets nicht gerne über die Tellerränder ihrer Industriedörfer hinaus blicken, ist altbekannt. Und das konservatives Theaterpublikum vielleicht etwas länger braucht um Neues zu goutieren, ist vielleicht auch einen Gedanken wert.

Ich habe mich auch schon über den Artikel in einer Ruhrgebietszeitung geärgert, da wurde auch nur über angeblich geringe Quartalsbesucherzahlen gemeckert, aber nichts über die Qualität des Programms unter Voges berichtet. Und wie Laurin schon bemerkt hat, im bundesweiten Feuilleton wird die Arbeit von Voges und seinem Team positiv besprochen.
Hier hingegen heißt es nur, moser, moser & man habe Voges ja bewußt installiert, um dies und jenes an die Wand zu fahren.

Ich kann nur sagen: Nachdem ich nach Ruhr.2010 das Revier wieder verlassen habe, ist das Dortmunder Schauspiel unter der Leitung von Voges eines der wenigen Dinge, die mir fehlen und für die ich derzeit gerne aus der Ferne anreise und künftig weiterhin anreisen werde. Die Qualität und nicht zuletzt die “Frische”
seines Programms/ Inszenierungen überzeugen.

Vielleicht sollte man den Zahlen auch noch ein wenig Zeit lassen, denn es war in den vergangenen Wochen oftmals schwer, Karten für eine Veranstaltung zu erwerben – oft hieß es: ausverkauft

Die Dortmunder gehen momentan halt lieber ins Stadion oder den BvB-Fanartikelshop. Da bleibt fürs Theater kein Geld mehr übrig…

Wer sich an den blanken Hass erinnert, der Kay Voges entgegenschlug, als er das Dortmunder Ensemble-Beamtentum beendete, der weiß, was das für ein Publikum ist, das nun abwesend in die Kennzahlen grätscht.
Wer an den Hausfrauenaufstand angesichts der Absetzung der gefälligen Tourneetheater-Revue Liebesperlen denkt, der weiß, dass man in Dortmund das Theater am besten mit einer Musikantenstadl Night of the Proms füllt oder einem Fangesänge-Contest.
Dem kann man entsprechen oder nicht.
Wenn die Dortmunder Theaterpädagogik, statt satten Lehrern die Szenenfolge im Woyzeck zu erklären, die Draußen-Kids aus dem Stadtgarten zu „Theaterpartisanen“ macht und auf die Bühne holt, dann ist das großartig, sorgt aber hier für Kopfschütteln.
Wenn im Rahmen von „Stadt ohne Geld“ Diskussionsveranstaltungen ins Theater geholt werden, fragen die paar Besucher, ob man das nicht besser im Rathaus machen könnte (sic!).
Das Rathaus übrigens, das als Zumutung in ägyptischem Marmor genau für diesen sehr lokalen Repräsentationsdrang ohne Fundament steht, auf den Stefan, glaub ich, anspielt.
Bislang reagiert das traditionelle Publikum auf Kay Voges jedenfalls mit Unverständnis. Wir durchökonomisierten Selbste krähen gleich: Marktforschung, Zielgruppe jagen, Produkt justieren.
Aber wenn wir uns subventioniertes Theater leisten wollen, dann vielleicht gutes. Die Chance ist uns vor die Füße gefallen und vielleicht warten wir, bis genug Leute das erkannt haben.
Und dann kommen auch die Nappalederlangjackenträger wieder, wir werden Deutscher Theatermeister und bauen das höchste irgendwas der Welt…

@Thorsten: Würde ich Dortmund nicht mögen (und ich mag es sehr) würde ich mich doch gar nicht so aufregen.

Voges und sein Team sollen sich treu bleiben und nicht auf die Idee kommen, das höchste irgendwas der Welt (mit)zu (er)bauen. Der Dortmunder Weihnachtsbaum ist doch schon höchst peinlich!

@Frau Rose #6, @Bastian #8: Ich stimme beiden Kommentaren voll zu. Mich hat man jahrelang nicht ins Theater gekriegt, eben wegen der Auswahl zwischen “Lehrer”- und “Hausfrauen”-Theater, ohne diesen beiden Gruppen ihr Kulturerlebnis oder ihren Spaß nehmen zu wollen.

Aber wenn man jetzt mal aktuell “Heimat unter Erde” besucht, wird man nach dem Stück durchaus Kappenträger mit Zechenoppas diskutieren sehen und ein Stück erlebt haben, das auf dem Papier zum Fremdschämen geradezu einlädt, alle gefährlichen Klippen (Nordstadt-Rapper, knarzige Zeitzeugen, Laiendarsteller, Türken) jedoch souverän umschifft. Da wird Theater zum lebendigen Ort, da fordert Theater sein Publikum. Ich war sehr beeindruckt davon und fand auch den Woyzeck grandios.

Von den Small Beast-Nächten mal ganz zu schweigen.

@Perik: Ich geh erst noch unter Tage, aber so hab ich es schön mehrmals gehört. Toll, oder?

@Murat#9
Ja, sicher, das ist die Ausgangsfrage.
Übrigens: Der sich das Schauspiel offensiv stellt. Allein das ist spannend.
Spannend ist aber auch die Frage nach den ganzen Alternativlosigkeiten im kulturellen Feld, nach dem falsch verstandenen Richard Florida überall, dem teuren Kreativmumpitz und den wankenden Leuchttürmen.
Und, wie gesagt, spannend ist auch die Frage nach einem Publikum, das heute in den Ruhr Nachrichten eine aufregende „Musikantenstadl on tour“-backstage -Reportage bekommt und einen nörgeligen Kommentar-Onkel, der findet, obwohl Moritz von Uslar das sagt (http://www.zeit.de/2011/05/Freitagnacht-Dortmund) sei Dortmund gar nicht hässlich.
So verstehe ich Stefans Hinweis auf die deutschlandweite Voges-Berichterstattung. Was Bochum über viele Jahre aus den montanen Imagetiefen holte, waren Zadek und Peymann, nicht VfL und Drehscheibe.
Wenn alle nur noch Stadtmarketing machen, dann doch mal richtig.

Seit Guido Huonder gab`s in Dortmund wohl keinen Theatermann, der so viel frischen Wind in die Stadt gebracht hat. Neben Tabori`s “Mein Kampf”, den “Pasolini-Tagen” und einer tollen “Hamlet” Inszenierung mit Ines Burckhart in der Titelrolle auch mit den heute viel geschmähten – und jetzt in Lünen gefeierten – “Liebesperlen”. Kay Voges zeigt Mut! Und da wir Dortmunder seit Zadeks und Peymann`s Zeiten immer mal gerne nach Bochum fahren – warum sollten die Bochumer nicht zu uns kommen? Und die aus Marl sowieso! Da ist die einzig sehenswerte Veranstaltung im Theater die Grimme-Preisverleihung.

@Anton: Genau. Die Bochumer sollten auch mal nach Dortmund fahren. Und die Dortmunder in die Rottstr. nach Bochum. Und nach Essen kann man auch mal. Und umgekehrt sowieso. Spaß macht das hier doch erst, wenn man sich das ganze Ruhrgebiet vornimmt.

@Stefan: So isses. Weiß jeder der schon mal bei der “Langen Nacht der Industriekultur” auf “Extraschicht” war.

Nach ungefähr zehn Jahren Erwachsenen Theater-Abstinenz (zuletzt in Bochum) hab ich vor “heimat unter erde” zu gucken. Ich bin ja keine Kulturbanause, aber hoffe doch die Vorstellung überzeugt mich und es dauert nicht wieder zehn Jahre kein Theater. Im übrigen, das U, naja, so toll sind die Ausstellungen auch nicht. Und dann diese langweiligen fliegenden Bilder am U. Was soll das? Nichts gegen Winkelmann aber kann da mal nicht jemand anderes dran. Ich kann dieses fliegende Aquarium nicht mehr sehen. Können die Bilder nicht etwas provozieren, kritisieren, originell usw. sein. Dortmund ist halt doch provinziell.

“Die Dortmunder interessiert das alles nicht. Die aktuelle Auslastung von 45 Prozent sagt nichts über die mangelnde Qualität der Arbeit von Kay Voges und seinem Ensemble aus, sondern sehr viel über die Provinzialität des Dortmunder Publikums.”

Ich glaube genau hier liegt das Problem. Er ist angetreten mit der Einstellung “euch Provinzler zeige ich das mal!”

Es erscheint mir logisch, dass jeder dann denkt “warten wir mal ab”. Die Dortmunder waren stolz auf Michael Gruner und sie waren glücklich mit dem Dortmunder Schauspiel. Meiner Meinung war es demnach taktisch nicht sehr glücklich sich so herabsetzend zu äußern. Und ich glaube, die Bemerkung “Provinzialität des Dortmunder Publikums” wird das nicht ändern.
Oder glauben Sie voller ernst, jetzt rennt das Publikum – als Trotzreaktion – ins Theater?

