Gut erhaltene Möbel an Bedürftige spenden? – Gar nicht so einfach, wie es scheint!

Die Not im Revier scheint grundsätzlich recht groß zu sein. Foto: Robin Patzwaldt
Die Not im Revier scheint grundsätzlich doch recht groß zu sein. Foto: Robin Patzwaldt

Man sollte meinen, dass man in Zeiten wie diesen mit Möbelspenden grundsätzlich ein gerngesehener Wohltäter ist. Viele neue Mitbürger in unseren Reihen, viele ‚arme‘ Zeitgenossen überall. Gerade auch hier im Revier. Da sollte sich doch ein Abnehmer für gut erhaltene Möbel finden lassen. Dass das aber mitunter gar nicht so einfach ist, wie man zunächst vielleicht  denkt, das erlebte in diesen Tagen nun Ruhrbarone-Leser Steffen Claus aus Datteln.

Er versuchte aktuell mehrere Möbel aus seiner Wohnung an wohltätige Hilfsorganisationen im Kreis Recklinghausen zu spenden. Was er dabei erlebte, das hinterließ ihn jedoch enttäuscht und sogar wütend, wie er diesem Blog nun schilderte.

Zwei gut erhaltene Nachttische, ein Sideboard und einen großen Schrank wollte Claus jüngst an Bedürftige spenden. Alles gepflegt, also kein ‚Sperrmüll‘, wie der Dattelner betont. „Sonst würde ich die Möbel ja direkt zum Bauhof bringen.“, schildert er im Gespräch mit uns. „Wenn ich weiterhin Platz dafür gehabt hätte, dann würden die Möbel auch noch immer bei mir stehen.“

Claus bot die überzähligen Möbel nach und nach u.a. der Diakonie Datteln, der Stadt Datteln und der Möbelwerkstatt aus Oer-Erkenschwick an. Doch was er dort jeweils erlebte, das hätte er so wahrlich nicht erwartet. Eine Mischung aus Desinteresse und Unzuverlässigkeit bei den großen Hilfsorganisationen in seiner näheren Umgebung machte es ihm unmöglich seine ‚Spenden‘ dort abzugeben.

Vereinbarte Abholtermine wurden gleich mehrfach nicht eingehalten, teilweise wollte man dort auch nur bestimmte Stücke seiner Spende überhaupt haben, ein Teil der professionellen Spendensammler meldete sich aber auch gar nicht erst bei ihm zurück. Eigentlich kaum zu glauben!

Man fragt sich: Ist die Not vielleicht gar nicht so groß wie man meinen sollte, oder sind die Organisationen vielleicht einfach ‚zu wählerisch‘? Claus weiß sich darauf noch immer keine wirklich zufriedenstellende Antwort.

„Zuerst hatte ich mit der Diakonie einen Abholtermin vereinbart. Der Mitarbeiter erschien aber nicht zur vereinbarten Uhrzeit. Erst nach einem weiteren Anruf ist dann ein anderer Kollege rausgekommen und hat zunächst Fotos von den Möbeln gemacht. Der Mann sagte mir dann, er hätte die Bilder seiner Chefin gezeigt, man hätte aber nur Interesse an einem Schrank. Den Rest wolle man bei der Diakonie nicht.“ Das war Claus aber so nicht recht. Er bot die Spende stattdessen einer weiteren Organisationen an.

„Die Möbelwerkstatt ist, trotz vereinbartem Termin, danach dann erst gar nicht erschienen.“, beklagt sich der verhinderte Möbelspender.

„Wir möchten gut erhaltene Möbel an Menschen übergeben die nichts haben, aber die “Verteilorganisation” befindet diese wirklich noch gut erhaltenen Möbel dann für nicht gut genug, halten Termine nicht ein, sagen diese auch nicht ab. Man mag sich gar nicht vorstellen wie viele gut erhaltene Möbel den Bedürftigen so vorenthalten bleiben.“, beklagt sich der Dattelner rückblickend gegenüber Ruhrbarone.de.

