Kreis Recklinghausen: ‚Kanalfestival‘ in Datteln und ‚Parkfest‘ in Waltrop kämpfen um ihre Zukunft

Auf dem Parkfest in Waltrop. Foto: Dieter Wirdeier
Auf dem Parkfest in Waltrop. Foto: Dieter Wirdeier

Neben der seit Generationen schon tief in der örtlichen ‚Bevölkerung‘ verwurzelten grundsätzlichen Rivalität der beiden Nachbarstädte Datteln und Waltrop im Kreis Recklinghausen gehört auch der ‚Kampf‘ der beiden Volksfeste der Gemeinden, das ‚Kanalfestival‘ in Datteln und das ‚Parkfest‘ in Waltrop, zum traditionell gepflegten Konkurrenzkampf der beiden Rivalen, welcher bereits seit Generationen die Region beschäftigt.
Noch vor einigen Jahren tobte stets auch der Wettbewerb der jeweiligen Organisatoren, wer von beiden denn wohl im aktuellen Jahr mehr Besucher anlocken könnte, wer das schönere Wetter erwischen würde, wer das hochkarätigere Programm für seine Gäste auf die Bühne stellen würde.
Beide Städte brüsteten sich in Hochzeiten mit deutlich über 100.000 Besuchern am jeweiligen Wochenende. Sehr zum Leidwesen der Besucher schaukelten sich so auch die Eintrittspreise in den letzten Jahren Stück für Stück hoch. In Datteln durchbrach man zuletzt schon die 10 Euro-Marke für das 3-Tages-Ticket, in Waltrop lag man zuletzt immer noch noch leicht darunter.
In diesem Jahr wird es diesen Wettbewerb der Konkurrenten auf dieser Ebene erstmals so nicht mehr geben. Waltrop scheint den ‚Kampf‘, zumindest kurzfristig, gewonnen zu haben: Das Kanalfestival in Datteln ist nach dem Vorjahr faktisch kollabiert, findet in diesem Jahr nur noch mit halber Kraft (und Sparprogramm) statt. Schlechtes Wetter und Besucherrückgang im Vorjahr haben die Festivalkasse im Vorjahr über Gebühr geplündert. Nun heißt es in der Kanalstadt: Zurück zu den Anfängen! Auch in Waltrop verzichtete man nach Erhalt dieser Nachricht im Jahre 2015 offensichtlich, ob gewollt oder gezwungenermaßen, auf die Buchung der ganz großen ‚Headliner‘.

Wenn ab dem 21. August das insgesamt 3-tägige 46.Kanalfestival traditionell vorlegt, dann heißt der ‘Headliner’ dort in diesem Jahr „Still Collins“, eine Phil Collins und Genesis Cover Band. Vorbei also plötzlich die Zeiten wo sich hier musikalische Promis wie Barclay James Harvest, Achim Reichel, Purple Schulz, die Münchener Freiheit, Luxuslärm, The Lords, die Spider Murphy Gang, Klaus Lage oder auch die Donots (nur um hier mal ein paar bunt gemischte Namen aus den vergangenen Jahren aufzuzählen) die Klinke in die Hand gaben. Es ist in Datteln inzwischen schlicht kein Geld mehr dafür da.

Auch das Rahmenprogramm wurde kräftig zusammengestrichen, die Anzahl der Bühnen reduziert, die eingeplante Fläche auf eine Kanalseite begrenzt. Auf das traditionelle Feuerwerk am Samstag mochte man in Datteln allerdings nicht verzichten. Auch die Eintrittspreise sind in diesem Jahr entsprechend bescheidener. Das Tagesticket kostet plötzlich wieder ‚nur noch‘ 5 Euro, das 3-Tages-Ticket, welches es nur im Vorverkauf gibt, in diesem Jahr 8 Euro.
Auch in Waltrop hatte man in den letzten Jahren mit dem Unbill des Wetters zu kämpfen, waren die Besucherzahlen von früher regelmäßig rund 100.000 Gästen zuletzt gleich mehrfach faktisch nahezu halbiert worden. Doch offenbar hat man die Parkfestfinanzierung dort etwas besser hinbekommen als die Konkurrenz aus der Nachbarstadt, welche ihr Volksfest traditionell eine Woche vor dem Parkfest durchführt.