Berry Doddema
Modern Dance Center

@Berry: Warum waren sie stolz auf Gruner? Wegen den Liebesperlen? Die Blues-Brothers? Sorry, das ist Stadthallenprogramm.

Sind das die einzige Produktionen gewesen? Nein!
Die Dortmunder fanden die Mischung gut. Er hat es offensichtlich verstanden, leute mit Liebesperlen in das Theater zu bekommen, die sich dann auch andere Vorstellungen angeschaut haben.

Stefan, ich verstehe deine (berechtigte) Angst, das Schauspiel Dortmund fahre dem Niedergang entgegen.
Aber, du sagst es selbst, die Dortmunder sind ein stures Sprechtheaterpublikum und brauchen Zeit, sich an neue Dinge zu gewöhnen. Auch Michael Gruner ist es damals nicht unbedingt einfach gewesen. Wenn du die Ära Gruner auf Liebesperlen (und glaub mir, daß sich nicht wenige aus dem Ensemble gerne mal darüber lustig machten) oder Blues Brothers (meiner Meinung nach sehr gelungen, Hermann Schmidt-Rahmer eben) reduzierst, dann hast du Gruners Art, Theater zu machen nicht verstanden. Erinnert sich noch jemand an die Faust-Inszenierung unter der Regie von Thirza Bruncken, mein Gott, hat sich das Dortmunder Publikum damals lächerlich gemacht, so etwas einen Skandal zu nennen. Gruner hat Laienprojekte für eine komplette Spielzeit ins Repertoire aufgenommen, relativ selten, er war zu vielen Zeitpunkten mutig, aber hat eben auch den wirtschaftlichen Aspekt ins Auge gefasst.
Kay Voges’ Theater kann das Publikum seit gut 4 Monaten anschauen, Woyzeck ist häufig nahezu ausverkauft, die Kleinbürgerhochzeit immer, Small Beast sowieso und die Stadt ohne Geld Veranstaltungen wurden ebenso gut nachgefragt, ähnlich wie momentan Heimat unter Erde und das Publikum kommt längst aus dem ganzen Ruhrgebiet, sogar ganz NRW.
Ich glaube, wir müssen Geduld haben und die Dortmunder weiterhin mit der Nase auf das stoßen, was vor ihrer Haustür stattfindet.

Ich freue mich sehr über die rege Beteiligung an der Diskussion über das Dortmunder Schauspielhaus. Es zeigt, dass an diesem Haus viel richtig gemacht wird und wurde – nicht zuletzt, und das meine ich ganz uneitel, wegen der regen Beteiligung und Beratung unsererseits – durch das Institut für urbane Krisenintervention, kurz IfuK (www.ifuk.org). Wir haben über unsere Mitarbeit an der Reihe Stadt ohne Geld begonnen, im Sinne einer neuen ökonomischen, marketingorientierten und kreativen Profilierung regen Einfluss auf die Arbeit und Produktpolitik der Künstler zu nehmen. Die Wirkung unseres Einflusses ist bereits deutlich zu spüren: Der WOYZECK und die 39 Stufen sind nahezu immer ausverkauft, Kleinbürgerhochzeit ebenso – und die Zuschauer kommen gerne. Wir haben dem Schauspielhaus empfohlen, einen Begegnungsraum zu schaffen – das neue Institut wurde freundlich angenommen und steigerte die Zuschauerzufriedenheit um sage und schreibe 39 Prozent. Leider ist es so, dass unsere Kooperation offiziell am Donnerstag zu Ende geht: ab 19 Uhr mit dem Abend “Auf, auf zum Kampfe, zum Kampfe ihr Holzwürmer” und im Anschluss mit der großen (Re-)Kapitulation – wo es sicherlich noch einmal hochkreativ hergehen wird. Kommen Sie, überzeugen Sie sich – das Schauspielhaus hat sich in den deutschlandweiten Aufschwung eingeklingt. Und jetzt wird wieder in die Hände gespuckt… Herzlich, Ihr Hendrik Feldkamp

Ein Stadttheater braucht beides, die “Liebesperlen” (die man bitte nicht mit “Blues Brothers” über einen Kamm scheren darf!) und Projekte wie “Stadt ohne Geld” oder “Heimat unter Erde”. Genau wie ein Stadttheater auch ein gemischtes Publikum haben sollte aus treuen, meist älteren Abonnenten und offenen, neugierigen Gelegenheitsbesuchern. Niemand wird ja zu den Liebesperlen gezwungen. Gruner hat die Mischung wunderbar hinbekommen; Hermann Schmidt-Rahmer war ein Garant für witzig-tiefschürfend-originelle Anarcho-Produktionen. Ist er noch immer, nun eben in Düsseldorf und anderswo. Und nicht zuletzt hat Gruner mit seiner Art dafür gesorgt, dass schauspielintern gute Stimmung und gute Laune herrschten – was man von Musiktheater zum Beispiel nicht gerade sagen kann. Und die Arbeitsatmosphäre ist für kreatives Schaffen ja auch nicht gerade unwichtig.

Vielleicht brauchen die Dortmunder und das umliegende Publikum noch ein wenig Zeit. Aber ich verstehe nicht, warum die lokale Zeitungen (oder war es nur eine) so auf Voges “eindrischt”. Voges hat m.W. bereits zahlreiche Kontakte zu unterschiedlichsten Dortmunder Bürger und Bürgerinnen gesucht und versucht sie – sofern möglich – in sein Programm einzubinden. Angefangen von diversen Chören (egal ob U-Eröffnung im Dezember oder bei Stadt ohne Geld) oder Bodo-Verkäufern. Und bei letzteren sei besonders hervorgehoben, dass Bodo-Verkäufer mit “Theaterbesuchern” im übertragenen Sinn Stadtführungen gemacht haben und im Umkehrschluss, die Bodo-Verkäufer wohl eingeladen waren, dass Theater von Innen kennen zu lernen bzw. wohl auch einer Premierenprobe beizuwohnen. Wahnsinn – tolle Leistung.

Btw.: Da ich gerade in Berlin weile und auch hier mit Kulturschaffenden in Kontakt stehe, die wiederum teils am Theater arbeiten. Ich bin nun so oft angesprochen worden, eben weil ich wg. Ruhr.2010 in Dortmund lebte, wie denn nun das Dortmunder Theater sei. Es würde ja erstmal oder zumindest seit lanem im deutschsprachigen Raum (also auch Österreich und Schweiz!!!) wahrgenommen.
Was denn “Stadt ohne Geld sei” und wie jenes mit dem Theater ab 18 bei Visitor q zu verstehen sei usw. usw. Viele Fragen. Aber es zeigt Dortmund wird wahrgenommen.
Und diese Wahrnehmung von außen tut auch dem U gut – aber auch der Stadt, wenn sie denn kreativ-offen-innovativ werden möchte.
Frage mich, wo ist denn nach so kurzer Zeit das ganze Europa-offene-Kulturpotential hin…. hoffentlich noch nicht den Bach bzw. den Kanal runter.

Das Dortmunder Theater ist mitnichten nur für Dortmunder da. Was für eine schräge Denke in einem Ballungsraum in dem eine Stadt direkt neben der anderen liegt. Das Dortmunder Theater ist für alle da die es innerhalb von 60 Minuten Anreisezeit erreichen können. Im 30-Minuten Radius befindet sich dabei die überwiegende Mehrheit des potentiellen Publikums, an dem sich ein Intendant in Dortmund zu orientieren hat, wenn er auf Dauer Erfolg haben will. Alles andere ist kleinkarrierter lokalpatriotischer Unsinn.

Und wenn man eineinhalb Stunden Anreisezeit hat? Dann mus man draußen warten? Wer ist hier kleinkariert?

Hey Lynsey, willst du es nicht verstehen oder kannst du es nicht. Es geht um die Regel und nicht um die Ausnahme.

Die Mehrzahl der Besucher geht im Schnitt eine bestimmte Höchstgrenze an zeitlicher Belastung für einen Theaterbesuch ein. Deswegen kommen auch die Mehrzahl der Besucher in Dortmund in der Regel nicht aus Köln und umgekehrt.

Aber natürlich gibt es Menschen die einen ganzen Tag Reisezeit in Kauf nehmen um ein Theaterstück zu sehen, das sie ganz besonders interessiert. Und die buchen dann auch rechtzeitig und kommen natürlich auch rein. Wie alle die eine Eintrittsskarte haben, egal wo sie herkommen.

Herr Voss, falls Sie mich ansprachen, ich sprach oftmals von Dortmundern und Besucher aus dem Dortmunder Umfeld. Umfeld meint Umfeld und ist von mir in diesem Kontext städtisch als auch ländlich gemeint.

