Kein Hasch mehr aus Holland

Holland verbietet den Verkauf von Haschisch an Ausländer. Ein Land verändert sich.


Irgendwann einmal waren die Niederlande ein lässiges Land. Es war liberaler als Deutschland und vernünftiger. Ein Symbol dafür war die Drogenpolitik. Statt auch noch den letzten Kiffer zu jagen, erkannte man, dass es Sinn macht, eine weiche Droge wie Haschisch zum Verkauf freizugeben und so die Kiffer nicht dazu zu zwingen, sich in Kontakt zu illegalen Drogenhändlern bringen zu müssen. Damit ist es vorbei. Seitdem einer wie Geert Wilders in Holland eine große Nummer geworden ist – seine Partei kam bei den letzten Wahlen auf über 15 Prozent – ändert sich das Land. Und wird irrationaler. Ab dem Sommer 2012 dürfen Coffee Shops kein Dope mehr an Ausländer verkaufen.

Klar, die Junkies in Amsterdam waren kein schöner Anblick – aber was bitte hat das mit Coffee Shops in Venlo und Winterwijk zu tun? Die Probleme lagen doch nicht in Holland, sondern in den Nachbarländern mit ihrer repressiven Drogenpolitik. Holland hat sich verändert. Ist weniger liberal als früher. Und die veränderte Drogenpolitik ist dafür ein Zeichen. Es ist nicht das Einzige.

Irgendwann einmal war Holland ein lässiges Land. Das ist es jetzt nicht mehr.

Übersicht über Coffee-Shops in den Niederlanden…hier

8 Kommentare

Als Gelegenheitskiffer (ich bewege mich da irgendwo zwischen Bill Clinton und Bob Marley) bedauere ich das neue Reglement in Holland, denn es zwingt mich, mein Gras in Zukunft bei dubiosen Gestalten in irgendwelchen Bahnhofsstraßen des Ruhrgebiets zu kaufen, bei denen es eigentlich alles gibt, was irgendwie illegal ist und die sich auch alles reinpfeifen, was ich eigentlich nie unterstützen wollte. Aber sind die Niederländer deshalb uncooler frei nach dem Motto: früher war auch in Holland alles besser?

Ich halte es für sehr einseitig, ausschließlich den holländischen Rechtsaußen Geert Wilders als Ursache für die Kehrtwende der Niederländer zu benennen. Die wenigsten Deutschen, die wie ich ihr Gras bislang in Venlo, Winterswijk oder Enschede kaufen, je nachdem, wo sie in Holland gerade zu tun haben, trinken in den Shops nur einen Kaffee und fahren anschliessend wieder nach Hause, um sich erst dort ihr Tütchen zu bauen. Gerade die jungen Leute kiffen sich schon im Coffeeshop die Rübe dicht und ich kenne niemanden, der von Bochum oder Essen mit dem Rad nach Venlo oder einen anderen Ort hinter der Grenze fährt. Die meisten fahren vollgedröhnt mit dem Auto über die A40 oder A31 zurück nach Hause. Und darin sehe ich wirklich ein nachvollziehbares Problem, welches man mit der neuen Regelung versucht in den Griff zu bekommen. Auffällig ist doch, dass die Kritik am Drogentourismus nicht nur von der deutschen, französischen oder belgischen Regierung kommt, sondern gerade von den niederländischen Kommunen im Grenzgebiet. Das sind diejenigen Gemeinden, die sich täglich mit den pöbelnden und in die Vorgärten pissenden Deutschen auseinandersetzen müssen, die meinen hinter der Grenze würde der Rechtsstaat für sie aufhören; das sind die Städte, deren Polizei sich überdurchschnittlich viel mit Unfällen beschäftigen, die durch bekiffte deutsche Autofahrer verursacht werden.

Im Essener Stadtzentrum sieht man übrigens mehr kaputte Junkies rumlungern als in Amsterdam, eine der niederländischen Städte, deren Bürgermeister sich vehement gegen eine Verschärfung der Coffeeshopregelungen stark macht. A´dam verdinet aber auch sehr gut an den Drogentouristen und wer die Stadt besucht, fährt auch erstmal nicht gleich wieder bedröhnt nach Hause, wie das in Venlo oder Enschede der Fall ist.

Holland ist immer noch “lässig”, denn die Shops werden ja nicht dicht gemacht und stehen weiterhin für die Bevölkerung offen. Nur für die Leute, die nach dem Kiffen noch 80 bis 100 km mit dem Auto nach hause fahren, gibts bald nichts mehr. Und das finde ich ehrlich gesagt so schlimm gar nicht, gerade weil ich auf besagten Autobahnen sehr oft unterwegs bin.

>Irgendwann einmal war Holland ein lässiges Land. Das ist es jetzt nicht mehr.

Erstens heißt es de Nederlands und zweitens sind diese immer noch recht laid back was im Kontrast den Rest Europas angeht, und zwar wegen ihrer individuellen Freiheit, die gestattet ist, ja gefordert wird, gleichwohl welche konservative Regierung auch immer herrscht.

Der Freiheitsbegriff der Kaaskoppen ist inhärent verwoben mit der Kauffahrtei, Du kannst segeln nach Indien, Dein Glück machen mit Reden und Handeln, letzlich ist für die Erfolg einschlägig Dein Tun in der Wettbewerbsgemeinschaft, und ich glaube nicht, daß ein Buur in den Waterlands oder ein Rapper in Bijlmermeer das anders sieht.

Vor diesem Hintergrund ist die gestern durch die Newsnudel gegangene News zu betrachten:

Nicht nur, daß jedwede Stadt- und Provinzregierung dem verhandelten Dope:-nur-für-die-Heimat-Erlaß, der übrigens erst in Monden in Geltung gebracht werden würde, also eine Mios bringenden Touriecrowds von Schlitzis und Amis säße noch in A’dam drin

– nein, es ist auch die klassische Operationalisung der Verfolgung des weichen Drogenhandels:

In Amsterdam etwa leben viele nicht schlecht davon, und es sind oft Okös, die alternativ etwa in Freiburg-Vauban mit einem Energiesparhaus auf die Eier gingen.

Das sind Geschäftstüchtüchtige von aller Welt Ländern. Die haben ihren Plan B. Bevor die ihren Plan A schon ausgereimt haben -im Zweifel wird es die übliche Speakeasylösung werden.

Egal.

Das wird ein hippiesker DEMO-Sommer – NO GO COFFIE SHWO – wir werden uns also auf weiche Legalize-Demos in Dam freuen müssen.

Was ich Klasse finde – denn ich war ja auch mal jung.

Achja – Hippiedenkmal nicht vergessen, 300 m von unserem Büro:

http://maps.google.de/maps?f=q&source=s_q&hl=de&geocode=&q=nationaldenkmal+amsterdam&gl=de&g=Dam,+Amsterdam,+Niederlande&ie=UTF8&hq=nationaldenkmal&hnear=Amsterdam,+Nordholland,+Niederlande&z=16

Hope-and-Dope-to-go
(ein Capriccio)

Im Coffeeshop bei Tchibo
gibt’s prima Koffein
(bin davon ziemlich high).
Allerdings weiß ich meist nie: Wo
issen hier der Real-Kick dabei?

Drum Tchibo: Sei mein neuer Dealer
auch für den stärkren Stoff.
Denn ‘I support my local dealer’:
Das wär die Rettung vieler!
Wie, ‘Nein’!?
O.k., dann gibt es eben Zoff.

(Das cannabisserl dauern.)

Kommentar verfassen