Kreis Recklinghausen: Behördliche Vorschriften bremsen den ‚Kulturbunker‘ aus

Der leerstehende Hochbunker in Waltrop im Januar 2014. Foto: Robin Patzwaldt
Der leerstehende Hochbunker Anfang des Jahres 2014. Foto: Robin Patzwaldt

Dass das Angebot für junge und kreative Leute im nördlichen Ruhrgebiet in Sachen Freizeitgestaltung doch arg beschränkt bzw. begrenzt ist, das muss man hier sicherlich nicht mehr groß erläutern. Viele junge Leute, gerade z.B. auch in Kreis Recklinghausen, beklagen sich schon lange darüber. Die sich vergrößernde finanzielle Not der Städte in der Region lässt inzwischen kaum noch Chancen auf eine wirkliche Verbesserung der Lage erkennen. Gerade deshalb freut man sich dann doch immer sehr, wenn junge Leute entschlossen die Eigeninitiative ergreifen und mit viel Engagement und Leidenschaft selber etwas in dieser Richtung auf die Beine stellen, die Situation etwas verbessern wollen.
So etwas sollte dann natürlich eigentlich auch die Städte der Region freuen, die aus Eigenleistungen nicht mehr allzu viel aufgrund klammer Stadtkassen selber in diese Richtung nicht mehr allzu viel beisteuern können, sie zu größtmöglicher Unterstützung und Entgegenkommen anregen. Eigentlich! Denn immer wieder wird man dann doch negativ überrascht, wenn man in konkreten Einzelfällen dann fast den gegenteiligen Eindruck gewinnen muss, ‚Ehrenamtlern‘ offenkundig regelrecht noch massiv Steine in den Weg gelegt werden, ihre Eigenleistungen teilweise im Dschungel von behördlichen Anordnungen und Vorschriften ‘steckenzubleiben’ drohen.
Zu einem solch eher unrühmlichen Fall droht aktuell wohl auch der sogenannte ‚Kulturbunker‘ in Waltrop (Kreis Recklinghausen) zu werden.

 

Wie auch wir hier im Blog bereits mehrfach berichtet haben, hatten sich dort Anfang 2014 Musiker der Region dazu entschlossen, aus einem leerstehenden Hochbunker der Stadt eine Ansammlung von insgesamt neun verschiedenen Proberäumen für lokale Bands zu machen. Wenig Geld, viel Engagement und Leidenschaft. Das war ihre Ausgangslage. Mit Unterstützung des Gebäudeeigentümers sollte das Projekt dann tatsächlich Realität werden. Doch rasch entpuppte sich die Lage als komplizierter als erhofft. Schallschutz, Brandschutz, kritische Nachbarn. Rasch türmten sich die Herausforderungen für die Freunde des Projekts.

 
Gerade auch zuletzt sammelten sich jedenfalls massiv die Negativerlebnisse bei Jan Moerchen und seinem Mitstreiter-Team vom ‚Kulturbunker e.V‘. Die gerade neu errichtete Lärm- und Sichtschutzmauer auf dem Parkplatz genügt offensichtlich so noch nicht den optischen Vorstellungen einiger Nachbarn. Die sehr ökonomisch aus schlichten Gitterstahlmatten und Bauschutt bestehende Schalung gefällt einem nebenan gerade ebenfalls neu entstehenden Mehrgenerationenwohnprojekt nicht so recht. Zukunft der Mauer derzeit daher noch ungewiss.
Auch die Stadtverwaltung stellt aktuell offenbar noch immer reichlich Forderungen in Richtung der Macher, wie u.a. zuletzt auf einer der Kulturausschusssitzungen im Rasthaus öffentlich bestätigt wurde. Unterlagen fehlen noch.

 

Moerchen beklagte jedoch, dass er gar nicht genau wisse was das sein soll, seine Nachfragen nicht oder nur sehr zögerlich beantwortet würden, die Stadt sich auch schon seit Monaten zuletzt gar nicht mehr habe auf der Baustelle sehen lassen, so dass sie den aktuellen Stand der Arbeiten ewigentlich gar nicht kennen könne. Die Rede ist aktuell von einem fehlenden Lüftungsgutachten, der Nutzflächenberechnung und von zu erfüllenden Auflagen des Brandschutzgutachtens.

 
Kulturbunker Waltrop 20.06.15 BenefizAuf Nachfragen der Ruhrbarone zum Stand der Dinge aus ihrer Sicht wollte sich die Waltroper Stadtverwaltung zur Sache jedoch nicht äußern. Udo Köster von der örtlichen Bauaufsicht verwies uns kurz und knapp auf das laufende Verfahren, welche eine Antwort diesbezüglich aktuell gar nicht zulassen würden.
Jan Moerchen vom Organisationsteam gibt sich derweil grundsätzlich aber noch immer optimistisch das Projekt am Ende doch noch zu einem Erfolg werden zu lassen, hofft auf eine Inbetriebnahme der Räumlichkeiten für die engagierten Künstler und Musiker aus dem nördlichen Ruhrgebiet noch im Laufe des Jahres.

 
Wer die Organisatoren bei ihrem Bestreben unterstützen will, der hat am morgigen Samstag (den 20. Juni 2015) im Übrigen auch die Möglichkeit. Denn dann gibt es ein Benefizkonzert, wodurch auch mal wieder etwas frisches Geld in die zuletzt arg strapazierten Kassen des Projektes fließen soll.

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