Letztendlich fanden die überzähligen Möbel  dann aber doch noch ein neues Zuhause, glückliche neue Besitzer. „Wir haben die Möbel dann einfach mal an die Straße gestellt. Und, siehe da,  innerhalb von rund 4 Stunden war dann alles weg. Flüchtlinge, die drei Straßen weiter wohnen haben die Stücke sehr gerne zu sich genommen.“

Claus versteht die Vorgehensweisen der Hilfsorganisationen in seiner Umgebung nach wie vor nicht:  „Man soll ja nicht direkt Möbel etc. zu den Heimstätten bringen, sondern diese namhaften Organisationen als ‚Zwischending‘ nutzen. Das funktionierte in unserem Falle so aber nicht.“

Der Dattelner zieht daraus nun für sich persönlich die Konsequenzen: „Wir werden nichts mehr an diese Organisationen abgeben, das ist einfach zu aufwendig, auf die ist auch kein Verlass.  Die wollen sich offenbar, wenn überhaupt, dann auch nur die ‚Rosinen‘ rauspicken.“

Solche Schilderungen stimmen in der Tat nachdenklich.

Geht es ‚uns‘ vielleicht immer noch viel zu gut? Stimmt hier etwas mit der Organisation dieser Hilfsorganisationen nicht?

Natürlich scheint es durchaus nachvollziehbar, wenn die Organisationen nicht jeden ‚Schrott‘ abholen und weiterverwerten wollen bzw. können. Doch wirklich noch gut nutzbare Möbel nicht an bedürftige weiterzuleiten, können wir uns das gesamtgesellschaftlich so noch immer leisten? Bedarf scheint doch vorhanden zu sein.

Zu befürchten steht aber, dass die Erlebnisse von Steffen Claus wohl so auch gar kein Einzelfall sind. Er hat Leuten mit seiner Möbelspende eine große Freude gemacht. Den angesprochenen Hilfsorganisationen in der Umgebung von Datteln war seine Spende aber offenkundig nicht gut bzw. wichtig genug.

Können wir uns das in diesen Zeiten so noch immer so leisten? Ist das wirklich der richtige Weg? Zweifel bleiben, wohl nicht nur bei Steffen Claus…

26 Kommentare

Die Kommunikationspannen sind blöd, ansonsten beschrieb ich eine ähnliche Odyssee schon <a href="http://www.korrupt.biz/5773/fluechtlingen-helfen-in-wuppertal-nicht-ganz-leichtgemacht/">vor einigen Monaten</a>, wobei es da um Rechner und damit nicht mal ansatzweise so sperrige Güter ging. Möbel hatten wir in der Folge auch direkt an die Leute gebracht, da gehts dann halt in der Tat nicht nach Bedarf, sondern nach "wen kennt man/weiss man in der Flüchtlingshilfe, wo…". Das ist nicht ganz befriedigend. Sobalds um richtig sperrige Güter geht, kann ich mir aber gut vorstellen, dass da einfach auch Einrichtungen an ihre Grenzen stossen. Grade in W'tal waren teils die zuständigen Institutionen platztechnisch schlicht vollkommen überfordert. Wenn sie das bis heute sind… ich weiss nicht, ob man gerade diesen dann den Vorwurf machen soll, denn lange genug liess man da ja auch vieles am ausgestreckten Arm verhungern bzw. nach dem "Schön, es engagiert sich wer" halt irgendwie sich durchschlagen.

Tja, weder die Diakonie, noch die Caritas, noch private Flüchtlingshilfsorganisationen, Obdachloseneinrichtungen etc. haben immer Bedarf an allem, das Leute so spenden wollen (sei es auch noch so gut erhalten) noch die Kapazitäten, die Sachen trotzdem irgendwo unterzubringen, bis man es doch brauchen könnte.

Alles erstmal kein Grund, sich öffentlich aufzuregen, sondern eher ein Grund, bei den betreffenden Organisationen freundlich nachzufragen, woran's denn liegt.

Darüber hinaus gibt es in verschiedenen Städten, ich kenne es hier in Dortmund, zum Beispiel Facebook-Gruppen von Flüchtlingshilfs-Initiativen. Dort findet man auch häufig Interessenten für Möbel etc. die man nicht mehr braucht.

