Juicy Beats: Eindrücke eines zweitägigen Parkspaziergangs

michalak_impressionen01 (4)
Feiernde Festival Freunde beim Juicy Beats 2016 – Foto: Sabine Michalak

Das Geheimnis von Juicy Beats ist, dass dieses Festival nicht für ein Jahr in der Versenkung verschwindet. Es bleibt die inoffizielle Sommerparty der Dortmunder Clubszene mit all ihren Facetten und Stammgästen. Ergänzt um Bühnen, in die das Pop-Abo des Konzerthauses, das Funkhaus Europa und seit diesem Jahr das europäische Club-Netzwerk liveurope die Erfahrungen des Konzertjahres einfließen lassen, mischt sich bei Juicy Beats Bewährtes mit Vielversprechendem. Das ist die Erwartungshaltung des Publikums, in diesem Jahr wurde sie übererfüllt.

„Zum ersten Mal musste ich Entscheidungen treffen, die echt hart waren“, erzählt Mark. Wanda habe er sich lieber ersparen sollen: „Nach Genetikk auf der Hauptbühne war das wie eine Vollbremsung, die totale Entschleunigung. Wär’ ich doch besser gleich zum Reggae Floor gegangen.“ Zum Teil mögen solche Eindrücke aber auch an einer schlecht geplanten Mischung liegen. Die zauberhafte Elektro-Pop-Klangwelt von Parcels unten an der Buschmühle hatte nach der Wucht mit der Irie Révoltés auf der Hauptbühne HipHop auf Ska-Punk reimen auch etwas von in-rosarote-Zuckerwatte-beißen.

„Ist das hier die Tanzbar“, fragt eine junge Dame auf der Suche nach ihrem Date auf dem widerwillig angetretenen Weg weg von JoyCut auf der liveurope-Stage. Tanzbar ist in diesem Jahr bei Juicy Beats wohl wirklich alles. Besonders diese Live-Samples und Keyboard-Melodien auf kraftvoll treibenden Drum-Rhythmen. Der jungen Frau hat aber wohl jemand einen Tanzbären aufgebunden. Vielleicht kann AnnenMayKantereit trösten? Sie nicht. AnnenMayKantereits Melancholie in den Texten, zu denen der Indie-Rock nicht in Selbstmitleid zerfließt, hilft aber schon über das viel zu kurze JoyCut Vergnügen hinweg.

Bukahara beim Funkhaus Europa auf der anderen Seite des Parks sind musikalisch weltoffener und verjazzen Folk-Elemente aus allen Ecken der Welt. Fritz Kalkbrenner zurück an der Mainstage dann aber sitzend, während die rappelvolle Westwiese sich begeistert warm tanzt. Schließlich ist das Luftschlangen Feuerwerk zum Abschluss seines mit Hits gespickten Sets nur der Startschuss in eine lange Clubnacht.

Sollte der Festivalauftakt am Freitag mit der Marching Band Meute, die Techno-Klassiker richtig gut covert, eigentlich ein Hinweis auf die anstehenden Wandertage sein? Denn auch am ersten Tag fanden alle Bühnen ihr Publikum. Ein schöner Einstieg für die Dortmund.Macht.Lauter Stage bei Juicy Beats . AniYo Kore hätten sie aber mal lauter machen sollen, deren detailreiche Soundfrickeleien und gefühlvoller Soul-Gesang ging leider zeitweilig im vorbei schleichenden Tuk Tuk-Soundsystem unter.

Wie auch am Samstag Kalkbrenner waren aber die Headliner Deichkind die Publikumsmagneten und begeisterten einmal mehr bei Juicy Beats mit ihrer Mischung aus Herrenballett und Mittelstandsparodie.

Mit insgesamt 50.000 Zuschauern war das Juicy Beats im Westfalenpark auch 2016 ausverkauft – sicher nicht zum letzten Mal. Vielleicht wird die doppelte Zahl mal bei der Anmietung von Toiletten berücksichtigt? Denn wie man deren Auslastung richtig berechnet, ist immer noch das Geheimnis eines anderen Festivals.

 

Impressionen 29.07.2016 / Fotos Sabine Michalak

Impressionen 30.07.2016 / Fotos Sabine Michalak


Deichkind 29.07.2016
 / Fotos Sabine Michalak


Fritz Kalkbrenner 29.07.2016 / Fotos Sabine Michalak


Razz 30.07.2016 / Fotos Sabine Michalak


Blondage 30.07.2016 / Fotos Sabine Michalak


Who Killed Bruce Lee 30.07.2016 / Fotos Sabine Michalak


Impressionen und Livefotos 29.07. & 30.07. / Fotos Emelie Wendt

 

 

 

1 Kommentar

Kommentar verfassen