Das Stadtfest am letzten Augustwochenende findet in der Hebewerkstadt jedenfalls auch in diesem Jahr, zumindest auf den ersten Blick, nahezu in unveränderter Form statt. Wenn man aber mal kritisch auf das Programm schaut, dann fehlen allerdings auch hier in diesem Jahr die ganz großen Namen im Programm. Statt ‚Fury in the Slaughterhouse‘, ‚Juli‘, oder auch ‚Stoppok‘ in den vergangenen Jahren, muss man sich auch in Waltrop in diesem Jahr mit etwas bescheidenerem Musikprogramm begnügen. Obwohl das Programm in Vergleich zu Datteln eben auch in diesem Jahr noch opulent zu sein verspricht. Die ‚ H-Blockx‘, Leuten um die 40 sicherlich noch als eine Band bekannt welche vor rund 20 Jahren recht erfolgreich war, ‚Maxim‘ und die ebenfalls in den 90-er Jahren mal kurzfristig angesagten ‚Rainbirds‘ sind hier zumindest noch aus der Kategorie ‚kennt man‘. Regelmäßigen Lesern der Ruhrbarone dürfte auch ‚Mrs. Greenbird‘ aus unseren Konzerttipps der letzten Monate bekannt sein.

Ob das aber reichen wird um die gewünschte Anzahl von Leuten in den örtlichen Stadtpark zu ziehen, das muss wohl auch erst einmal abgewartet werden. Mit 7,50 Euro pro Tag und 9,50 Euro für die kompletten 3 Tage liegt das Parkfest in diesem Jahr auch erstmals seit langem preislich ‚vor‘ dem Kanalfestival. Dafür bietet es aber eben nun auch deutlich mehr.
Glaubt man dem was man so im Vorfeld der beiden großen Feste hört und liest, dann werden viele enttäusche Kanalfestivalbesucher in diesem Jahr wohl Datteln meiden und lieber die eigentlich ungeliebte Nachbarstadt besuchen. Ob das die Besucherzahl in Waltrop letztendlich aber wirklich ansteigen lassen wird, das bleibt abzuwarten.

Wie die Zukunft der beiden großen Volksfeste im Ostvest auf längere Sicht insgesamt aussehen wird, das erscheint aktuell ebenfalls nur schwer zu prognostizieren zu sein und hängt natürlich auch, wie bereits in den Vorjahren, immer ein Stück weit vom Wetter ab. Viel finanzielle Reserve haben beide Veranstaltungen offensichtlich nicht mehr, denn auch in Waltrop wurde in letzter Zeit häufiger öffentlich über die zukünftige Finanzierbarkeit des Parkfestes gegrübelt.
Insgesamt hat man als langjähriger Besucher beider Feste ohnehin inzwischen den Eindruck als ginge es mit den beiden Veranstaltungen so langsam abwärts. Vor dem Hintergrund der bekannt großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten der gesamten Region dann wohl auch nicht wirklich überraschend…

4 Kommentare

Geht es wirklich immer abwärts, steigen die Ansprüche oder erinnern wir uns hauptsächlich an die positiven Seiten? Vor ein paar Tagen hat mir noch ein Bekannter gesagt, dass die Bundeswehrzeit ja eigentlich nicht schlecht war. Vermutlich wurden die negativen Seiten aus dem Gedächtnis gelöscht.

Ich hatte noch ein paar Bilder vom Kanalfest aus den 70er Jahren gefunden. Das war schon sehr nostalgisch. Ich hatte auch eher die Vorführungen auf dem Wasser in Erinnerung als die Musik etc. Rückblickend waren es wohl hauptsächlich lokale Vereine, die Feuerwehren etc. die Vorführungen gemacht hatten. Damals war das OK für ein entspanntes Wochenende.

Was bieten andere Städte?
Ich finde es nur immer erschreckend, zu welchen Kastastophen-Museen oder -Veranstaltungen man im Urlaub geht, nur weil mehr Zeit hat oder aber diese Attraktionen in den Veranstaltungskatalogen gepusht werden.