Und will Dortmund nicht mehr: Kultur, die über Grenzen des Ruhris wahrgenommen wird.
Und da sind wir gleich wieder bei der Diskussion, die schon bei 2-3 Strassen versandete: Was will der Ruhri eigentlich. Gejammere und understatement
oder jemand, der in die Hände spukt und macht. Was ja eigentlich im Sinn des Ruhris sein mußte.

Jaja, die Tangokommentare. Der Ruhri ist wohl nur so zu verstehen und anhand der aktuellen Diskussion zeigt sich, wie Chancen im Revier zugunsten klein-klein Denken geopfert werden – und teils auch hier.

Nein sie meinte ich nicht Frau Rose. Ich teile da eher ihre Position. Natürlich kann kein Intendant beliebig gegen die Mentalität seiner Zuschauer anspielen (lassen). Aber in dem Radius den ich eher statistisch angesprochen habe sind viel mehr neugierige und offene Theaterfans als die meisten denken.

Die kann jemand wie Voges erreichen und damit kriegt er über kurz oder lang auch die Lokalpolitiker befriedigt, die nur in Auslastungszahlen denken. Und er lockt auch noch Leute von außerhalb des Ruhrgebietes. Das wäre für mich das angemessene Zieldreieck für das Dortmunder Stadttheater.

Ich glaub, du hast auch nicht ganz verstanden.., natürlich kommt die Mehrheit der Besucher des Dortmunder Schauspielhauses aus Dortmund, soll ja auch so sein, wenn es auch mehr sein könnten. Was jedoch spricht gegen einen Blick über den Tellerand und Bürger der umliegenden Städten und Gemeinden auf das Dortmunder Schauspielhaus aufmerksam zu machen? Um nichts anderes gehts doch hier..

Aber LYNSEY, schon der 30 Minuten-Radius reicht, was die PKW-Anreise betrifft,weit über die Dortmunder Stadtgrenzen hinaus. Da sind wir also ganz nahe beieinander.

Vorsicht mit diesen 45 Prozent, der Teufel liegt hier im Detail.
Es sind nicht die wirklich aktuellen Zahlen vom Januar 2011, auch nicht die vom Dezember 2010 oder dem November 2010.

In dem WAZ Artikel zum Thema /http://www.derwesten.de/staedte/dortmund/Theater-Dortmund-laufen-die-Zuschauer-davon-id4215402.html) steht also Referenzeitraum:

“Auf seiner Sitzung am kommenden Dienstag beschäftigt sich der Ausschuss mit den Kennzahlen für das erste Quartal der Saison. Aktuellere Daten liegen dem Gremium noch nicht vor.”

und wenig später zur zeitlichen Einordnung dieses ersten Quartals

“in den Monaten August, September und Oktober”.

Für die Bereiche Schauspiel und Jugendtheater werden dann tatsächlich genannt

“Die Auslastung liegt jeweils bei rund 45 Prozent – und damit weit unter den Erwartungen.”

45 Prozent
bezieht sich also auf die Monate August – Oktober. Der Bereicht Schauspiel hatte aber seine ersten Premiere erst am 1./2./3. Oktober. Im August und September also konnte man gar keine Karten kaufen, selbst wenn man gewollt hätte.

Das bedeutet also: 45 Prozent beziehen sich rein auf den ersten Monat der Voges-Spielzeit, den Oktober – mit nur vergleichweise erst wenigen Inzenierungen. Viele Premiere, die heute, im Januar 2011 zu sehen sind, hatten also im betrachteten Zeitraum noch gar nicht Premiere gehabt.

Also: November-Zuschauerzahlen bzw- Vorstellungen, Dezember-Zuschauerzahlen bzw -Vorstellungen sind nicht erfasst in den 45 Prozent.

Voges selber hat übrigens im Januar aktuellere Zahlen veröffentlicht, nämlich die der ersten 100 Tage seit Beginn der Vorstellungen, die sogar am 4.1. auch in der WAZ standen, allerdings wurde auf diese in dem WAZ Artikel vom 27.1. merkwürdigerweise gar nicht eingangen:

http://www.derwesten.de/staedte/dortmund/kultur/Schauspiel-Dortmund-Kay-Voges-zieht-sein-Resuemee-nach-100-Tagen-id4124958.html

Ich habe noch eine Replik bezüglich des Beitrags von Berry Doddemer.

Herr Doddember, Sie schreiben:

“Die Dortmunder interessiert das alles nicht. Die aktuelle Auslastung von 45 Prozent sagt nichts über die mangelnde Qualität der Arbeit von Kay Voges und seinem Ensemble aus, sondern sehr viel über die Provinzialität des Dortmunder Publikums.”

Ich glaube genau hier liegt das Problem. Er ist angetreten mit der Einstellung “euch Provinzler zeige ich das mal!”

Es erscheint mir logisch, dass jeder dann denkt “warten wir mal ab”. Die Dortmunder waren stolz auf Michael Gruner und sie waren glücklich mit dem Dortmunder Schauspiel. Meiner Meinung war es demnach taktisch nicht sehr glücklich sich so herabsetzend zu äußern. Und ich glaube, die Bemerkung “Provinzialität des Dortmunder Publikums” wird das nicht ändern.
Oder glauben Sie voller ernst, jetzt rennt das Publikum – als Trotzreaktion – ins Theater?

Berry Doddema
Modern Dance Center

Woher nehmen Sie denn den Eindruck, daß Voges “angetreten ist mit der Einstellung ‘euch Provinzler zeige ich das mal’? Ich habe nicht mal in kritischen Artikel zu Voges je von ihm ein Statement in dieser Richtung gelesen!

Wüsste auch nicht, warum er sowas sagen oder denken sollte, ehrlich gesagt…das wäre doch völlig plemplem – er kommt doch, wenn ich mich recht erinnere, selber aus Krefeld, und hat bisher (vor Dortmund) vor allem in Oberhausen, Bonn, Kassel, Magdeburg gearbeitet.

Und speziell eingehend auf Ihr “Meiner Meinung war es demnach taktisch nicht sehr glücklich, sich so herabsetzend zu äußern” – wenn Sie das auf das von Ihnen am Beginn Ihres Beitrags stehendes Zitat beziehen (“Die Dortmunder interessiert das alles nicht. ) – auch das war keine Zitat von Voges, sondern vom Journalisten Stefan Laurin von ruhrbarone.de.

@ herr Seelig
Das Ganze hat irgendwann hier angefangen.
http://www.derwesten.de/staedte/dortmund/kultur/Unruhe-um-Schauspiel-haelt-an-id4565.html

Ich führe eine Schule für Bühnentanz. Eine der grösseren Schulen in Deutschland. Wöchentlich kommen hier etwa 1500-2000 leute rein. Wenn die Kinder unterricht haben sitzen die Eltern hier und unterhalten sich. Ueber die Kinder, aber auch über Kunst und Kultur. Und das Theater.
Die Eltern, die zu uns kommen sind das Publikum das ins Theater geht.
Ich kann demnach sehr gut feststellen welche Stimmung hier herrscht.

Dieses “na dann zeig mal” gibt es auch bei der Presse. Grundsätzlich fühlten sich die Mehrheit als Kulturbanause qualifiziert. Und der Stefan Laurin bestätigt diese These nur ungewollt. Ich gehe davon aus, dass er sich rege mit dem Dramaturgen Eickhoff und ggf. mit Kay Voges über dieses Thema unterhalten hat. Diese Stimmung hat sich entwickelt. Aber – ich habe auch das Gefühl, dass sich die Lage ändert. Zum positiven.
Ich registriere übrigens nur. Meine persoenliche Meinung habe ich noch gar nicht Kund getan.

Lieber Herr Doddema!

Bitte entschuldigen Sie erstmal, daß ich eben Ihren Namen falsch schrieb.

Und – vielen Dank für Ihre schnelle Antwort und den freundlicherweise zur Verfügung gestellten erläuternden Internet-Link. Allerdings kann ich auch in diesem (bei aller enthaltener Kritik an Voges) keinerlei Hinweis darauf finden, daß Voges eine “euch Provinzlern zeig ichs mal” Meiung hat …

Dass Sie mit Stefan Laurin’s Aussagen bezüglich der Dortmunder nicht einverstanden sind, das ist Ihr gutes Recht – selbstverständlich! Aber daß hinter Stefan Laurins Meinung nun auch noch Gespräche mit Herrn Eikhof oder Herrn Voges stecken sollen… warum Sie das schreiben, verstehe ich ehrlich gesagt (jedefalls ohne weitere Informationen) nicht. Nun, Sie schreiben ja auch, daß Sie es lediglich “annehmen”. Ist eine solche Vermutung -selbst wenn man Voges nicht mag- nicht doch etwas arg konstruiert? Halten Sie mich für konservativ, aber ich finde, man sollten mit solchen Annahmen / Vermutungen sehr vorsichtig sein.

