Kommentar: Die Bayern-Bosse schaden sich selbst

Hat zurzeit wohl den unsichersten Arbeitsplatz in Bayern: Niko Kovac. Foto: YouTube Screenshot

Die Bayern-Bosse scheinen nicht zu verstehen, dass sie mit ihrem Handeln vor allem sich selber schaden. Sei es die peinliche und unwürdige Medienschelte auf der eigens einberufenen Pressekonferenz oder die kürzlich enthüllte Mitarbeit an den Plänen zur Einführung einer von der UEFA unabhängigen europäischen Superliga.

Beides sind klassische Eigentore, denn während die Leistung auf dem Rasen immer noch nicht den Ansprüchen des FC Bayern gerecht wird – im Pokal konnte Rödinghausen nur knapp geschlagen werden, gegen Freiburg mussten sich die Münchner mit einem 1:1 zufrieden geben – wird in der Presse nun nicht nur das sportliche Scheitern, sondern auch das Auftreten der Vereinsführung thematisiert.

Durch die Spiegel-Enthüllungen über die Super League-Pläne ist ein weiterer Nebenschauplatz eröffnet worden – verantwortlich dafür sind nicht die, die auf die Geheimpläne hinweisen, sondern die Vereinsbosse, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit darüber verhandelt haben. Dass dann auch noch die Freundin von Thomas Müller auf Instagram Kritik am Trainer Niko Kovac übt, passt zum Gesamtbild, das der Verein momentan abgibt.

Doch nicht nur die Tatsache, dass Rummenigge & Co. Jahrelang dementiert haben, an der Einführung einer Elite-Liga der europäischen Top-Klubs zu arbeiten, macht dieses Thema so brisant. Würde es tatsächlich dazu kommen, dass diese Klubs die UEFA-Wettbewerbe verlassen, würde das finanzielle Ungleichgewicht im Fußball noch weiter verstärkt werden.

Außerdem hat man an der Säbener Straße offenbar nicht begriffen, dass die Champions League auch davon lebt, dass sie zumindest theoretisch offen für kleinere Mannschaften ist. Zwar sind es in den letzten Jahren meist dieselben Vereine gewesen, die ins Halbfinale einziehen konnten. Doch ein Finale wie 2004, als AS Monaco gegen den FC Porto antrat, sollte auch zukünftig möglich sein. Die Duelle der Spitzenklubs sind auch deshalb so interessant, weil es sie eben nicht tagtäglich zu sehen gibt.

Dass die Champions League, die in der Tradition des Europapokals der Landesmeister steht, sich bereits in den Herzen der Fans etabliert hat, ist ein weiterer, nicht zu unterschätzender Faktor. Neue Wettbewerbe kommen oft nicht gut an bei den Zuschauern, das zeigt nicht zuletzt das mangelnde Interesse an der Nations League.

Sogar die eigenen Fans kritisierten die Vereinsführung zuletzt und nahmen mit Spruchbändern sowohl zur Super League als auch zu der Pressekonferenz von Hoeneß, Rummenigge und Salihamidzic Stellung. Hinzu kommt, dass viele Experten die Zurückhaltung in der letzten Transferperiode als Ursache für den sportlichen Misserfolg sehen.

Am Wochenende kommt es zum direkten Duell mit Tabellenführer Borussia Dortmund. Der BVB hat bereits vier Punkte Vorsprung auf die Bayern. Sollte das Spiel verloren werden, darf man gespannt sein, wie lange Niko Kovac noch Trainer des FCB ist – falls er bis dahin nicht bereits entlassen worden sein wird. Auf Nachfrage wollte sich Sportdirektor Hasan Salihamidzic nicht zu Kovac bekennen.

5 Kommentare

Hallo,
ich schreibe diesen Text nach dem sehr bemerkenswerten Spiel BVB – FCB, welches die Dortmunder am Ende für sich entschieden haben.

Ich bin gespannt, wie lange der aktuelle FCB-Übungsleiter dort noch an der Taktik feilen darf – vielleicht bietet sich ja bald ein Ringtausch mit dem ähnlich erfolgreichen Übungsleiter aus Gelsendorf an, wer weiß?

Irgendwie ist dies doch eine schöne Vorstellung für mich, dass wenn diese Plastikliga an den Start gehen sollte und der FCB sich bis dahin nicht runderneuert hat, der FCB zwar als Gründungsmitglied nicht absteigen kann, dafür dort aber in der derzeitigen Form den HSV der Plastikliga mimen würde. Diesen Gedanken finde ich eigentlich sehr reizvoll …

Da lese ich doch heute morgen in der Zeitung, dass Bayernspieler krank waren. Faire Sportsleute, beim BVB gibt es solche offenbar nicht, hätten da doch einen Gang zurück geschaltet, Rücksicht auf den desolaten Gesundheitszustand der Bayern genommen, die zudem einen Tag weniger Regenerationszeit als die Dortmunder hatten. Kopfschüttel!!

Thomas, außer Schach treibe ich keinen Sport. Aber da geht es auch um Sieg, Niederlage und Punkte.
Und wenn ich mal gewinne, sagt mir oft genug mein Gegner, daß er sich von Anfang an, eigentlich schon den ganzen Tag, nicht besonders wohl gefühlt hätte. Daß höre ich wirklich oft.
Ich glaube mittlerweile, daß ich noch nie gegen einen gesunden Gegner gewonnen habe.
Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Vielleicht kommt dieser Tag ja noch.

Helmut, Du darfst einfach nicht mehr gewinnen. Dann sind Deine Gegenspieler auch nicht krank bzw. werden es nicht. Damit wirst Du zur Kostenersparnis im Gesundheitswesen beitragen und bist damit auf der Gewinnerseite. Ist das nicht schön?
Natürlich ist die hochherzige Art der SGE, die um den labil-fragilen Gesundheitszustand der Bayern schon im Hochsommer wussten und diese im Spiel um den WischiWaschCcup daher 5:0 gewinnen ließen, nicht jedermanns Sache, Deine aber sicherlich. Davon gehe ich sehr zuversichtlich aus.

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