Lamya Kaddor und die Verkennung der Aufklärung

Lamya Kaddor Foto: © Raimond Spekking Lizenz: CC BY-SA 4.0


Lamya Kaddor, Religionswissenschaftlerin und Autorin hat sich in einem Beitrag auf t-online mit der Frage beschäftigt, warum Muslime so wenige Nobelpreise bekommen haben. Und tatschlich ist es so, dass es bislang nur drei muslimische Nobelpreisträger in naturwissenschaftlichen Fächern gab – und die allesamt an Universitäten im Westen arbeiteten
.

Kaddor beginnt ihren Text mit eine Feststellung:

Und wie jedes Jahr werfen am Rande der Prozedur wieder ein paar Neunmalkluge die Frage auf: Warum kriegt eigentlich keiner aus der islamischen Welt einen Nobelpreis? Natürlich nur, um die Antwort gleich hinterherzuschicken: “Weil der Islam bildungsfeindlich ist. Ist doch klar!”

Diese simple “Beweisführung” eignet sich wunderbar, um eifriges Kopfnicken an Stammtischen zu bewirken und ganz viele Likes in Sozialen Medien zu sammeln.

Es mag sein, dass es diese Argumentation gibt und sie trifft wohl auch auf viele islamisch geprägte Gesellschaften zu. Allerdings springt sie, und daran lässt sich schon schön der Unterschied zwischen einer Theologin und einer vergleichen Religionswissenschaftlerin erkennen, zu kurz: Nicht ob der Islam bildungsfeindlich ist oder nicht ist die Frage, sondern ob Religionen bildungsfeindlich sind. Können vom magischen Denken bestimmte Gesellschaften naturwissenschaftliche Erkenntnisse hervorbringen? Und wenn ja, in welchem Maße?

 

Doch diese Frage will Kaddor nicht stellen:

 

Man sollte eher fragen, warum die USA bei den Nobelpreisträgern so einen Riesenvorsprung haben? Vielleicht sind US-Amerikaner ja tatsächlich so viel intelligenter als Europäer, Asiaten und andere.

Ich glaub jedoch, es liegt weniger daran, dass eine Geburt in den USA mit der Weitergabe einer besonderen Intelligenz verbunden ist oder eine Einbürgerung den IQ heben würde.

 

Natürlich führt die Geburt in den USA nicht zu einer höheren Intelligenz und indem Kaddor dieses unsinnige Argument anführt, will sie die Diskussion lenken: Weg von einer Auseinandersetzung um Islam oder Religion, hin zu einem anderen Thema:

 

Ich glaube, es liegt vor allem daran, dass heute die Wissenschaftslandschaft in den USA so viel effizienter ist als anderswo, zum Beispiel weil die Forschungseinrichtungen finanziell viel besser ausgestattet sind.

Das gilt schon im Vergleich zu Europa, und erst recht im Vergleich zur islamischen Welt, die in weiten Teilen in Kriegstrümmern liegt (z.B. Syrien, Irak, Jemen, Libyen, Afghanistan) oder durch politisch und wirtschaftlich schwere Zeiten geht (z.B. Türkei, Ägypten, Tunesien, Pakistan, Bangladesch)

 

Das ist nicht ganz falsch. Länder in einem Krieg haben andere Probleme als ihre Hochschulen perfekt auszustatten. Es geht erst einmal darum, die Bevölkerung mit den elementarsten Dingen zu versorgen. Allerdings liegen die Zeiten, in denen der heutige Irak und das heutige Syrien Zentren von Hochkulturen waren lange zurück. Spätestens die Eroberung Bagdads durch die Mongolen beendete diese Phase, die ihren Ursprung in der Übernahme des Wissens der Perser hatte. Auf sie folgte eine bis heute anhaltenden Stagnation. Für den Religionswissenschaftler Michael Blume war es vor allem die Ablehnung der Übernahme des Buchdrucks aus Europa, der für den Niedergang verantwortlich ist. Die muslimische geprägte Welt konnte die Folgen der mongolischen Eroberungen nicht auffangen. China gelang dies ebenso wie Europa oder, in früheren Zeiten den Persern und Griechen, denn die Gefahr die von den Reitervölkern der großen, asiatischen Steppe ausgingen, prägten die Geschichte Chinas, Indiens, Persiens und Europas bis zum Aufkommen der Schusswaffen und dem Niedergang der Bedeutung der Seidenstraße als Handelsweg.