Sie sind Künstler, Voges ist Künstler. Sie beide leiten wichtige Kultur-Institutionen in ein- und derselben Stadt. Und obwohl z.B. ich persönlich leider bisher noch nicht die Gelegenheit hatte, Sie, Ihre Arbeit und Ihre Schule kennenzulernen – würde ich -natürlich!- erstmal davon ausgehen, daß Sie Ihre Arbeit mit Leidenschaft und Liebe für die Kunst und die Menschen der Stadt Dortmund machen. Ich wüsste ehrlich gesagt nicht, warum man bei Kay Voges von etwas anderem ausgehen sollte, oder gar sowas wie Verachtung für die Dortmunder in ihm vermuten sollte!

Ja, vielen Menschen waren traurig, daß er neue Schauspieler ans Haus geholt hat – aber (jenseits der Tatsache, daß das bei einem künstlerischen Leitungswechsel im deutschen Sprechtheater eher normal ist als ungewöhnlich) ……ich finde es dennoch wichtig, sich bei der Beurteilung eines Menschen, seiner Arbeit, seiner künstlerischen Anliegen nicht mit nur auf Vergangenes zu konzentieren, sondern auch der Gegenwart eine Chance zu geben – und zwar eine ehrliche.

Denn sicher wird es auch im neuen Schauspielhaus Inszenierungen geben, die einem nicht zusagen! Was Sie ja sicher auch auch aus Ihrer eigenen Arbeit kennen – das alles jedem gefällt, ist sehr selten. Und schlecht scheint die Arbeit vom neuen Schauspiel nicht zu sein, jedenfalls wenn ich mir die so Kritiken anschauen (sind ja leicht zu finden)! Und auch die etwas aktuellere Zuschauerentwicklung der letzten zwei Monate (siehe unten).

Hatten Sie persönlich schon Gelegenheit, die Inszenierungen des neuen Schauspiel-Teams zu sehen? Wie fanden Sie’s? Fänd sehr spannend, Ihre Eindrücke zu hören!

Und – sollten Künstler in einer Stadt nicht zusammenhalten? Selbst wenn sie bisweilen Entscheidungen des anderen falsch finden? Besonders die Kunst beinhaltet ja auch disagreements! Vielleicht klinge ich jetzt etwas naiv, ich weiß – aber ich wünsche mir Großzügigkeit und Neugier aufeinander – ich wünsche mir das nicht nur für die Künstler untereinander, sondern auch für z.B. die Eltern Ihrer Schüler (von denen Sie ja mir berichteten) und – überhaupt uns alle!

Meine wichtigeste Frage ist allerdings – und vielleicht darf ich Sie hier um Hilfe bitten, da Sie ja offenbar schon lange in Dortmund leben und arbeiten und die Stadt dahren gut kennen:

Warum schreibt eine seriöse, angesehene Zeitung wie die WAZ Ende Januar 2011 einen Artikel zum -wie es klingt aktuellen- Stand der Zuschauerzahlen am Theater Dortmund, und nimmt aber zum Beleg dieser dann nur statistische Zahlen von August-Ende Oktober? (Die sich dann beim Bereich Schauspiel sogar nur auf den Oktober beziehen können, weil es vor dem ersten Oktober gar keine Vorstellungen gab, für die man hätte Karten kaufen können.)

Denn selbst wenn der Kulturausschuß laut Tagesordnung planmässig nur das erste Quartal der Zahlen des Theater Dortmund diskutieren sollte – ein Anruf der WAZ beim Theater mit Bitte um aktuelleres Material hätte doch genügt! Um die Leser auf den wirklich aktuellen Stand zu bringen! Die WAZ schreibt ja nicht für den Kulturausschuß, sondern für ihre Leser….

Alleine schon der schnelle Blick ins eigene WAZ Online-Archiv (zu den Zahlen von Voges, die im Gegensatz zum vorliegenden Quartals-Berich über August, September, Oktober auch die Zuschauerzahlen vom November und Dezember berücksichtigen, WAZ vom 4.1.2011) hätte doch eine Nachfrage beim Theater dringend nötig machen müssen? Oder wenigstens einen Verweis auf die November und Dezember Zahlen – denn das würde doch ohne Frage einen viel umfangreicheren -und aktuelleren- Einblick in die tatsächliche generelle Zuschauerentwicklung am Schauspiel Dortmund geben? Wir haben jetzt schließlich Januar 2011, und nicht Oktober bzw November 2010!

Diese Vorgehensweise der WAZ erscheint mir ehrlicherweise doch sehr rätselhaft. Können Sie mir hier vielleicht beim Verständnis weiterhelfen?

Herzlichen Dank im Voraus! Viele Grüße!

Herr Seelig,

ich habe Ihren Beitrag mit grossem Interesse gelesen. Und ich verstehen den Gedankengang – aber …

Wie Sie aus meinem letzten Satz gelesen habe: ich probiere nur zu analysieren. Warum besteht dieser Unmut? Und darauf versuche ich eine Antwort zu finden. Ich versuche nicht mal zu provozieren. Sonst hätte ich zB die Vergleichszahlen vom letzten Jahr genommen oder ich hätte die Zahlen v. Liebesperlen in Lünen hier rein geschrieben.

Ich probiere “nur” die Dortmunder Stimmung zu dokumentieren. Und wenn Sie die Reaktionen unter den WAZ Artikel lesen, verstehen Sie vll auch was dann alles passieren kann.

Das ist sicherlich auch der Grund, (na ja einer davon) NICHT auf die Frage zu antworten wie ich KV künstlerischer Arbeit finde. Wahrscheinlich werden Sie keinem “Kollegen” in Deutschland finden, der da etwas zu sagt.

Ich will hier auch nichts BEWEISEN. Ich habe nur einen Zeitungsbericht aus der Vergangenheit genommen. Zum einen steht nicht alles im Netz (ich hätte wirklich keine Lust in die Geschäftsstelle zu gehen und alle Zeitungen aus den letzten Jahren zu suchen) aber ich weiss, dass die Reaktionen hier ein Erstaunen war. Ein Lieblingsschauspieler wurde herabgesetzt. Und auch noch einer der bei Tatort mitmacht. Und “nur einer von den soll gut genug sein?” Das Dortmunder Publikum ist treu, wenn sie überzeugt von einer Sache sind. Sie nehmen es persönlich, wenn das ganze Ensemble gekippt wird. Auch wenn es das gute recht von der Schauspielleitung ist.

Wie ich auch schon unter dem WAZ bericht geschrieben habe: eine Senkung der Zuschauerzahlen ist nicht in meinem Sinne. Für das Geschäft (Modern Dance Center) ist es besser, wenn die Leute hier Kunst und Kulturinteressiert sind.

Mit meinen SchülerInnen gehe ich nicht nur hier ins Theater, Wuppertal, Essen und Gelsenkirchen sind auch wichtige Plätze wo hier hin gehen.

übrigens – wir haben auch hier ein Theater mit 99 Sitzplätze im Hause. Immer ausverkauft – keine Subventionen. (aber das soll nicht als “wir machen es besser verstanden werden” sondern “mir ist bewusst wie schwer es ist ein Publikum zu bekommen und zu halten”)

Ach ja, wie haben heute den 01. Februar. Die Zuschauerzahlen sind immer zeitnah abrufbar. Ich bin davon überzeugt, dass die aktuelle Zahlen heute mitgebracht werden zum Ausschuß. Mich würde wundern, wenn das nicht erfolgt. Und dann werden wir das morgen/übermorgen erfahren.

Warum Herr Kohlstadt (WAZ) redakteur das nicht reingeschrieben hat, kann ich nicht sagen. Vll wollte keiner es ihm sagen? Der Herr Kohlstadt ist kein Praktikant. Er leitet die Lokalredaktion der WAZ und steht dafür bekannt Sachen nach oben zu holen, die sonst nicht geschrieben werden. Vll wollte er provozieren (ist ihm ja auch gelungen), vll wollte er die Politiker wachrütteln (sehen wir dann heuteabend), vll wollte er Herr Laurin provozieren was zu schreiben?!

“Ich” habe aber die Zahlen von Januar dazu geschrieben. Das wurde dann aber genommen um mich gehörig zu beschimpfen. Ich hoffe, die Zahlen vom QII sind besser und liegen tatsächlich um 70-75%: dann sind wir alle zufrieden?

oder…?

doch ein bißchen MEINER Meinung

Ich hätte gerne von der Politik gewusst, warum Herr Voges installiert wurde. Und – noch wichtiger: was wurde ihm mitgegeben als LEITZIEL.
Persönlich hätte ich es gutgefunden, wenn die Augfabe gewesen wäre
1 ) wir wollen mehr Migranten ins Haus
2 ) wir wollen mehr junge Leute ins Theater (war schon Ziel in der Vergangenheit)

Dann sind die Auslastungszahlen erst mit Nebensache. Die Erfolge könnten abgelesen werden.
Bis jetzt ist mir das noch nict klar.