@Felix: Die Flüchtlingssituation mag das natürlich aktuell noch verschärft haben, das Verhalten der 'Rosinenpickerei' dieser Organisationen ist aber so nicht neu. Kenne ich auch aus der eigenen Familie. Ein einzelner Fersehsessel war schon 2012 nicht genehm, man nahm auch damals schon nur ganze Garnituren, einen großen Röhrenfernseher wollte man dort grundsätzlich auch nicht mehr haben. Meine Verwandten waren damals auch regelrecht geschockt, dass ihre Spende, offenbar gar nicht erwünscht war. Die Konsequenz auch dort damals: Die Leute bieten es den Organisationen in Zukunft halt nicht mehr an, hauen es teilweise lieber direkt in die 'Tonne'. Und ob das dann letztendlich so im Sinne der Bedürftigen ist?

Ich verstehe diesen moralisierenden Ton nicht. Und das Unverständnis von letztlich ökonomischen Prozessen finde ich irritierend.
Scheinbar gibt es eine Dissonanz bei Menschen, denen der Kram, den sie nicht mehr brauchen, weiterhin "wertvoll" erscheint. Ok. Dann gibt es einen moralischen Anspruch, dass gemeinnützige Akteure diesem Schmerz abhelfen sollen. Aha. Und es gibt eine Vermutung über den Möbelbedarf bei "Bedürftigen". (Dazu zumindest im Text keine Erkenntnisse.)
Bezahlt werden die Organisationen dann mit dem guten Gefühl der Leute, die Opas Röhrenfernseher und Omas Schrank "gespendet" haben? Und wenn die Organisationen die nicht wollen, ist das "Rosinenpickerei"? Was soll das?
Möbeltransporte kosten richtig Geld: Arbeitslohn, Fahrzeugkosten, Lagerkosten. Die meisten dieser Möbel sind nicht marktfähig.
Du kannst diese vermeintliche gesellschaftliche Aufgabe über drei Wege finanzieren: 1) Staatskohle > Steuern/Möbelabgaben o.ä. 2) Kostenübernahme durch den "Spender" 3) Fundraising (Tipp: Niemand gibt Geld, damit jemand alte Möbel durch die Gegend fährt).
Also, was hättest Du gerne?
Ich sag mal so: Die Konsequenz im Text – weil die meinen Kram nicht wollen, gebe ich denen meinen Kram nicht mehr – ist vielleicht nicht die dümmste 😉

Disclaimer: Ich arbeite bei einer Organisation, die u.a. Möbel an ehemals Wohnungslose vermittelt (Nein, die kommt nicht im Text vor, und: Nein, wir bekommen keine Staatskohle). Wir haben Bedarfslisten und holen nur ab, was wir gleich in die betreffende Wohnung liefern können. Das funktioniert großartig. Nicht für Menschen, die Wertschätzung nebst umgehender Entsorgung ihres alten Sofa wollen, aber aus der Perspektive der "Bedürftigen". Und die interessiert uns.

@Bastian: Alles aus Sicht der Organisationen durchaus nachvollziehbar, wie Du es beschreibst. Doch ich verstehe auch die Leute die sich von solchem Verhalten der Organisationen abgeschreckt fühlen, sich sogar kräftig ärgern, wenn ihre Hilfsbereitschaft abgelehnt wird. Und das das so eben längst nicht ideal läuft, da der Bedarf an den abgelehnten Gegenständen ja wohl doch durchaus da ist, dass sieht man ja daran, dass die von Organisationen verschmähten Gegenstände am Straßenrand ja in kürzester Zeit einen erfreuten Abnehmer gefunden haben. Irgendetwas läuft da also wohl so ziemlich schief… Und das ist doch im Sinne aller Beteiligten unzweifelhaft ziemlich schade!