Allerdings gibt es, neben dem Geld, einen ganz einfachen Grund warum die besten Universitäten in den USA und in Westeuropa liegen: Es sind die säkularsten und freiesten Gesellschaften der Welt. Und zum Glück kommen andere Länder hinzu: Es ist eine Frage der Zeit, bis auch Hochschulen in Südkorea Nobelpreisträger hervorbringen werden. Und je offener die chinesische Gesellschaft wird, und im wissenschaftlichen Diskurs der Naturwissenschaften ist sie das schon, werden bald auch Universitäten aus China Nobelpreisträger hervorbringen. Der Schlüssel ist die Aufklärung, ist das Ende des magischen Denkens, der Religiosität.

 

Kaddor argumentiert in ihrem Text anders:

 

Wenn explizit der Islam so sehr mit fehlender Bildung zu tun hätte, wie manche meinen, wie konnte dann die islamische Welt einst einen so großen Wissensvorsprung in allen Bereichen erzielen, während Europa im finsteren Mittelalter darbte? Wer hätte wohl vor einigen hundert Jahren die meisten Nobelpreise bekommen?

 Vor Tausend Jahren war Bagdad das Harvard der Welt – aber es war dies auch, weil es dort relativ freier und relativ offener war, als in Europa. Aber Bagdad war nicht alleine: China war in jener Zeit auch eines der Forschungszentren der Welt. Chinesische Ingenieure gehörten zu den innovativsten Köpfen, welche die Menschheit jemals hervorgebracht hat. Aber das China dieser Zeit war aufgeklärter und rationaler als das Europa des Mittelalters.

In einer Welt vor der Aufklärung lohnte es sich für Gesellschaften, sich vom magischen Denken zu lösen – je mehr es ihnen gelang, um so fortschrittlicher wurden sie. Doch aller wissenschaftlicher Fortschritt der Menschheit über die Jahrtausende verblasst angesichts der Innovationsgeschwindigkeit, die durch die Aufklärung freigesetzt wurde.

 

Kaddor macht es sich also zu einfach wenn sie schreibt:

Die “klugen” Hinweise auf die geringe Zahl muslimischer Laureaten wird damit freilich nicht gestoppt. Denn letztlich geht es dabei wohl doch nur um einen dumpfen Kulturchauvinismus. Wir im Westen sind eben einfach die klügeren und wertvolleren Menschen im Vergleich zur restlichen Welt.

Nein, darum geht es nicht. Es geht um die Aufklärung. Sie macht den Unterschied. Es ist so, wie Victor Hugo schrieb: „In jedem Dorf gibt es eine Fackel, den Lehrer, und jemanden, der dieses Licht löscht, den Pfarrer.“ Gesellschaften, in denen der Lehrer und nicht der Pfarrer bestimmen, sind schlicht jenen überlegen, in denen der Pfarrer das Denken der Menschen bestimmt. Welchen Gott er anbetet, aus welchem Buch er predigt oder was die Symbole seiner Religion sind, ist nebensächlich. Anstatt sich diese Frage zu stellen, spielt Kaddor die rassistische Karte. Auch ein Weg, um sich eine seriösen Debatte zu entziehen.

24 Kommentare

Ein hochinteressanter lesenswerter Artikel –
nicht nur inhaltlich und argumentativ, sondern auch in Form und Stil.
Eine fundierte und dennoch nicht oberlehrerhaft oder gar despektierlich oder zynisch gegenüber der von mir durchaus geschätzten Lamya Kador daherkommende Auseinandersetzung, die auch erfreulicherweise nicht in populistischem Islam-Bashing gipfelt, sondern als sachliche grundsätzliche Religionskritik auf dem Hintergrund von Aufklärung und Freiheit des Denkens geführt wird.

Warum so viele Preisträger aus den USA? In vielen Fällen sind es Einwanderer, die gute Voraussetzungen finden. Dazu gehört eine Sprache, die viele Menschen auf dem Planeten sprechen und auch ein System, das Leistung fördert.
Wer spricht schon Deutsch und will Sozialleistungen zahlen, wenn es auch anders geht.
Es ist sicherlich auch so, dass in den USA das beste Marketing stattfindet, d.h. Ergebnisse werden sichtbarer produziert. Deutschland ist die graue Maus.

