‚König Fußball‘ erlebt in Deutschland aktuell einen Boom – Viele Konkurrenzsportarten sind dagegen eher in der Krise

Nico Rosberg siegt, das Interesse daran ist überschaubar. Quelle: Wikipedia, Foto: Morio, Lizenz: CC BY-SA 3.0
Nico Rosberg siegt, das Interesse daran ist überschaubar. Quelle: Wikipedia, Foto: Morio, Lizenz:CC BY-SA 3.0

Der Profi-Fußball erfreut sich in diesem Lande aktuell unbestritten einem regelrechten Boom. Die Bundesliga wächst und gedeiht, und die Nationalmannschaft krönt die gute Laune im Lager der Fußballfans mit dem ersten Weltmeistertitel nach 24 Jahren.

Doch längst nicht alle vermeintlich führenden Sportarten in Deutschland erfreuen sich aktuell (noch) so großer Beliebtheit, machen teilweise regelrechte Krisenzeiten durch. Zu nennen wäre da z.B. Tennis. Längst vorbei die Blütezeit dieser Sportart, als zu Zeiten eines aktiven Boris Becker, eines Michael Stich, einer Steffi Graf oder einer Anke Huber große Tennisturniere zu Straßenfegern mutierten, als Begegnungen im Davis-Cup die Nation vor den TV-Bildschirmen versammelte. Wer verfolgt aktuell schon noch intensiv die großen Tennisturniere? Kaum jemand.

Aktuell auch in der Krise: Der Radsport. Vor gut 10 Jahren noch ein gerne und viel beachtetes Highlight in der Medienberichterstattung, fristet z.B. der Kampf um die verschiedenfarbigen Trikots im Nachbarland, bei der ‚Tour de France‘, in den letzten Jahren ein regelrechtes Schattendasein.

Dass aktuell die Frankreichrundfahrt wieder in vollem Gange ist, das bemerken derzeit höchstens noch ein paar ganz Unverdrossene. In der Tagesberichterstattung spielt Radsport in Deutschland aktuell faktisch keine große Rolle mehr.

Dies erscheint in beiden Fällen so auch völlig nachvollziehbar. Während es dem deutschen Tennis aktuell schlicht an charismatischen Aushängeschildern früherer Zeiten fehlt, hat sich der Radsport hierzulande quasi  selber von der medialen Bildfläche gefegt. Unzählige Dopingverdächtigungen und Geständnisse haben im Laufe der letzten Jahre viel Kredit auf lange Sicht zerstört, haben sich die Sportfans erst einmal anderen Sportarten und Sportlern zugewandt.

All diese negativen Faktoren treffen auf die ‚Formel 1‘ aber eigentlich nicht zu. Hier gibt es nach wie vor echte Stars aus dem deutschsprachigen Raum. Doch kommen Nico Rosberg, Sebastian Vettel & Co. längst nicht an Popularität vergangener Stars wie Michael und Ralf Schumacher und eines Heinz-Harald Frentzen heran. Zumindest ziehen sie die Sportart hierzulande längst nicht so weit nach oben, wie es die Stars früherer Jahre geschafft haben. Zahlreiche leere Sitze zeugten davon, als am Wochenende das Rennen in Hockenheim auf dem Terminkalender stand, deutsche Piloten die Spitzengruppe füllten, und trotzdem deutlich weniger Zuschauer beim Rennen waren als in vergangenen Jahren. Auch die TV-Einschaltquote bei RTL sind eher mau. Da halfen auch die permanenten Werbesports bei Sky und RTL dem Zuschauerinteresse im Endeffekt also nicht wirklich. Der Formel 1-Boom vergangener Jahre ist ganz offenbar vorbei.

Welche Gründe hierfür verantwortlich sind, darüber lässt sich trefflich spekulieren. Der leisere Motor, die vielen neuen Regeln, wer weiß das schon genau? Vielleicht ist nach nun gut 20 Jahren auch ein gewisser Sättigungsgrad beim Publikum eingetreten.

Während der Fußball also auf vielen Ebenen wächst, geht es vielen anderen Sportarten, seinen Konkurrenten sozusagen, aus unterschiedlichen Gründen, deutschlandweit betrachtet längst nicht mehr so gut wie in vergangenen Jahren.

Eine Tatsache, welche vielleicht am Ende auch wieder dem Fußball zu Gute kommen könnte, wenn dieser aktuell durch den WM-Titel wieder angesagter denn je ist, die Bundesligavereine mit fast durchgängig modernen und gutgefüllten Arenen aufwarten können.

Freiwillig wird der Fußball seine weiter ausgebaute nationale Dominanz unter den Sportarten sicherlich nicht wieder abgeben. Andere Sportarten werden arg zu kämpfen haben, wenn sie zukünftig irgendwann mal wieder an die Popularität von ‚König Fußball‘ auch nur annähernd heranreichen wollen.

