Jazz Festival Moers: „Helge Schneider ist kein Kampfschwein“

Reiner Michalke ist der künstlerische Leiter des Moers Festivals. Das ist die berühmtest-berüchtigste Werkstätte für improvisierte Musik in der Welt. Jedes Jahr zu Pfingsten, wie jeder weiss. Ich sprach mit Michalke kurz über das übliche. Von unserem Gastautor Thomas Meiser.

Ruhrbarone: Moers Festival 2012 – das wievielte  st das eigentlich?

Reiner Michalke. Es ist das siebte unter meiner Leitung und das 41. Moers Festival insgesamt.

Und wann haste zum letzten Mal mit Burkhard Hennen geredet? (Der Anarchist Hennen hat das Moers Festival erfunden.)

Das war in Köln im “Loft”. Ist aber bestimmt schon über ein Jahr her. Ich schätze Burkhard sehr für das, was er in Moers aufgebaut hat. Er ist als Programmmacher für mich immer noch so eine Art Vorbild.

Moers Festival. Immerhin ein ewiger Kampf um Asche.

Ja, blöd! Oder?

Wie läufts heuer? Zumal das klasssiche Ereignis um einen Tag kürzer getstaltet ist?

Genau genommen haben wir schon im vergangenen auf den “vierten Tag” verzichtet und stattdessen “Helge’s Heimatabend” angeboten. Der “Heimatabend” musste aber 2011 leider auf Grund einer Erkrankung von Helge kurzfristig abgesagt werden.

Und Helge am Montag? Dat Kampfschwein rettet viel oder wat?

Nun, als “Kampfschwein” würde ich Helge eher nicht bezeichnen. Eher als den größten deutschsprachigen Komiker nach Karl Valentin und Heinz Erhardt.

Mal was ernsthaftes: Hierzulande sind die Kommunen pleite. In der Nachbarstadt Duisburg etwa wurde gerade die sommerliche Traumzeit weggemacht, da hab ich Dich letztens auch im Publikum gesehen. Sofern Duisburg das Scheitern ist, was ist der Erfolg von Moers?

Dass die Traumzeit nicht stattfindet ist eine Unverschämtheit. Wie kann man ein so erfolgreiches und für die Region identitätsstiftendes Ereignis sang- und klanglos aufgeben? Dieses Verhalten der Stadtoberen hat uns alle sehr schockiert. Und ich kann nur hoffen, dass es Tim Isfort und all den Unterstützern gelingt, die Stadt wieder in die richtige Richtung zu bewegen. Moers steht die Bewährungsprobe ja erst noch bevor. Das Festival ist in der Stadt umstritten, seitdem es existiert. Und den Festivalskeptikern kommt die Finanzkrise jetzt als willkommenes Argument entgegen.

Könnte es sein, das das Moers-Konzept ewig ist?

Das sagt mit auch mein Gefühl. Hier in Moers passt jetzt seit über 40 Jahren soviel zusammen, und das Festival strotzt nur so von Gesundheit, dass man sich ein Ende eigentlich gar nicht vorstellen kann.

Und was ist dessen Geheimnis?

Ich habe den Rasen des Freizeitparks in Moers mal mit dem Rasen in Wimbledon verglichen. Es gibt dort so eine Magie, die man nicht mit sachlichen Argumenten erklären kann. Ein sachlicher Erklärungsversuch könnte allenfalls sein, dass die inhaltliche Position, die das Festival seit seiner Gründung einnimmt, einmalig in Europa und damit unverzichtbar ist.

2 Kommentare

NRW hat in Sachen Jazzfestivals einiges zu bieten. Ende April das Jazzfest Gronau, im Herbst die Leverkusener Jazztage und über Pfingsten das Moersfestival. Alle drei sind die Auswahl der Künstler betreffend bestens besetzt, international bekannt und brauchen keinen Vergleich mit anderen renomierten Festivals, wie beispielsweise dem legendären Montreaux Festival zu scheuen.

Für mich persönlich ist das Moersfestival das schönste Jazzfestival in NRW. Der Zeitpunkt (immer zu Pfingsten) ist einfach optimal gewählt. Man hat die Möglichkeit zu Campen und der Zeltplatz entwickelt sich jedesmal zur nicht offiziellen Bühne, auf der die Besucher ihr eigenes Musikfest veranstalten. Was das Festival darüber hinaus so besonders macht, ist der relativ weit gesteckte Jazz-begriff. So gibt es keine Berührungsängste zu gängigen Musikformen wie Hip Hop und anderen Auswüchsen der Popmusik.

Beunruhigend sind jedes Jahr die Gerüchte, dass diese etablierten Festivals aus finanziellen Gründen vor dem Aus stehen, trotz ihrer Strahlkraft über die Grenzen hinaus ins benachbarte Ausland. Die unzähligen Besucher, die jedes Jahr zu Pfingsten nach Moers pilgern, sind der beste Beweis dafür, dass diese Form der Veranstaltung bei den Menschen ankommt.

Wenn man sich dann anschaut, wie andere Musikformen, besonders die Klassik, mit Millionen im Ruhrgebiet gesponsert und subventioniert werden sollen (Musikhaus Bochum, Oper Duisburg etc.), weil jede Stadt meint, nicht nur ein eigenes Orchester unterhalten zu müssen, sondern auch ein eigenes Opernhaus benötigt, dann könnte man kotzen und zwar das ganze Jahrt über… außer zu Pfingsten 😉

Montreaux? Wat? Dat is’ uns doch wumpe, oder? Der üble Mainstream.

Da berichtet doch höchstens noch der badensische Christoph vom ND drüber. (:

http://www.neues-deutschland.de/artikel/224022.groenemeyer-und-noel-gallagher-zu-gast-in-montreux.html

Und das, was Du Klassik nennst, dat nenn’ ich Schule der Geläufigkeit. Musstet im Grund- sowie im Spitzenlastbereich auch geben.

Und sofern es dat umme Ecke gibt, umso besser.

Kumma hier: Martha Argerich auf dem Klavierfestival Ruhr. Und die Tickets kosten beinahe n Hunni.

Trotz Subventionen und einem warmen Wort von Beitz.

http://www.klavierfestival.de/index.php?id=247&tx_ttnews%5Btt_news%5D=137&cHash=d7a7cb5ab187ff164912306f9494caea

Kommentar verfassen