Ein Zusammenhang mit Religion? Ja, den gibt es sicherlich, aber er hat mit der Art wie Religion den Alltag in Staaten beeinflusst zu tun.
Es geht mal wieder um den Islam.
In der Türkei gab es die erste Kampfpilotin. Heute wird es immer konservativer und die Schulbücher ändern sich. Die Auswirkungen werden spürbar sein. Im arabischen Gebiet gab es viele Hochkulturen. Heute liefern einige Länder mit Öl-Dollars unterstützt technische und auch sportliche Höchstleistungen. Es kommt aber wenig aus dem eigenen Land.

Insgesamt gibt es Völker und Bevökerungsgruppen mit einer unterschiedlichen Einstellung zur Bildung. Das zeigt sich dann auch an den wissenschaftlichen Leistungen. Wenn dann noch Länder erfolgreich die besten Köpfe anziehen, ist auch Spitzenforschung zu erwarten.

In Deutschland haben wir so viele Erfindungen gemacht. Dass ich im Jahr 2017 nach einem Sturm in Norddeutschland ein deutschlandweites Verkehrschaos erlebe und dass Brücken nicht erhalten werden können, ist ein Armutszeugnis, aber eben auch Teil einer Gesellschaft.

Aber wir haben ja immer wieder Nobelpreisträger, die dann oft in den USA forschen.

"Stefan Laurin und die Verkennung der Aufklärung"
scheint mir der heimliche Subtitel des Artikels zu sein. Es macht wenig bis gar keinen Sinn anderen eine Verwurzelung in magischen Welten vorzuhalten und ausgerechnet mit "Aufklärung" als Zauberwort genau diese als geradezu magische Größe aufzupumpen.

In der islamischen Welt ist weniger ein Überschuß an Magie, als ein Defizit an offenen Dikursen und den dafür notwendigen Plattformen Ursache für die Rückständigkeit.
Diese Defizite kennen auch andere nicht freie Gesellschaften (z.B. China mit seiner konfuzianischen Prägung). Ob diese eine ebenso einseitige wie gnadenlose Elitenförderung begleitet von der Schaffung geeigneter Freiräume wie in angelsächsischen Ländern hinbekommen werden, bleibt abzuwarten.
(Die USA sind übrigens gerade dabei diese notwendigen Freiräume durch Dumpfoligarchen wie Trump und Mittelstandsprinzen und -prinzessinen mit Mikroaggresionsphobie zu beschädigen, während in GB eine Rotte von upper class twits im Verein mit Bretterbriten der Unterschicht die Klappe zur internationalen Community versuchen dicht zu machen. Wohin das jeweils führen wird, bleibt auch noch abzuwarten.)

Vielen Dank für den aufklärerischen Artikel. "Religionswissenschaftlerin" ist ja schon eine contradictio in adjecto. Rassismus durch rassistische Argumente zu kritisieren setzt dem Ganzen dann das Krönchen auf. Niemand hat meines Wissens Saudi-Arabien oder Kuweit daran gehindert Ivy-League-Unis zu gründen, statt ihre kidos nach Harvard und Oxford zu schicken.
Ketzerische Gegenthese: Es gibt so wenig muslimische Nobelpreisträger, weil Satiriker und Kritiker immer per Fatwa ins Jenseits befördert werden. Da kann sich kein wissenschaftlicher Geist entwickeln, es fehlt ihm der Dünger. Allerdings bin ich mir bei deutschen Lehrerinnen nicht immer so sicher, ob sie sich heute wirklich noch als Hort der Aufklärung verstehen.

""Religionswissenschaftlerin" ist ja schon eine contradictio in adjecto. "

Sorry.aber das ist doch Quatsch und diffamierend gegenüber Lamya Kaddor. Sie müssen nicht ihrer Auffassung sein, aber jemandem auf diese ganz und gar unwissenschaftliche Weise ohne jegliche Darlegung die wissenschaftliche Qualifikation und Herangehensweise an ein Sujet abzusprechen ist indiskutabel und zeugt von Respektlosigkeit.

