Kampf ums Deputat

Hasta La Deputat

Hier geht es um eine Tradition. Eine alte Tradition. Es geht um so genannte Deputate. Wie ich erfahren habe, will der RWE-Vorstand unter Konzernchef Jürgen Großmann diese nicht länger jedem Mitarbeiter des Stromriesen gewähren. Streit ist programmiert.

Hinter einem Deputat verbirgt sich eine Sonderleistung der alten Montangiganten im Ruhrpott. Jeder, der auf dem Pütt arbeitete, bekam einen Teil der Erzeugnisse aus seinem Betrieb geschenkt. Wer in einer Zeche malochte, dem wurden ein paar Tonnen Kohle vor die Tür gekippt. Ich kann mich gut an die Zeit erinnern, wenn man durch die Siedlung gefahren ist, und vor fast jedem Haus lag ein Kohleberg. Die meisten haben die Kohle verscheuert. Ein paar in den Keller gescheppt. Naja, das war alles nicht ungewöhnlich: Wer im Grubenwald ackerte, der bekam Holz. Und wer schließlich in der Energiewirtschaft schaffte, der kriegte Strom – entweder umsonst oder zu einem günstigen Tarif. Ähnliche Regelungen gibt es heute noch bei der Bahn oder bei Fluglinien. Auch Brauereien und Schnapsbrenner geben ihren Leuten einen Freitrunk.

Allerdings änderte sich im Ruhrgebiet im Laufe der Zeit die Form des Deputates. Statt Kohle und Holz bekamen die Arbeiter häufig einmal im Jahr das so genannte Deputatgeld. Eine Art Geschenk aus dem Betrieb. Andere Unternehmen verzichteten ganz auf die Regeln.

Und auch beim RWE will man diesen Zopf nun abschneiden,

Hasta La Deputat

Hier geht es um eine Tradition. Eine alte Tradition. Es geht um so genannte Deputate. Wie ich erfahren habe, will der RWE-Vorstand unter Konzernchef Jürgen Großmann diese nicht länger jedem Mitarbeiter des Stromriesen gewähren. Streit ist programmiert.

Hinter einem Deputat verbirgt sich eine Sonderleistung der alten Montangiganten im Ruhrpott. Jeder, der auf dem Pütt arbeitete, bekam einen Teil der Erzeugnisse aus seinem Betrieb geschenkt. Wer in einer Zeche malochte, dem wurden ein paar Tonnen Kohle vor die Tür gekippt. Ich kann mich gut an die Zeit erinnern, wenn man durch die Siedlung gefahren ist, und vor fast jedem Haus lag ein Kohleberg. Die meisten haben die Kohle verscheuert. Ein paar in den Keller gescheppt. Naja, das war alles nicht ungewöhnlich: Wer im Grubenwald ackerte, der bekam Holz. Und wer schließlich in der Energiewirtschaft schaffte, der kriegte Strom – entweder umsonst oder zu einem günstigen Tarif. Ähnliche Regelungen gibt es heute noch bei der Bahn oder bei Fluglinien. Auch Brauereien und Schnapsbrenner geben ihren Leuten einen Freitrunk.

Allerdings änderte sich im Ruhrgebiet im Laufe der Zeit die Form des Deputates. Statt Kohle und Holz bekamen die Arbeiter häufig einmal im Jahr das so genannte Deputatgeld. Eine Art Geschenk aus dem Betrieb. Andere Unternehmen verzichteten ganz auf die Regeln.

Und auch beim RWE will man diesen Zopf nun abschneiden, wie ich erfuhr. Im Vorstand wird demnach diskutiert, neu eingestellten Arbeitern ab 1. Januar keine Deputatregelungen mehr in die Verträge zu schreiben. Zudem sollen die unterschiedlichen Vereinbarungen in den RWE-Töchtern vereinheitlicht werden. Nach Ansicht des Managements ein guter Gedanke, wären da nicht die Gewerkschaften.

Und die schreien auf, wenn es um die Deputate geht. Mir liegt ein Schreiben der Gewerkschaften Verdi und IGBCE vor, in dem diese ankündigen, „den Widerstand gegen die geplanten Einschnitte bei den Mitarbeitern“ zu unterstützen. Zur Not werde die Deputatregel, die bisher freiwillig war, in den Haustarifvertrag verankert.

Im RWE liegen nun Unterschriftenlisten aus, um gegen die Deputatkündigung zu protestieren.

13 Kommentare

Wat?

Deputatgeld abknappsen? Das geht gar nicht.

Als ich mal auf Friedrich-Heinrich in Lintfort (meine Stammnummer damals 10079) gejobbt habe, man sagt: angelegt habe, war das Deputatgeld auf dem Pütt heilig unter den Kumpels.

