Körperwelten der Tiere

Braunbär
Braunbär

Die Ausstelung “Körperwelten” bei der präparierte Menschen ausgestellt werden, war vor gut einem Jahr in der Stadt zu Gast. Die Körperwelten führten vor ihrer Eröffnung zu einer breiten Debatte in der Stadt, ob die Darstellung der Menschen grausam sei, und wo die ausgestellten Menschen her stammen. Jetzt ist eine neue Ausstellung aus dem Hause von Hagens in Bochum zu Gast: Die “Körperwelten der Tiere”. Die Ruhrbarone waren bei der Eröffnung.

Auch die neue Ausstellung des Ehepaares Gunther von Hagens und Angelina Whalley musste sich schon vor dem Bochumer Start mit Kritikern auseinandersetzen. Tierschützer forderten Nachweise über die Herkunft der Tiere. Der Veranstalter konterte und erklärte, für alle Tiere bei denen es erforderlich sei, die Papiere gemäß des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) zu verfügen.

Elefant
Elefant

Während die “Körperwelten” Ausstellung mittlerweile fast 20 Jahre auf dem Buckel hat, handelt es sich bei der Tierausstellung um ein relativ frisches Projekt. Erstmal gezeigt wurde sie im Jahr 2010 im Zoo des saarländischen Städtchens Neunkirchen. Der dortige Zoo, gehört außerdem fest in den Gründungsmythos der “Körperwelten der Tiere”. Dr. Norbert Fritsch, die Direktor des Neunkirchner Zoos, war gestern auch bei der Ausstellungseröffnung, um die märchenhafte Geschichte zu erzählen. Und die geht so: Samba, eine Elefanten Dame, starb im Februar 2005 an einer Herz-Kreislauf-Schwäche. Zoodirektor Fritsch veranlasste daraufhin den Transport der Elefanten Leiche in eine Tierentsorgungsanstalt, doch dort konnte Samba natürlich nicht in einem Stück “entsorgt” werden. Fritsch und ein Mitarbeiter hatten, nach eigenen Angaben, schon die Motorsägen in der Hand um den Elefanten zu zerkleinern. Doch dann ein Anruf! Eine Frau aus Neunkirchen, die den Elefanten erhalten wollte und schon Kontakt zu Gunther von Hagens aufgenommen hatte. Der Chefplastinierer und der Zoochef telefonierten miteinander und schon war Elefanten Dame Samba der erste Elefant der plasdiniert wurde. Und durch diese Plastination kam Gunther von Hagens auf die Idee eine eigne Tierausstellung zu konzipieren. Eine wahrlich märchenhafte Geschichte! Aber jedes gute Produkt, und ein Produkt sind die “Körperwelten” Austellungen, braucht eine tolle Geschichte.

Gefäßkörper Hai
Gefäßkörper Hai

Doch, was zeigen die Körperwelten der Tiere? Die Exponate reichen von der Taube, bis zum erwähnten Elefanten. Aufgebaut ist die Ausstellung nach den verschiedenen Systemen im Körper. So wird in roten Gefäßgestalten der Blutkreislauf dargestellt, die Muskulaturen verschiedener Tierarten gezeigt, oder die Nervensysteme nebeneinander ausgestellt.  Spannend dabei ist, dass die Ausstellungsstücke jeweils mit ihren menschlichen Gegenstücken verglichen werden.

Die dramaturgischen Höhepunkte der “Körperwelten der Tiere” stellen aber zweifellos die Ganzkörper-Plastinate der großen Säugetiere dar. Und es ist zweifellos beeindruckend eine Giraffe, die zwei Stockwerke des ehemaligen Autohauses an der Hermannshöhe einnimmt, zu sehen. Und auch der Braunbär, der Gorilla, oder der schon erwähnte Elefant sind beeindruckend anzusehen. Bei der Bochumer Ausstellung feiert außerdem eine Kooperation mit dem National Geographics TV-Kanal “Nat Geo Wild” Premiere. Im Hintergrund der ausgestellten Arten werden Clips aus der freien Wildbahn gezeigt.

Yak (a.k.a. Flugrind)
Yak (a.k.a. Flugrind)

Was man der Ausstellung allerdings auch anmerkt, und was den wissenschaftlichen Charakter ein wenig schmälert ist die ästhertisierte Darstellung der Tiere. Viele Exponate haben zum Beispiel noch Fellbüschel an Händen und Pfoten, oder werden in ungewöhnlichen Haltungen präsentiert. Am seltsamsten mutet die Darstellung eines Yaks an, dessen Leibeswand flügelartig geöffnet und mit Fell versehen wurde, und dem die Kopfmuskulatur abgenommen, und über dem Rücken hergerichtet wurde. Es entsteht der Eindruck eines zweiköpfigen Flugrindes.

Giraffenpenis und Hoden
Giraffenpenis und Hoden

Auch wenn man manches an der Ausstellung kritisieren kannn, und ein Biologie Buch oder eine Dokumentation  ähnlich eindrücklich sein kann. Ist es faszinierend die Exponate mit den eigenen Augen zu sehen. Die Plastination scheint mittlerweile ein anerkanntes wissenschaftliches Verfahren zu sein, nach Angaben von Angelin Whalley verwenden mittlerweile 400 Institutionen weltweit Plastinate. Die Kuratorin empfiehlt wissenschaftlichen Einrichtungen außerdem selbst mit der Plastination zu beginnen.

Wer die Ausstellung besucht hat, und das gesehene noch einmal betrachten möchte, dem sei der Katalog ans Herz gelegt. Die 140 Seiten dicke Broschüre führt durch die Themen der Ausstellung und gibt Einblicke in die Technik der Plastination.

Weitere Fotos der Ausstellung von Sabine Michalak sind auf Flickr zu finden. 

 

 

 

 

 

2 Kommentare

Kann man außer Menschen und Tieren noch irgendetwas plastinieren? Nein? Gut. Dann hat diese grässliche Freak-Show hoffentlich hiermit ein Ende.

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