Im übrigen darf ich Ihnen versichern, dass es auch in muslimisch geprägten Gesellschaften viele sehr gute Wissenschaftler gibt.

Aber-wie Sie vielleicht auch schon gemerkt haben- können halt auch immer nur ganz wenige Nobelpreisträger werden.

Sie ( haben Sie eine wissenschaftliche Ausbildung erfolgreich abgeschlossen?) und ich werden ganz bestimmt keinen Nobelpreis mehr bekommen.

Abgesehen davon, daß @Wolfram Obermanns Magie und Religion auseinnder halten kann, @Stefan Laurin und ich aber nicht, finde ich seine, @Wolframs Ansicht und vor allem seine Schlußfolgerung, daß es weniger ein Überschuß an Magie,
"als ein Defizit an offenen Dikursen und den dafür notwendigen Plattformen Ursache für die Rückständigkeit.
Diese Defizite kennen auch andere nicht freie Gesellschaften (z.B. China mit seiner konfuzianischen Prägung). Ob diese eine ebenso einseitige wie gnadenlose Elitenförderung begleitet von der Schaffung geeigneter Freiräume wie in angelsächsischen Ländern hinbekommen werden, bleibt abzuwarten.
(Die USA sind übrigens gerade dabei diese notwendigen Freiräume durch Dumpfoligarchen wie Trump und Mittelstandsprinzen und -prinzessinen mit Mikroaggresionsphobie zu beschädigen, während in GB eine Rotte von upper class twits im Verein mit Bretterbriten der Unterschicht die Klappe zur internationalen Community versuchen dicht zu machen. ", ganz brauchbar für eine Analyse.
Ich selber sehe aber für den Bereich der Ingenieur-und Naturwissenschaften noch einen anderen Ansatz. Die Auswahl der Preisträger erfolgt auch wenn es immer wieder abgestritten wird, in einem gewissen Grad nach der Zahl der Zitationen von Publikationen, die in hochrangigen wissenschaftlichen Zeitschriften in englischer Sprache zugänglich sind. Englische Sprache ist notwendig. Publikationen auf Deutsch oder Chinesisch werden von Juroren überhaupt nicht gelesen. Egal wie gut die Idee ist, die dahinterstecken mag. Zweitens muß der Autor schon durch einige Arbeiten bekannt sein, sonst kommt er nicht einmal in die wichtigsten Zeitschriften rein. Das ist übrigens ein wichtiger Grund, warum exellente Wissenschaftler aus aller Welt bei deutschen oder amerikanischen Wissenschaftlern als sogenannte Gastwissenschaftler arbeiten. Ihre Chancen steigen in Verbindung mit Veröffentlichungen mit Wissenschaftlern bekannteren Namens. Drittens gibt es noch den täglichen Gedankenaustausch, der von der Dichte der Wissenschaftler an einem Ort abhängt. Kannst du mit niemanden über deine Gedanken diskutieren, ist es sehr viel schwieriger all die Hürden die sich guten Gedanken in den Weg stellen, zu überwinden. Es reicht schon, wenn ein Wissenschaftler monatelang auf eine Reparatur warten muß, oder niemand da ist, der seine Meßapparatur bauen kann. Je besser also die Infrastruktur in einem Land ist, desto leichter weniger Schwierigkeiten hat ein Wissenschaftler der Ingenieur oder Naturwissenschaftler selber zu überwinden.
Zu den Gesellschafts- oder Geisteswissenschaften und deren Problemen kann ich nicht viel sagen, außer noch einmal an den letzten Abschnitt in @Wolfram Obermanns zu erinnern.

"Die" Aufklärung……..

Mir scheint, daß es geraten sein könnte, den Disputierenden einen Grundkurs über "Die" Aufklärung zu empfehlen -über all die Philosophen und Revolutionäre ,die die Welt verändert haben, dh., daß "man" sich beispielsweise auch mit dem näher zu befassen hätte, was "die "Aufgeklärten gerne auszublenden versuchen, nämlich mit dem Schreckensregime der französischen Revolution vom September 1793 bis zum Juni 1794, also mit "radikaler Freiheit, radikaler Gleichheit aller, mit dem Postulat "keine Toleranz gegenüber dieserhalb Andersdenkenden", mit der Ausrottung allen Religiösen" , folglich auch mit dem Ursachen und den Folgen all dessen.