@Robin
Was läuft denn schief? Ich verstehe es nicht. Warum ist in Deutschland nur alles gut, wenn der Staat (oder Organisationen, die man dafür hält) jeden glücklich macht.
Was ist denn das Problem daran, dass sich die Kids von nebenan mein Sofa, das ich vor die Tür stelle, in den Proberaum wuchten?
Ein Problem gäbe es, wenn es nicht funktionieren würde, dass Möbel bei Bedürftigen ankommen. Sehe ich nicht. Wenn jemand seinen Schrank nicht umgehend für umme los wird, ist das keine Geschichte, sorry.

So ehrenhaft der Gedanke des Spendens auch ist, aber diese Vorgehensweise und Ablehnung der Caritativen Einrichtungen ist nichts neues. Ich betreibe selber ein Möbelgeschäft und werde oft genug gebeten, vorhandene Möbel zu entsorgen. Versuche diese noch Jugendhäusern oder anderen Gemeinnützigen Organisationen anzubieten schlagen schon seit Jahren fehl. Es gibt einfach zu viel gebrauchte Möbel.

@Bastian: Das 'Problem' ist auf Sicht, dass sich die Leute nach solchen Erlebnissen von diesen Organisationen dauerhaft abwenden werden. Und das kann ja so nicht im Sinne der Sache sein.

Sorry Leute, wenn ich etwas los werden will, weil ich es nicht mehr brauche, und das ohne dafür zu bezahlen, bzw. es selbst weg zu transportieren, dann ist das für mich erst mal keine Spende, sondern eine kostenlose Entsorgung. Egal wer das jetzt bekommt oder nicht bekommt.

@#7 Shasta McNasty: Ich hab gestern noch einen auf antik getrimmten, sonst gut erhaltenen Küchenhängeschrank, der sogar teilweise defekt war (Scharniere der Glastüren waren verbogen) beim Dortmunder Christlichen Jugenddorf in deren Werkstatt/Trödelmarkt abgegeben und wurde herzlich bedankt.

@Robin: Es scheint wie immer eine Sache des Goodwill und des Tonfalls der gemeinsamen Kommunikation zu sein, ob solche "Spenden" (wie Arnold Voss richtig schrieb, ist es eigentlich nur eine billige, da nicht-kommunale Entsorgung) angenommen werden. Ich z.B. würde mich niemals öffentlich beschweren, wenn Irgendjemand nicht gewillt sein sollte, aus welchen Gründen auch immer meinen Krempel abzunehmen – egal in welchem Zustand. Falls Jemand dazu mit mir Termine zur Abholung vereinbart und dann ohne kurze Rückmeldung einfach nicht auftaucht, ist das schlechtes Benehmen, aber kein "Organisationsverschulden" mit Grundsatzcharakter.

ich verstehe auch nicht, wie man erwarten kann, dass für alle Gebrauchtspenden dieser Welt eine unbeschränkte, kotau-artige Dankbarkeit demonstriert wird, während der so Beschenkte schon überlegt, wie er die Sachen möglichst ohne neuen Aufwand an den Nächsten los wird. Ist wie bei Fonduesets und Digitalwaagen als Weihnachtsgeschenk;-)

Da wollte also jemand ein paar alte Möbel loswerden. Natürlich nicht einfach so. Schließlich fand er sie für die Armen noch gut genug. Also hätten diese sie gefälligst in Demut bei ihm abholen müssen. Haben sie wohl aber nicht. Deswegen sind sie nun undankbare Rosinenpicker, denen man in Zukunft nicht mehr die eigene Gönnerhaftigkeit angedeihen lassen will.
Für mich geht es hier nicht um das Versagen von "Organisationen", sondern um blanken Egoismus.

@Jörg Fuhrmann: ??? Die ORGANISATIONEN wollten seine Möbel nicht, die ARMEN aus der Nachbarschaft haben sie aber gerne direkt genommen. Bedarf schien es also durchaus gegeben zu haben.

