KJT: „Lügner“ – Sucht ist eine weitere Kraft in der Kommunikation

Bianka Lammert als Lenny und Bettina Zobel als Lennies Mutter - Foto: Hans Jürgen Landes für das KJT
Bianka Lammert als Lenny und Bettina Zobel als Lennies Mutter – Foto: Hans Jürgen Landes für das KJT

Laut Al-Anon, den Familiengruppen für Angehörige und Freunde von Alkoholikern, sind zur Zeit etwa 2,5 Millionen Menschen in Deutschland alkoholabhängig. Die Zahl ihrer Angehörigen wird auf 9-10 Millionen geschätzt. Lenny ist eine von ihnen.

Im Kinder- und Jugendtheater begegnet man dem Mädchen, deren Mutter alkoholkrank ist, ab dem 05. September auf der Suche nach Lösungen, die ihre Situation besser machen. Doch zunächst verliebt sich die Streberin aus gutem Hause in den kiffenden Rebell Jace. Das klingt nach wenig Gemeinsamkeiten, eine entscheidende stellt sich im Verlauf des Stücks jedoch heraus: Jace’s Vater ist Alkoholiker.

„Lügner“ wurde von Dennis Foon, der in Kanada zu den wichtigsten Autoren und Regisseuren für das Jugendtheater zählt, in Zusammenarbeit mit betroffenen Jugendlichen entwickelt. Lenny und Jace entsprechen zwei Rollenmustern, die bei Kindern alkoholsüchtiger Erwachsener häufig zu beobachten sind. In Auszügen verdichtet stellt „Lügner“ ihre sehr verschiedenen Arten dar, mit der Krankheit ihrer Elternteile umzugehen. Was auch dazu führt, dass sich aus dieser Überspitzung Komik entwickelt. „An dem Stück hat mich fasziniert, dass es nicht nur ein Beispiel ist, sondern die Mechanismen so deutlich werden“, sagt Regisseurin Johanna Weißert. Lenny und Jace sehen sich nicht nur Mutter oder Vater gegenüber, sondern immer auch der Suchtpersönlichkeit, dargestellt durch fast lebensgroße Handpuppen. Mehr Karikaturen der Eltern, als dass sie ihnen ähnlich sind: „Die Macht von Sucht bedeutet tatsächlich, dass es eine weitere Kraft in der Kommunikation gibt.“ Und verzerrte Sinneseindrücke, die sich in der Ausstattung des Stückes widerspiegeln. Weder stimmen die Proportionen der Puppen noch die des Hausrats: „Die Bühne wird zu einem Raum, der die verschobene Wahrnehmung der Leute sichtbar macht – eine aus dem Gleichgewicht gebrachte Häuslichkeit.“

Bereits am 03. September, 17.30 Uhr, bietet das Kinder- und Jugendtheater Dortmund zu dem Stück im Theatercafé einen Themenabend für Pädagogen und Multiplikatoren an. Um das Thema noch intensiver im Vorgespräch zu behandeln, wird Gastreferentin Kirsten Grabowski vom Dortmunder Jugendamt im Rahmen des Themenabends von ihrer Arbeit berichten. Im Anschluss kann die zweite Hauptprobe der Produktion mit Nachgespräch besucht werden. Interessenten können sich bei Christine Köck unter ckoeck@theaterdo.de anmelden.

Deutschsprachige Erstaufführung
ab 14 Jahre,
am 05. September, 19.00 Uhr,
KJT

Themenabend
am 03. September, 17.30 Uhr,
Theatercafé

Informationen für Betroffene im Netz zum Beispiel bei Al-Anon, Familiengruppen für Angehörige und Freunde von Alkoholikern oder NACOA Deutschland – Interessenvertretung für Kinder aus Suchtfamilien e.V.

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