Jetzt mal zum Gerücht “Herr Voges soll das Theater an die Wand fahren!”

Die Schauspieler sind vor etwa 10 Jahre auf die Strasse gegangen, haben für das Theater gekämpft. Die Sparte sollte nämlich abgestossen werden. Und plötzlich lief das Ganze wieder. Der Michael Gruner hat die ganze Geschichte wieder zum laufen gebracht. Das darf in dieser Diskussion nicht vergessen werden. Was wäre, wenn es den Michael Gruner nicht gelungen wäre? Hätte es diese Stelle überhaupt noch gegeben.

Zurück zur Dortmunder Meinung

Die Dortmund fragen sich dann “warum ein unerfahrener Schauspieldirektor?” “Was steckt dahinter?” Soll er das Ganze wieder runterfahren, damit die Politik sagen kann “jetzt ist schluss?”
Die Qualität von Herrn Voges als Regisseur steht hier absolut nicht zur Diskussion. Aber haben wir hier das Mielitz Problem?

Ich versteh einfach nicht, wieso in Dortmund eine solche Stimmung/Meinung/Ansicht herrscht bzw. ob es wirklich so ist. Ich habe wenig Ahnung von den Interna der lokalen Kulturpolitik in Dortmund (weil ich Bochumerin bin), dafür kenne das Schauspielhaus seit vielen Jahren mehr als gut. Zum einen finde ich es sehr hinkend, das Modern Dance Center mit einem Stadttheater zu vergleichen, aber den Differenzen sind Sie sich ja (hoffentlich) selber bewusst.
An dieser Stelle möchte ich zudem anmerken, daß es jede Menge Dortmunder gibt, die noch nicht einmal genau wissen, daß oder wo sich das Schauspielhaus ihrer Stadt befindet..

“Zum einen finde ich es sehr hinkend, das Modern Dance Center mit einem Stadttheater zu vergleichen, aber den Differenzen sind Sie sich ja (hoffentlich) selber bewusst.”

ich vergleiche nichts (wenn ich gemeint wurde) Ich wollte nur darstellen, dass wir das ähnliche Publikum haben. Und mitbekomme was gedacht wird.

Achja, auf den Satz wollte ich auch noch eingehen.
“Sie nehmen es persönlich, wenn das ganze Ensemble gekippt wird.” – Das ist einfach Dortmund. Eine Verbundenheit mit dem jeweiligen Ensemble finde ich toll, aber sehen die Dortmunder nicht, wie hinderlich diese Einstellung ist/sein kann, wenn es weitergeht. Und weitergehen muss es doch, immer und überall.. – irgendwie.

Trotz meiner persönlichen Melancholie, wenn ich an die Ära Gruner zurückdenke, muss ich sagen, daß mein Eindruck der ist, daß die Karten der Schauspielvorstellungen vom Publikum nie so enorm gefragt, wie es zur Zeit der Fall ist.

@Berry: Ich verstehe Ihre Stimmungsmache nicht – doch sie zeigt, dass es Ihnen bei der Beurteilung von Voges um eigene Interessen geht.
Wenn Sie ins Theater gehen, hätten Sie evtl. bereits gemerkt, dass Voges mit seinem Programm u.a. junge Leute ins Theater zieht, die vorher eben nicht großes Interesse gezeigt haben. Und mit Verlaub, es sei darin erinnert, dass Dortmund kreative(s) Stadt/Zentrum sein möchte und um eben jene Kreative hier zu halten – wenn nicht sogar anzulocken, sollte man m.E. u.a. eben auch für jene ein interessantes Kulturprogramm (auch Theater!) anbieten. Es gibt ne junge kreative Generation, die es nicht unbedingt nach Berlin zieht und daher sollte man es nicht versäumen Ihnen auch Kultur/ Inspiration/ künstlerischen Austausch zu bieten. Und das bietet Voges mit seinem Team – sofern ich es erlebt habe.
Pläne für Kooperationen mit Schulen gibt es m.W. auch schon. Und so wie Voges nicht vor einer Kooperation mit Bodo-Verkäufern stopp macht, so wird er, wie ich ihn plus Team einschätze, auch versuchen, Personen mit Migrationshintergrund fürs Theater zu begeistern – sofern er es nicht bereits tut.
Ich finde, Sie werfen einfach mit Stimmungsmache und Vorurteilen um sich.
Und das Stück Liebesperlen, irgendwann hat es sich auch mit der Liebe ausgeperlt – finden Sie nicht. Es ist doch wie in einem Kleiderschrank oder in einer Wohnung, ab und zu muss man aufräumen, a bissl aussortieren, dann ist Platz für Neues – was aber nicht heißt, dass hier und da sich nicht auch ein altes Stück mit was Neuem kombinieren läßt, was ja oftmals neue Perspektiven eröffnet. Was Sie sich wünschen, klingt doch eher starr und ein wenig festgefahren.

Zur jener Ruhrgebietszeitung, die sich dem Thema Voges/ Schauspiel Do angenommen hat, möchte ich nicht viel sagen – aber ich frage mich, ob da nicht von einer bestimmten Seite auch Stimmungsmache dahinter verbirgt.

Und woher wollen Sie eigentlich wissen, dass Voges “installiert” worden ist und sich keine Kollegen aus dem Schauspielbereich über seine Berufung bzw. über sein Programm äußern. Wie gesagt, ich habe in Berlin gestern abend anderes erlebt.

Frau Rose, sie bringen das kulturelle Drama des Ruhrgebietes auf den Punkt. Junge Menschen sind hier schon demographisch zunehmend in einer hoffnungslosen Minderheitenposition. Wenn sich dann noch das Theater auf Grund des lokalen Auslastungsdrucks eben dieser zunehmenenden Hegemonie der Senioren-Mehrheit unterwirft, vetreibt man eben auch noch die jungen Leute, die kreativ sind UND bleiben wollen.

Nicht dass es auch neugiere und offene ältere Theaterfans gibt. Aber deren Menge bzw. prozentualer Anteil reicht nun mal erfahrungssgemäß nicht aus, um größere Säle zu füllen. Umso mehr brauchen wir die jungen Leute wieder in großer Zahl im Theater. Mindestens eine Spielstätte im Ruhrgebiet sollte sich deswegen dieser Aufgabe konsequent verschreiben.

Migrantenorientiert muss es dann sowieso sein, denn junge Menschen mit Migrationshintergrund werden sehr bald gut die Hälfte der Menschen unter 30 im Ruhrgebiet ausmachen.

liebe Frau Rose,

woher wollen Sie wissen ob ich ins Theater gehe oder nicht? Stehen Sie immer an der Tür? Kennen Sie mich?

Stimmungsmache wird doch wirklich nicht von mir gemacht. Herr Laurin hat die Vorlage gemacht. Er setzt die DortmunderInnen als Kulturbanausen weg (Provinzialität und “Dorfmund”). Als dann auch noch alle Leser angefangen haben sich gegenseitig auf die Schulter zu klopfen, erscheint es mir logisch, dass wenigstens einer die andere Seite betrachtet.

Und welches Interesse sollte ich haben, Frau Rose? Ich kann das alles sagen, weil ich autonom bin. Keine Zuschüße bekomme und sie auch nicht beantrage.
gruß
Berry Doddema
(gleich mehr – muss kurz etwas arbeiten)

gehen Sie denn ins Theater? Wenn ja, was schauen Sie? Und was schauen die Eltern deren Meinung und Stimmung Sie täglich aufschnappen?

hier mein Beitrag zur Dortmund Kultur
http://www.facebook.com/note.php?note_id=430423097980

Ich kopiere mal den Passus raus, der sich auf das THEATER bezieht

Auch die traditionellen Häuser müssen sich aus ihrer kostenträchtigen Isolation herausbewegen. Statt über zu wenig Mittel zu klagen, sind neue Wege gefragt, insbesondere beim Theater:

* Ein rechtlich selbstständiger technischer Bereich, untergebracht in eigenen Räumen, etwa in Phoenix West, kann ganz neue Geldquellen anzapfen: durch Produktionen für Film und Fernsehen, für Messen, Musicals etc. Bei uns ist das noch ein Tabu, in anderen Ländern funktionieren solche Modelle bestens. Außerdem kann ein gut gewählter Standort die Ansiedlung weiterer Unternehmen aus der kreativen Klasse fördern.