9 Kommentare

Ich finde es nicht so wichtig, ob eine Sportart in einer “medialen” Krise steckt. Beim Radsport kann ich keine Krise ausmachen, denn immer mehr Menschen treiben Sport mit dem Fahrrad…auf sehr unterschiedliche Weise, da faltet sich die Szene auf…aber die Menschen betreiben diesen Sport dann tatsächlich….bei den Mannschaftssportarten oder Leichtathletik ist die Abhängigkeit von der medialen Berichterstattung und der Nachwuchsgewinnung viel grösser und auch fataler… da bleibt der Nachwuchs dann tatsächlich aus…und es gibt anders als beim Radsport oder Reiten auch keine eigne grosse Szene die das geringe mediale Interesse auffängt….mir ist viel wichtiger das Menschen einen Sport treiben und sich bewegen als mit Chips und Bier per Skyabo oder im Stadion Fussball nur zu gucken….

@Thorsten Stumm: Aber auch die mediale Präsenz hilft einer Sportart dabei Nachwuchs zu aktivieren. Nicht umsonst freut sich Wolfgang Niersbach vom DFB ja jetzt so sehr auf den Ansturm der Jungen und Mädchen ausgerechnet jetzt, nach dem Gewinn der WM. Beim BDR dürfte man sich nach den Ereignissen der letzten Jahre mit der Gewinnung von Nachwuchsfahrern dagegen vermutlich deutlich schwerer tun.

Naja, du hast ja nun auch gerade ‘Sportarten’ gewählt die keine sind. Dass nach dem Doping Super-GAU professionelle Radrennen weniger Beachtung finden, finde ich erstmal eine gesunde Tendenz. Und die völlig kapitalistisch durchgesteuerte Formel 1, wo gefuehlt die Sieger durch Tankstop-Fehler oder zu tiefe Spoiler ermittelt werden lockt auch keinen mehr hintern Ofen vor-auch darueber muss man nicht traurig sein. Und in aller Fairness: Gegen die Fussball-WM kommt kein Sportereignis an-egal wie man das findet. Ich wuerde mir ehrlich ueberlegen, ob man nicht in WM-Jahren eine ‘Sommerpause’ einlegt und erst danach mit Sportereignissen weitermacht, die mediales Interesse haben.

Liegt vielleicht auch daran, welche Sportarten man betrachtet? Beim Reitsport, das einzige, was ich so einigermaßen verfolge, ist mir keine Krise aufgefallen. Auch beim CHIO war es in diesem Jahr wieder sehr voll.

Das mediale Interesse an einer Sportart gibt keinerlei Auskunft darüber, ob eine Sportart in der Krise steckt oder nicht. Zum Thema Radsport hat Thorsten ja schon einiges gesagt. Immer mehr Menschen steigen in ihrer Freizeit aufs Rad, unabhängig davon, was sich gerade wer bei der Tour de France reingepfiffen hat. Da einige Menschen aber ihr Skyabo voll ausnutzen möchten, weil Fernsehen mitunter eine Menge Geld kostet, bleiben solche Trends unter Umständen verborgen.

Sicherlich aber spielt bei der Beachtung durch die Medien der Erfolg deutscher Sportler auf internationalem Pakett eine Rolle. Sobald jemand einen internationalen Titel holt, kommen auch die Sender und berichten. Bernhard Langer ist da ein Beispiel für den Golfsport oder Heiner Brand und seine Mannschaft für den Handball. Und dank Schmeling, Schulz, Maske und den Klitschkos wird auch Boxen immer wieder eine Sportart sein, die Menschen vor den Fernseher holt.

Was diskutiert ihr hier? Am Samstag beginnt die 3.Liga, kurz darauf die 2.Liga und dann schon bald die ERSTE LIGA. So gewöhnen uns der fürsorgliche DFB und die DFL wieder an den einzig wahren Sport, der jeder Aufregung wert ist. In A und CH kicken bereits auch die obersten Ligen schon.
Selbst die ersten Ergebnisse der Regionalliga Bayern sind doch interessanter als irgendwelche im Kreis fahrende oder im Viereck reitende Herr und Frau Unwichtig.

@Robin
Da hast Du sicher recht, was so Klassiker wie Bahnrad angeht. Aber schon bei BMX, MTB und Downhill sieht das anderes aus. Und die Tour ist sowieso seit Ihrer Entstehung ein Ereignis das nur in den Medien funktioniert. Ich hatte mal die Gelegenheit während des Urlaubs an der Strecke zu stehen….geht dann so, eine Minute rauscht ein bunter Klumpen Metal und Mensch an dir vorbei und dann ist aber auch schon vorbei…da gucke ich die Tour lieber im Fernsehen…oder F1 war mal in Hockenheim, alles was du da mitkriegst ist ein Ihrer Krach, da ist TV besser…das schöne am Fussball ist doch, dass man sowohl im Stadion als auch vor der Glozte das Spiel wirklich erleben kann…schade wird es bei anderen Mannschaftssportarten wie Handball oder Eishockey. Die sind mangels Erfolgen und medialer Präsenz schon ziemlich im Sturzflug…was schade ist, war mal in Hamburg beim Handball des HSV und da war eine Mörderstimmung in der Halle….

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