Junges Licht: Ein Film über Gewalt und Sprachlosigkeit

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Am 12. Mai kommt Junges Licht von Adolf Winkelmann in die Kinos. Trotz beeindruckender Bilder eines längst vergangenen Ruhrgebiets und der Arbeit in der Zeche ist er von Ruhrgebietsnostalgie und erzählt von der Gewalt und Sprachlosigkeit in den 60er Jahren.

Vieles war anders im Ruhrgebiet der sechziger Jahre: Die Menschen arbeiteten auf Zechen, in Stahlwerken und Kokereien, sie lebten nicht in Städten, sondern in Siedlungen und kamen kaum aus ihrem Viertel heraus und über der ganzen Region hing die dichten Schwaden aus den Werken, die noch keine Industriemuseen waren, sondern große Wolkenmaschinen. Adolf Winkelmann zeigt dies alles mit beeindruckenden Bildern, die weder kitschig sind noch dokumentarisch, sondern die Wirklichkeit zitieren und überhöhen, was immer wieder beeindruckend ist und durch die Musik von Tommy Finke noch intensiver erlebt  wird.

Vieles war anders im Ruhrgebiet der sechziger Jahre und Winkelmann zeigt dies in Junges Licht, der Verfilmung des gleichnamigen Romans von Ralf Rothmann,  nicht in erster Linie durch die Bilder der längst untergegangenen Industrien. Gewalt, Angst Sprachlosigkeit und Unsicherheit prägen die Menschen. Sie leiden, sind hilflos, haben Angst und können darüber nicht einmal reden. Hoffnung auf Veränderung kommt in diesem Film nur als Andeutung vor, sie ist die Ausnahme in einer brutalen Welt, die es so nicht mehr gibt: Die Mutter prügelt regelmäßig den Sohn Julian, den Hauptdarsteller der Geschichte und ist selbst depressiv, der Vater spürt, dass seine Zeit als Hauer unter Tage durch die Einführung der mechanische Hobel vorbei geht, der Hausbesitzer arbeitet als Fahrsteiger auf der Zeche, stellt den Jungs nach, eine Jugendbande will einen Hund bei lebendigem Leib verbrennen und alle im Viertel verachten die ehemalige Bar- Sängerin. Es ist eine brutale und kalte Welt, in der Julian aufwächst und die Winkelmann zeigt, die nur erträglich wird durch kleine Gesten seiner Protagonisten, die ahnen lassen, dass sie selbst nicht dieses Leben leben wollen, aber keine Idee davon haben, wie sie sich aus ihm befreien können und dem ab und an aufblitzendem Humor, der das Publikum lachen lässt, um genau dieses Lachen im nächsten Augenblick ersticken zu lassen.

Durch diese Welt werden die Protagonisten Winkelmann mehr getrieben als dass sie selbst ihren Weg gehen, steht der Sohn Julian kurz vor der Pubertät, werden Kinder bedroht und geschlagen, zerstört sich eine Ehe, um weitergeführt zu werden, wird beiläufig gestorben. Das alles dargestellt von einem Ensemble herausragender Darsteller und in einer Intensität, die oft kaum erträglich ist.

Geht mal in den Film, er lohnt sich.

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