* Massiv ließen sich Kosten einsparen, indem die zeitlichen Abläufe überdacht werden. Liegen mehrere Aufführungen für ein Stück hintereinander, brauchen nicht dauernd die Bühnenbilder auf- und abgebaut zu werden. Es gibt etliche privat finanzierte Bühnen, die von einer solchen Blockbildung finanziell profitieren. Dortmund hingegen kann es sich bisher noch leisten, zwei Wochen oder mehr zwischen den einzelnen Aufführungen eines Stücks verstreichen zu lassen. Zudem: Nicht alle Proben – Kostümprobe, Lichtprobe, Hauptprobe etc. – müssen auf der Hauptbühne stattfinden und sie blockieren. Sie ist Spielstätte und nicht Probenraum.

* Genauso könnten gut zwei Vorstellungen am Tag im Theater gegeben werden. So bekämen auch die Schulen eine gute Gelegenheit, sich Stücke anzusehen.

* Gastspiele sind keine Schande. Ganz im Gegenteil: Sie werben für die Qualität des Theaters und machen so PR für die Stadt. Ein guter Grund, auch Gastspiele des Theaters in anderen Orten zu etablieren.

* Ein Shop mit T-Shirts, CDs und anderem brächte zusätzliche Einnahmen. Merchandising funktioniert in der Regel gut, sobald sich das Publikum mit dem Kernprodukt identifiziert. Und es wird doch niemand behaupten, das Theater habe keine Fans.

* Die Kooperation mit den örtlichen Schulen müsste besser laufen. In anderen Ländern gehen die Tanz- und Theaterpädagogen in die Schulen und erarbeiten zusammen mit den Lehrern Themen rund um das Theater. Hier gibt es noch nicht einmal Lehr- bzw. Informationsmaterial, mit dem die Kinder frühzeitig angesprochen und fürs Theater begeistert werden könnten. Gemeinsame Projekte ausgebildeter Pädagogen von Tanz und Theater, Musik und bildender Kunst mit den Schulen wären ein großer Fortschritt.

* Außerdem sollte das Theater grundsätzlich zu mieten sein. Das bringt ihm Geld in die Kasse und eröffnet anderen Künstlern neue Perspektiven. Kleiner Nebeneffekt: Je mehr im Theater los ist, desto mehr rückt es ins Bewusstsein der Bevölkerung. Und desto eher schaut man für den freien Abend auch mal nach, was denn im Theater los ist.

Wer wissen möchte, wie solche Dinge anzugehen sind, sollte sich im Umfeld der Musicals umschauen. Von ihnen lässt sich viel lernen.

und wenn wir schon dabei sind – ein wenig Stimmungsmache, wie es von Frau Rose wahrscheinlich nicht gewünscht wird

Das Theater Dortmund bekommt etwa 30 millionen jährlich an Zuschüße. Diese Summe wird hauptsächlich von 600.000 DortmunderInnen aufgebracht. Einmal kurz rechnen!

Das ist 50 ERO im Schnitt.

Also auch der frischgeborene von 2 Monate zahlt diese Summe, der demente Opa, der Migrant. Halt jeder. Auch wenn er/sie nicht mal weiss wo sich das Schauspielhaus ihrer Stadt befindet. (Zitat Lynsey)

Das ist gut so! Eine Stadt soll sich diese Ausgabe leisten. Genauso wie Schulbildung, Gesundheits, Verteidigung usw

Wir dürfen aber gleichzeitig etwas dafür verlangen. Und zwar Theater für jeder – nicht für eine ausgewählte Zielgruppe. Theater mit NUR einem Gefälligkeitsschwerpunkt ist abzulehnen. Aber das trifft auch zu auf eine einseitige intellektuelle Richtung. (wobie ich NICHT sage, dass Herr Voges das letzte macht!!)
Es ist halt die Mischung.

@Berry: Aber Voges macht doch ein sehr populäres Theater. Ich denke, dass viele die gegen in auftreten die Stücke gar nicht kennen. Und das Teile der Politik die Reihe “Stadt ohne Geld” übel nehmen. Da sind die “Auslastungsprobleme” doch nur ein gern genommener Anlass, auf ihn loszugehen.
Und zu ihrer Rechnung: Es zahlen nicht alle Dortmunder 50 Euro. Die Empfänger von Transferleistungen, die keine Steuern zahlen, können Sie aus ihrer Rechnung rausnehmen. Und die Bürger NRWs und anderer Bundesländer und der EU, die Dortmund finanziell unter die Arme greifen, hinzurechnen.

Herr Laurin,

mit der Summe 50 wollte ich zeigen wieviel das pro Person ist. Das Baby zahlt natürlich gar nichts – dafür zahlt der Besserverdienende sein Teil mit. Nochmal – ich finde das gut!! (sonst stürzen sich alle auf mich und meinen ich würde das nicht gut finden)

Auslastungszahlen
SIE haben doch bestimmt mit Michael Eickhoff (Dramaturg Theater) gesprochen. Verraten Sie die Zahlen für dieses Quartal. Dann können wir uns alle ruhig zurücklegen und durchatmen.

“Und das Teile der Politik die Reihe “Stadt ohne Geld” übel nehmen.”

Meinen Sie? Ich habe davon noch nichts gehört. Nur von den Zeitungskritikern, die sich aber nicht negativ geäußert haben.

Was mich (PERSÖNLICHE MEINUNG) stört ist das Gejammere in der Zeitung von den Theaterverantwortlichen. Immer zu wenig Geld. Es muss mehr, mehr, mehr werden.

Und dann greift mein Artikel oben. Zuschüße ja – aber dann bitte die Hose selbst hochhalten und nicht immer um mehr betteln

Zu Ihren obigen Anmerkungen, Herr Doddema:

* “Massiv ließen sich Kosten einsparen, indem die zeitlichen Abläufe überdacht werden. Liegen mehrere Aufführungen für ein Stück hintereinander, brauchen nicht dauernd die Bühnenbilder auf- und abgebaut zu werden.”

Meines Erachtens nach würde so zu einem erheblichen Teil die Qualität, sowie die in den meisten Kommentaren gewünschten Publikumsvielfalt zu Grunde gehen. Wie soll sowas bei einem Repertoiretheater aussehen? 4 Wochen Revue a la Liebesperlen, 2 Wochen Die Perser, 3 Wochen Die 39 Stufen? Hm, klingt für mich verdammt uninteressant und langweilig.

* “Zudem: Nicht alle Proben – Kostümprobe, Lichtprobe, Hauptprobe etc. – müssen auf der Hauptbühne stattfinden und sie blockieren. Sie ist Spielstätte und nicht Probenraum.”

Das Licht, das später die Hauptbühne ausleuchten soll, auf einer Probebühne einrichten. Klingt ungemein spannend, aber wohl undurchführbar.. Schlagen Sie das aber vielleicht mal den technikern vor, mal sehen, was die dazu sagen. Kostümproben finden überall statt, auch auf der Probebühne und die Hauptproben sind die 2-3 letzten Proben vor der Generalprobe, ist es Ihrer Meinung tatsächlich vermessen, diese auf der normalen Bühne durchführen zu wollen?

* “Genauso könnten gut zwei Vorstellungen am Tag im Theater gegeben werden. So bekämen auch die Schulen eine gute Gelegenheit, sich Stücke anzusehen.”

Jede Menge Schulklassen schauen sich Stücke an und das ist gut so, sonst wären ja noch mehr Vorstellungen leer. Oberstufenschülern kann man doch durchaus zumuten unter der Woche abends Theater zu gucken, für jüngere Schülern werden im Kinder- und Jugendtheater an der Sckellstraße, sowie in der Kinderoper ständig Stücke um 10 oder 11 Uhr vormittags gespielt.

* “Gastspiele sind keine Schande. Ganz im Gegenteil: Sie werben für die Qualität des Theaters und machen so PR für die Stadt. Ein guter Grund, auch Gastspiele des Theaters in anderen Orten zu etablieren.”

Gab es unter Gruner desöfteren, aber in diesem Fall sollte das Ensemble wohl erstmal in der eigenen Stadt Fuß fassen, bevor gastiert wird.

* “Ein Shop mit T-Shirts, CDs und anderem brächte zusätzliche Einnahmen. Merchandising funktioniert in der Regel gut, sobald sich das Publikum mit dem Kernprodukt identifiziert. Und es wird doch niemand behaupten, das Theater habe keine Fans.”

Prinzipiell gute Idee, die aber zunächst auch erst finanziert werden möchte. Logisch.

* “Die Kooperation mit den örtlichen Schulen müsste besser laufen. In anderen Ländern gehen die Tanz- und Theaterpädagogen in die Schulen und erarbeiten zusammen mit den Lehrern Themen rund um das Theater. Hier gibt es noch nicht einmal Lehr- bzw. Informationsmaterial, mit dem die Kinder frühzeitig angesprochen und fürs Theater begeistert werden könnten. Gemeinsame Projekte ausgebildeter Pädagogen von Tanz und Theater, Musik und bildender Kunst mit den Schulen wären ein großer Fortschritt.”

