Kreis Recklinghausen kauft ’newPark‘-Gelände

Große Pläne liegen schon länger auf dem Tisch. Foto: Kreis Recklinghausen
Große Pläne liegen schon länger auf dem Tisch. Foto: Kreis Recklinghausen

Seit Jahren schon schwelt diese Angelegenheit, mal mehr, mal weniger beachtet, vor sich hin. Über lange Zeit sah es zuletzt sogar eher schlecht aus für die Pläne in den ‚Rieselfeldern‘ im Kreis Recklinghausen mit dem sogenannten ‚newPark‘ ein riesiges neues Industrieareal zu entwickeln. Nachdem die Rot/Grüne-Landesregierung dann endgültig nicht bereit war die riskante Finanzierung des Grundstückskaufs mit einer Landesbürgschaft zu gewährleisten, war das Projekt in den Augen vieler Beobachter sogar bereits faktisch erledigt.
Doch dann kam der finanziell klamme und wirtschaftlich angeschlagene Kreis Recklinghausen, wo eine politische Mehrheit das Projekt unterstützt, selber als möglicher Risikoträger ins Spiel. Und nun gibt es offenbar auch konkrete Fortschritte:
Gemeinsam haben Landrat Cay Süberkrüb und Georg Petrich, Geschäftsführer der RWE Service GmbH, am Montag den Grundstücksverkauf von RWE an den Kreis Recklinghausen bekannt gegeben. „Ich bin sehr froh, dass wir diesen wichtigen Schritt nun vollziehen können“, sagte Cay Süberkrüb auf der Pressekonferenz, „damit sind wir dem Ziel, mehrere tausend neue Arbeitsplätze für die Region zu schaffen, einen wichtigen Schritt näher gekommen.“

 
Der nun tatsächlich zu entrichtete Kaufpreis ist dabei in Abstimmung von RWE Service GmbH und dem Kreis durch einen vom Oberlandesgericht Hamm bestimmten Gutachter ermittelt worden und beträgt stolze 23,75 Mio. €. Dazu kommen noch Grunderwerbsteuer und die Notarkosten.
Damit liegt die Summe nun deutlich über dem Kaufpreis, der noch dem Land NRW über eine inzwischen ausgelaufene Vereinbarung zum Vorzugspreis über lange Zeit möglich gewesen wäre. Damals soll der Kauf des Areals noch für rund 15 Mio. Euro möglich gewesen sein.

 
Trotzdem gibt man sich seitens der ‚Macher‘ nun äußerst optimistisch und positiv gestimmt: „Mit diesem Kauf kann das Grundstück für die weitere Entwicklung von newPark gesichert werden. Dies war und ist ein gewaltiger Kraftakt und ich bin froh und dankbar, dass dies nach intensiven Gesprächen mit allen Beteiligten, aber auch mit konstruktiven und guten Verhandlungen mit RWE möglich geworden ist. Darum gilt mein besonderer Dank allen, die uns in den letzten Monaten unterstützt haben. Neben den 23 Kommunen und zwei Kreisen, die sich für den newPark einsetzen, stehen auch die Vertreter der Gewerkschaften und Kirchen, aber auch der Wirtschaft mit uns Seite an Seite. Das unterstreicht die große, regionale Bedeutung des newPark“, sagte zum Beispiel Landrat Cay Süberkrüb.

 
Problemlos dürfte die weitere Entwicklung trotzdem nicht voranschreiten. Nicht nur, dass es dem Vernehmen nach, trotz jahrelanger Aktivitäten in diese Richtung, noch immer an konkret ansiedlungswilligen Unternehmen zu mangeln scheint, auch juristisch gibt es noch so einige Hürden zu meistern. Der Ausbau der B 474n sowie die konkrete Planung und Genehmigung des Geländes sind weitere Herausforderungen, die auf dem Weg zu einem landesweit bedeutenden Industriestandort aktuell noch immer zu nehmen sind.
Wann letztendlich wirklich die Bagger in den Rieselfeldern zwischen Datteln und Waltrop, auf dem immerhin 503 ha großen Grundstück,  tatsächlich auch rollen können bzw. werden, das vermag aktuell noch immer niemand wirklich zu sagen.