@Robin: Und ich hoffe, dass der berichtende Leser demnächst sofort und *direkt* den Weg in die anscheinend bislang eher unbekannte Nachbarschaft nimmt. Dann hätten – bis auf die mitterweile gezwungenermaßen eher marktwirtschaftlich arbeitenden Organisationen – ja alle was davon;-)

Wir stellen seit einiger Zeit alles, was noch gebrauchsfähig und ansehnlich ist, aber aus welchen Gründen auch immer nicht mehr benötigt wird, auf die Stufen des Windfanges bzw. auf den Bürgersteig. Darüber einen Zettel " Bitte mitnehmen". I.d.R. ist binnen zweier Tage alles verschwunden, jüngst hatte jemand unter den Zettel "danke" geschrieben. Ist doch gut so…
Die oben beschriebenen Erfahrungen habe ich auch schon gemacht. Allerdings weiß ich auch, daß in einer schrumpfenden Bevölkerung der Markt für gebrauchte Dinge nun einmal ebenso dem Gesetz von Angebot und Nachfrage gehorcht, wie jeder andere auch. Die Preise für gute erhaltene Haushaltsartikel, Kleidung, Spielzeug etc. auf dem Flohmarkt z.B. sind doch in den vergangenen Jahren in den Keller gerauscht. Die Hilfsorganisationen könne sich also aussuchen, was sie nehmen wollen. Das kann man gut oder schlecht finden, aber so ist nun mal der Markt.
@ Autor: Wenn ich jemandem etwas spenden will, gehe ich zur Bank & tätige eine Überweisung oder lege einen Dauerauftrag an, oder ich lege auf der Straße jemandem etwas in den Hut. Wenn ich hingegen etwas loswerden will, dann s.o.

Dass sich Hilfsorganisationen mittlerweile aussuchen können, was sie nehmen, ist sicherlich unserer Konsumgesellschaft geschuldet. Gleichzeitig wurde aber in letzter angesichts der aktuellen Flüchtlingssituation immer wieder zu Sachspenden aufgerufen, da die Flüchtlinge zum Beziehen einer Wohnung in der Regel eine komplette Erstausstattung benötigen. Diese Aufrufe deute ich jetzt mal ganz kühn als Bedarf.
Wahrscheinlich hat sich Claus aus diesem Grund an die Hilfsorganisationen gewandt. Falls nicht, so möge der Autor des Artikels mich korrigieren. Dass die Organisationen nicht alle Sachen nehmen wollten, o.k. das ist völlig legitim; aber dass man durch Unzuverlässigkeit glänzte, ist nicht entschuldbar, sondern zeugt einfach nur von umprofessionellem und unhöflichem Verhalten.

Aufgrund von Letzterem sollen sich Hilfsorganisationen daher nicht wundern, wenn viele Leute ihre Sachen lieber einfach an die Straße stellen, weil unkomplizierter. Einmal im Jahr kann man z.B. hier in Bochum Sperrmüll kostenlos abholen lassen. Das "Loswerden" von Sachen ist also kein Problem.

@Robin: Dann verstehe ich trotzdem nicht, warum man hier so ein Fass aufmacht, statt sich von vornherein dort zu aktivieren, wo die Not sich nun mal am direktesten materialisiert – in der großen Unbekannten namens Nachbarschaft (siehe auch Nebenanartikel zu nebenan.de;-))

@Klaus: Großes Fass? Steffen Claus ist enttäuscht über seine jüngsten Erlebnisse mit den großen Hilfsorganisationen in seiner Umgebung. Ich verstehe das gut, habe auch im eigenen Freundes- und Familienkreis vor einiger Zeit schon ähnliches erlebt. Kann man doch mal ansprechen und drüber diskutieren. Vielleicht regt es hier ja wen zum Nachdenken an. Dann hat es sich doch schon gelohnt. Scheint ja offensichtlich auch geklappt zu haben…. 😉

Robin, hättest Du mich mal vor 15 Jahren nach Erlebnissen mit Awo, Caritas, Diakonie und Co. – insbes. deren Dependancen im Ruhrgebiet – gefragt, dann hätte hier die Schwarte gekracht vor lauter Korruption, Vetternwirtschaft, Verstößen gegen Arbeits- und Menschenrechte etc. pp. Jetzt bin ich für sowas schon zu alt 😉 bzw. fehlen mir die interessanten Ansprechpartner.