Fail. Martina Droste, die im alten Ensemble als Theaterpädagogik im Schauspiel Dortmund tätig war, hat den Pädagogischen Arbeitskreis ins Leben gerufen und somit sehr nah an Schulen, lehrern und Schülern gearbeitet, Workshops, Vor- und Nachbereitungen angestellt, Infomaterialien erarbeitet und vieles mehr. (Nicht minder erfolgreich arbeiten Heike Buderus oder auch die KJT-Pädagoginnen). Die aktuelle Theaterpädagogin Schauspiel, Sarah Jasinszczak, führt die Zusammenarbeit mit den Schulen, soweit ich weiß, in ähnlicher Art und Weise fort.

* “Außerdem sollte das Theater grundsätzlich zu mieten sein. Das bringt ihm Geld in die Kasse und eröffnet anderen Künstlern neue Perspektiven. Kleiner Nebeneffekt: Je mehr im Theater los ist, desto mehr rückt es ins Bewusstsein der Bevölkerung. Und desto eher schaut man für den freien Abend auch mal nach, was denn im Theater los ist.”

Es ist durchaus möglich, das Theater zu mieten. Sie selbst haben doch bereits mehrfach ihren Nussknacker als Gastspiel dort gezeigt.

wooh, jemand der zu diesen Thesen Stellung bezieht. Ob wir das alles hier diskutieren sollten. Ist ziemlich oftopic!?

zu dem letzten Punkt. Ja, ich habe das Theater ua auch für Nussknacker “gemietet” (es waren letztendlich Gastspiele) Das Theater hat da auch gut dran verdient. Aber es sollte grundsätzlich möglich sein. Nicht weil “ich” zufälligerweise die richtigen Beziehungen habe.

Mit den Geld was da eingespielt werden könnte, können wieder Zuschüße zurück erstattet werden.

Martina Droste: ja kenne ich gut. Heike etwas weniger. Machen sehr gute arbeit. Ich meine es aber noch anders.
Abgesehen davon ist mein artikel nicht nur auf Theater gerichtet, sondern auch auf Tanz. (primär auf Tanz) Und da passiert viel zu wenig.

Tanz? Ich dachte, wir reden vom Schauspiel..
Dann sprechen Sie doch einfach mal Herrn Kriegl aus dem Ballettmanagement an, ich bin mir sicher, er hat ein offenes Ohr dafür.

(Zudem lasse ich mich ungern als “dumme Mütze” bezeichnen, um auf Ihrem Facebooklink weiter oben noch Stellung zu nehmen..)

Das Problem mit der Auslastung des Theaters läßt sich eigentlich leicht beheben. Man kürzt die 3o Millionen Subventionen um etwa 1o Millionen. (Mit 20 Millionen kann man auch gutes Theater machen, das zeigen die unzähligen Off-Bühnen mit ihren Mini-Etats Jahr für Jahr). Die eingesparten 10 Millionen. zahlt man an die Besucher des Theaters aus. So hätte man immer ausverkaufte Häuser und nach einigen Jahren als wunderbaren Nebeneffekt ein gebildetes, sachkundiges Publikum, das seinesgleichen suchen würde.

Ich dachte bislang auch, es ging Berry primär um das Schauspiel obwohl er aus dem Bereich Modern Dance (School) kommt. Aber dies scheint wohl alles anders. Zudem werde ich das Gefühl nicht los, als würde er wohl für sein Wirken auch gerne Kulturförderung erhalten – so laut bellt doch jemand nur, wenn er sich unfair behandelt fühlt und/oder vielleicht jemanden etwas neidet…

Btw. @Berry: Ich mache weder Kassa am Schauspiel Dortmund noch kontrolliere ich irgendwo wer was besucht. Big Brother ist nicht mein Metier.

Was die leidige Diskussion um Etatkürzungen u.a. beim Theater angeht – so einfach wie dies scheint, ist es (wie auch in vielen anderen Bereichen) nicht. Das Theater ist auch auf feste Leute angewiesen und da wird es wohl auch den einen oder anderen entsprechenden Vertrag geben. Und nebenbei gefragt, soll das Theater künftig mal den und dann den Bühnentechniker usw. usw. buchen? Und dann am besten jedesmal 3 Angebote einholen, damit der günstigste gebucht werden kann – stetige Qualität ist scheinbar nicht relevant. Und solche Auflagen der Angebotseinholung gibt es…
Und einmal nachgefragt, wie hoch ist den der Etat, den Voges zu anderen vergleichbaren Häusern in unserem bundesweiten Lande zur Verfügung hat, wirklich? Vermutlich nicht übermäßig.

Vielleicht empfiehlt sich aber, ein neues Schauspiel-Konzept auszuarbeiten: 24 Stunden-Nutzung des Hauses! Schauspieler spielen bis zum Umfallen oder rufen irgendwann “Ich bin ein Star – holt mich hier raus”. Und wenn nicht gerade Kultur geboten wird, kann es auch gerne mal ein “Ballermann-Event” sein. Und natürlich wird alles Sponsoringmäßig vermarktet. Vor jeder Aufführung erstmal ein Werbespot etc. Hauptsache die Kasse klingelt. Entschuldigung, wenn ich hier leicht zynisch werde.

Möchte an dieser Stellen ausdrücklich auf die letzten beiden Veranstaltungen von “Stadt ohne Geld” am kommenden Donnerstag hinweisen – vielleicht regen diese zum Nachdenken über aktuelle Entwicklungen im Kulturbetrieb an (und diese nicht nur auf Dortmund bezogen). Zudem zeigt es m.E. wie nah Voges und sein Team mit ihrem Programm am Puls der Zeit sind – aber vielleicht scheut der ein oder andere hier bewußt auch den (kritischen) Blick auf aktuelle Tendenzen im Kulturbetrieb und/ oder in unserer Gesellschaft.

(Das Thema demografischer Wandel in Dortmund mit Blick auf “kreatives Zentrum sein wollen und/oder (inter)national werden möchten” habe ich an anderer Stelle schon angesprochen….)

Lieber Herr Doddema!

ich muss noch die aktuelleren Threads des Tages lesen, deshalb erstmal nur dies als Antwort auf Ihren ausführlichen Beitrag von 10:57 Uhr, (vielen Dank dafür!) :

Sie beobachten “”Unmut in der Stadt, und fragen, woher der Unmut kommt, und geben Erklärungsversuche. Sicher wird es immer Unmut geben, bei Teilen der Zuschauer (und Sie haben ja sehr gut erklärt, woher dieser kommen könnte … z.B. durch die Tatsache, daß alle für das Schauspiel gekämpft werden musste, und dann 10 Jahre später beliebte Schauspieler nicht mehr am Haus arbeiten).

Nun ist ja aber eine wesentliche Frage, wie weit verbreitet der Unmut AUCH HEUTE NOCH ist, und es steht die Behauptung im Raum, daß er sehr groß ist (Sie scheinen das auch zu befürchten), und als Beispiel werden dann die berühmten 45 Prozent Auslastung genannt – die aber, wie Sie und ich ja beide bereits erkannt habe, sich erstmal nur auf den Oktober im Schauspiel und seine Zuschauerzahlen beziehen. Auf einen Monat, der inzwischen drei Monate her ist.

Und wenn ich Sie richtig verstanden haben, können Sie sich auch durchaus vorstellen, daß die Oktober 45 Prozent Schauspiel nicht deckungsgleich mit den Zahlen November, Dezember und Januar sind. Obwohl auch Sie, da machen Sie ja ehrlicherweise kein Geheimnis daraus, zu den gehören, die Voges kritisch gegenüberstehen, sind SIE gespannt auf die wirklich aktuellen Zahlen, und das finde ich toll!

Nun könnte es also sein, und der Bericht in der WAZ vom 4.1. spricht ja dafür, daß die aktuelle Auslastung im Schauspiel inzwischen deutlich höher ist als 45 Prozent. Das würde dann natürlich immernoch nicht bedeuten, daß es keinerlei “Unmut” bei Teilen der Theaterfreunde gibt – aber es könnte durchaus bedeuten, daß er gar nicht SO wahnsinnig weit verbreitet ist, wie Sie befürchten. Bald werden wir es genauer wissen. Und vielleicht ist es dann wirklich so, wie Sie gesagt haben:

“Ich hoffe, die Zahlen vom QII sind besser und liegen tatsächlich um 70-75%: dann sind wir alle zufrieden”

Erlauben Sie mir, noch auf zwei Punkte von Ihnen genauer einzugehen.

“Warum Herr Kohlstadt (WAZ) redakteur das nicht reingeschrieben hat, kann ich nicht sagen. Vll wollte keiner es ihm sagen? Der Herr Kohlstadt ist kein Praktikant. Er leitet die Lokalredaktion der WAZ und steht dafür bekannt Sachen nach oben zu holen, die sonst nicht geschrieben werden. Vll wollte er provozieren (ist ihm ja auch gelungen), vll wollte er die Politiker wachrütteln (sehen wir dann heuteabend).”