Gibt es seit der Zeit der Aufklärung, gibt es "dank" der Aufklärung den anderen, den besseren Menschen – ausschließlich von Vernunft gelenkt und geleitet (von "reiner" Vernunft und/oder von " praktischer Vernunft ?)? Ist das Postulat von der unantastbaren Würde eines jeden Menschen -sh. Art. 1(1)GG-, das den "Geist unser Verfassung" prägt, der Erkenntnis "reiner Vernunft" oder ehe dem dem geschuldet, was das Bundesverfassungsgericht 'mal sinngemäß wie folgt formuliert hat: "Der verfassungspolitischen Grundentscheidung liegt letztendlich die Vorstellung zu Grunde, daß jeder Mensch in der Schöpfungsordnung (!!) einen eigenen selbständigen Wert besitzt"? Widerspricht es nicht "der reinen Vernunft", wenn dieses Postulat gebietet, auch demjenigen Menschen mit einem Mindestmaß an Respekt zu begegnen, der sich durch seine Taten der tiefen Verachtung in der Gesellschaft preisgegeben hat, z.B. dem Kindesmörder? In diesem Zusammenhang würde dann auch -wie schon 'mal hier bei den Ruhrbaronen geschehen- "über Vernunft und Religion" zu diskutieren sein, darüber, ob sie sich ausschließen oder ob sie miteinander "vereinbar" sein könnten -sh. dazu Habermas u.a.-.
Ich trage das vor, weil "die" Aufklärung es zu gebieten scheint, dass jedermann eigenständig kritisch des Nachdenkens fähig und willens zu sein hat, was impliziert, daß jedermann über ein Mindestmaß an Wissen verfügen müßte, um somit der "Vernunft gehorchend" -nicht den eigen Trieben- für sich, für die Gemeinschaft, in der lebt, für die Gesellschaft, für den Staat, dem er zugehört, Entscheidungen treffen zu können, die dem eigenen Wohl , dem der Gemeinschaft, dem der Gesellschaft, dem des Staates dienlich wären.
"Utopisch" ?
Wäre dann folglich "die" Aufklärung -als solche- nichts Anderes als eine große Utopie?

Ich trage diese unsortierten Gedanken nur deshalb vor, weil ich der Meinung bin, daß es mehr denn je notwendig ist, sich mit "der" Aufklärung, die vorgeblich die sog. westliche Welt von "anderen Welten" unterscheidet, und zwar für die Menschen/die Menschheit positiv, näher zu befassen.

Stefan Laurin
könnte mit seinen obigen Kommentar dazu veranlassen ; gut so!

Zum "Einlesen" in Sachen Aufklärung zu empfehlen:
"DER SPIEGEL -Geschichte"
Heft 2/2o17
DIE AUKLÄRUNG -Philosophen und Revolutionäre verändern die Welt-.

Die Blüte des Islam fand vor allem im ehemaligen Persien statt. Leider ist im Islam um etwa 1000 herum eine entscheidende Wende eingetreten. Damit müssen wir heute leben.
Zu dem Thema Islam und Wissen gibt es zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen. Ich denke nicht, das Religionen generell wissenschaftsfeindlich sind. Da gibt es schon Unterscheide – Christentum und besonders das Judentum sind mit Neugier und Einfluss auf die Welt verbunden. Max Weber liefert einen Einstieg. Auch zum Islam hat er etwas geschrieben. Der Islam ist leider auch mit einer stark gottergebenen Lebenshaltung verbunden – nicht förderlich für die Wissenschaft. Die kritische Methode kennt der Islam nicht. Das Ergebnis verwundert also nicht, wenn man den Hintergrund kennt. Frau Kaddor wünscht sich oft etwas, was die meisten Muslime leider nicht mittragen.