Wir haben eingentlich viele Stadtfeste etc. , auf denen es auch immer ein paar kleine Highlights gibt. Mega Attraktionen sind das nicht, aber wir sollten auch die Veranstaltungen in unserer Umgebung durchaus von der positiven Seite sehen. Eintrittgelder etc. hängen auch immer vom Engagement der Vereine etc. ab. Personal und Sicherheit werden immer teurer. Das Parkfest lockt wenigstens ein paar auswärtige Besucher nach Waltrop.

Hier wird ja auch immer wieder über diese vielen unbekannten Ausflugsziele in der Umgebung berichtet.

@keineEigenverantwortung: Klar, so etwas ist immer auch ein Stück weit subjektiv. In meiner Erinnerung waren die frühen Ausgaben der Feste die schönsten. Damals stand noch nicht das Programm im Mittelpunkt, sondern das Treffen mit alten Kumpels usw.. Damals war aber auch der Kommerz noch nicht so weit fortgeschritten, die Wetterabhängigkeit daher geringer. Wir haben uns damals mit den Kumpels immer unser Bier im Rucksack selber mitgebracht. Ersparte einem nicht nur die Kosten, sondern auch das lange Anstehen. Inzwischen ist das Mitbringen von Getränken generell verboten. Aber auch die Schlangen an den Bierständen sind deutlich kürzer geworden, weil kaum noch einer bereit ist für ein Glas 'voller Schaum' die aufgerufenen Preise zu zahlen. Ein weiterer Nachteil beider Veranstaltungen ist aus meiner Sicht, dass es eben auch irgendwie immer dasselbe ist, was einem da angeboten wird. Wer, wie ich, über 20 Mal dabei war, der kennt das eben alles irgendwie schon auswendig. Ist ein komplexes Thema. Könnte ich hier ganze Seiten zu schreiben… 😉 Fakt ist aber, dass beide Veranstaltungen inzwischen in finanziell bedrohlichen Lagen sind.

"Helfen Sie mit einer Spende die Ruhrbarone noch besser zu machen" heißt es am Ende dieser einseitig gefärbten Meinungsveröffentlichung.

Einen Teufel werde ich tun. Lieber zahle ich 30 EUR für 3 Tage Spaß, als dass ich irgendwelche Ruhrbarone unterstütze.

Musik ist immer ein Balance-Akt. Ich bin froh, dass auch Musikgruppen auftreten, die ich nicht mag. Wie groß wäre der Stress, wenn 2, 3, 4 oder 5 meiner Lieblingsbands gleichzeitig auftreten würden. Und trotzdem findet auf dem Waltroper Parkfest jeder etwas für seinen Geschmack.

9,50 EUR für 3 Tage. Für dieses Geld kann ich mir gerade mal einen Film im Kino ansehen, 2 Stunden lang. Ohne Popcorn und Cola.

Es geht aber nicht nur um Musik. Ein komödiantisches, kabarettistisches Angebot, runden das Ganze ab. Ergänzt durch Speisen und Getränke. Nein, ich meine nicht die Currywurst, die kann ich täglich bei Curry-Heini essen. Da ist sie meilenweit besser. Ich meine die exotischen, besonderen Sachen, die es in Waltrop so nicht gibt.

Es geht aber auch nicht nur ums essen und Trinken. Im Gegensatz zum Schreiber des Artikels treffe ich regelmäßig alte Freunde und Bekannte, die man häufig seit einem Jahr nicht mehr gesehen hat.

Das Waltroper Parkfest hat eindeutigen Kultcharakter. Es darf durch solche Artikel nicht totgeredet werden.

"Eintrittgelder etc. hängen auch immer vom Engagement der Vereine etc. ab."

Nee, is klar. Vereine leihen sich billig Amateur-Zapfanlagen oder bringen den heimischen Grill samt Billigwürstchen an den Start, kriegen ihre Hausfrauen an die privaten Waffeleisen oder verlosen den privaten Restehausstand mit aus Klopapier selbstgeschnittenen Glückslosen…

Und der gemeine Schausteller, der neben den obligatorischen Investitionen in den ordnungspolitischen Sicherheits- und Wettbewerbshüter-Wahn ala SPD auch blöderweise noch Angestellte zu bezahlen hat, guckt in die bekannte Röhre.

Dass auf dieser Basis weder große noch kleine Straßenfeste existieren können, sollte eigentlich jedem gesunden oder auch ungesunden Menschenverstand klar sein.

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