Ich glaube kaum, daß das Schauspiel einem Journalisten GUTE Zahlen verschweigen würde. Außerdem: Sie wurden ja längst veröffentlicht! z.B. 4.1., WAZ. Wie Sie selber sagen, ist Herr Kohlstadt ein bekannter, wichtiger Journalist einer seriösen Tageszeitung, dem nicht einfach so mal ein Fehler passiert. Und – er HATTE ja Hinweise auf deutlich aktuellere (und für alle Theaterfreunde wie Sie sicher wesentlich erfreulichere) Zahlen. Wie das? Seine eigene Kollegen Anja Schröder hat sie in einem Artikel genannt, die Zahlen mit Stand Anfang Januar 2011, und seine eigene Zeitung hat sie veröffentlicht. WAZ vom 4.1.

http://www.derwesten.de/staedte/dortmund/kultur/Schauspiel-Dortmund-Kay-Voges-zieht-sein-Resuemee-nach-100-Tagen-id4124958.html

Selbt wenn Herr Kohlstadt diese Zahlen anzweifeln sollte, warum auch immer, hätte er sie nennen und seine Zweifel erläutern müssen. Aber sie einfach unter den Tisch fallen lassen? Obwohl er für eine TAGESzeitung arbeitete, also naturgemäß an möglichst großer Aktualität interessiert sein sollte? Das alles klingt wirklich, da gebe ich Ihnen recht, nicht nach neutral-sachlicher Berichterstattung, sondern eher nach, wie Sie u.a. vermuteten, “provozieren wollen”.

Es ehrt Sie auch, daß Sie sich nicht wie Herr Kohlstadt und andere nur an alten Zahlen festbeißen, sondern auch noch Inhalte in die Debatte bringen:

z.B.

“Ich hätte gerne von der Politik gewusst, warum Herr Voges installiert wurde. Und – noch wichtiger: was wurde ihm mitgegeben als LEITZIEL.
Persönlich hätte ich es gutgefunden, wenn die Augfabe gewesen wäre
1 ) wir wollen mehr Migranten ins Haus
2 ) wir wollen mehr junge Leute ins Theater (war schon Ziel in der Vergangenheit)”

Ich weiß natürlich nicht, was die Politik Voges als “Leitziel” gegeben hat.
Aber auf der Homepage des Theater Dortmund sehen ich, daß theaterpädagogische Arbeit ein traditionell wichtiger Schwerpunkt zu sein scheint – und weiterhin IST. Und wenn Sie sich für das Thema Migration interessieren und es in Ihrem Theater Dortmund verwurzelt sehen möchten (auch, damit mehr Migranten ins Haus kommen)- da hatte doch erst vorletztes Wochenende “Heimat unter Erde” auf der Bühne des Schauspielhauses Premiere – genau eine Art von Auseinandersetzung, die Sie von Voges einfordern.

Die Kritik der Ruhrnachrichten endet mit

“Heimat unter Erde. Eine Dortmunder Tiefenbohrung” ist eine Uraufführung, an der nur der ungefüge Titel stört. Kein politisch korrektes Tralala. Sondern ein straff inszenierter 95-Minuten-Abend mit Musik, der gute Laune macht und uns doch zu denken gibt. Eigentlich das Stück zur Kulturhauptstadt, das uns 2010 fehlte. Riesen-Applaus.”

http://www.ruhrnachrichten.de/nachrichten/kultur/kudo/art1541,1163848

Auch überregional fand der Abend und das Thema Lob:
——-
Ruhrgebietskultur
Dortmunder Tiefenbohrung
Von Andreas Rossmann

26. Januar 2011
Die Europäische Kulturhauptstadt ist überstanden, und das Ruhrgebiet muss sich nicht länger verstellen und so tun, als sei es Metropole. Statt nach Außenaufmerksamkeit zu schielen, können die Theater wieder auf das blicken, was im Revier und vor der Haustür stattfindet. In Dortmund, wo Kay Voges seit dem Herbst das Schauspiel leitet, ist die “Stadt ohne Geld“ das große Thema, und jetzt hat Stefan Nolte “Heimat unter Erde“ inszeniert, eine “Dortmunder Tiefenbohrung“, die der Integrationsdebatte weniger auf den Grund geht als ihr Erfahrungen zuspielt.

“Es ist meine Gegend, mein Viertel – die Nordstadt. / Hier hab ich viel gelernt trotz des schlechten Wortschatz“, rappen die drei Jungs von “Illegaler Terror Sound“ los. Doch dann lernt das Publikum Orhan Müstak kennen, der, weil der anatolische Acker nicht genug hergibt, Anfang der sechziger Jahre ins Ruhrgebiet zieht und sich in die Tochter des Zechendirektors verliebt; und es trifft Arif Sarikaya, der diesen Weg auch gegangen ist, in Dortmund als Kumpel anheuerte, eine Deutsche heiratete, es zum Steiger brachte und sich, als die Arbeit weniger wurde, fast wieder auf den Heimweg gemacht hätte. Orhan ist eine Rolle, Arif eine reale Person, Schauspieler und Laien, Drama und Dokumentation, hohe Literatur und journalistische Recherche werden zu einer Aufführung verknüpft, die gerade nicht dramatisiert oder dokumentiert, sondern durch den kontrastiven Wechsel der Darstellungsformen den Schlagzeilen von heute Spielräume öffnet: Wie war das mit den “Gastarbeitern“? Mit welchen Erwartungen sind sie gekommen? Wie konnte aus zwei Jahren, die sie bleiben sollten, ein ganzes Leben werden? Warum haben sie sich fremd gefühlt, und was ist, in der Enkelgeneration, davon geblieben

Die Arbeit im Bergwerk ist Vergangenheit, doch ihre Mythen leben fort, und da der Ort, der im Verlust an sie erinnert, eine Bühne ist, liegt das Falun von Hebel, Hoffmann und Hofmannsthal näher als das Rimini der Protokolle. Manchmal, so führt “Heimat unter Erde“, das sich von einem Saz-Solisten und dem Männergesangverein “Harmonie Zeche Victoria“ (keiner unter siebzig!) begleiten lässt, herzen- und augenöffnend vor, braucht es gar nicht viel, um dem Theater sein Recht und seinen Raum zu sichern: nur ein paar Lebensgeschichten, die glaubhaft erzählt werden, ein Gespür für die Zeit und die Fähigkeit, dafür eine offene, spannende Form zu entwickeln. Statt tief zu bohren, genügt es, einen Nerv zu treffen.”

http://m.faz.net/Rub5A6DAB001EA2420BAC082C25414D2760/Doc~E7ACD2C1EA3604E25881F0915F08EB8AF~ATpl~Epartner~Ssevenval~Scontent.xml

Beste Grüße!

hallo Lynsey,

Constance fertigt Mützen an und verkauft sie. Das war eher ein Witz über ihren beruf. Ich nehme hier alles ernst und wollte dich (oder wen dann auch) nicht beleidigen. (trotz alle vorwürfe die ich hier ständig am kopf geschmissen bekomme)

die Stellungen aus beitrag 46 habe ich aus folgendem Papier kopiert:
http://www.facebook.com/note.php?note_id=430423097980
Dieses Papier bezieht sich die Kulturszene überhaupt. Und nicht nur auf das Schauspiel. Man kann es also nur nachvollziehen, wenn alles drum herum auch gelesen wird.

wo soll ich anfangen? Auf anderer Stelle wurde mich schon geraten einfach nicht mehr zu reagieren. Hier gibt es mittlerweile zuviele Baustellen. Die Diskussion “ein anderes Theatermodell” würde ich gerne führen. Aber nicht hier zwischendurch.

Das Thema ‘demografischer Wandel in Dortmund mit Blick auf “kreatives Zentrum sein wollen und/oder (inter)national werden möchten” ‘ von Frau Rose organisiere ich gerade mit der ‘City Ring”. Prinzipiell ist das schon mit dem Kulturdezernenten vereinbart. Nur Termin und Ort stehen noch nicht fest. (war eigentlich ächste Woche Dienstag vorgesehen.

ach ja
“Zudem werde ich das Gefühl nicht los, als würde er wohl für sein Wirken auch gerne Kulturförderung erhalten – so laut bellt doch jemand nur, wenn er sich unfair behandelt fühlt und/oder vielleicht jemanden etwas neidet”
Liebe Rose, wir sind hier schon 30 Jahre vor Ort. Abgesehen von einer Projektförderung habe ich noch nie etwas beantragt. Ich brauche nichts, weil die Schule gesund ist. Warum soll ich mich da binden?

Ich neide es keinem. Bin froh, dass die Situation (im bezug auf Kultur) so viel entspannter ist als zB in Holland (meine Heimat)

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