9 Kommentare

@Stefan: Nur kommen die nicht wg. newPark, die kommen noch nicht mal auf die anderen vielen neuen Gewerbe- und Industrieflächen wie z.B. Phoenix-West oder "Im weißen Feld" in Dortmund – gähnende Leere…

Ein bankrotter Kreis, der sich von bankrotten Kommunen finanziern läßt, gibt 'mal so eben 23,75 Mio € (plus "Nebenkosten") aus für ein Versprechen, das man sich selbst gegeben hat und dessen Realisierung "in den Sternen steht" -und zwar in vielen großen Sternen-.

Ich bin gespannt, ob der Kreis sich trauen wird, demnächst, wie alle Jahre wieder, eine höhere Kreisumlage zu fordern und ob dann die Kommunen -zu Lasten ihrer Steuerzahler, zu Lasten an sich dringend notwendiger Erneuerungen von Straßen,Schulen,Kindergärten – ohne Weiteres bereit sein werden, die erhöhte Umlage zu zahlen.

Zur Sache noch Ergänzendes.

Äußere Erschließung.
Hingewiesen wurde darauf, daß die Anbindung -die nördliche- der New-Park-Fläche über die verlängerte B 474 -auf Dattelner Gebiet-insofern nicht gesichert sei, weil diesbezüglich noch einen Klage ansseht.
Das ist für mich aber mit Blick auif die äußere Erschließung das geringe Problem. Wenn die Fläche nicht -südlich- unmittelbar über die B 474 ab dem sog. Mengeder-Kreuz an die A 2 angebunden wird, ist für mich im juriistischenn Sinne die äußere Erschließung nicht gesichert. Vor allem dürften ansiedlungswillige Unternehmen an der Fläche kein ausreichendes Interesse zeigen, solanmge nicht diese Direktanbindung an die A 2 gegeben ist. Ob das geschieht und wann das ggfls realisiert sein könnte, weiß niemand.

Hinweisen will ich noch darauf, daß die New-Park-Macher m.E. relativ blauäugig an die Problematik herangehen, die sich immissions-/umweltschutzrechtlich dadurch ergibt,daß das Industriegebiet New-Parl unmittelbar an eine sog. FFH-Fläche (Lippe Auen) angrenzt. Da wird es zu erheblichen Schwierigkeiten kommen, wenn es gilt, dieses Problem zu lösen.

Hinweisen will ich zudem darauf, daß es für mich ebenfalls ehe blauäugig als realistisch erscheint, wenn die New-Park-Macher mit nennenswerten EU-Fördermitteln für die Entwicklung der Fäche rechnen, denn das heißt, daß Brüssel Geld aufbringen müßte für die Erschließung und Entwicklung von zwei in nur 2o-25 km von einander entfernten und miteinander konkurrienden Flächen -sh.Opel-Bochum hier und New-Park dort-. Dass es hier zu erheblichne Konflikten kommen wird und zu großen Schwierigkeiten bei der Problemlösung, ist selbstverständlich.

Also, warten wir 'mal ab, ob sich in 1o-15 Jahren herausstellen wird, daß man a.) alle Probleme zufriedenstellend aus der Sicht der New-Park-Macher lösen konnte, d.h., daß z.B. die unmittelbare Anbindung der Fläche über die B 474 n an die A 2 realisiert ist und daß man b.) angesichts der dann im New-Park angesiedelten Unternehmen feststellen kann, daß sich die Aufwendunng von dann geschätzt insgesamt 7o bis 1oo Mio Steuernmitteln -die Kosten der äußeren Erschließung eingerechnet-rentiert hat, rentiert vor allem mit Blick auf die prophezeiten neuen(!) tarifgebundenen (!) Vollzeit (!)-arbeitsplätze -9.000?????-.

Ich neiige nach wie vo r dazu, Wirtschaftgsminister Duin rechtzugeben, der im Zusammenhang mit der abgelehnten Landesbürgschaft singemäß gesagt hat, daß er den Eindruck gewonnen habe, die New-Park-Macher ließen sich ehe von Phantasien leiten als von Realitäten.

Wie difus die Ne-Park Gesamtkonzeption war und ist, kann jeder erkennen, der sich 'mal die Mühe macht, nachzulesen, was aus alldem wurde, was die New-Parker wollten und versprochen haben, was sie dann immer wieder korriegiern mußten und was von alldem heute noch Bestand hat.