@ke Wenn ein Baum eine Oberleitung blockiert, bspw zwischen einer Talbrücke und einem Tunnel auf einer Schnellfahrstrecke, da kommt da auch nicht immer der dieselbetriebene Hilfszug ran, da ja die Strecke durch andere Züge blockiert ist. Da muss man von außen ran. Sie verstehen das Problem? Und die Strecken sind ja tw. an mehreren Stellen blockiert. Hinzu kommt, dass der Verkehr auch eingestellt worden ist, weil man verhindern wollte, dass noch mehr Züge auf den Strecken liegenbleiben. Eigentlich ganz vernünftig,

@9:
Das Problem ist doch, dass ein Großteil des Eisenbahnnetzes einfach zu viele Engpässe hat. Ausweichstrecken fehlen. In meiner Jugend hätte ich für das Jahr 2017 deutlich mehr Automatisierung und automatische Überwachung im Bahnverkehr erwartet. Ebenso mehr Kapazität.
Neubauten (siehe Rheintalstrecke in BW) brauchen Ewigkeiten.

Lebt der Westen wirklich in einem Paradies der Aufklärung? Warum wählen die Amerikaner dann Donald Trump? Auch der Neoliberalismus ist ein Projekt der Gegenaufklärung; denn er unterstellt die Selbstregulation des Marktes und stellt sich von der Pflicht des Nachweises frei. Ja, auch das Bashing gegen Umweltschützer, das ich hier das eine ums andere Mal lesen durfte, fällt so ein wenig in diese Kategorie: Man hat wissenschaftlich erwiesene Tatsachen; aber weil einem diese nicht gefallen, man sein Lebensweise nicht umstellen möchte, schimpft man lieber auf die Überbringer der schlechten Nachrichten und hofft, dass es schon irgendwie "magisch" gut gehen wird.

@RobinS

Sie können getrost den Ärger über die Endsilbe "-in" beiseite lassen. Hier geht es nicht um die Diskriminierung einer Frau.
Selbstverständlich ist Religionswissenschaft eine contradictio in adjecto.

"Die Wissenschaft ist ein System der Erkenntnisse über die wesentlichen Eigenschaften, kausalen Zusammenhänge und Gesetzmäßigkeiten der Natur, Technik, Gesellschaft und des Denkens, das in Form von Begriffen, Kategorien, Maßbestimmungen, Gesetzen, Theorien und Hypothesen fixiert wird."
"Religion (von lateinisch religio ‚gewissenhafte Berücksichtigung‘, ‚Sorgfalt‘, zu lateinisch relegere ‚bedenken‘, ‚achtgeben‘, ursprünglich gemeint ist „die gewissenhafte Sorgfalt in der Beachtung von Vorzeichen und Vorschriften.“) ist ein Sammelbegriff für eine Vielzahl unterschiedlicher Weltanschauungen, deren Grundlage der jeweilige Glaube an bestimmte transzendente (überirdische, übernatürliche, übersinnliche) Kräfte ist, sowie häufig auch an heilige Objekte
Das Heilige und Transzendente ist nicht beweisbar im Sinne der Wissenschaftstheorie, sondern beruht auf intuitiven und individuellen Erfahrungen bestimmter Vermittler (Religionsstifter, Propheten, Schamanen)"
Beide Definitionen aus der Wikipedia.

Als gläubiger Mensch kann ich Ihnen versichern das Religion, egal welche, eben genau das ist , ein GLAUBE.
Im Zusammenhang mit Religion das Wort Wissenschaft auch nur zu verwenden ist schon für die meisten religiösen Menschen eine Beleidigung, denn wäre Gott beweisbar, wozu Glauben?

@KarlH:
Religionswissenschaften beschäftigen sich wissenschaftlich mit dem Phänomen und den verschiedene Ausprägungen von Religion in den verschiedensten historischen, gesellschaftlichen, literarischen oder politischen etc. Zusammenhängen.

Insofern hat Religion an sich mit Wissenschaft per se in der Tat nichts zu tun.

Das behauptet ja auch niemand.

Aber natürlich kann man sich wissenschaftlich mit Religionen beschäftigen- diejenigen.die das tun.nennt man dann landfläufig- Sie ahnen es-Religionswissenschaftler.?