Das ist ne feste Rechengröße in der Familien-, in der Lebensplanung gewesen.

Und ne gewerkschaftliche Errungenschaft für den Malocherjob unter Tage.

Ich denke, Großmann kommt mit seinem Plan nicht durch.

Das Deputat ist viel zu tief verwurzelt.

@Thomas: Ja, das wird ein harter Schlag für alle RWE-Mitarbeiter die unter Tage arbeiten. Und sie werden ja alle einen hungernden E.on-Mitarbeiter kennen, der seit Jahren ohne Deputat leben muss.

@ Franz

Unterschiedlich. Meist kriegt ein Mitarbeiter so zwischen 200 und 2000 Brutto im Jahr. Nicht viel Geld, aber eine Tradition eben.

Beim Opa von meinem Kumpel waren es zweimal im Jahr zwei Tonnen Eierkohle.

@ Stefan
Es ging auch um Deputate, nicht um unter oder über Tage in der Kohle arbeiten.

@ Franz
Ja, ich finde, das relativiert sich ganz schön. Bei den Leuten, die ich kenne kommen am Ende irgendwas wie 300 bis 500 Netto bei rum. Das ist nicht viel. Aber natürlich besser haben als nicht haben. 🙂

@Franz:
>Um wieviel Geld geht es hier?

Ich hatte damals ungefähr 500 Deutschmark Deputat vor Steuern in nem halben Jahr krücken, und ich wurde nur zu einem der untersten Hauertarife entlohnt.

Die Kumpels, die etwas mehr Verantwortung trugen im Bergbauberuf, also etwa als Schichtführer der Lokführer, ich war nur im Transport beschäftigt, nie vor Kohle also, an dem damals die Wandlung von den ungelernten Krückern zu den Bergmechanikern hin begann, ein übrigens ziemlich anspruchsvoller Lehrberuf, wenn man richtig anpacken will, durchmachten, kriegten deutlich mehr auf die Tasche.

Das waren aber auch junge Familienväter mit Rockerflausen inner Birne, da mußte die Deputatasche auch fürs Feiern her; wenn dieser Lohnstreifen kam, der damals noch vom Reviersteiger im Kuvert verteilt wurde, war für die Jungs ein langes Wochenende Feiertach in Lintfort Ambach.

Und die jungen Mütter, die diese Kleinstadtrocker aus den niederrheinischen Dörfern geangelt hatten, hielten still – und hofften, das was übrig bleibt. Für die Kids. Schick Dein Kind länger auf bessere Schulen, und so.

Ohne Scheiß jetzt, das war so.

Deutscher Kohleabbau ist aber mittlerweile etwas, was man sich schenken kann.

Es gibt ja das Lehrbeispiel, daß man den Kumpels, sofern man denen die Subventionen direkt auszahlt, mehr auszahlt als indirekt.

Insoweit müßten die nicht mal mehr arbeiten.

Aber eine Zeche sollte es im Sprengel zum Gedenken schon geben – sagen wir der Pütt Friedrich-Heinrich.

Jetzt: Bergwerk West.

Friedrich-Heinrich best – fuck the rest.

War damals echt n Motorradtankspruch in Anlehnung an:

Harley’s best, fuck the rest.

Da hängen soviele Gedanken so vieler Generationen – und Traditionen – dran, das darf nicht aufhören.

Die Kohle stützen, nur eine Zeche als lebendiges Museum erhalten – das ist praktisch eine kulturpolitische Aufgabe hierorts.

Ich überlege gerade, was etwas Vergleichbares für die Mitarbeiter in der Solar- oder Windenergieproduktion sein könnte.Einmal Sonnenbank pro Tag für lau? Oder 1 Stunde garantierter Rückenwind für die, die mit dem Fahrrad zum Dienst kommen?

Es scheint ja inzwischen so zu sein, dass keine Vergünstigungen, Sonderzuwendungen usw. (z.B. Deputate) mehr ‘heilig’ sind, dass aber solche unangenehmen Dinge wie der sog. Soli neue ‘heilige’ Kühe sind. Eben umgekehrt: Was man zahlen muss, wird nicht mehr verändert … Das bleibt, bleibt und bleibt – wird zur Tradition …

Deputatkohle?

Ich kann mich mein besten willen nicht daran erinnern, das irgendjemand in Ungelsheim Deputatkohle bekommen hat. Beim Besten willen nicht. Mag sein, das in Ungelsheim niemand auf der Zeche war. Mag sein, das in Ungelsheim alle beim Röhrenwerk gearbeitet haben. Dann hätten aber die Arbeiter und Angestellten jede menge Deputatröhren bekommen müssen.

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