Stefan,
hoffen kann man, hoffen soll man ja immer.
Nur mitf Hoffnungen allein würde kein Unternehmen das Risiko eines soclhen Investments rechtfertigen -vor sich selbst, gegenüber den Gesellschaftern, gegenüber den Aktionären. Du hinterfragst hier regelmäßig die Fähigkeit der öffentlichen Hand, unternehmerisch zu denken, zu planen und zu handeln. Und in Sachen New-Park? Hier vertraust Du bemerkenswert unbeschwert der Solidität unternehmerischen Denken und einer unternehmerischen Entscheidung des Kreise RE, der Stadt GE, der Stadt Bottrop bei einem millionenschweres Investment.
Auch ein "Glück Auf" an die Adresse der New-Parrk Macher mindert nicht die erheblichen und m.E. berechtigen Zweifel an der Solidität dieses Investments bzw. ein solches Glück Auf reicht nicht, die für jedermann sichtbaren erheblichen Risiken eines solchen Investments auf ein verantwortbares Maß zu reduzieren -aus meiner Sicht-.

Mein Bauchgefühl sagt mir, dass das nichts wird. Es gibt zu viele grosse Flächen in der Umgebung, die seit Jahren leer sind. Warum Industrie auf dem Land? Bevor es startet, wird man schon ein paar nistende Vögel oder andere Tiere finden, die den Ausbau blockieren, ….

Das Geld ist sicherlich besser angelegt, wenn es in Ausbildung oder qualitativ hochwertige Gewerbegebiete gesteckt wird.

@keineEigenverantwortung: Die gibt es schon. Zumindest indirekt. Der BUND ist gegen die aktuell geplante Trassenführung der B474n in der Nähe des Dattelner Kanalhafens, weil da eine seltene Mottenart beheimatet ist. Also lehnte man die geplante Trasse der Straße ab. War zumindest vor ca. 2 Jahren mal so, als ich einen Vortrag des BUND dazu gehört habe. Und die B474 n vom Ende der A 45 bis rein ins Münsterland ist ja nicht unwichtig für einen zukünftigen NewPark….

@WALTER Stach: Der Kreis wird immer Pleite bleiben, wenn er wirtschaftlich nicht nach vorne kommt. ich weiß, für Dich als grünen Sozialdemokraten sind Arbeitsplätze in der Privatwirtschaft etwas böses, aber ein Land funktioniert nicht, wenn niemand arbeitet. Nur mit Büroschlaf im Öffentlichen-Dienst, Betroffenheitsberatern und Wutbürgern entsteht kein Wohlstand. Wenn finanziell eng wird, kann man ja ein paar Öko-Projekte kürzen 🙂

Dieser Kauf bestätigt mir die „Augen zu und durch“ Mentalität des Kreises RE und der verantwortlichen Politiker. Es sieht so aus, als hätte niemand aus dem 94 Millionen Desaster –Berufskollegzentrum- das bisher teuerste Bauprojekt in der Geschichte des Kreises Recklinghausen gelernt. Der versprochene Meilenstein für die Bildung wurde zu einem finanziellen Mühlstein für die kreisangehörigen Städte.
Nun ist wieder von einem Meilenstein die Rede, obschon die Prüfungsgesellschaft Price Waterhouse in einem Gutachten, dem geplanten newpark die Seriosität abgesprochen hat. Der Wirtschaftsminister von NRW Garrelt Duin ist dem gefolgt und hat bereits 2012 eine Bürgschaft für den Kauf der Fläche abgelehnt.
Zitat in diversen Medien: Ein Ja jetzt zu geben, wäre nicht verantwortungsvoll gegenüber den Steuerzahler in Nordrhein Westfalen.
Ich bin mal gespannt, ob die nicht an dem newpark Projekt beteiligten kreisangehörigen Städte Waltrop und Castrop Rauxel bereit sind, die prognostizierten finanziellen Risiken mitzutragen.

Stefan,
was soll ich zu einer Äußerung wie der von Dir sagen, nach der für mich "als grünem Sozialdemokraten Arbeitsplätze in der Privatwirtschaft etwas böses sind"?
Soll ich näher ausführen, daß ich in meinen politischen und administrativne Funktionen im Ruhrgebiet -nachweislich- wesentlich mit dazu beigetragen, daß private Investitionen möglich wurden, daß neue private Arbeitspläzte entstehen konnten und vorhanden private Arbeitspläze nicht aufgegeben weden mußten, jedenfalls in weit größerem Maße als das durch Dich geschehen ist, geschehen konnte und voraussichtlichh je geschen wird oder soll ich "shlicht und einfach" zu Deiner mich betreffenden Festsellung sagen: "Nicht mehr zu übetreffender Blödsinn, dessen Ursache ich mir nciht erklären kann und die ich auch nicht zu eruieren gedenke" ?

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