Nein, Robin S. niemand kann sich "wissenschaftlich" mit Religion beschäftigen. Weil beide Subsysteme unterschiedliche Codierungen haben und in sich geschlossen sind. Bissl Luhmann hilft!
Mein Einwurf richtete sich nicht gegen die Person, sondern gegen die Disziplin und die kann ja zumindest nicht konfessionell sein, wenn sie dennn Wissenschaft zumindest imitieren will. Und ja, ich bin Theologin -und bekennende Christin. Und um meine eigene Filterblase aufzustechen, sehr gerne auf diesem und anderen kritischen Blogs unterwegs und dankbar für sie.
Einer meiner eigenen theologischen Lehrer, Ulrich Körtner, nennt diesen Religions-Tsunami, der sich grade aufbaut "religioid" -primär für die christliche Theologie. Aber sein neustes Buch "Für die Vernunft" hilft auch im hier diskutierten Kontext tatsächlich weiter.

@14: Ich kann ihrer Argumentation nicht folgen.
Was sollen die Subsysteme sein. Warum sollen sie in sich geschlossen sein?
Natürlich kann ich mich mit Religion wissenschaftlich beschäftigen.
Was soll ein Religions-Tsunami sein und wie wird er identifiziert?
Religion ist in Westeuropa seit Jahren auf dem Rückzug. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass diese Zahlen des Rückzuges durch Einwanderung ausgeglichen wurden.
In vielen Ländern wird nach neuen Nutzungsmöglichkeiten für Kirchen gesucht, die keiner braucht.

Wenn ich mich auf eine Zusammenfassung des von ihnen erwähnten Buches beziehe sehe ich auch nicht, dass aktuell besonders emotionalisiert wird. In meiner Jugend war es deutlich emotionsgeladener. Aktuell ist doch eher eine Gleichgültigkeit im relativen Wohlstand.

Man kann sich mit der Geschichte der Religionen und ihren Auswirkungen wissenschaftlich beschäftigen, die Religionen als solche entziehen sich wissenschaftlichen Kriterien.

@Ines C.
Vielleicht erhalten Sie doch noch-entgegen meiner vorherigen Aussage – den Literaturnobelpreis für
(fulminante) Sprache.
Ich finde Ihre Argumentation in Bezug auf die Frage, ob man sich mit Religion wissenschaftlich beschäftigen kann, zwar nicht ganz schlüssig, den Verweis auf Luhmanns Systemtheorie und in diesem Zusammenhang auf die Geschlossenheit der von Systemen insofern interessant, dass – wenn man Religionen als solche Systeme betrachtet, diesen dann auch immer per se ein faschistisches Moment innewohnt.
@ke Der "Religionstsunami" kann sich auch in der übersteigerten Ablehnung einer bestimmten Religion – wie hierzulande des Islam- ausdrücken, insbesondere dann, wenn dies mit Verweis auf die vermeintliche Bedrohung des christlichen Abendlandes geschieht. In den USA konnte man unter GW Bush junior, einem Evangelikalen, ebenfalls diese starke Bezugnahme auf vermeintlich christlicher Werte beobachten. Und auch hierzulande strotzen rechtspopulustische und nationalistische Blogs bis weit in die CDU hinein nur so von solchen Bezugnahmen.
Insofern kann man Ines C. in dieser Frage aus meiner Sicht durchaus zustimmen.

@Ines C – "Religionswissenschaft als contradictio in adiecto" das ist schlicht falsch! Das mag auf Theologien zutreffen, aber nicht auf Religionswissenschaft, die soziologisch die kulturellen Ausprägungen von Religion auf die Entwicklung unterschiedlicher Gesellschaften untersucht und vergleicht.

@Stefan Laurin: Die Tatsache, dass in den USA mehr Nobelpreisträger als in anderen Ländern "produziert" werden, liegt a) an den finanziellen und strukturellen Möglichkeiten der Universitäten (allein Harvard hat einen größeren Haushalt als alle bayrischen Universitäten zusammen), b) an der niedrigen bürokratischen Hürden für die Forschung und c) nicht zuletzt an Traditionen und Zitierkartellen; so lässt sich sehr genau verfolgen, wie mehrere Nobelpreisträger von den selben Instituten/Universitäten über Generationen stammen. In diesem Zusammenhang ist nämlich interessant zu sehen, dass Deutsche Nobelpreisträger entweder in den USA arbeiten oder an Max-Planck-Instituten, die ähnlich gute Arbeitsbedingungen schaffen.