@Klaus: Vor 15 Jahren? Da hätte ich sowas wiederum wohl noch nicht kritisch hinterfragt. Da war die Welt für mich noch in Ordnung… 😉

Pardon, ich halte die Beschwerde des möbelverschenkenden Bürgers für ungerechtfertigt. Und zwar vollumfänglich. Es ist nun einmal keinerlei Problem, tolle Möbel z.B. über den Umweg von Kleinanzeigen zu verschenken. In fast allen Fällen kann man sich sicher sein, dass hier Bedürftige diejenigen sind, die sich für gebrauchte Möbel interessieren.

Aber das war offenkundig nicht sein Anliegen, auch wenn er – wenig ehrlich scheint mir – den entscheidenden Fakt nicht erwähnt: Er hätte es gerne bequem und gerne alle Möbel auf einen Schlag weg. Darum ging es ihm. So nachvollziehbar sein Anliegen auch sein mag, es erschließt mir nicht, warum er partout nicht kapieren möchte, dass ein Möbelprojekt NUR GENAU DIE MÖBEL gebrauchen kann, die es halt gebrauchen kann.

Der Maßstab ist ja nicht, ob der betreffende (und – pardon – etwas vernagelt wirkende) Bürger die betreffenden Möbel schön und nützlich findet, sondern ob sie für die betreffenden Hilfsorganisationen das sind. Da braucht dieser Bürger auch nicht so empört tun, faktisch ist nur ein geringer Teil der Möbel für solche Organisationen interessant.

Doch tatsächlich. Denn gebrauchte Möbel gibt es im Überschuss – daran gibt es wahrlich kein Mangel. Diese durch die Gegend zu transportieren macht viel Arbeit – und ist faktisch teuer.

Würde er sich, der "großherzige" Bürger einfach einmal für solche Möbelprojekte engagieren (statt sich vorzustellen, dass sein Gelumpe bequem und kostenlos entsorgt wird – und das dies von seiner Seite eine hervorragende Großtat sei), pardon, dann wüsste er Bescheid. Er würde vielleicht sogar heraus finden, dass das Entsorgen auch von "guten" Möbeln, z.B. im Sterbefall, in der Regel ein relativ teures Vergnügen ist, und die Interessenten für derartigen Abfall in der Regel ausgesprochen überschaubar sind.

Man verzeihe mir die harten Worte. Gemessen an der geradezu pegidahaften Aufgeblasenheit dieses Bürgers, der aus seinem Müllentsorgungsproblem einen Skandal machen wollte, erschien mir das notwendig. Oh, und ich denke, mal abgesehen von meinem unfreundlichen Tonfall, ich habe mit meinem Standpunkt in der Sache sogar recht.

Es gibt deutlich mehr Möbel die entsorgt werden, als die Flüchtlinge in ihren Zeltlagern aufstellen können. Wenn Flüchtlinge dann eine eigene Wohnung haben, und die nicht zu weit vom "Schatz" entfernt liegt, holen sie sich schon das ab, was sie gebrauchen können.
Aber es liegen viele Möbel auf der Straße. Die Konkurenz unter den Anbietern ist gerade bei Möbeln riesig. Elektromüll, sogar Metallschrott geht schneller weg. Ich bin mit viel Geduld alles los geworden, obwohl Nachbarn meinten, das das nie etwas werden wird. Aber Möbel? Wer soll die denn schleppen?
Die läßt man gegen Bezahlung entrümpeln, oder bringt sie selbst zum Betriebshof, denn Bedürftige, die über große Wohnungen verfügen, sind selten.

Genau Arnold, wie im Western. Stühle haut man sich gegenseitig auf den Kopf. Dann sind die sowieso schon mal klein genug. Und für die größeren möbel gibt es in Filmen auch Anwendungen. Die passen dann in den Kofferraum. Das Problem bei Altmöbeln ist ein Paradoxon, denn sogar derjenige, der sie loswerden möchte, glaubt daran, daß sie noch gut genug wären. Komisch nicht wahr?

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