Im übrigen hat Deutschland den Exodus seiner (vorwiegend jüdischen) Wissenschaftler in den 30er und 40er Jahren nie aufholen können. Es war z.B. damals unüblich, dass ein Nobelpreisträger in Chemie z.B. nicht Deutsch konnte, weil die wichtigsten Arbeiten in der "Angewandten Chemie" erschienen; ähnlich Physik etc. Es ist schon interessant zu vergleichen, wie viele Nobelpreisträger Deutsche waren – vor 40er Jahren und nach den 40er Jahren.

@ Robin S
Sie meinen nicht, daß der Nachweis zu führen wäre, Religionen sind geschlossene Systeme?
Die Frage ob eine Soziologie, die denkt sie könne per se nur geschlossene System wie z.B. "DIE Gesellschaft" einem (faschistoid geprägtem) Projektionsfehler aufsitzt, stellt sich Ihnen nicht?
Das Phänomen, daß Naturwissenschaft im Labor genau solche geschlossenen System erstmal schafft und trotzdem völlig unbestritten Wissenschaft ist (warum eigentlich?), macht sie nicht stutzig?
Glauben Sie alles, was ein Soziologe irgenwann einmal erzählt hat?
Ihnen ist klar, das zur Aufklärung insbesonder die Hinterfragung von Autoritäten gehört?
Halten Sie sich für aufgeklärt und wenn ja warum, wenn ihnen die Ausführungen von Ines C. SO plausibel erscheinen?

"Luhmann hilft" bei der Erkenntnis, ungeeignete Mittel führen zu ungeeigneten Ergebnissen.

Eine „gute Religion“ hilft den Menschen ihr Leben in Liebe und Freude erleben zu dürfen.
Der Islam hat keine Erlösung im Programm, keine Befreiung und keine Freude in einer freien Kunst und Kultur.
Psychisch macht der Islam krank, er besteht aus Feindschaft zu den Menschen, die er klassifiziert.
Diese verachtende versklavende harte Masche ist „keine positive Religion“ sie ist eine höllische Angelegenheit, um Machtfantasien und Größenwahn zu etablieren, in denen Gottes-Staaten einen Absolutismus rechtfertigen wollen, in der die Existenz eines Menschen zum Staubkorn eines Systems erklärt wird, um einen oberen Rang in diesem System inne zu haben.
Damit wird aber auch jede Klugheit, jede kognitive Intelligenz vom Islam bedroht, denn diese hasst der, dem das Denken nicht erlaubt ist.
Und da liegt der Schwachpunkt.
Ohne Gewalt kann der Islam sich garnicht vor dem Zerfall schützen, denn alle Frauen sehen unsere schöne Kultur und ihre islamischen Herren haben Panik, dass ihnen ihre Frauen und Töchter, zu uns in die Freiheit, konvertieren.

Achso, was ich bisher völlig vergaß:
Der Feststellung von St. Laurin, die Anwürfe von Fr. Kaddor seien nicht plausibel und unlauter, teile ich.

@Herr Obermann- ich habe der These von Ines C. in Bezug auf Luhmann nicht zugestimmt, sondern geschrieben, dass ich diese interessant finde. Ich persönlich kann Luhmann in vielen Punkten durchaus folgen.
Ihren Anmerkungen sind aber grundsätzlich natürlich richtig.

@Hans Maier … dazu nur ein Zitat : "Wenn man sämtliche Opfer aller Christenverfolgungen zusammenrechnet, stellt man fest, dass die polytheistischen Römer in diesen drei Jahrhunderten (die ersten drei der neuen Zeitrechnung – JK) lediglich einige Tausend Christen ermordeten. Zum Vergleich: In den kommenden anderthalb Jahrtausenden schlachteten sich die Christen gegenseitig zu Millionen ab, weil sie die Lehre der Nächstenliebe in einigen Detailfragen unterschiedlich interpretierten" 😉 aus Harari "Eine kurze Geschichte der Menschheit"

@ RobinS
Entschuldigung, ich wollte Ihnen nichts unterstellen.
Ich hatte Ihre weiterreichenden Schlüsse, die Sie aus Ines C.'s Ausführungen gezogen haben, als zustimmend gedeutet.

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